Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1908)
- Date
- 1908-02-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Setc 6 Rr. 7. Verhältnisse der jüdischen Gemeinden zu veranstalten. Diese Mitteilung wirkt insofern irreführend, als jene Rundfrage, die schon vor Monaten veranstaltet wurde, längst beendet ist, und als das gewonnene Material von der Regierung bereits dem Parlament überreicht wurde. Es handelt sich dabei aber nicht um eine unmittelbar bevorstehende Aenderung der Juden-Gesetzgebung, sondern nur um die vorläufige Beschaffung von Material, auf Grund dessen erst später an eine Regelung der gesamten Verhältnisse der privaten Kirchenverhältnisse in Bayern herangetreten werden soll. Die bayerische Staatsregierung ist glücklicherweise über die in den München- Nürnberger Kämpfen mit aller Schärfe hervorgetretenen religiös-dogmatischen Gegensätze zwischen Orthodoxie und Neologie so gründlich unterrichtet, daß eine etwaige gesetzliche Neuregelung mit Sicherheit diese Gegensätze berücksichtigen und der Orthodoxie als Vertreterin des vom Staate rezipierten Historischen 'Judentums nicht nur volle Gewissensfreiheit, sondern auch unbeschränkte und gesicherte Entfaltung gewährleisten würde. Die in München und Nürnberg getroffenen Abmachungen sind, wie wir ausdrücklich hervorheben möchten, keineswegs geeignet, eine etwaige gesetzliche Neuregelung der gesamten Verhältnisse oder die Aktionsfreiheit der Orthodoxie bei dieser Neuregelung zu hindern. Straßburg i. E., 10. Febr. Am Sonntag den % Februar hielt die hiesige Israel. Religionsgefellschaft ihre ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem vom Schriftführer verlesenen Jahresbericht ging hervor, daß die Einnahmen und Ausgaben mit ca. 12000 Mk. balancieren. Die Religionsschnle besuchten ca. 70 Schüler und Schülerinnen. Auch in diesem Jahre ist die Mitgliederzahl wieder gewachsen. Die reichhaltige Tagesordnung wurde gemäß ten Anträgen des Vorstandes erledigt und mehrere Anträge aus der Mitte der Versammlung dem Vorstand zur Berücksichtigung empfohlen. Zum Schlüsse ward das statutengemäß austretende Mitglied des Vorstandes wiedergewählt. Aus Bayern, 29. Januar. In Nr. 3 Ihres geschätzten Blattes fordern Sie bei Besprechung des Falles Behrend die Lehrer auf, »Mittel und Wege zu suchen, daß die traurigen Folgen, die uns der Fall des Lehrers von Sobernyeim offenbart, in Zukunft unmöglich werden." Ob dies überhaupt je gelingen wird? Wohl kanrr eine größere Anzahl solcher Fälle verhindert werden, ganz unmöglich machen kann man sie aber leider nicht! Der gegenwärttge Gang der Lehrerbildung schließt es aus, daß „die Mehrheit seiner (des Lehrerftandes) Angehörigen du hier aus Erden geschassen Haft, zeugt von deiner Weisheit. Aber Menschen wie diese, wozu find die da? Warum hast du sie da erst geschaffen?" David eilte weiter und kam zu Achis. Da sprachen die Diener des Achis: „Ist das nicht Da^d, der kommende König des Landes, derselbe, von dem man einst im Reigen sang: Saul hat seine Tausende geschlagen, David seine Zehntausende!" Als David das hörte, da fürchtete er sich sehr in seinem Herzen und hielt sich für verloren. Er blickte ratlos umher, und da fiel sein Auge auf den Mann, den er vor den Toren der Hauptstadt getroffen hatte, und der sich in der Menge befand, die vor dem .Palaste des Königs versammelt war. Da stieg ein rettender Gedanke aus in seinem Herzen. Er stellte sich wahnsinnig und gebärdete sich wie ein Rasender, kritzelte auf die Torflügel und ließ den Speichel in den Bart fließen. Und Achis rief seinen Dienern zu: „Ihr seht ja, daß der Mensch wahnsinnig ist. Weshalb bringt ihr ihn mir her? Fehlt es mir etwa an Wahnsinnigen, daß ihr den zu mir hcrbrachtet, damit er mir seine Verrücktheiten zeige? Der soll in meinen Palast kommen?" Und es verjagten die Diener des Königs den David und er war gerettet. Da sprach David: „O Herr der Welt, wie haben meine Lippen gesündigt, da ich vor dir sprach in meiner Uebereilung: „Wozu hast du die Wahnsinnigen geschassen?" Wahrlich, gäbe es solche nicht, ich wäre nicht mehr am Leben." Und David sang, als er in Sicherheit war, zum Ruhm Gottes ein Danklied, den 34. Psalm: „Preisen will ich den Herren zu jeglicher Zeit, sein Lob soll stets in meinem Munde sein." (Frei