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Der Israelit · 1908-02-06 · Heft 6 (6.2.1908) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 6 (6.2.1908)
Date
1908-02-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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6 Februar 1908 Der Israelit. «fette 8. ftt. 6 Tat unablässig zu bekunden/ daß es nur ein Judentum gibt, eben das alte, orthodoxe, das zu betätigen er sich bemüht, und zu dem mit ganzer Seele und ganzem Herzen zurückzukehren, die einzige Aufgabe des ganzen jüdischen Volkes bleibt, ohne Unterschied der erträumten „Parteirichtung". tedes Schweigen und jedes Bemänteln an diesem unkte bedeutet Sünde nicht nur gegen die Wahrheit, sondern vor allem auch gegen die sog. „Liberalen" selbst, die wie Nachtwandler am offenen Abgrunde der völligen Affimilation einherstolzieren. Wer einen Funken von Wahrheitssinn und Gerechtigkeitsliebe in sich trägt, der wird diesen Standpunkt der gesetzestreuen Judenheit begreifen, sobald er ihn zu würdigen sich bemüht, und man wird dann aufhören müssen, von „Monopolisierung" zu sprechen, wo es sich einfach um Ehrlichkeit, Ueberzeugungsmut und um jüdisches ninny handelt. Im Vergleich zu diesem Hauptthema der Rosinschen Rede sind die anderen von ihm angeschlagenen Noten relativ weniger wichtig. Wenn sich der Oberrat seines Eintretens für das Schächten rühmt, als eines Beweises für feine Konnivenz gegenüber „orthodoxen Jntereffen", so bedauern wir dieses Lorbeerblatt seines Glanzes berauben zu müssen. Es ist der antisemitische Charakter der Schächtagitation, der den in puncto bürgerlicher Gleichberechtung besonders empfindlichen Oberrat zwang und jederzeit zwingen würde, für das Schächten einzutreten, auch wenn es nicht ohnedies der doch immerhin jüdischen Behörde verfluchte Pflicht und Schuldigkeit wäre. Auf die Angelegenheit Löwenstein brauchen wir nicht einzugehen, sie ist ja glücklicherweise gerichtskundig. Wenn aber Rofin dann den Versuch macht, wieder einmal die „Wahrung der bürgerlichen I n t e r e s s en" als Vorspann für eine preußische Gesamtorganisation zu benutzen (in Baden besteht diese Organisation als solche ja unangefochten), so weisen wir das namens der gesetzestreuen Juden Preußens mit Entschiedenheit zurück. Bei dem Kampfe gegen die staatliche Zwangsorganisation leiten uns die heiligsten Impulse des Gewissens und des religiösen Interesses, und man möchte Gabriel Rießers zorniges Wort seinen badischen Epigonen entgeaenschleudern, wenn auch heute wieder versucht wird, rein äußerliche Erwägungen, Rücksichten auf bürgerliche Ehren — sei es selbst die bürgerlichen Ehre der Religion selbst — da in die .Wagschale zu werfen, wo die Freiheit der Gewissen und die Unversehrtheit der religiösen Ideale auf dem Spiele stehen. Dieselbe Blindheit gegen die Macht und die Würde der Idee offenbart der Freiburger Staatsrechtslehrer in seinem Angriff aus die io nisten und ihre erfreuliche Stellung zur ebetbuchfrage. Gewiß, insofern die Zionisten soviel wie möglich einen und sammeln wollen, könnte man vom zionistischen Standnnkte einer Politik das Wort reden, die nach em Rezepte des Oberrats mit Hilfe der Staatsgewalt „eint und sammelt." Allein weil es den zionistischen Führern doch ernst ist mit der Einsicht in die zersetzende und auflösende Kraft des Reformjudentums, weil ihnen die Erinnerung an Zion und der Ausblick auf Zion — mag es auch ein anderes Zion sein wie das unfrige — Gewissenssache ist, darum kämpfen sie im Dienste einer Idee Schulter an Schulter mit unseren badischen Gesinnungsgenossen und werden sich durch die Rofischen Vorwürfe in dieser Politik wohl kaum beirren lassen. Die Krone der Rosinschen Ausführungen bildet aber entschieden die für einen Juristen doppelt beftemdliche Naivität, mit der er dm Orthodoxen rät, die Frage, „wie sich die Einführung des Gebetbuches ohne Härte denken lasse", der Zukunft zu überlassen. Wir möchten glaubm, daß es entschieden sicherer ist, lieber die Frage, wie sich die Neologen ohne ein amtliches Gebetbuch behelfen werden, der Zukunft zu überlassen und inzwischen mit aller denkbaren Energie dafür zu sorgen, daß die Oberratspolitiker des Nachdenkens über