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Der Israelit · 1908-02-06 · Heft 6 (6.2.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 6 (6.2.1908)
Date
1908-02-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6. Eetrr 5 MS. Februar 1906._. um die Umfikatisnsbestrebungerr der ungarischen Neologen als das zck brandmarken, was sie tatsächlich find: als Gewissenszwang. Möchten doch einmal die vom BeremheiÜichunKwahne betörten Führer der Neologie die Aeußerungen ihre- Heros beherzigen. Diese Aeußerungen finden fich in dem Werke Leopold Löws: „Zur neueren Geschichte der Juden in Ungarn", und lauten wie folgt: „Enthalten nun die Kongreßstatuten in der Tat WÄerfprüche gegen die Dogmen des orthüdoxen Judentums? — Es gehört jedenfalls viel Rabukkfterei dazu, diese Frage mit Ja zu beantworte«.*). Haben also die Orthodoxen wider ihr besseres Wissen und Gewissen ihre Stimme gegen die Beschlüsse beS Kongresses erhoben? KeineswegeS! Den ehrlichen und kundigen Orthodoxen sind diese Beschlüsse wirklich ein Greuel, weil sie ihrer Hand das Teuerste uud Keittastr e»t«i»tze» wokkeu: das Studium, de» Kiuftuß, die Ehre der Tßora! Involviert demnach die behördliche Durchführung der KongreßstyMtmeinen Gewissenszwang? Unstreitig. Die Dogmen des orthodoxen Judentums werden allerdings dadurch nicht verletzt,'**) wohl aber das, waS oen orthodoxen § üben Me Bedingung, die VsrmrSfttznNg, dis asiS aller Dogmatik ist und aller Religion: die talmudische Spezialistik! Nach dem Gesagten wird das Urteil der Geschichte über das Borgehen der Faktoren, die in den Gang der Angelegenheit eingegriffen haben, folgendermaßen lauten: DieOrthodoxiewar aufihremStan dunkte vollkommen berechtigt,die Durchührung der Kongreßstatuten zu perhorreszieren ... Das Repräsentantenhaus handelte korrekt und weise, indem es die Orthodoxie in Schutz nahm, da der gegen dieselbe auszuübende Zwang ein Gebiet betraf, auf welchem dem Staate durchaus kein Zwangsrecht zusteht.- Dagegen war es rein überflüssig, die dogmatischen Differenzen zu berühren. Die Rechtsfrage wird nicht alteriert, wennzwischen den str eiten-den Parteien, den Orthodoxen und Neolögen, nicht die geringste dogmatische Differenz obwaltet. In der Schweiz giebt es Kantone, wo neben der Staatskirche auch eine sogenannte freie Kirche besteht: beide stimmen in Dogma und Ritus überein***), und unterscheiden sich bloß in der Kirchendisziplin. Zur Motivierung der Parlaments beschlösse gkNÜgte die Verwahrung der Orthodoxie aeqen die neu e Organisation.. (S.318u319.) ... „Welche Folgen aber immer die gegenwärtigen Orgamsationsbestcebüngen innerhalb der ungarischen Judenschaft haben mögen, so viel ist gewiß, daß selbst die Urheber des Kongresses an die Organisierung einer Landesuemei nd e und an die Kreirung Zeines Landespräsidiums nicht mehr d e n k e n. Einer der hervorragendsten theologischen Redner des Kongresses berief sich daher mit Recht zu Gunsten des Präsidiums auf das Preußische Beispiel. In dem preußischen Judengefetze vom 23. Juli 1847 ist nämlich die Einsetzung einer Kommission angeordnet, welche, ohne den Charakter eines stehenden Verwaltungsorgans zu besitzen, über obwaltende Differenzen in den Synagogengemeinden ihr Gutachten zu erstatten hat. (§.53 —§ 57). Diese Kommission ist niemals ins Leben getreten,' sie kann daher füglich als Vorläuferin des ungarisch-jüdischen Landcspräsidiums gelten. Der Kongreßversuch wurde aber deshalb nicht ganz vergeblich gemacht. Das vorgesteckte Ziel _Der Mraelrr._ der Einigung erreichte er nicht und konnte