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Der Israelit · 1908-02-06 · Heft 6 (6.2.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 6 (6.2.1908)
Date
1908-02-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Gerte 7. Nr. 6. 6 Februar 1908. Der JSraeltt. gen könne, es müsse dezentralisiert werden. In geharnischter Rede antwortete Herr Professor Kalischer, daß dieses Verfahren die Zerstörung der ganzen Gemeinde zur Folge haben würde und bittet um Ablehnung des Antrages, der nun wieder für einige Zeit zu Falle, gekommen ist. Berlin, 2. Febr. In einem Artikel der Februarnümmer von „Ost und West", dem Organ der Deutschen Konferenzgemeinschast der Alliance Jsraelite Universelle, finden wir folgenden Passus: „Jeder denkende Jude kann die deutschen Orthodoxen begreifen, daß fie für die Aufhebung des obligatorischen Unterrichts in der jüdischen Religion in der öffentlichen Schule sich einsetzrn." Diese Aeußerung von einer Seite, die sicherlich nicht der deutschen Orthodoxie zu Gefallen redet, wollen wir in gehöriger Weise ad not am nehmen. Was sagen dazu die Wortführer des „Verbands deutscher Juden" und des Lehrerverbands, die die Orthodoxie so heftig tadeln, weil sie anläßlich des preußischen Volksschulgesetzentwurfs aus Besorgnis vor künftigem Gewissenszwang nicht für dieHerbeiführung des obligatorischen Religionsunterrichts zu haben war? Der Verfasser in „Ost und West" erklärt ganz mit Recht, daß jeder denkende Jude das Verhalten der deutschen Orthodoxie billiam müsse. Entspringt nun der Tadel jener Wortführer einem Mangel an Verständnis oder einem Mangel an Judentum? seiner letzten Sitzung eine energische Propaganda für das Unternehmen zu betreiben beschlossen. Der Rationalsfonds avird sich an der Land Development Company beteiligen. Die Gesellschaft soll als englische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 50,000 Lrstl., zerlegt in 50,000 Anteile je 1 Lstrl. in England gerichtliw eingetragen werden. Der Betrag gezeichneter Aktien ist entweder an den Jewish Colonial Trust, London, P. G. Walbrook, oder an das Bankhaus A. H. Heymann u. Co., Berlin, Unter den Linden, oder an Herrn I. L. Goldberg, Wilna, abzusenden. Auch die Nationalfonds-Kommiffäre aller Länder nehmen Zeichnungsscheine und Zahlungen entgegen. Köln, 1. Febr. Die„Kölnische Bolkszeitung" veröffentlichte vor einigen Wochen ein kurzes Feuilleton aus der Feder ihres Konftantinopeler Korrespondenten mit der Ueberschrift. „Die verschlossene Pforte" in Fanar. Die „Verschlossene Pforte" ist ein altertümlicher Vorbau an der griechischen Patriarchalskirche in Fanar, mit zwei Torflügeln aits Holz und einem Dach darüber. An diesem Tore wurde am Ostersonntag des Jahres 1821 der griechische Patriarch Gregorius V. von den Türken öffentlich gehängt, weil er, wie der- «Korrespondent der Kölnischen Bolkszeitung berichtet, ganz unschuldigerweise in Verdacht stand, die Freiheitsbewegung in .Grieland zu unterstützen. Der Korrespondent der Bolkszeitung erzählt ausführlich diesen Vorgang und fährt fort: Berlin, 3. Jan. Der Moniteur der deutschen Neologie, die Allgem. Ztg. des Judentums, bringt erfreut seinen Lesern folgende Kunde: „Die Begründung einer. großen, ganz Deutschland umfassenden „Liberalen indischen Vereinigung" ist gesichert, und oer Zusammenschluß der, liberalen Vereine für jüdische Angelegenheiten in größeren Städten zu diesem Zweck bereits