die beste Art und Weise der schmerzlosen Vernichtung der alten jüdischen Religon in Synagoge und Schule so gründlich wie möglich überhoben werden. Geistige Strömungen der Gegenwart in ihrer Beziehung zum Judentum. (Fortsetzung). III. Schopenhauer, Nietzsche. "iD«?Tnm rpDiDD min ivi oti tkd dt van yDffi -pm tsri// rcvn iDvrn' top d"*i b',m\ üb onjn^ "irurfc nnw» “p?i □■»ddr •piT inc^p bJH Din nxd pon tkd dt :i"v nnn Wenn wir es uns bei diesen Betrachtungen zur Aufgabe gesetzt einen kurzen Ueberblick über die idealistischen Philosophie-Systeme der Neuzeit — als Gegengewicht gegen einseitig naturwissenschaftlich-monistische Tendenzhypothesen — zu geben, so glauben wir hierbei R. Mtzir folgend „den inneren Gehalt genießen zu können, ohne indessen die äußere Schaale mit in den Kauf nehmen zu müssen", d. h. auch einzelne Gedankengruppen aus dem Lehrgebäude solcher Svsteme Herauszugreisen, die wir in ihrer Vollständigkeit keineswegs als richtig anerkennen. Wir glauben auf diesem Wege auch am ehesten den Nachweis führen zu können, wie in der Tat der denkende Jude keine Scheu haben muß, die im Titel genannten Modephilosophen unseres Jahrhunderts kennen zu lerrrm, wie vielmehr ihn freudiger Stolz erfüllen wird, sobald er nur einmal erkannt hat, daß die Größe der Philosophie nicht im Lösen, sondern im Stellen der Probleme beruht, die Hoheit unserer min sich aber darin bekundet, daß sie den forschenden Geist, vorauseilend seinem Forschen jene Befriedigung, seinen Problemen jene Lösung zuteil werden läßt, die er außerhalb der min vergeblich gesucht. Bon dieser Betrachtungsweise geleitet, wagen wir die Zusammenstellung der beidm in der Ueberschrtst genannten Dmker, die philosophiegeschichtlich mittelbar zusammmhingen. Bevor wir mit dm Einzelbetrachtungen beginnen, möchten wir vorausschicken, daß wir^ es nicht in den Rahmen dieserBetrachtungen gehörig'erachten die Angriffe einesPhilojophenauf dieJudenhett oder auf das Judentum irgendwie zu widerlegen. Abgesehen davon, daß diese Angriffe nur einen Kommentar zu dem Wort unserer Weisen s. A.:' onvoiV? übi on'vizH mts feter ist, wonach das wahre Wesen des Judentums sich nur denen, die es prakttsch betätigen, nicht aber bloßen Theoretikern erschließt — abgesehen davon, meinen wir, fehlt in der Tat z. B. Schopenhauer auch die Theorie, trotz seiner rüden Schimpfereien auf Juden und Judentum, fehlt ihm irgend welche tiefere Kenntnis desselben, wie dieses auch kein Geringerer als Kuno Fischer in aller Deutlichkeit ausgesprochen hat. *) Wir wollen vielmehr untersuchen, in wieweit Schopenhauer unbewußt in seiner Philosophie jüdische Gedanken zum Ausdruck gebracht hat. Ein auf den ersten Blick — wir gestehen es — etwas paradox klingender Ausdruck. Schopenhauer, der wissenschaftliche Bannerträger des Pessimismus, und das durch seinen Optimismus seinen Bekennern Unsterblichkeit verleihende tudentum scheinen diametrale Gegensätze zu sein. »kizzieren wir zunächst in Kürze — ohne erkenntnißtheoretische Erörterung — Die Grundzüge des *) i"' nma. *) Geschichte der neuen Philosophie Band IX. S. 827 „Schopenhauer ist kein Kenner der jüdischen Religion und deS alten Testamen. es," eS folgt dann der eingehende Beweis dafür. Vergleiche auch über diefm Prmkt die im übrigen nicht sehr wertvolle Abhandlung Schopenhauer und das Judendum" in der populär wiffenschastlichen Bottraassammlung von I. Gossel. (Kauffmann, Fran'futt a. M. 1902.) das die Pferde in sausendem Salopp hinweg setzen wollten. Die Pferde kamen auch glücklich hinüber, die Kutsche aber nicht. Die beiden Hinterräder waren gebrochen und Rabbi Kalman hatte alte Mühe unversehrt aus dem Kutschenwrack zu kommen. Da stand er nun im strömenden Regen auf fteiem Feld, wenige Stunden vor Schabbos! Der Kutscher meinte, wenn der Rabbi reiten wolle, so würden sie die gebrochene Kutsche hier ruhig stehen lassen und auf den zwei Pferden zusammen nach Offenbach .reiten; sie hätten )a schon mehr als dce Halste des Weges hinter sich. Rabbi Kalman, der in feinem Leben noch auf keinem Pferde gesessen hatte, und dem eS eine der größten Schwierigkeiten in Megillas Esther war, daß ern Mann wie Mordchai so ohne weiteres dem königlichen Befehl