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Der Israelit · 1908-01-30 · Heft 5 (30.1.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 5 (30.1.1908)
Date
1908-01-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Crzidj?img und Lei? agogis Religionslebrer-PrBfnngen. Die Bereinigung jüdischer Religionslehrer Berlins hat eine Kommission zur Prüfung jüdischer Religionslehrer und -Lehrerinnen eingesetzt und in Nr. 2 des „Israelit" die Prüfungsordnung veröffentlicht. Sie begründet die Notwendigkeit dieser Einrichtung damit, daß es erstens für Lehrerinnen an einer solchen Anstalt gänzlich fehle und daß zweitens die Zahl der Lehrpersonen, denen es versagt war, sich aus normalem Wege, d. h. durch den Besuch eines Seminars die erforderliche Qualifikation zu erwerben, die sich aber durch Privatunterricht oder durch Selbststudium das erforderliche Wiffen ungeeignet haben, nicht unbeträchtlich sei. Aus diesen. Gründen habe sie sich, vielfachen Aufforderungen nachkommend, entschlossen, eine Prüfungskommission zu schaffen, welche den betreffenden Personen die Möglichkeit bietet, den ihnen mangelnden Befähigungsnachweis zu erlangen. Wie wir aus schriftlichen und mündlichen Aeußerungen von Kollegen — siehe auch das Eingesandt — entnehmen, hat das Vorgehen der genannten Vereinigung recht lebhaftes Mißfallen erregtwir halten es deshalb für nötig, zur Klärung der Sachlage Stellung dazu zu nehmen. Wenn wir in dieser Frage eine im großen Ganzen zu stimmende Haltung einnehmen, so geschieht dies selbstredend keineswegs, um die Maßregel unserer Gesinnungsgenossen zu verteidigen — das werden sie, wenn sie es für nötig finden, selbst besorgen — sondern weil wir von der Notwendigkeit derselben vollständig überzeugt sind, .dasie unleugbar einem vorhandenen Bedürfnis Rechnung * tragt Für selbstverständlich halten wir es, daß die Kommission nur einen temporären Charakter trägt. Es muß das Streben aller Kn Kreise sein, dafür Sorge zu tragen, r regulär vor gebildete Lehrer in den Gemeinden wirken. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum zu glauben, daß ein ungeprüfter Lehrer billiger sei als der seminarisch gebildetedas Gegenteil ist der Fall. Der Letztere kann sich Einnahmequellen erschließen, die für den Ersteren unzugänglich sind (Privatunterricht und dgl.) So lange aber noch ein Mangel an Lehrkräften mit Volksschullehrerbildung vorhanden ist — und für den Osten läßt er sich kaum leugnen — ist ein Notbehelf gar nicht zu entbehren. Wird aber dem von der Kommission auszustellenden Zeugnis noch die Bemerkung hinzugefügt, daß sein Inhaber die Lehrbefähigung nur ftir kleinere Gemeinden besitzt, so halten wir die von der Religionslehrer-Bereinigung getroffene Einrichtung nach jeder Seite hin für ganz unbedenklich. Wir gehen aber weiter und nehmen gar keinen Anstand offen zu erklären, daß wir sie sogar gegenüber der bisherigen Praxis für einen Fortschritt halten. Ein eigentliches Zeugnis als Religionslehrer, war ja bisher in den in Betracht kommenden Gemeinden gar nicht nötiges genügte vielfach der Nachweis, daß der' betreffende Bewerber in einer andern Gemeinde zur Zufriedenheit des Vorstands fungiert hatte. War er gar in der Lage, ein von einem Rabbiner ausgestelltes Zeugnis beizubringen, so wurde das ungefähr ebenso hoch bewertet als in Süddeutschland ein gutes Seminarabgangszeugnis, besonders, wenn es von einem reprä mutablen Aeußern und guten Stimmitteln unterstützt wurde. Dem gegenüber bietet der von der neugeschaffenen Kommission ausgestellte Befähigungsnachweis doch eine gewisse Bürgschaft dafür, daß keine unwürdigen und ungeeigneten Personen in den Lehrerstand hineinkommen. Was das Maß der von den Prüflingen zu verlangenden Kenntnisse, besonders in den hebräischen Disziplinen anlangt, so erscheint es auch uns recht niedrig bemessen, entspricht aber ungefähr den Anforderungen, die in Baden, Kurhesfen (Hanau) und Heffen-Darmstadt gestellt werden. In dem letztgenannten Lande sind sie allerdings in den profanen Fächern seit ca. 3 Jahren nicht unbedeutend erhöht worden, das geschah aber nur aus ganz besonderen Gründen. Wenn