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Der Israelit · 1908-01-30 · Heft 5 (30.1.1908) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 5 (30.1.1908)
Date
1908-01-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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-: ■'; "■ ’ v"',' 1L -*- - .- •; 1 ' ■ Seite 12. Nr. 5. _. häuslichen Andacht am meisten vorkommenden Gebetsprüche, so sind daD di^ natürlichsten und Nächstliegenden Uebersetzuiwsstoffe. Den Umweg über Erzählungen und Fabeln hebräischer Dichter zu gehen, liegt für unS umsoweniger Veranlaffung vor, als die Erzählungen im 1. B- M. (und die Benediktionen) uns genügend Gelegenheit zur Auswahl leichter Siche als Uebungsstücke für den Anfang des Uebersetzungsunterrichts bieten, wir damit in sprachlicher Hinsicht zugleich einen Wortschatz gewinnen, der das Gebet- und Pentateuchübersetzen einleitet und späterhin wirksam fördert, während der in Erzählungen, hebräischer Dichtungen gebotene Wortschatz im Gebetbuch und Pentateuch kaum wieder vorkommt. Unser Uebersetzungsuntericht umfaßt deshalb auf der Unterstufe vnrzugsweise die Abschnitte des Pentateuch aus der Patriarchen- und Josefsgeschichte, weil deren Inhalt dem Kinde am nächsten liegtdaneben aus dem Gebetbuche nur die zu memorierenden kürzeren Benediktionen, Teile des yüV, des Tisch- und Nachtgebetes. Auf der Mittel- und Oberstufe, die in den meisten Religions- und Elementarschulen (wie auch in unserer Seminarschule) vereinigt sind, lassen wir in jedem Jahrespensum Pentateuchstücke erzählenden und belehrenden Inhalts wechseln und dieser (aus Mittel- und Oberklaffe gebildeten) Oberabteilung weisen wir den eigentlichen Unterricht im Gebetübersetzen zu. Denn wie schon ausgeführt, hat die gemütvolle Erfassung der meisten Gebetstücke und Psalmen die Kenntnis des geschichtlichen und religionsgesetzlichen Inhalts der Bibel zur Voraussetzung. Der Pentateuch ist uns aber erst in zweiter Linie Uebersetzungsbuch, in erster Linie Religionsbuch. Darum ist auch in methodischer Beziehung die sachliche Behandlung seines Inhaltes die Hauptaufgabe des Unterrichts. Ja, diese sachliche Besprechung des Bibelwo'rtes ist unser Religionsunterricht überhaupt, und es bedarf eines gesonderten systematischen Religionsunterrichtes nicht, sobald die Stoffe beim Pentateuch- Lbersetzen nach Gesichtspunkten des systematischen Religionsunterrichtes ausgewählt und gruppiert werden. Zur Erläuterung dieses Grundsatzes möge der nachfolgende Stoffverteilungsplan für den Pentateuch-Unterricht dienen, der dem Unterricht in unserer Uebungschule zugrunde liegt. (Gemeinsam mit Kollegen Anfänger entworfen.) Da die Oberabteilung vier Jahrgänge umfaßt, so haben wir vier Stoffgruppen aufgestellt, die je in einem Jahre zur Behandlung kommen. Es wird nicht immer möglich sein, alle Kapitel einer Gruppe auch im Urte;t zu lesen. Der Zweck des Religionsunterrichtes wird aber auch erreicht, wenn nur ein Teil übersetzt, der andere in der Uebersetzung gelesen wird, wie denn überhaupt allf gemein auf Bibellesen ein Teil der Religions- ' stunden verwendet werden sollte. Ein Jahrespensum umfaßt die Feiertage: Die entsprechende Konzentrationsgruppe enthält: Schöpfungsbericht 1. B. M. als Grundlage für das Sabbatgebot. Aus dem II. 39. M. die Kapitel: 12, 13, 16 (Manna, Sabbathgesetze),- 19—20 (Gesetzgebung, Wochenfest),' 23: (Abschnitt über die 3 Wanderfeste)/30 (Schekelgabe),- 31 (Sabbathgebet),- M (Das goldene Kalb: Sünde, Buße, Versöhnungstag),- 35 (Fortsetzung zu 32). Aus dem III. B. M. die Kapitel: 16 (Versöhnungstag),- 23 (sämtliche Feiertage). Aus dem IV. B. M. die Kapitel: 6 (Priestersegen)- 7 (Einweihung des Zeltes)- 9 (Pesach Scheni) - 28 u. 29 (Opfer für die verschiedenen Tage, entsprechender Gottesdienst bei uns). Aus dem V. B. M: die Kapitel 14 u. 15. In ähnlicher Weise läßt sich ein 2. Jahrespensum zusammenstellen aus den Wochenab- - schnitten Mischpatim, K'dauschim, Ki seze, Ki sowau. Diese Gruppe umfaßt Rechtsgesetze, die ethischen Pflichten gegenüber dem