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Der Israelit · 1908-02-06 · Heft 6 (6.2.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 6 (6.2.1908)
Date
1908-02-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 1». Der JSraeltt. 6. FeVuarlSO« w D3iT HDD anzugeben; denn mtt dem bekannten -wßrn Unbekannten kann die Oeffentlichkeit nicht« anfangen. * Atveibrücken, 29. Jan. Die unter Leitung des kgl. Beztiksamtmannes heute nachmittag im StadthauSftale bahllr tagende Versammlung der Syrqgeaenvor stände des Rabbinatsbezirks Zweibrücken genehn igle den Antrag de« BeztrksraboinerS Dr. D eher auf Verlegung de« RabbinatsfitzeS nach Homburg (Pfalz). Dieser Beschluß wird der kgl. Regierung zur Genehmigung unter- Lnngen^elbold, 81. Jan. Hcrr und Frau Simon Glauverg au« Frankfurt a. M. stifteten zum Ardmken an ihre fel. Eltern Isaak «steril erg und Frau Karolme aeb. Blumenthal der hiesigen Gemeinde gelegentlich der Shnagogenerweiterung einen neuen Bor beterpult mrt zugehöriger Decke. ReqenSbnrg, 30. Jan. Die hiesige israelitische Gemeinde wird im März b. Js. mit drm Abbruch des von ihr angekausten alten AnNsgcrichlsgebSutes be^im en lag« und auf dessen Stelle eine neue Syragoge errichten. , M Kolomr a, 31. Jan. Unsere Stabt war gestern Zeuge eineungewöhnlichen Vorgangs. Unter Teilnahme der gesinnten jüdischen B«Völkern» g ww de die Asche von elf verbrannten Thorarollen zu Grabe getragen. In et«« der hiesigen Synagoge« war eine brennende Kerze mngestürzt, und der Seidenvorhang an dem Aron hakodcsch ' der Aron haiodesch selbst singen Feuer. Das Feuer "auch die in der Lade befindlichen Thorarollen, die dtg verbrannten. ' Lemberg, 2. FeVr. Nach den Mitteilungen deS statistischen LandeSrmteS Bd. 21, Heft 1 können wir die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den größeren Städten mitteile ': Neben Lemberg mtt Krakau, deren jüdische Zivilbevölkerung 43412 und 25430 beträgt, haben mehr als 10000 jüdische Einwohner: Kolomea ,16417 Przemhsl 13319 Stanislau 13826 Tarnow 12484 Tarnopol 13380 Broky 11854 8 Städte zählen 4 biS 1VVVV jüdische Einwohner: Drohobhcz Stryj Buczacz Rzeszow Die jüdischste Stadt in Galizien ist Brody, wo die Mische Bevölkerung 72 Prozent aller Einwohner auS- «acht. Eine absolute Mehrheit besitzen die Juden in: Buczaek 57,3 Proz. d« Gesamtbevölkerung Rawa 57.8 „ „ „ . Kalusz 55,1 „ ,, ,, Shrzanow 54,1 „ „ „ Sanok 52,7 ,, „ „ Zloczow 51,9 „ ,, „ srancelau 51.3 8678 Ehrzanow 5504 8554 Vodgvrze 5414 6730 Zloczow 5257 6144 Rawa 5098 &:■■■ Gorltce 51,2 „ 1 Kolomea 50.8 „ Mehr als Juden in V. der * / Zolkiew 49.2 48.3 48,3 44,8 42,7 ■ Rzeszow t; Nadworna Drovobhez Tarnow £; Sniatyn 42,6 Brzezany Sokal Stryj Horodenka Pizemhsl Zbaraz bilden die 40 6 39,3 37.8 36,6 35,2 34.8 fern« mehr als 25 Proz. der Gesamtbevölkerung in Grobe! 31,6 Dolina 29,1 Neu Länder 30.8 Lemberg 29/) Podgorze 30,6 Jaworow 28,4 JarvSlau 30,1 Trembowla 27,7 Kra au 29,6 TySmienica 25,9 Die am dünnsten mit Juden bevölkerten Säbte hatten noch immer einen recht hohen Prozentsatz jüdischer Einwohner, nämlich: Jaslo 23.3 Wieliczka 15,6 Wadowice 16.4 Biala 13,2 Warschau, 20. Jan. Nicht nur in Galizien herrscht der blutige Unfug, jüdische Mädchen gewalt am ins Kloster su entführen und sie dort zu taufen. In Russisch-Polen häufen sich jetzt ebenfalls die Fälle, in den n jüdische Mädche förmlich geraubt und m einem Kloster verborgen werden, auS dem dann jede Rettung ausgeschlossen erscheint. Jetzt herrscht in der Warschauer Judcngemeinde wieder große Erlegung überden jüngsten -Fall . In der MostowSgasie Nr. 8 wohn: der jüdische Kaufmann A. Wtd rsch .ll mit