er nicht erreichen,' dagegen ist eS ganz vorzüglich sein Verdienst, daß nunmehr die Gegensätze schärfer hervortreten, die Schattierungen beider Parteien sich ihrer Zwecke und Tendenzen lebhafter bewußt werden, und die homogenen Elemente sich enger aneinander schließen. Auch der Kampf, sagtder Talmud, gehört zur Erlösung: er ist ihr Anfang und Beginn!" (S. 321 und 322.) „Gehen nun die Bekenner einer Religion nur insofern auseinander, als die Einen in den überlieferten Formen selbst die Religion finden, und die Anderen den Formen blys oen Wert eines Behältniffes beilegen, so wird dadurch das Band, das fie umschlingt, nicht im Geringsten gelockert. Die Verschiedenheit der Anschauungen ist rein theoretischer Natur und kann zu keinen bedeutenden Kollisionen Beranlaffung geben. Wenn fich aber die Differenz nicht darauf beschränkt) wenn zahlreiche Einzelne, ob auch nicht aus gleichen, so doch aus gleichartigen Motiven, den Überlieferten Formen nicht nur die objektive, sondern in Rücksicht aus ihre Individualitäten auch die subjektive Bedeutsamkeit ab- Arechen; wenn ihnen dieselben als kein paffendes BohÄtntS ersthttnau^m KMßS-; sie ihre,, Denkart, ihr Gemüt, ihren Charakter $tfäitfeaen I könnten: so werden fie ficherlich nicht unterlassen, I fich zu einer neuen Gemeinschaft zu verbinden, » vorausgesetzt, daß sie kein polizeiliches Interdikt daran verhindert,' daß fie über die Mittel verfügen, die heutzutage zur Gründung und Erhaltung einer konfessionellen Körperschaft erforderlich sind,' und. das Bedürfnis, mit ihren religiösen Anschauungen und Gesinnungen nicht unerkannt allein zu stehen: ein Bedürfnis, das von wahrer, inniger, lebendiger Religiosität unzertrennlich ist. Wer diese psychologischen Gesetze verwirklicht sehen will, werfe einen Blick auf Amerika. Mit der fortschrittlichen Entwickelung der Kultur und der politischen Freiheit werden sich die Gesetze auch in Europa, und am leichtesten bei den Juden bewähren, wo ihre Anwendung durch den bestehenden ' Kongreaationalismus begünstigt wird. Nicht Eine orthodoxe und Eine Reformpartei werden sich gegenüber, sondern mehrere orthodoxe*) und mehrere Resormgruppen werden friedlich nebeneinander stehen, weil keine den Anspruch einer Gewalt über Nichtangehörige erheben wird. Wann dieser Zustand in Ungarn eintreten werde, kann Niemand vorherbeftimmen. So viel aber steht fest, daß man schon nach Verlauf einiger Jahre die Organisationsbestrebungen von 1867 —1870 mit den Petitionen und Organisationsentwürfen von 1792, 1807, 1826, 1831, 1844, 1850 und 1851 auf gleiche Linie setzen wird. Pie Bestimmung, daß in Hin er Stadt nur Sine jüdische Gemeinde bestehen dürfe, wird als eine teivttche Schwester des Kalseiseus erscheint«. Orthodoxe und Reformer werden es in gleichem Maße unbegreiflich finden, wie die Kongreßaffaire für ihre Väter die Ouelle so heftiger, erbitterter, unbrüderlicher Fehde werden konnte." (S. 330-332.) So schrieb Leopold Löw bereits im Jahre 1870 — und heute nach Verlauf von vier Jahrdezennien geht das Compagniegeschäft Mezei & Szabolcsi samt Krethl und Plethi wieder daran, womöglich einen einheitlichen Kongreß, oder, nach Leopold Löws Worten : aufs neue „die Ouelle so heftiger, erbitterter, unbrüderlicher Fehde" herauszübeschwören,um — ebenfalls nach Löws Worten —^ das Hals ei s en der einheitlichen Organisation und der einheitlichen Gemeinde zu schmieden und den Orthodoxen anzulegen! Ja, diese Edlen dürften hinpilgern zum Grabe des von ihnen sonst so hochverehrten Reformators in Szegedin, um etwas Liberalismus und auch eine ganz kleine Dosis — Ehrlichkeit zu lernen! *) Bekanntlich find die hervorragendsten rabbinischcn Autoritäten des In- und Au> landes, darunter auch Hirsch, ganz anderer Meinung. F. **) Siehe vorige Anmerkung. F. In Bezug auf die Orthodoxie und *) Mehrere orthodoxe Gemeinden und überflüssig, da es nur e i n orthodoxes Judentum giebt. RS51 CrlSniernngen «ad Gedanken. 