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Der Israelit · 1908-02-06 · Heft 6 (6.2.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 6 (6.2.1908)
Date
1908-02-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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mmm* wm H. Februar 1908. D er JAraeltt. Nr. 6. . Sette 11 und fie entvehrte ste nicht. Mögen die schwergeprüften Eltern, die nun schon zum zweiten Male ein so schwerer Schlag traf, sich aufrichten in dem Bewußtsein deS allgemeinen Men Mitempfindens, möge der allzett getreue Bater Trost und Bergeffen finden in der gewohnten aufopfernden Hingebung für die Kehtlla Adas Jefchurnn, in deren Führerschaft er sdcht> und 1« der ruhigen, einsichtigen Fürsorge sür die seinem Schutz anbefohleuen Armen. - 4. Febr. Bor einigen Tagen haben wir .einen wackeren nin’i ein Juden vom guten, alten Schlage, Herrn Ma^x. Rothschild, durch den Tod veroren.; Wer Max Rothschild kennen lernte, mußte seine lautere, reine Gestnnungsweise, das 7MLV2 riN'17 und die i nijtn nnvrv bewundern, womit er unter Nichtachtung aller Schwierigkeiten auch die scheinbar geringste reltgiv e Pflichtübung verklärte. Mrt solchem Rüstzeug ausgestattet, wußte er fich auch in den härtesten Erfahrungen des Levens, an weichen es ihm leider nicht mangelte, ein stets heiteres Gemüt zu bewahren. Willmars, 31. Jan. Am Dienstag, 31. Januar erlag Herr Kaufmann Levi Goldschmidt vpy.hier, von einer Geschäststour nach Meiningen zurücksehrend, unterwegs einem Herzschlag. Am ' anderen Morgen wurde er neben seinem Schlitten liegend aufgefunden. Die Beerdigung gestaltete fich zu einer außerordentlich großen Trauerkundgebung. Dem Leichenwagen folgten die Beamten, die Geistlichen, die Lehrer, die Gemetnbererwattung, die Gendarmerie, die RettungSanfiült, der Krieger erein, die Feuerwehr und die hiesige Gefämtgemeinde. Aas nah und fern waren zahlreiche Teilnehmer aller Bekenntnisse herbeigeeilt, um dem wackeren Manne die letzte Ehre zu erweisen. Herr Lehrer, Lev i 'Milderte die ausgez tchnetrn ChamktereMnfchaften und großen Verdienste des Verblichenen. Levi Goldschmidt war 20 Jahre Mitglied der Gemeindeverwaltung Willmars und ebenso lange Kassierer der israelitischen KMu? gemeinde. Köln, 2. Febr. Ein Mann, der mit allen Fasern seines Herzens unserer NVinpn nun angehangen und mir Aufgebot aller seiner Kräfte für sie eingetreten ist, Herr Samuel Kahn (früher in Witten), wurde nach kurzem, aber schwerem Leiden am vw 'fi p"5T aus diesem Leben abberufen. Wer den Dahingeschiedenen nicht näher kannte, der konnte aus den seltenen Ehren, die ihm bei der rrn1? erzeigt wurden, ersehen, in welchem Ruhm er gestanden hat. Auf Montag, 27. v. M., nachmittags 2 Uhr, war die Beerdigung angesetzt worden, und schon lange vorher war das Trauerhaus von Leidtragendendie die aus allen Gegenden Deutschlands herbeigekommen waren, überfüllt. Der jNN war i > die im Hause befindliche Privatsynagoge des Verstorbenen gebracht und vor den vnpn piK gestellt worden. Hier sprach zuerst Herr Rabbiner Dr. Wolf und alsdann zugleich im Namen -es Vereins für die jüdischen Interessen Westfalens, dessen Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Dahingeschtedene gewesen, Herr Rabbiner Dr. Marx aus Recklinghausen. Beide Redner hielten tief zu Herzen