wir oben den zeitlich begrenzten Charakter der Kommission stark betont haben, so geschah das unter der Voraussetzung, daß es sich in absehbarer Zeit erreichen lassen werde, eine vollständig genügende Anzahl von seminarisch gebildeten Lehrern zu beschaffen, die auch geneigt sind, die nöTitr auszuüben. Auf dem bisherigen Wege aber wird sich dies wohl kaum erreichen lassen. Wohl find die vorhandenen Semi^ nare im stände, mehr als die doppelte Anzahl von Lehrern auszubilden, aber der Osten wird dabei immer leer ausgehen. Bei den bisherigen Erörterungen über die Frage der ungeprüften Lehrer wurde nämlich ein wichtiger Punkt, vielleicht sogar der wichtigste, gänzlich übersehen. Die Zahl der ungeprüften Lehrer in Süd- Mittel¬ und Westdeutschland ist verschwindend klein, in Ost- und Nordostdeutschland dagegen verhältnißmäßig recht groß.Woher kommt diese auffallende Tatsache? Sind die Besoldungsverhältniffe etwa schlechter als anderswo? Ein Blick auf den Annoncenteil unserer jüdischen Zeitungen zeigt, daß wenigstens soweit Schlesien und Posen in Betracht kommen, das gerade Gegenteil der Fall ist und auch in Ost- und Westpreußen sind sie mindestens noch so gut als in Bayern und Hessen. Es gibt dafür nur eine Erklärung. Es fehlt diesen Provinzen, die eine jüdische Bevölkerung von mehr als 110,000 Seelen besitzen, an einem jüdis chen Seminar. Es ist ja bekannt, daß Beamte aus dem Westen ihre Versetzung nach Ostelbien als eine Verbannung ansehen und daß sie bestrebt sind, so bald als möglich von dort loszukommen, sodaß Regierung und Parlament zu dem Mittel der Ostmarkenzulage greifen mußten um sich einen Stamm von bewährten Beamten im Osten zu erhalten. Wer will es denn da den jüdischen Lehrern verdenken, wenn sie jene Gegenden nur sehr ungern aufsuchen, und daß sie oft lieber den Beruf aufgeben, als daß sie mit. ungeprüften Lehrern um eine Stelle konkurrieren! Dazu kommt noch der Umstand, daß das neologe Berliner Lehrerseminar, dessen Zöglinge sich teilweise aus dem Osten rekrutiren, am allerwenigsten geeignet ist, Kultusbeamte d. h. Lehrer, Cantor und Schächter, auszubilden. So bleibt denn gar nichts anderes übrig, will man aus der bisherigen Misere endlich herauskommen, als im Osten jüdische Lehrerbildungsanstalten, Präparandenschulen und Seminar zu gründen, deren Zöglinge sich aus L'ndeskindern rekrutieren und die den berechtigten Eigentümlichkeiten jener Provinzen vollauf Rechnung tragen. Die Mittel für die neue Anstalt aber werden sicher G. H. auch finden lassen. Unsere Freunde dürfen dieses Werk allerdings erst dann in Angriff nehmen, wenn die materielle Basis des Köln eit Lehrerseminars vollständig sichergestellt ist, was hoffentlich recht bald der Fall sein wird. Wir hoffen sogar, daß. die preußische Regierung einer solchen Anstalt, da sie nicht wenig zur Kräftigung des Deutschtums in jenen Gegenden beitrüge einen mindestens ebenso großen Zuschuß gewähren würde als den jüdischen Seminarien in Münster und Hannoverbei dem Letzteren beträgt er wenn wir uns recht erinnern, 6500 JL p. a. Wir zweifeln nicht daran, daß sich zur gegebenenZett Männer mit Tatkraft und Mut finden, um ein Werk zu begründen, das für die dortigen Gemeinden von unschätzbarem Werte sein wird. Ist aber einmal jenes Seminar geschaffen, dann wird voraussichtlich die Zeit nicht mehr fern sein, wo sich die Berliner Prüfungskommission als überflüffig erweisen und auflösen wird. Vorläufig aber möchten wir sie nicht missen, denn sie entspricht einem Bedürfnis. Inwieweit ist eine Umgestaltung des hebräischen Uebersetzungs* Unterrichtes nach Stoffauswabl, Stoffverteilung und methodischer Behandlung notwendig? Borttag, gehalten bei der 28. Generalversammlung des Jsraelit. Lehrervereins für das Königreich Bayern in Aschaffenburg, von Seminaroberlehrer Jakob Stoff in Würzbarg. (Schluß.) Enthält die Fibel ein Auslese von Eigennamen, die dem Kinde aus der biblischen Geschichte bekannt sind, die Namen unserer Fest- und Gedenktage, kleine Sätzchen aus den (bereits bekannten) biblischen Erzählungen und die bei der

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