Nächsten, SpeisegMe. __Der Israelit. Ein drittes Jahrespensum behandelt die sozialen Gesetze der Bibel: B'har, b'chukosai (Maaser, Ehawh, Pidjan habön), Stellung der Priester und Levitendie Armengesetze in R'sh und Schauftim. Vierte Gruppe: Einrichtung der Stiftshütte, Opftrdienst (Gebet) T'filin, Zizith, Mesusa- Waj'chi- Haasinoh- Saus habrocho. Bei Gruppe 2—4 läßt sich noch leicht eine Auswahl aus den erzählenden Stoffen des Pentateuch anschließen. Dabei kommen in Betracht: die Volksgeschichte im II. B. Mdie Kapitel über die Kundschafter, Korah, Balak u. a. Man wird zugeben, daß mit einer solchen Stoffgruppierung auch die Systematik gebührend zu ihrem Rechte kommt und daß sich sogar, wenn man es absolut für nötig hält, das nötige Prüfungswissen aus dem Jahrespensum zusammenstellen läßt. Das Wesentliche unserer Methode ist das, daß sie allen Uebersetzungsdrill ausschließt, daß sie vvn der Anschauung ausgeht, aus dem religiösen Lebens- und Erfahrungskreise des Kindes schöpft und das Kind für das Leben vorbereiten willdaß sie das Bibelwort dem Kinde lebendig machen will in einer Weise, die nicht bloß den Verstand und das Gedächtnis mit Wissen füllt, sondern das Gemüt befruchtet. ‘ Für eine solche Unterrichtsweise gibt es freilich keine Leitfäden, die dem Lehrer die Arbeit ersparen. Der Unterrichtsstoff muß im Erzieher selbst etwas Wachstümliches, mit seinem Gemüte Erfaßtes geworden sein, sonst wird es von ihm durch keine noch so scharfsinnig ausgeklügelte Unterrichtsschablone in organisches Leben umgesetzt werden^ können. Gerade vom Religionslehrer gilt -am meisten der Sütz: Er fei ein Mensch in allem, worin der Zögling es werden soll. Was eine geistige Macht in seinem Unterricht werden soll, das muß vor allem er sein eigen nennen können, er darf es nicht nur wissen, denn bloßes Wissen ist nur äußerlicher Besitz, der im Gedächtnis aufbewahrt wird uud im Mutterboden der Seele nicht einwurzeltsondern er muß es im Innern des Herzens spüren, daß er es hates muß ihm eine Macht, ein Teil des eigenen Lebens geworden sein. Und in diesem Sinne, liebe Kollegen, rufe ich Ihnen zu: „Laßt uns im Religionsunterricht lebendige Menschen sein." llomspynaenr« ii. Nachrichten. Würzburg. In dem „Schulbericht" in der jüngsten Nr. ds. Bl., worin auch das israelitische Seminar dahier besprochen, fanden sich manche Punkte, die einer Richtigstellung bedürfen, und zwar: Die französische Sprache ist schon seit dem Jahre 1899 fakultatives . Unterrichtsfach, und es findet sich auch im n e u e st e n Berichte dieser Anstalt ans Seite 18 der im vorigen Schuljahr behandelte Lehrstoff genau verzeichnet. D'WB rvirp re. werden zur betreffenden Zeit des Jahres anlehnend an den Unterricht in Propheten, in Grammatik, auch in einer besonderen, der Erklärung von Gebeten gewidmeten Stunde sowohl sprachlich^ als inhaltlich eingehend behandelt. Ein iTO'»? "HD ist für die Hauptfächer des jüdischen Unterrichts an den Lehranstalten, den Präparandenschulen Burgpreppach und Höchberg einerseits und dem Seminar anderseits, längst eingeführt und wurde ein solcher s. Z. in einigen deshalb stattgehabten Beratungen der Leiter und Lehrer genannter Anstalten vereinbart. Nachschrift der Redaktion: Wir nehmen mit großem Vergnügen davon Notiz, daß unsere Wünsche betreffs der □■»BVD bereits erfüllt findauS dem Rechenschaftsbericht ging das allerdings nicht hervor. Was den "HD anlangt, so ergeben sich bei einer Gegenüberstellung des in den beiden träparandmschulm durchgenommenen Lehrstoffs so sehr viele „Unstimmigkeiten", daß der Uneingeweihte kaum auf die Vermutung kommen kann, daß eine Vereinbarung vorliegt. Bezüglich des Französischen möchten wir nur den Wunsch au sprechen, daß diesem Unterrichtsfach auch im dritten Kurs wöchentlich wenigstens eine Stunde gewidmet werde. 