seiner 15jährigen Tochter Franja, die eine Mittelschule besucht halt. Am 18. Dezember «sing das junge Mädchen w»e gewö nltch tn die Schule, kehrte jedoch weder Mittags noch Abends ins Elternhaus zurück. Unter den Schulheften des Mädchens fand man einen Brief ein« gewisien NvwakowSkh, der bis vor kurzem im Haufe Widerschall bedtenstet war) aus de« Brief ging hervor, daß er sich nu. zu dem Zwecke in daS Haus des Ja en etngeschuchm hatte, um seine Tochter m ein Kloster zu entführen. AuS bieseur Briefe erfuhren nun die Eltern, daß Franja Wt oerschall in daS ««Wett von Warschau im Dürfe Wlljanow gelegene und unter Aufsicht der „Barmherzigen Sü Wester" Lubowica stehende „Pensionat für katholische Mädchen" gebracht worden, sei. Die Eltern fuhren nach Wlljanow unv verlangten eine Zysammenkun t mit ihrer Tochter, die ihnen jedoch verweigert wurde. Nun wandten sich die ihrer Tochter beraubten Eltern an einen Advokaten, dem eS gelang, von dem Beichtvater der Anstalt ein EmvfeüungSschreiven an die Oberin zu erhalten, in welchem diese aufgesordert wurde, den Eltern eine Zusammenkunft mit ihrer Tochter zu gestatten. Mit diesem Briefe ausgerüstet gingen die aramgebeugten Eltern wieder nach Wlljanow. Der Brief wurde ihnen abgenommen, aber der Eintritt ins „Pensionat" verweigert. Sie sollten vor der Klostertüre auf Antwort warten. Plötzlich öffnete sich ein Fenster und ein Zettel fiel vor den vor Angst und Hoffnung zitternden Eltern auf die Erde. Hastig griff Wtderschall nach dem Zettel. In polnischer Sprache standen darauf die wenigen Worte: „Ich will euch nicht mehr sehen! Franja". Widerschall schrie und tobte in seiner Verzweiflng und beteuerte, daß se ne Tochttr diese Botschaft nicht habe freiwillig schreiben können, da sie der polnischen Sprache gar nicht mächtig sei. Schon wollten die Eltern fchttch enb und unterrichteter Dinge von dannen ziehen, da öffnete sich abermals ein Fensterflügel und die Stimme Franja's ward hörbar. In reinem Jargon rief sie hinunter: „Ich habe es freiwillig getan, niemand hat mich dazu gezwungen!" Im nächsten Momente antwortete ein herzzerreißender Aufschrei der Mutttr, sie fi.l ohnmächtig zu Boden . . . Merkwürdig an der Ge-chichte ist, daß der seiner Tochter beraubte Wtderschall selbst bei den sogenannten liberalen Warschauer Blättern vergebens arklopste und um ihren P. blizistischen Schutz bat. Rur die „Nowa Gazeta" verurteilte den Vorfall tn heftigen Worten, und das jüdische polnische Blatt „JSraelita" hat fich der Familie Widerschall angenommen. Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß die Entf, hrung jüdischer Mädchen ins Kloster so sehr überhand genommen hat, daß sich in Warschau ein „Jüdischer Frauenverein zur Befreiung entführter Mädchen" gebildet hat, der nun auch die Affär Widerschall in Behandlung nahm. vereinteren. Frankfurt a. M.. 30. Januar. Der Verein „M e k o r C h a j i m" hielt am 19. Januar seine diesjährige Genenaldersammlung ab. Dem umfangr tchen Berichte, der vom Vorsitzenden, Herrn Markus Hirsch, erstattet wurde, ent ehmen wir folgende Daten: Dem Verein gehören nach dem Zuwachs im vergangenen Jahre von 41 Milgliedern nun« ehr 324 Herren an. Es wurden, wie üblich, auch in diesem Jahre wieder geeignete Rundschreiben an die aus der Schule entlaste en. jungen L»ute, sowie .n die in den hiesigen Geschälten tätigen Lehrlinge versandt, um ihnen den Eintritt in den Verein „Mekor Chajim" zu rmpfehlen. Diese Zirkulare hatten in vielen Fällen den gewünschten Erfolg. Die Tätigkeit des Vereins bewegte sich in den bewährten bisherigen Bahnen, die regelmäßigen Schiurim tn Gemoro, Mtschnah, Dtnim, Mikroh, Propheten