dringende v'nvvn. Sie schilderten die Gottesfurcht -es Verklärten und die Kämpfe, die der für seinen Glauben begei'ierte Mann in Witten zu bestehen gehabt, wo er der einzige Jehudi gewesen, d.r auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stand, und die edle. Gastfreundschaft, mit der er sem Haus jedem Fremden und namentlich jedem Armen in liebevoller Weise geöffnet. Die Redner rühmten ferner die treffliche Erziehung, die der Verklärte und die ihm gleichgesinnte, von echtem Judentum erfüll!e Gattin ihren Kindern haben zuteil werden lassen, die sämtlich in den Bahnen des Baters wandeln. Der Leichenzug war trotz des strömenden RegenS ein so großer, daß er selbst in Köln Aussehen erregte. Am Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenthal eine ergreifende Rede, in der er ein glänzendes Bild von d.em Charakter des Heimgegangenen, seinen seltenen Mischen Tugenden, seiner Begeisterung für unsere nprpn NZivu und seinem Wirken in der Familie wie nach außen hin entwarf. Ferner widmete der Direktor deS Lehrer. Seminars, Herr Rabbiner Dr. Carlebach,dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf, der seine Wirkung auf die Anwesenden nicht verfehlte. Außer diesen Rednern sprachen auch noch Private Worte des DankeS und ehrender Erinnerung für den unvergeßlichen Mann, dm wir verloren. n"D!ttn- $precb$aal. Geehrte Redaktion! Davos, 14. Januar. ES ist ein überaus bedauerlicher, schon oft sehr schmerz ich empfundener Mißstand, daß an einem Kurorte wie Davos, den fast nur Lungenkranke aufsuchen und aufzusuchen gezwungen sind, weil es der einzige Höhenkurort mir Wtt tersatson für Lungenkranke ist, kein rituelles Restaurant vorhanden ist. Mir z. B. wurde von allen Aerzten, die ich konsultierte, übereinstimmend Davos zum Wtnteraufenthalte angewiesen - weder Meran, noch die Riviera kamen für mich in Betracht, ebensowenig wie für tausend andere, die hierher geschickt werden. Ich wandte mich mit einer flTIt#. an einen ‘jfcOV'O blTi/ der mir ganz kategorisch erklärte, ich müsse den Aerzten folgen und in Davos nrjVTB essen. Welche Qualm ich nun dabei burchmachte und noch durchmache, kann ich nicht schildern, und so wie^rrürgeht eS auch vteett anderen, die an eine streng jüdische Ätwnsweise gewöhnt find nun als Kranke hier Sestern erzählte man mir von einer Frau, die i > Begleitung ihrer kra> ken Tochter hier , ist und fett 3 Monaten von Eiern und Sardinm lebt, weil der m natürlich nur ihrer Tochter als Patimttn NO'NV zu essen erlaubte, ihr selbst als Begleiterin aber nicht. Ich kvn te Ihnen noch viele ähnliche Fälle anführen, glaube aber, daß schon diese wmtgm genügen, das dringende Bedürfnis nach einem rituellen Restaurant in DavoS dazutun. Davos wird .jährlich von 20—22000 Gästen besucht, wovon */4 auf die Wtntermonate entfallendie meisten Kurgäste verleben hier dm ganzen Winter. Daß darunter, viele Glaubensgenossen sind, die auf ryntJO reflektieren, habe ich bereits ge ägt. Ein rituelles Restaurant mit P-nston würbe gewiß hier reüssierenes hat ja auch bis bor 3 Jahrm ein solches existiert. Ich hoffe, daß diese Zeilen ihre Wirkung bei der jüdischen Oeffentlichkeit nicht verfehlen und Mittel und Wege gesucht werden, dm geschilderten schweren Mißstand zu beseitigen. Hochachtungsvoll L. B. Geehrter Herr Redakteur? 