Folge leisten und durch die Stadt Schuslyan reiten konnte, vermochte diesem Rchi keinen Geschmack abzugewinnen. „Wir gehen zu Fuß ins nächste Dorf, bas ja nur einige hundett Schritt vor uns liegt und dort werden wir überlegen, was Wetter zu tun ist. Bielteicftt können wir dort ein gewöhnliches Bauernfuhrwerk oder auch nur einen Leiterwagen haben und so doch noch vor Schabbos Offenbach erreichen." „Das ist jedenfalls das Gescheiteste," bemerkte darauf der Kutscher. „Mer das kann ich dem Rabbi sagen, einen Wagen gibts im ganzen Dorf vor heute Abend nicht; nicht einmal einen Schiebkarren. Die Mute ist in vollem Gang und da haben die Bauern alle- Fuhrwerk draußen und kommen erst zum Feierabend Heu»." Seufzend ging der Rabbi voran, während , der ' mit dem Mautelsack des Rabbi, den er auf mtt hohen weißen Strümpfen und Schuhen mit silbernen Schnallen. Der Kutscher konnte eS nicht mtt ansehen, wie der alle würdige Mann in einigen Mumien vom Regen durchnäßt fein mußte und warf ihm ohne zu fragen, seinen Kutschermantel über, den er fiir die Rückfahrt während der Nacht zur Borsorge aus .dem.Kutscherbock liegen hatte. Der Mantel war aber noch keine Sekunde auf den Schütter» des Rabbi gelegen, als dieser ihn erschreckt von sich warf. Kopfschüttelnd nahm der Kutscher den Mantel ans dem Srraßenschlamm und legte ihn auf das zweite Pferd. Erst als er einige Tage spater das sonderbare Benehmen des „Rabbi einem Juden erzählte, erhielt er von diesem die Aufklärung, daß das jüdische Gesetz seinen Bekennern nicht nur Vorschriften über Speise und Trank, sondern auch über ihre Kleidung macht. Daß ihnen em Kleidungsstück aus Leinen und Wolle zusammengesetzt untersagt sei, und daß ber Rabbi deshalb keinen wollenen Mantel benütze, der vielleicht mit Leinen gefüttert sei. Da er damals sich das Berhalten seines würdigen Fahrgastes nicht erklären konnte, ging er kopfschüttelnd hinter ihm her direkt ins Dorf hinein Biel Aufsehen erregten die beiden Frenrden mit ihren Rossen in dem Dörfchen nicht, denn dasselbe war wie ausgestorben. Wenn vielleicht das eine oder andere alte Mütterchen zurückgeblieben war, so wagte es sich bei diesem Unwetter auch nicht auf die Straße. Sie steuerten geraden Wegs auf das Wirtshaus am Marttplatz los, der Witt war zu Hause und seine Frau, sowie eilt Meschores (Hausknecht). Wer in der WirtSsmbe war kein einziger Gast. Der Mtt und der Lutscher kannten sich schon viele Jahre. «Da brina' ich Luch den Rabbiner von Darmnisse wieder ganz nüchtern gemacht hatten, das Borgefallene und schloß seine Darstellung mtt der Frage: „Wie kommen wir vor Schabbos nach Offenbach?" Salme stand wie sprachlos da. Daß er die sichre haben sollte, den Rabomer von Darmstadt in seinem Haufe beherbergen zu dürfen, das rechnete er sich für ein so großes Glück, daß er sich sofort vornahm, das Oreigms in die dicke Testllo hrneinzuschreiden, in der die Jahrzeitstage der Ettern und Großetter», der große Brand vor 10 Jahren und andere wichtige Ereignisse zum ewigen Gedächtnis fiir Kinder und Kindeskmder verzeichnet waren. Er wußte keine Mittel und Wege, den Rabbi noch auf Schabbos nach Ofsenbach zu bringen und er war glücklich über diese Unwissenheit. Denn nun wird der Darmstädter Landrav sein Schabbos gast sein. „Buele! Merle!" rref er, in die Küche stürzend, um Frau und Tochter von dem Glück zu berichten, was ihrem Hause widerfahren war. Die Frau, die gerade im Begriffe war, die eben fettig gekochten Schabbos-Fische ins Zimmer zu tragen, hätte vor Freude fast die Platte fallen lassen, wenn sie ihr Salme nicht rechtzeitig abgenommen hätte. Er trug die Fische hinein, setzte sie seinem illustren Gast vor, die kluge Hausfrau hatte inzwischen ihre Fassung wieder gewonnen und meinte: „Wie kannst du auch dem Land rav jetzt etwazu essen oder trinken geben wollen! Trockene Kleider gib ihm und führe ihn auf sein Zimmer, damtt er kort seine nassen Kleider auSziehen und ich sie vor SchabboS noch trockne» kan». Und Ihr, Kuttcher, stellt Eure Pferde bei uns ei« und heute Abend «ach Feiercwend, wenn der Wagner HÄÜebHch vom FruMschneide» nach Haufe kommt, acht Ihr «©et mit ^w, jbflfc er «w*

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