rc. hatten i ch stets eines guten Besuches zu erfreuen. Neu tn das Dozentenkollegium traten in diesem Jahre die Herren Dr. Raphael Breuer (populärwissenschaftliche Borträge) und Dr. Joseph Breuer (Gemoroh) ein. An sonnigem Be nerkenswerem heben wir mdfj die Mitteilung hervor, baß eine teilweise Lokalverändrrung für die Schiurim, iie sich am Sabbath dem Borabend- und Morgengotte dienst anschließen, nö ig wurde. Diese Schiurim finden nunmehr im Hörsaale der Gemeinde-Synagoge, Friedberger Anlage, statt. Die Eintragung des Vereins in das Bereinsregister haben wir seinerzeit ber chtet. Bet den Borstandswahlen wurden die satzungsgemäß ausscheidenben Herren M. Hirsch, N. Hamburger und N. Eschwege und die beiden Delegierten I. Strauß und H. Goldschmidt wiedergewählt.' Fvanfuvt ft. M., 5. Februar. Der Jüdische Frauen- Vereinhat jetzt auch damit begonnen, den Teil seines Programmes, der neben der Vertiefung des Wissens zugleich die Selbsttätigkeit der jüdischen Frauen und Mädchen auf geistigem Gebiet fördern will, zu verwirklichen. Vor 14 Tagen referierte Frau Erna Bamberger über den 1. Band des Urqrrhartschen Werkes „Neuere Entdeckungen und die Bibel". Die Referentin zeigte unter Hinzuziehung der Barthschen Broschüre „Babel und israelitisches Religiipswesen", daß die Ausgrabungen, die in Babvlon und Egypten gemacht worden sind, sowie die Entdeckungen der Naturwissenschaften mit den Wahrheiten der heiligen Schrift nicht in Wioerspruch stehen. Am Mittwoch vergangener Woche sprach Frl. Gertrud Kauffmann über das Thema „Welche Gedanken erweckt in uns Björnsons Drama: Ueber unsere Kraft. 2. Teil. Der Verachtung der sozialen Pflichten, die in Heutiger Zeit sehr häufig Arbeitgeber und Arbeitnehmer beherrscht, und die in „Ueber unsere Kraft" schließlich zum Verbrechen und. zur Vernichtung führt, wurde die Hohheit der jüdischen sozialen Gesetze gegenübergestellt, dre m ihrer sittlichen Vollkommenheit noch heute unerreicht dastehen. Nürnberg» 3. Febr Auf Etnlnladung einer Nürnberg-Fürther Ortskomitees fand heute abend eine stark besuchte öffentliche Versammlung der „Frei en Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" statt. Me Gemeinden Mirnberg undFürty hatten natürlich das Hauptkontingent von Besuchern entsandt. Außerdem waren aus einigen benachbarten bayerischen Orten eine Reihe von Rabbinern und Lehrern anwesend. Der erste Referent, Herr Tistriktrabbiner Dr. P. Kohn, Ansbach, berichtete in eingehender und fesselnder Darstellung über den Bereinstag der „Freien Bereinigung" in Berlin, während Herr Jacob Rosenheim-Frankfurt a. M. die „Ziele und Aufgaben der Freien Bereinigung" kennzcrchnete. Die Ausführungen beider Redner wurden mit stürmischem Beifall begrüßt, und die zirkulierenden Einzeichnungslisten bedeckten sich alsbald mit zahlreichen Unterschriften. An der Diskussion beteiligten sich außer dem Vorsitzenden der Bayerischen Propaga^ dak^mmstsion, Herrn A. Grün bäum-Nürnbergs die Herren Dr. D e u t s ch - Fürth, Sigmund ,\ r n n l e t * München, Dr. Bamberger-Nürnberg u. a. m. Der Abend bedeutete für die Sache der „Freien Bereinigung" in Bayern einen schönen Erfolg. Posen, 2. Febr. Die Jüdische Lesehalle zr Posen veröffentlicht ihren 3. Jahresbericht. Wir entnehmen daraus, daß die Leihbibliothek auf < 70 Bände angewachsen ist Die Frequenz der Lesehalle betrug in 298 Tagen des Jahres im ganzen 3213davon nahmen den Lcihv rkehr t-. Anspruch 206t Peronen. Im Anfang des Berichtsjahres hatte die Repräsentantenversammlung der Kultus gemeinde ein Gesuch um Subventionierung der Lesehalle abgelehnt und an den Gemeindevorstand daS Ersuchen