nach Jalkut, Sam. 21). vr. X. _ Der Israelit. __ die für die Ausübung religiöser Funktionen in Ehesachen erforderlichen Kenntnisse" besitze, so schreiben Sie in jenem Artikel ganz zutreffend. Was aber bis jetzt versäumt worden ist, das kann doch von jetzt ab Geschehen. Ja es muß geschehen, weil auf andere Weise dem Uebel nicht abaeholfen werden kann. Denn wie viele Lehrer geben jetzt schon pttiTp! Es gibt zahlreiche Gemeinden, die einem Rabbinatsbezirke gar nicht zuständig sind. Und selbst dort, wo Rabbiner wirken, nehmen gar häufig andere Personen Trauungen vor. Wer verhindert es z. B. in Frankfurt a. M., daß Unberechtigte jüdische Trauungen vornehmen, „Ehen einscanen". Erst im letzten Herbst empfahl sich von dort ein Herr, daß sich Israeliten, deren ehelicher Verbindung durch veraltete und nicht mehr zeitgemäße Religionsvorschriften Schwierigkeiten erwüchsen, vertrauensvoll an ihn wenden möchten! (So etwa lautete ein Inserat aus Frankfurt in einem bayerischen Provinzialblatte.) Nun wirken an den verschiedenen jüdischen Schullehrerseminarien Direktoren, bezw. Lehrer, welche die rabbinische Autorisation besitzen. Diese könnten doch ihre Schüler auch mit den iryn ptf Ti, zunächst mit den pBnip 'm vertraut machen. Und wenn die jungen Lehrer dadurch nur erfahren: irKtr bpoy r) nvr pwii'pi yaa yiv TOon iiiv inv oViyS pirpi - pvy, nur erfahren, wie zahlreich, schwierig und ins jüdische Familienleben tief einschneidend jene vv'l sind, auch dann ist schon sehr viel gewonnen: denn gar viele werden es dann ablehnen, dort als „Berufene" zu fungieren, wo ihnen die Verantwortlichkeit zu groß ist/ gar viele werden sich dann nötigenfalls auch Rat erholen, wo das eigene Wiffen sie im Stiche läßt. Was aber die Seminarbildung noch nicht zum Abschluß gebracht hat, vielleicht nicht zum Abschluß bringen kann, das kann in freiwilligen Konferenzen weiter „gelernt" werden, die, von gesetzestreuen Rabbinern geleitet, nur segensreich wirken. — In dieser Weise würde wohl am besten jenen Mißständen gesteuert werden. Basel, 10. Februar. Das hiesige „Hilf skomitee für jüdische Auswanderer" hat dieser Tage von der Repräsentanz der „Hilss gesellschaft für jüdische Einwanderer" in N e w y o r k nachstehendes Schreiben erhalten, das hiermit allen denen, die das Basler „Hilfskomitee" in seinem Wirken zum Wohle der vielen unglücklichen Emigranten unterstützen, zur Kenntnis gebracht wird. „Newyork, 28. Januar 1908. „In der Jahresversammlung der „Hebrew Immigrant Aid Society“, welche Sonntag, 26. Januar 1908 („Ich will jüdisch begrabe« werden. ) Man schreibt uns: „Der Freundlichkeit des Schriftstellers Moritz Frühling, der mit der Sammlung des Materials für ein Jvbiläumswerk: „Die Juden in der österreichisch-ungarischen Armee" betraut wurde, verdanke ich die nachfolgende Reminiszenz. „Am 15. Juli 1866 zeitig früh wälzte sich auf der Straße von Olmük gegen Tobitschau ein kleiner Heereszuz, dem in einem größeren Abstande eine größere Trupo^rnrasse. das 8. Armee-Korps folgte. Die isterreichische Armee trat ihren Rückmarsch von Olmütz an die Donau an, und das Infanterie-Regiment Toscana Nr. 71 marschierte an der Spitze der die Vorhut bildenden Brigade Rothkirch. Durch ein verhängnisvolles Mißverständnis oder Mißgeschick hielt die als rechte Flankendeckung bestimmte Brigade Wöber eine längere Rast bei Dubau, blieb gegen die inzwischen weiter marschierende Hauptkolonne zurück, und aus der Höhe von Dub wurde dieselbe von der preußischen Brigade M rlotki — die aus. einer Entfernung pon ca. 5000 Schritten österreichischerseits noch nicht erkannt, und unglücklicherweise für die die Flinke schützende Brigade Wöber gehalten wurde — angegriffen. Erst die heransausenden Projektile belehrten die Oesterreicher, daß man es mit dem Feinde zu tun habe. Es kam zum blutigen Gefechte, an dem das am meisten in Mitleidenschaft gezogene Regiment an Tobten und Verwundeten 781 Mann cinbüßte; ein schönes Denkmal auf der Stätte des blutigen Kampfes ehrt das Andenken der durch diesen Irrtum Gefallenen. Von den unzähligen Verwundeten wurden beiläufig 40 Mann nach Tobitschau gebracht, deren Leben nur noch Minuten zu dauern hatte, sie sollten hier kirchlichen Trost und die letzte Oelung erhalten. Unter den Jammernden und Aechzendeu