Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1908)
- Date
- 1908-02-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 6 Seire 8. Der Israelit. 6. Februar IMS. I Schechitah in vielen kleinen Städten. Der Verein ließ es sich angelegen sein, Unterricht in Porsche« einzurichten. Besonders hat er sein Augenmerk auf die Errichtung von Ritualbädern gerichtet. Seit seinem Bestehen konnten deren 10, die allen rituellen und hygienischen Anforderungen entsprechen, der Benutzung übergeben werden. Ferner bemühte sich der Verein um die Fortbildung der Lehrer - die zu diesem Zweck an zwei Plätzen eingerichteten Kurse erfreuen sich immer größerer Teilnahme aus den Lehrerkreisen. Vorträge, jüdisch-wissenschaftlicher und religiöser Axt, werden fortwährend an kleineren und größeren Plätzen der Rheinprovinz abgehalten. Die Zahl der sich anschließenden Gemeinden wächst erfreulicherweise von Jahr zu Jahr. Der Verein hatte auch einen Verlust zu beklagen. Die Eheleute van dcn Bergh in Rotterdam, Freunde und Gönner des Vereins, find kurz nacheinander verschieden, man wird ihnen ein segensreiches Andenken bewahren. Der Rendant, .lonnte einen zufriedenstellenden Bericht geben. - Die Einnahmen und Ausgaben balancierten mit Ma 14000 Mk. bei einem Vermögens bestand Hön ettva 5000 Mk. Der ausführliche Bericht Mr8i«-emBereinsorgan „Jüdischer Bolksfreund" «scheinen. Es wurde die Eintragung des Vereins in oas Bereinsregister beschlossen. Han25. JaN. Der Magistrat hat Än Gesuch des hiesigen Tierschutzvereines, die Schächtungen im Schlachthofe aus die dem Bedarf an koscherem Fleisch in Hanau entsprechende Zahl zu beschränken, ablehnend beschieden. Emden, 31. Jan. Der Zuschuß der S t a d t zu den Unterhaltungskosten der i s r a elitrschen Schulgemeinde ist von der Schuldeputation aus 6000 Mk. jährlich festgesetzt und unter Zustimmung des Schulvorstandes von den städtischen Kollegien bewilligt worden. P o s e n, 1. Febr. Der Verband der Sabbathfreunde hat jetzt auch in Posen eine Sammelstelle unter dem Namen „Peah", Jüdische Brockensammlung ins Leben gerufen, in welcher alles im Haufe und im Geschäftslokal überflüssig und wertlos-Erscheinen de, wie Kleidungsstücke, Wäsche, Eisenzeug, Möbel, Staniöl, Zeitungen, Papier, Verpackungsmaterial rc. zusammengetragen, verarbeitet und verwertet werden soll. Dadurch kann Muer Anzahl armen jüdischen Glaubensgenossen Arbeitsgelegenheit und Arbeitsverdienst statt Almosen gegeben werden. Ungarn. »ZRWtie Kaufleufe beim Hanbelsminifter. (Bon unserem Korrespondenten). Budapest, Febr. Beim Handelsminister Franz Kossutherschien dieser Tage eine Deputation gesetzestreuer - Mischer Kaufleute, um in Angelegenheit der - SWffung eines neuen Sonntagsruhegesetzes , ein j ■( Memorandum zu überreichen. Der Minister em- * pfing die zwanziggliederige Deputation in Anwesenheit des Staatssekretärs Joseph Szterenyi sehr freundlich und nach der üblichen Vorstellung richtete der Redakteur der A. I. Z., Leopold Großberg, eine Ansprache an den Minister, in der er ausführte, daß die strenggläubigen jüdischen Kaufleute, die allwöchentlich von Freitag Abend bis Samstag Abend ihre Geschäfte geschlossen halten und überdies an einer Reihe von jüdischen Feiertagen ihre Lokale nicht öffnen, schon durch das bisher in Geltung befindliche Sonntagsruhegesetz gegenüber den andersakÜubigen Kaufleuten stark im Nachteile sind. Da nun gegenwärtig an der definitiven Regelung Per Sonntagsruhe gearbeitet wird, ja sogar eine Perschärfung der gegenwärtigen Vorschriften bevorsteht, so stehen die strenggläubigen jüdischen ,tüU vor dem Dilemma, entweder materiell zu gehen, oder aber das strenge Gebot Mischen Religion, den Sabbath zu halten, en zu müssen. Da