gerichtet, eine eigene Lcsehalle einzurichten. Daraufhin hat das Kuratorium der jüdischen Lesehaue dem Vorstand der Gemembe daS Anerbreten gemacht, die bestehende Lesehalle in Gemeindeverwaltung zu übernehmen. Der Borstand zeigte sich auch bereitwillig, auf bttfcß Amrbietcn cinzugehen. Trotz längerer Verhandlungen konnte man sich jedoch über die Bedingunacn ber Uebernahme nicht einigen. Das Kuratorium Ser Lesehalle wünschte die Au nähme eines Paffus in den Uebernahmevertrag, wonach Bücherschenkungen die Annahme nicht wegen politischer oder religiöser Tendenzen verweigert n er en dürfe. Der Vorstand der Synagogengenieinde jedoch wollte nur darauf eingrhen, daß „möglichst alle jüdischen Zeitungen ui d Z'itschriften und sonstige den Zwecken der Lesehalle entsprechend e Druckschriften angeschafft, äusgeliehen und ausgeliehen" würden, und daß .die zionistische Tendenz keinen Grund für Ausschließrng abgeben" solle. Das Kuratorium erklärte, diesen Vorschlag nicht annehmen zu können, well in den Worten „möglichst" und „dcn Zwecken der Lesehalle entsprechend' jeder Ausdeutung freies Spiel gelassen sei. Ouakenbrück, 3. Februar. Während man in dcn größeren Gemeinden seit Jahren mit gutem Erfolge bestrebt ist, durch Vorträge das Interesse der Juden am Judentum zu wecken (natürlich braucht, wo Thora gelernt wird, das Interesse nicht erst geweckt zu werden.) entbehren die zahllos aus dem platten Lande in kleinere «Gemeinden zerstreut wohnenden Juden vielfach jeder geistigen Anregung. Darum hat hier an der preu ßisch-o.denburgisch-holländischen Grenze durch Vermittelung des israelitischen Frauenvereins in Quakenbrück, Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer aus Oldenburg in uneigennütziger Weise begonnen, hie und da in Quackenbrück für die ganze Gegend jüdischliterarische Borträge zu halten. Der erste fand am Sonntag, den 2. Februar statt; eS waren die Mitglieder von etwa 12 Gemeinden vollzählig erschienen, um den beliebten Redner über das Thema: „Was versteht man unter dem Talmud?" zu vernehmen. Auch sehr viele gebildete Nichtjuden, Professoren, Gymnasiallehrer u.s.w. waren erschienen. Der Bortrag war geeignet, nicht nur die Juden zu belehren und zu erwärmen, sondern er §at auch dem Ansehen des Judentums bei den Andersgläubigen in hiesiger Gebend sehr genützt, indem er in feiner Weise die Angriffe auf das Judentum beleuchtete und Irre jüdische Religion in ihrer wahren Gestalt zeigte. Solche Borträge aus kleineren Plätzen müßten Nachahmung finden. *■ esg Personalien. Franks« t a. M., 5. Febr. Heu e beging Herr Faktor Friedrich Eckmeyer das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit in der Druckerei von R. Baumbach, in der der „Js aelit" hergesteut wird. Wir sprechm dem Jubilar auch an dieser Stelle unsere herzlichsten Glückwünsche aus und den Dank für die verstandmsvolle und von hohem geistigen Interesse zeugende Art, wie er uns in unserer Arbsit fördernd zur ©eite steht. Franks rt a. M., 3. Febr. Ein junges reines Leben ist mit Fräulein Sarah Rosenbaum, der Tochter deS allfellig verehrten Herrn Dr, Elieser Rosen bäum, aus seiner irdischen Wirksamkett abberufen worden. Ein echtes Kind der Stammmutter Sarah, einfach und bescheiden, stttsum und züchttg, dem Prunk adholb, in der unermüdlichen Tättgkeit für ihr Heim ihr Genügen und ihr Glück findend, von schlichter Frömmigkeit: so ist sie stets gewa. delt und so ist fie dahtngeaansw. Ihr Haus war ihre Wett, eine W»lt, die sie kann» «w in der ste sich fröhlich tummelte. Die Wett drMem M schimmernde, lockende irreführende Wett gay ihr ni^^

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