0a iMKl« $<fcattkif<Ma Bon Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. » (Schluß.) 103. Die Opfer in 9er IDfiffe. Im siebzehnten Kapitel des Levitikus wird jede profane Schlachtung untersagt und geböten, daß alle Schlachttiere als Opfergabe im! Stiftszeit dargebracht werden sollen. Das Gesetz, beginnt mit den Worten: „Jedermann «V dem Hause Israel, der ein Mud, ein LaMm oder eine Ziege i m L a g e r schlachtet, oder der sie a u fee rhalb des Lagers schlachtet...." (3. B. 17.3) Warum wird, da doch überhaupt kein Unterschied gemacht wird, ob die Schlachtung im Lager oder außerhalb des Lagers stattfindet, Lervorgehoben, daß das Gebot sowohl für das Lager als auch für außerhalb gilt?.Der Zusatz, schnitt doch überflüssig zu sein. Ich vermute, daß damit angedeutet ist, daß das Verbot nur dann gilt, wenn das Lager Israels besteht und alle umfaßt. In diesem mußte, gleichviel ob im Lager oder auf desselben, jede profane ScUcchtungunttz» Anders aber, wenn Israel, wre W im Ostjordanlande (4. B. M. 21.25) der FM war, sich nicht im Lager befand. Damit wäre auch der schwierige Satz 5. B. M. 12.8 erklärt: „Ihr dürft dann nicht thun, wie wir es hier thun, jeder was recht ist in settren Augen." (Bergl. über diesen Satz Hoffmann, die wichttasten Instanzen S. 56 und Levitikus I, S. 470.) 104. Krieg und Sieg. Im D'Din Gebete danken wir Gott „für die Wunder, für die Rettung, für die Machtthaten, für die Siege und für die Kriege. "Es ist auffallend, daß das Wort „Kriege" an den Schluß gesetzt ist, obwohl man erwartet hätte, daß es am Anfänge stünde; denn Rettung und Sieg geht doch dem Kriege nicht voran, sondern folgt ihm. Vielleicht liegt darin der Gedanke, daß Rettung und Sieg schon errungen ist, wenn sich Männer finden, die im Vertrauen auf den göttlichen Beistand nur den Kampf wagen, wenn ein Mordechai ersteht, dem Feinde gegenüberzntreten, wenn ein Mattathia erglüht und Gottes Sache führt. Mögen schwere Kämpfe auch folgen, Rettung und Sieg ist schon vorher errungen. -st -st # 105. Eine Bneftflote. Ein mir befreundeter Student, der ein neues Zimmer bezog, schlug dort die Mesusa an. Der christliche Zimmervermieter stand dabei und sagte: „Ihr Vorgänger hatte sein Thermometer am Fenster hängen. " Die Mesusa wurde von ihm für ein Thermometer gehalten. Nicht so ganz mit Unrecht. Ist sie nicht ein Wärmemesser? 106- Gutes und Befferes. Ein bekanntes Wort lautet: „Das Bessere ist der Feind des Guten." Aber öfter noch ist das Gute der Feind des Besseren. 108 Der Mensck und das Weltall. Das geozentrische (b. h. das die Erde in »en Mittelpunkt stellende) Weltsystem des Ptoemäus ist vom heliozentrischen (d. h. dem die Zonne in den Mittelpunkt stellenden) Wettystem des Kopernikus abgelöst worden. Es ist lber für die Religio nso vollkommen gleschzultig, ob die Erde im geographischen Mittelmnkt der Welt sich befindet, wie es für die ü dis che Religion gleichgültig ist, ob das heii g e L a n d den geographischen Mittelpunkt der § r d e bildet. Es kommt nicht auf den geoWN-. chischen, sondern auf den geistigen MittekpuE m. Überdies ist der Ausdruck „MittelpÄD^

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