perfekt. Wie erinnerlich, ging die Anregung hierzu von einenl Aussatz aus, den Rabbiner Dr. Bogelstein in Stettin im vorigen Jahre in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlicht hat. Seither wurde unausgesetzt an dem Plan gearbeitet, der nun bald der Allgemeinheit unterbreitet werden und sicher in allen freisinnigen Kreis. »> lebhafte Teilnahm finden wird." Bravo! Berlin, 20. Jan. Die „Kommission zur Erforschung Palästinas" (Vorsitzender Professor Marburg) ersucht um Veröffentlichung eines Aufrufes, dem wir Folgendes entnehmen: „Mehr als in irgend einem anderen Lande beruht im Orient, beruht in Palästina die ökonomische Macht aus dem Besitze an Land. Eine jüdische Bevölkerung in Palästina ohne größeren Landbesitz ist wurzellos; sie wird in den palästinischen Städten wohl neue Ghetti gründen, aber niemals aus gedrückten, wirtschaftlichen Verhältnissen berauskommen, niemals den Keim zu wirtschaftlichen Wohlstände und zu machtvoller Enfaltung jüdischen Lebens pflanzen können. Das kann nur eine Bevölkerung, die wenigstens zu einem großen Teile auf eigener Scholle sitzt und aus diesem Boden, dem außerordentlich fruchtbaren Boden Palästinas ihre Nahrung zieht. Mit einem Worte: wir brauchen in Palästina mehr jüdische Bauern. Nur.der jüdische Bauer ist imstande mit der Hand am Pfluge Acker um Acker unser altes Vaterland wieder für uns zu gewinnen und dauernd für uns zu bewahren. Aus. diesen Erwägungen heraus ist die P a l e st i u e Land Development Comp anh gegründet worden. Sie stellt sich die Ausgabe, unbemittelten jüdischen Arbeitern, die in so erheblicher Zahl von Osteuropa nach Palästina kommen und es bisher nicht zu einer selbständigen bäuerlichen Existenz bringen konnten, die Erringung einer solchen Existenz zu erleichtern. Die Gesellschaft will nicht kolonisieren, noch will sie Wohltätigkeit Wen, sondern sie will nur Wege und Möglichkeiten beschaffen, auf denen die jüdischen Arbeiter aus eigener Kraft zu selbständigen Dauern aussteigen rönnen. Die Arbeiter sotten zuerst auf einer größeren Gutswirtschast der Gesellschaft Mehrere Jahre hindurch gegen Tageslohn arbeiten, sie sotten hier mit den besten landwirtfchrftlichen Arbeitsmethoden vertraut werden, dem palästinischen und Boden angepaßt, und es sott ihnen durch einen Gewinnanteil au den Erträgnissen des Gutes ermöglicht werden, Vieh und Saatgut für sich zu erwerben. AlSdann sollen sie von der Gesellschaft ein hin-- reichend großes und in Wirtschaftssähigen Zustand s Stück Land zuerst in Pacht und später gegen -rige Amortisationsrenten zu Eigentum erhaleine Methode der Kolonisation, welche die ierung sowie private Institute einer ~ - - . - ' Uh«!." „Drei Tage blieb der Leichnam offen hängen, am vierten knüpfte ihn der Henker ab, um ihn ins Meer zu werfen. Einige Juden erkauften jedoch die Erlaubnis,ihn mißhandeln zu dürfen — auch hier spielen die Ju den eine Nolle, gerade wie bei den armenischen Unruhen, wo sie sich als Verräter hervorgetan — sie schleiften ihn an den Füßen bis zum Meeres st rand, beschimpften den toten Körper in schrecklicher Weise, während der Henker den Strick hiel t." Das „Israel. Gemeindeblatt" erhält nun von einem Herrn aus Konstantinopel, der in unterichteten Kreisen eingehende Erkundigungen eingezogen hat, eine Zuschrift, die zeigt, daß jene ungeheuerlichen Beschuldigungen des Korrespondenetn der Volkszeitung nicht die geringste Unterlage haben. Der erwähnte Kirchenfürst war im Jahre 1821» von der Pforte wegen Teilnahme an einer Verschwörung der in Konstantinopel ansässigen griechischen Spezereihändler, die die Einäscherung der Stadt Konstantinopel bezweckten, zum Tode verurteilt und das Urteil durch den Strang vollzogen worden. Der Leichnam wurde sofort an die griechische Gemeinde ausgeliefert und wie der Verfasser des angezogenen Artikels dann richtig mitteilt, nach Odeffa.