1 In den letzten Jahren wird besonders in den größeren Gamisonorten dafür Sorge getragen, daß die Mannschaften jüdischen Glaubens mehr als bisher Gelegenheit erhaltm, den Sabbatb- und Festtags-Gottesdiewt besuchen zu können. J.y selbst habe als Soldat die Erfahrung gemacht, da>; vielfach die Leute höchst ungern und widerwillig dem dienstlichen Garnisonbefehl Folge leisten. Dies ist nämlich in d?n Geme ndm der Fall, deren Führer (Rabbiner und Vorsteher) ein weiteres Inter ffe an den BaterlandSverte digern haben als das des Shnagogenbesuches. Es .müßte meines Erachtens m allen Garnisonplätzen, wo Juden dimen, tönen Gelegenheit gegeben werden, billig, eventuell unentg ltlich Koscher kost zu erlangen und da, wo es der Dienst nicht zuläßt, wie beispiels-deise bei der Marine, jedenfalls an dm Tagen, wo die Leute zum Gottesdienst befohlen werden. Ich habe gefunden, daß diese Einrichtung die ich seit mehreren Jahren hier getroffen habe, sich gut bewährt und daß die Soldaten geme und willig zum Gottesdienst kommen, weil fie wissen, daß man es guc mit ihnen meinte LehrerKatz, Kiel. Geehrte Redaktion! Mit Verwunderung las ich in Nr. 5 Ihres geschätzten Blattes die Notiz über die geplante Verschwelung des Deutschnationalen Handlungsgehülsen-Verbandes mit dem Leipziger Handlungsgehülfen-Verband, die sich doch stets feindlich gegenüberstanden. Auch meine Meinung rst, daß wenn diese Fusion wirklich zustande kommt, die Tendenzen des Deutschnationalen Verbandes auf den neugebildeten Verband übergehen werden. Das Loos der zahlreichen jüdischen Mitglieder dxs Leipziger Verbandse wäre damit schnell entschieden, und es wäre dann sehr bedauerlich, für die jüdischen jungen Leute, die doch kein kleines Kontingent unter den Handelsangestellten des deutschen Reiches bilden, auf diese Weise» der vielen schönen Einrichtungm des Leipziger Verbandes verlustig zu gehen, die ihnen anderweitig nicht leicht ersetzt werden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der neue Bund die Hamburger Färbung erhält, was die Ausschließung der jüdischen Mitglieder zur Folge hätte. Deshalb, Ihr jüdischen Mitglieder, seid aus der Hut! Habt Ihr einmal die Gewißheit, daß deutschnatronal Trumps wird, so erklärt samt und sonders Euren Austritt und wartet nicht, vis man Euch aus dem Verband hinausweist! N. llminskalendcr. Verein Mekor-Chajim. Sonntag, den 9. Febmar 1908, abends 6 Uhr (Schützenstraße 2): Vorlesung des Herrn Julius Hirsch aus „Jesaias", Kap. 34, Vers 16 und 17, und Kap. 35. Jüdischer Frauenverein. Mittwoch, den 12. Febmar, abends 8*/* Uhr (Schützenstraße 12^. „Das Märchen und das Kind". Referentin: Fränl. Helme Posen. Gäste (Damen) willkommen. Der Enkel. euilleton Erzählung von Friedrich Rott. 85 (Fortsetzung.) „Am besten wäre es vielleicht, ihn in ein frommes, gutes Pensionat zu geben, denn er wird sehr bald unter der Aufsicht seiner Mutter stehen", sagte der Kranke gepreßt — in der ersten Zeit hat das nichts zu sagen — aber dann — dann — Mutter! Liebe Mutter! : — Ich beschwöre dich, achte auf mein Kind. Sieh auf ihn, unterhalte dich mit chm, du kannst das noch bester als mein Bater.