3ü. Januar 1908. Ächerscha« n^onn 812V- Uebungsbuch zur Einführung in das Uebersetzen des Gebetbuchs, erster und zweiter Teil, bearbeitet von Rabbiner Dr. Cohn-Rawitsch. Verlag von I. K. Brandeis in BreSlau. Preis 1.20 Mk. r-Trif I J Die Anstrengungen, um den ersten Uebersetzungsunterricht zu einem geistbtldenden zu gestalten, -mehren sich in erfreulicher Weise und jeder Versuch nach dieser Richtung hin ist mit aufrichtiger Freude zu begrüßen. Wir bekennen uns nun zwar als Anhänger der Methode, wie fie Abraham-Berlin in der Neubearbeitung von Rahmers müp klbON angewandt hat, aber wir bringen auch einem Lehrbuch, wie dem vorliegenden, das einen anderen Weg empfiehlt, warme Sympathien entgegen. Es soll als Einführung in das Uebersetzen des Gebetbuchs dienen und es find deshalb die Vokabeln, die Beispiele und Uebungen fast durchgängig dem Inhalt des Gebetbuchs entnommen. „An Stelle des mechanischen Nor- und Nachübersetzens, wie es zur Zeit beim Anfangsunterricht im Gevetübersetzen. zumeist üblich ist, soll ein planmäßiger Unterricht treten, der, vom Leichteren zum Schwereren fortschreitend, das Kind allmählich in den Sprachschatz des Gebetbuchs und die Kenntnis der zum Uebersetzen notwendigsten grammatischen Formen etnführt." Es ist also in der Hauptsache derselbe Weg, dM Levy-Frankfurt a. M. in min HM einschlägt, das ja auch eine Vorstufe für den eigentlichen Uebersetzungsunterricht sein soll. Der Berfaffer verfällt freilich devei in den entgegengesetzten Fehler wie Levy. Dieser preßt, teilweise in gewaltsamer Form, den ganzen Stoff in 20 Lektionen zusammen, hat deren 120. Das Uebersetzen wäre zwar auf diese Weise recht gut vorbereitet, man käme aber erst etwa bei Beginn des vierten Schuljahres an das Gebetbuch selbst und daS ist doch entschieden zu spät. Bei genauer Durchsicht der Uebungen kann man aber mit Leichtigkeit feststellen, daß fie sich bequem auf die Hälfte nach Zahl und Umfang reduzieren lassen, ohne daß dabei der Zweck des Buchs irgendwie gefährdet wäre. Die Beispiele stnd im allgemeinen gut gewählt einzelne Wörter sind viel se.tener als bei Levy verwendetwir würden fie aber gerne ganz missen. Auch das kleinste Sätzchen sagt dem Kinde etwas, einzelne Wörter bleiben ohne Bedeutung und erregen kein Interesse Die äußere Ausstattung des Buches ist eine vorzüglichebesonders möchten wir den großen und schönen Druck hervorheben. Wir wünschen dem Lehrbuch recht bald eine zweite vervefferte Auflage, verbessert in dem obigen Sinne. Dann kann man es allen Lehrern empfehlennicht nür denjenigen, die eine Borstufe für nötig halten, sondern auch denen, die es nebenher verwenden. In seiner jetzigen Gestatt ist es wohl nur da von Nutzen, wo sehr viel Zeit zur Verfügung steht. Sprecdsaai. In der vorwöchtgen Nummer des „Israelit" veröffentlicht die Bereinigung jüdischer Religtonslehrtr Berlins die Prüfungsordnung für jüdische Religtonslehrer, die kein Seminar besucht haben. Schreiber dieses ist Mit den norddeutschen Verhältnissen zu wenig vertraut, als daß ec sich ein Urteil über die Zweckmäßigkeit eines solchen Instituts erlauben könnte. Was aber unangenehm auffällt, daß ist das minimale Maß an jüdiichem Wissen, das da verlangt wird. In den bayerischen Präparandenschulen stellt man ja, wie sich jedermann aus den betreffenden Rechenschaftsberichten überzeugen kann, Höhere Ansprüche an die Schüler des zweiten Kursus als hier an Lehrer. Wir waren intmer der Meinung, daß die ungeprüften Lehrer dm seminarisch-gebildeten nur in dm profanen Fächern nachstünden und jetzt erfahren wir zu unserem Erstaunen, daß auch ihre Kenntniffe in dm Religionsfächem mehr als mangelhaft find. Es gilt mir nämlich als sicher, daß die Kommifiion die Ansprüche nur deshalb so niedrig gestellt hat, weil die Mehrzahl der Kandidaten nur solchen genügen kann. Meines Erachtens liegt die große Gefahr nahe, daß gar mancher Zögling einer Präparandmschule abspringt und ohne ein Seminar besucht zu haben, sich der Religtonslehrerprüfung unterziehtdas ist viel einfacher, leichter und billiger. Dem Ansehen unseres Standes ist diese Kommission sicher nicht förderlich. iJDfV Nachschrift der Redaktion: Wir teilen die Befürchtung des Einsmders nicht und verweisen ihn im übrigen auf den Leitartikel.

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