überführt, und daselbst unter großen Ehrenbezeugungen beigesetzt. Daß der Leichnam vier Tage hängen blieb, und daß Juden sich nachher noch einer solchen scheußlichen Handlungsweise, wie der geschilderten, schuldig gemacht hätten, ist weder geschichtlich erwiesen noch durch mündliche Ueberlieferungen in türkischen und jüdisch-spaniolischen Kreisen festgestellt. Will man nicht annehmen, daß der Korrespondent der Kölner Bolkszeitung sich das Märchen, das er da über Juden verbreitet, einfach aus den Fingern gesogen hat, so muH man folgern, daß ihm die ganze Geschichte und speziell die gruselige Erzählung über die bösen Juden in griechischen Kreisen mitgeteilt worden ist. Wie wenig aber die Erzählungen dieser Kreise über die Geschehnisse des Jahres 1821 Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben können, geht schon daraus hervor, daß nicht nur die Ursachen zu dem damaligen Vorgehen der türkischen Regierung andere waren, als wie sie der Korrespondent der Kölnischen Bolkszeitung mitteilt, sondern auch der Patriarch Gregorius V. nach einwandfreien geschichtlichen Quellen durchaus nicht der unschuldige Mann war, als der in dem Artikel „die verschlossene Pforte in Fanar" dargestellt wird. Was nun das Verhalten der KonftantinopelerJude» während der dortigen armenischen Wirren im~ Jahre 1896 betrifft, so schreibt darüber der Berichterstatter des Gemeindeblattes folgendes: „Eine Bande von armenischen Christen, die von in Paris wohnenden Jungtürken Unterstützung erhielt, wollte am 30. August, dem Tage oer Thronbesteigung des jetzt regierenden Sultans Abdul Hamid, Unruhen Hervorrufen zu dem Zwecke, eine gewaltsame Aenderung der jetzt bestehenden staatlichen Ordnung herbeizuführen. Es gelang einer Reihe von türkischen Staatsspionen hinter oie Absichten dieser Leute zu kommen und als die Bande ihre Pläne nun verraten sah, zog ein Teil derselben am Mittwoch, den 15. August, griechischen Styls (27. August), am Vorabende des griechischen Marienfestes in den Palast der türkischen Staatsbank, der Bank Imperiale Ottomanes, legte dort Dynamit nieder, um die Bank^ in dis Luft zu sprengen. Dieses Vorhaben wurde noch im letzten Augenblicke verhindert und die Leute nach verzweifelter Gegenwehr sestgenommen. Dieser Vorfall nrar das Signal für die türkischen Einwohner zu den grauenvollen Metzeleien, die unter den Angen der türkischen Behörden von Mittwoch Mittag bis zum kommenden Freitag ungehindert stattfinden konnten und auch dann sicherlich noch nicht ihr Ende gefunden haben würden, wenn es nicht den Bemühungen des diplomatischen Korps der auswärtigen Mächte gelungen wäre, die türkischen Staatsbehörden zur Aufgabe ihrer beklagenswerten passiven Haltung zu zwingen. Die Absichten der erwähnten armenischen Bande sind also wie schon gesagt, von türkischen Staatsspionen, und nicht von Inden an die Staatsregierung des Landes verrate. ' morden. Das steht, wie nochmals betont werden soll, unzweifelhaft