- Und wenn du irgend etwas von ihm stehst' oder hörst oder irgend etwas über ihnerfährst, was eine Aenderung' als wünschenswert erscheinen läßt, so bestimme meinen Vater, ihn sofort in das Pensionat zu geben, das von zuverlässigen Heite als das Beste bezeichnet wird." V , „Rege dich nicht auf, Theodor, hier hast du meine Hand daraus, wenn wider Erwarten du nicht selbst dein teures Kind heranwachsen sehen solltest, so wird trotzdem . für dasselbe alles geschehen, was du selbst veranlaßt. haben würdest, nichts wird versäumt werdcB, das schwöre ich dir bei allem, was heilig ft." , „Dank dir, liebe Mutter, Dank dir", flüsterte der Kranke mit überströmenden'Augen." „Du kannst in dieser Beziehung vollständig unbesorgt sein. Aber nun wirst du ruhig sein, nicht wahr mein lieber Junge? Wirst dir nicht mehr solch' schwarze Gedanken machen." - Sie streichelte ihm liebkosend wie einem Kinde die schmalen blassen Wangen, während er ihre Hand an seine heißen Lippen drückte. Da ging die Türe auf, Malwine trat in das Zimmer, gefolgt von dem Talmudglehrten. „Ich muß euch doch meinen Besuch zuführen. Kommen Sie, Herr Grünfeld, mein Mann wird sich freuen, sich wieder einmalmit Ihnen zu unterhalten. Setzen Sie sich," und sie schob ihm eigenhändig einen Sessel dicht, zu dem Ruhebette. Grünfeld ließ sich nieder und drückte leise die Hand, die der Kranke ihm entgegenftreckte. „Wie geht es ihnen, Herr Gotthold? Sie müssen verzeihen, daß ich Sie belästige, aber die gnädige Frau hat darauf bestanden." 5'„Meine Frau weiß, was mir Freude macht/ erwiderte Theodor, indem er mit dankerfülltem Blick zu ihr emporschaute, aber seine Lippen bebten. „Finden sie nicht, Herr Grünfeld, daß mein Mann jetzt besser aus sieht als vor einigen Wochen, als er noch ausgegangen ist?" „Ja, in der Tat, die gnädige Frau hat recht, Sie sehen wirklich besser aus, Herr Gotthold, die Ruhe scheint Ihnen gut zu tun. Mit Gottes Hilfe wird es immer besser werden." „Das hoffe ich auch," sagte Malwine, „vielleicht könntest du schon in der nächsten Woche wieder anfangen, mit dem Herrn Grünfeld zu lernen, das mst du ja doch am liebsten," fügte sie lächelnd hinzu. „Ausgehen könntest du in dieser Jahreszeit wohl nicht, da müßte Herr Grünfeld so freundlich sein, zu dir zu kommen." „Das werde ich mit Vergnügen thun," versicherte der Gelehrte. Die Augen des Kranken füllten sich mit Tränen, er bemühte sich die Hand zu drücken, die seine Frau ihm gereicht hatte. Diese fuhr fort: „Wünschest du nicht auch Edwin von Herrn Grünfeld unterrichten zu lassen? Darüber könntest du doch jetzt mit Herrn Grünseld sprechen." Eine Blutwelle färbte plötzlich das bleiche Angesicht des Kranken, er schien sprechen zu wollen, doch kein Wort entrang sich seinen zitternden Lippen. Plötzlich brach er in ein lautes konvulsivisches Schluchzen aus. Malwine gettet nahezu in Verzweiflung. „Nm Gotteswillen, Theo!" rief sie, sich über ihn neigend und seine tränenüberfluteten Wangen streichelnd, „wenn ich geahnt hätte, daß es dich derart aufregen würde, hätte ich nicht davon a'ngefangen, aber ich glaubte, dir eine Freude zu machen." „Das hast du auch," flüsterte er unter Tränen lächelnd, „eine größere Freude hättest du mir nicht machen können. Dank dir! Dank dir! Jetzt kann ich ruhig sterben." Malwine schrie laut aus und drückte ihre Hand auf seinen Mund, Tränen enstürzten ihren Augen. „So darfst du nicht sprechen, du böser,

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