nun der größte Teil MjKodvxen Saufleute das Erstere wählen der Staat auch für die orthodoxen Kausteute der Tatsache gegenübergestellt, Tausende von Steuerzahlern zu verlieren. Die Deputation bittet daher im.Namen ihrer Mandanten, der Minister möge mit ihnen nicht etwa bloß eine Ausnahme machen, sondern im neu zu schaffenden Gesetze den vor einigen Jahren vorhanden gewesenen Zustand wieder Herstellen, daß speziell in der Provinz allen Kaufleuten ohne Unterschied der Konfession das Offenhalten der Geschäfte an Sonntagen bis 12 Uhr Mittags gestattet werde. Händelsminister Kossuth nahm das vom Sprecher der Deputation überreichte Memorandum in liebenswürdigster Weise entgegen und erwiderte Folgendes: „Werte Deputation! Geehrter Herr Redner! Sie werden es begreiflich finden, daß ich jetzt, nach der bloßen Anhörung Ihrer Bitte, Ihnen keine definitive Antwort erteilen kann. Ich mutz ja die Frage, um welche es sich bei Ihrem Verlangen handelt, vorerst zum Gegenstand des Studiums machen, auch muß die Angelegenheit mit der Berücksichtigung der Interessen der übrigen Bevölkerung des Landes gelöst werden. .Der Regelung der Sonntagsruhe-Varschristen wird wahrscheinlich eine Enquete vorangehen, und da werde ich einigen Mitgliedern aus Jbrer Mitte Gelegenheit geben, Ihre Wünsche daselbst ausführlich zu begründen, oder aber, falls keine Enquete stattfinden sollte, ° werden die interessierten. Kreise > ausgesordert werden,' ihre Ansichten schriftlich darzulegen, und so wird eine bezügliche Aufforderung auch an Sie ergehen. Mer Sie mögen vollauf versichert sein, daß ich Ihr Verlangen einerernsten Erwägung unterziehen werde. Und. seien Sie überzeugt, daß mich hiebei mein bestes Wohlwollen leiten wird." Nach Verabschiedung der Audienz verblieben die Abgeordneten Graf Theodor Batthanyi und Julius Hajdu sowie der Präsident der orthod. Chewrah-Kadischah, Dr. Jakob Schächter, die sich in Begleitung der Deputation befanden, noch im Aüdienzsaale und folgten dann auf Einladung des Ministers ihm in sein Arbeitszimmer. Bei Dr. Schächter erkundigte sich Se. Exzellenz eingehend über die obschwebende Frage und auch über andere Angelegenheiten der orthodoexn Judenschaft. Die erwähnten Abgeordneten bemühten sich ebenfalls, die volle Berechtigung des Verlangens der Sabbath beobachtenden jüdischen Kaufleute auseinanderzusetzen. Das intime Gespräch dauerte eine halbe Stunde. Möge diese Aktion von Erfolge begleitet sein. Die Urfadien 9er I7Ia{fenfaufen. Eperjes, 24. Januar. In der Rubrik „Meturgeman" der Nr. 3 des „Egyenlöseg" versucht der Redakteur dieses Blattes, Herr Max Sz ab olcsi, das gewichtige Argument, das die Erfahrung gegen die Neologie aufbringt — die unleugbare Tatsache nämlich, daß die Sprößlinge vieler hervorragender Reformhelden zur Taufe gehen oder gar von den Eltern zur Taufe geführt werden — ourch den Hinweis aus solche Renegaten, die von orthodoxen Eltern abstammen, zu entkräften. Das erste Exempel des Herrn Szabolcsi, mit dem er sich besonders eingehend befaßt, ist der gewesene Sektionschef im Ministerium des Aeußern, Baron Ludwig v. D6ezy, dessen Vater, nach der Behauptung des Herrn Sz., ein strengfrommer Deutsch-Kreutzer Jude gewesen fein soll. Schreiber dieser Zeilen, der ein Landsmann Döczys ist, erlaubt sich darüber ganz anderer Meinung zu sein, als Herr Sz., und ich hoffe mit Bestimmtheit, daß sich unter den vielen Bewohnern von Deutsch-Kreutz, welche die Eltern Döczys noch kannten, kein einziger finden wird, der meine Behauptung, daß Döczys Eltern nichts weniger als religiös waren, desavouiren möchte. Oder sollte etwa ein solches Haus als religiös elten dürfen, wo . die Mutter aus besonderen ärtlichkeit dem geliebten Söhnchen sein