fest und auch der Korrespondent der Kölnischen Bolkszeitung wird diese Tatsache nicht hinweglengneu können. Daß nun unter dem großen Heere der türkischen Staatsspione — für die Stadt Eonstantinopel sollen es allein 3000 geben — sich auch Inden befinden, soll gar nicht bestritten werden. Aber das nimmt doch weiter gar nicht Wunder; gibt es doch auch ebensogut armenische, ja sogar auch römisch-katholische! Christen, die sich so weit erniedrigen, für die türkischen Behörden das traurige Gewerbe der Schnüffelei auszuüben. Selbst wenn aber auch zu drr Zeit der armenischen Wirren des Jahres 1896 einige jüdische Spione an der Aufdeckung der revolutionären Umtriebe mitgewirkt hätten, so hätten sie das doch sicherlich nicht in ihrer. Eigenschaft als Juden getan, sondern als Bedienstete einer Regierung, die auch heute noch nicht ohne das traurige Spionagesystem anszukommen glaubt, hierdurch die öffentliche Moral in unglaublicher Weise korrumpiert und eine Heuchelei größgezogen hat, die aus den Fremden immer erneut abstoßend wirken muß. Nach einer andern Richtung hin aber haben sich die Juden Constanttnopels während drr Christenschlächtereien des Jahres 1896 doch akttv betätigt und es scheint sehr merkwürdig, daß der Korrespondent der kölnischen Bolkszeitung seinen Lesern hiervon nichts zu erzählen weiß. Als die Metzeleien begannen, da haben srch armenische Christen schutzsuchend auch zu den Juden geflüchtet und viele dieser Armenier, die sich heute noch der „süßen Gewohnheit des Daseins und des Wirkens erfreuen, hätten schon im Jahre 1896 ihr Erdenwallen beschließen müssen, wenn ihre jüdischen Mitbürger in den Konstantin opeler Vorstadt-. orten Balat, Has-Geny, Haidar-Pascha und Konscoundjoue sie damals nicht unter Einsetzung des eigenen Lebens vor ihren Verfolgern in ihren Häusern verbargen und sie so vor sicherem Tode gerettet hätten. Für diese schöne und recht jWische Handlungsweise der hiesigen jüdischen Bevölkerung gibt es nicht nur eine große Anzahl einwandfreier Zeugen, sondern auch eine Reihe von Dantesschreiben, die diese Armenier nachher an ihre jüdische Retter gerichtet haben, legen hiervon beredtes Zeugnis ab und stehen auch dem Korrespondenten der Kölnischen Bolkszeitung gern zur Kenntnisnahme zur Verfügung." Es ist wahrlich tief bedauerlich, so bemerkt der Schreiber des Obigen mit Recht, daß in einer so angesehenen Tageszeitung, wie es die KAnische Volkszeitung ist, und deren Leser gewöhnt sind, alles in ihr Gedruckte als die lauterste Wahrheit hinzunehmen, ohne jegliche Prüfung so schwere Anllagen gegen eine BevölkerungSklasse in der Levante erhoben werden, die ohnehin schon schwer genug gegen das allgemeine Vorurteil von Westeuropa zu kämpfen hat. Köln, 3. Februar. Gestern fand hier die Generalversammlung des „Vereins für die jüdisches Interessen Rheinlands" statt. Dieselbe wurde in Vertretung des abwesenden Vorsitzenden, des Herrn M. L. Mank, von dem stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Stadtverordneten I. B. Jona s-M.-Glaobach, geleitet. Dieser erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereins mr Vev« stoffenen Jahr. An mehreren Orten wurde Religionsunterricht neu eingerichtet und subventioniert. Es sind aus mehreren großen Städten die behördlichen Genehmigungen zn einer guten Schechltäh zu verzeichnen, sowie die R^Armg ver

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