fiel dem lß Februar Lbkü im Hörsaale der Educatwnal Alliance, Ecke Broadway und Jefferson Stteet in Newyork stattstmd, haben sämtliche Teilnehmer, ca. 1500 Personen, Ihrer edlen Organisation für die wertvollen Dienste, die sie im Lause der Jahre der Sache der unglücklichen Auswanderer erwiesen hat, einstimmigen Dank gezollt. Für Ihr freuirdschastliches Zusammenarbeiten mit der Vertretung unserer Gesellschaft, — ein Wirken, das so vielen Unglücklichen zum Tröste gereicht, — wird Ihnen Dank und Anerkennung ausgesprochen. Indem wir Ihrer hochherzigen Organisation von diesem Beschlüsse Kunde geben, werden wir dem üuf der Versammlung einmütig herrschenden Gefühle gerecht, und wir versichern Sie bei diesem Anlaß, daß . das Votum dieser großen Versammlung die Gefühle des jüdischen Volkes in Amerika zum Ausdruck bringt. Mir besten Grüßen von Seiten aller 'Beamten und Mitglieder der „Uebrexv Immigrant Aid Society“ bin ich Ihr ganz ergebener .sgez.) A. Franklin, Sekretär." Diese gewiß sehr beachtenswerte Anerkennung einer so ansehnlichen Versammlung, dürfte den Förderern des Basler „Hilfskomitees" umsomehr zur Genugtuung gereichen, als unter den Anwesenden ohne Zweifel eine große Anzahl auch solcher amerikanischen Juden sich befunden hat, die bei ihrer mühseligen Wanderung nach der neuen Heimat selbst der Unterstützung des Komitees teilhaftig geworden sind. Cgteßerretdj Krakau, 10. Febr. Der Hilfsverein für die Juden in Galizien, dessen Sitz Kolomea ist und über den wir wiederholt berichteten, entwickelt sich sehr gut und ist auf dem besten Wege, auf die Bahn der wirtschaftlichen Selbsthilfe zu leiten. In der letzten Vorstandssitzung wurden u. A. zwei Fragen durchberaten, die auch auf das Interesse der breiteren Oeffentlichkeit Anspruch erheben können; ist doch Galizien mit seiner großen wirtschaftlichen Inden not ein Schmerzenskind fast aller größeren jüdischen Hilfsorganisationen Europas geworden. Bikanntlich ernähren sich in Galizien viele Frauen und Mädchen durch Handstrickerei, manche auch durch Maschinenstrickerei. Bei der bisherigen Verwertungsmodalität der angefertigten Hand- oder Maschinenarbeit haben die arbeitenden Frauen und Mädchen von ihrer Arbeit den allergeringsten Nutzen gehabt. Der Hauptteil des Gewinns fiel gewöhnlich den Zwischenhändlern zu. Das kam daher, daß die armen Arbeiterinnen stets aus raschen Absatz angewiesen waren und sich immer gewungen sahen, die fertige Ware gegen noch so geringen Erlös loszuschlagen. In der letzten Sitzung hat nun das Ausschußmitglied Herr Fadenhecht, der übrigens gegen die Verbreitung der Maschmenstrickerei ist, einen Antrag eingebracht, der geeignet erscheint, den geschilderten Uebelständen gründlich abzuhelfen. Hiernach gründet der Verein eine Verwertungsgeistlichen Herrn ein blutjunger Schwerverwundeter aus, der nur leise wimmernd ein kleines Säckchen krampfhaft an die Brust drückte. Der Seelsorger befragte ihn um seinen Wunsch und der sterbende Soldat wimmerte: „ich will jüdisch begraben sein". Die jüdische Gemeinde wurde sofort verständigt und seine eingstroffenen Glaubensgenossen erkennend, hielt er ihneu sein Säckchen — Tephilin und Gebetbuch enthaltend — entgegen. „Ich heiße Groß. Vater in Neustadtl . . jüdisch begraben . . . Noch Einmal leuchteten seine Augen aus, und nach kurzer Zeit hauchte der kaum zwanzigjährige Soldat in einem jüdischen Hause seine Seele aus." (Rene Ansgrabungen.) Der „Daily Mail" wird aus Assuan gemeldet: In archäologischen Kreisen hat ein neuer Fund große Sensation hervorgerufen. Im Tal der thebanischen Königsgräber wurden Schmuckstücke der Gemahlin Setis II. zutage gefördert. Der aufgesündene Schmuck besteht aus goldenen Armspangen, Ohrringen Fingerringen von kostbarer und meisterhaft künstlerischer Ausführung. In Goldnetzen, die auf dem Kopse getragen worden sind, waren die Pretiosen im Schlamm versteckt und wahrscheinlich von früheren Grabräubern weggeworfen worden. Bei den Jngenieurorbeiten im Schellal stieß man ferner auf eilt prähistorisches Grab mit höchst primitiv einbalsamrerten und höchst ausfallend kleinen Menschen und nicht weit davon entfernt entdeckte man ein anderes Grab, in dem man die Körper von 40 römischen Soldaten mit abgeschnittenen Köpfen nebeneinander liegen fand. „ (göD