Lieblingsgericht, das aus einem in Butter gebratenen Hühnchen besteht, ohne Bedenken vorsetzt? In den Augen des Herrn Sz., der einen Selbstmord für einen schönen jüdischen Tod hältvielleicht wohl, keineswegs aber in den Augen solcher Juden, welche die Beobachtung der Religionsgesetze als das Kriterium eines religiösen Juden anfehen. Außerdem verweise ich auf ein Feuilleton, das Döczy vor einigen Jahren, ich glaube im „Budapest« Hirlap", veröffentlichte und in welchem er — der als Sohn wohl unbedingten Glauben beanspruchen darf — seine Mutter schildert, wie sie alle seine Verstöße gegen die Religion billigt, ja ihn dazu auftnuntert. Man kann sich nicht darüber wundern, daß solche Eltern einen Sohn erzogen, der den Glauben seiner Väter nicht nur abschwor, sondern ihn auch — und dies alles nur um Karriere zu machen — verspottete. Soviel über Herrn Döczy und jdie Religiosität seiner Eltern. Ob die Angaben des Herrn Szabolcsi bezüglich der Eltern der anderen von ihm genannten Renegaten richtig sind, kann ich "— da ich ihren Verhältnissen fremd gegenüberstehe — nicht beurteilen. Um aber Herrn Szabolcsi aus einer eventuellen Verlegenheit zu helfen, die ihm daraus entstehen könnte, daß von berufener Seite den Eltern der von ihm zitierten Renegaten der Nimbus der Frömmigkeit geraubt wird, wie es den Ettern Doczys durch mich geschehen, will ich ihm gerne zugeben, daß es in der Tat ein paar Fälle gibt, in denen Kinder sehr frommer' Eltern Apostaten geworden sind. Wenn mir nun Herr Sz. den statistischen Nachweis führt, daß — ich bin geneigt, die weitgehendsten Konzessionen zu machen—nur 5 Prozent der Täuflinge Ettern hatten, die bestrebt waren, ihre Kinder zu. gesetzestreuen Juden zu erziehen und sie demgemäß auch nur solchen Berufen widmeten, die die Beobachtung der Sabbat- und Speisegesetze u. s. w. ermöglichen, die, solange die Kinder ihrer Aufsicht unterstanden, sie auch zur religiösen Pflichterfüllung anhielten und anspornten, wenn Herr Sz. diesen Nachweis führt, so erkläre ich hiermit feierlichst, vor ihm die Waffen zu strecken und mich bedingunglos als besiegt zu erklären. So lange ihm dies aber nicht gelingt, halte ich fest an oer Ueberzeugung, daß es nur als eine durch besondere Verhältnisse veranlaßte Ausnahme zu betrachten ist, wenn sich Kinder wahrhaft frommer Eltern soweit yergessen können, daß sie die Fahne des göttlichen Glaubens verlassen, als eine ebenso merkwürdige Ausnahme aber auch, wenn in das Gesetz außer Acht lassend m Familien nicht früher oder später ein Sprosse mit den jüdischen Pflichten auch den Namen Jude, der ihm ja nur hinderlich sein kann, für überklärt. Samuel Reiner. flüssig erklärt. Warschau, 9. Jan. Wie die russisch-jüdischen Blätter melden, hat der neue Nnterrichtsminister Schwarz die den Juden vorr seinem Vorgänger erteilte Erlaubnis, Mittelschulen mit dem Oeffentlichkeitsrecht der Staatsschulen zu errichten, zurückgezogen. Krankveich. Paris, 23. Jan. Die Jewisch Colonization Association schreibt uns: Herr Dr. Sonnenfeld hat jüngst eine Jnspekttons- und Studienreise nach Canada gemacht. Semem Berichte über diese Reise entnehmen wir folgende Daten: Die jüdische Bevölkerung von Eanada wird auf 60000 Seelen geschätzt, von denen ungefähr 30000 in Montreal, 8—10000 in Toronto, 6—7000 in Winnipeg und die übrigen zerstreut in den Städten und auf dem Lande wohnen. Die Baron-Hirsch-Colonie, die im Jahre 1892 gegründet wurde, zählt heute 41 Familien, die über 11040 Acres Verfügern Ihr lebendiges Inventar besteht, aus 211 Pferdest und 213 Stück Hornvieh. Die Colonie Qu'AWMe, die im Jahre 1899^gegründet wurde, umfaßt 153 Farmen mit 24617 Acres. Es sind dort 274 Pferde urch 693 Stück fl^^^ anime AnsaynnlWW