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Der Israelit · 1908-01-30 · Heft 5 (30.1.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 5 (30.1.1908)
Date
1908-01-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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NeN^Nork, 13. Jan. Die Wische Gemeinde in Housson, Texas, hatte vor einiger Zeit eine größere Summe zu Zwecken eine- Shnagogenbaues gesammelt Mch die gesammelten Spenden in zwei Banken in Depot gegeben. Da jedoch die eine der Banken, in welcher die Gemeinde 13000 Dollarangelegt hatte, infolge der Finanzkrise bankerott wurde, verlor die Gemeinde das Geld, und -er Synagogenbau muß vorläufig unterbleiben. llrreinsveren. " Frankfurt a. M., 28. Jan. Am Mttwoch vergangener Woche beendigte Herr Dr. Bondi im Jüdischen Frauen-Verein seinen Vortragszyklus ober die Berufung Mausche's. Der Vortragende benütte diesen Ervffnungs yklus, um seine Zuhörertnnen mit dem Rüstzeug der Apologetik verti aut zu machen. Der Aufenthalt Israels in Aegypten und die Ausübung der Wunder boten natürliche Anknüpfungspunkte. Die Ausführungen waren nach drei Zielpunkten gerichtet. Es wurde gezeigt, daß die Wesensverschiedenheit des Judentums vom Christentum es unmöglich macht, die von christlicher Seite auf die christliche Religion gerichteten Angriffe auch auf den Lehrinhalt des Judentums zu beziehen, daß die von. der Kritik erhobenen Angriffe auf die Wahrhaftigkeit der biblischen Ueberlie erung von der Willkür konstru ert und wie fie mit Hilfe wohlfundierter wiffenschastlicher Mittel zurückzuweisen find, endlich daß eine scharfe Prüfung der montstrschen Hypothesen der Naturwissenschaft ihre schweren Srrtümer aufdeckt und die Tätigkeit des erkennenden eistesvermögens in seine angemeffenen Grenzen zürückzweigt. Der Vortragende betonte am Schluffe die Pflicht besonders der Mütter, sich mit den ernsten Fragen der Gegenwart zu beschäftigen, um ihren 5i indem belehrend und in schweren, zweiselvollen Stunden helfend und beratend zur Seite stehen, zu können. Damit leisten fie dem Judentum unvergängliche Dienste. München, 26. Jan. Am V2V2 iwy ntfDn war daS erste Jahr feit Gründung der Talmud Thora-Beretuigung „Mekor Cyajim" verflossen. Wer den Verein, wer München uns speziell das jüdische München keimt, wird die Bedeutung i»tCiCr schlichten Mitteilung zu würdigen wissen. Als vor n ehr als Jahresfrist einige ^e Leute und Baale Battim die Gründung eines ins zur Pfle.e des Thorastudiums ino Auge faßten, hielten dele die Verwirklichung dieser Bestrebungen für eMe Unmöglichkeit und rieten davon ab. Außer den allgenieinen Schlagworten, die der Pessimismus allenthalben gegen jede noch so rühmliche Neuerung ins Feld führt, weil sie eben eine Neuerung ist, glauben auch die Beffergefinnten die Lebensfähigkeit eines derartigen Unternehmens bezweifln zu müssen. Sie meinten, eS fehle ja auch ohnedies in München nicht an Gelegenheit zum Thora-Lernen, und diese Gelegenheit werde so spärlich benützt, daß neue Bestrebungen nach die,er Seite keinen praktischen "Erfolg haben könnten. München, das süddeutsche Capua, eigne fich eben schlecht zu einem intensiven Bettiebe von Talmud-Thora und es wäre besser, die bereits vorhandenen Gelegenheiten zum „Lernen" zu fördern, als durch eine Neubildung die Kräfte zu zersplittern. Der Reiz der Neuheit könne wohl einen Augenblicks-Erfolg ermöglichen, aber für die Dauer feien derarttge Bestrebungen nicht. Man kann diesen und ähnlichen Bedmken gewiß nicht jede Berechttgung absprechen, aber die wackeren Unternehmer ließen sich curch sie nicht entmutigen und gingen sofort ans Werk, den Erfolg Gott anheimstellmd, dessen Thora fie in reiner, selbstlosen Weise eine Stätte gründen wollten. Die Anregung fiel bann in der Tat sofort auf guten Boden. Estrige und dreißig Mitglieder traten dcr neuen n"Qn D"n TIpD sofort bei. Es wurden fast allabendliche Schiurim für jod!/ l'^n rjny und «will mit Raschi eingerichtet, die der Ehrenpräsident, Herr Rabbiner Dr. Ehren treu, die Studenten S. Ehrmann und S. Levi mit vieler Hingebung leiteten. Die Borträge waren und find zum Teil so gut besucht, dag fich oft das Vereinslokal als zu klein erweist. Heute zählt der Verein 94 Mitglieder. Der Verein hat sew Probejahr glänzend bestanden und hat durch seine tatsächlichen Erfolge auch viele der Bedächtigen, die ihm anfänglich abwartend gegenüber standen, nun vollständig für sich gewonnen. Die gehobene Stimmung der wackeren Mitglieder kam gestern Abend tn einem herrlichen Stiftungsfest zum Ausdruck, bas alle Teilnehmer zu einer Chewra-Sudo alten Stils vereinigte. Herr M. Stolper« leitete das Fest durch einen Q*pD auf n^Vn 'DD ein, dem dann ein Abschluß der rPBWO 'S au» Raschi folgte, welche Herr S. Levi seit längerer Zeit allsabbathlich vorträgt. Es folgte dann ein geistvoller Vortrag des Ehrenpräfidenten, Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu, welcher die Bedeutung des Festes in treffende Worte kleidete. Diesen Worten reihten sich zündende Ansprachen vieler Festgenoffen an in ernster und heiterer Form, tn Prosa und Poesie, untermischt mit herrlichen Gesangsvorträgen des Herrn Kantor Rotter. Daß es auch an materiellen Genüssen nicht fehle, ließ fich der wackere Festwitt S. Rothschild mtt der ganzen Familie »Nt schönstem Er,olg besonders angelegen sein. — ES war eine herrliche rnstö hw PinDtP, die alle Festgcnossen noch weit über die Mitternachts,runde versammelt hielt. ES gibt keinen besseren Kitt als die Freude, die reine Mtzwafreude, welche die Herzen leicht und freudig verbindet. Sie trägt die sichere Bürgschaft in fich, daß der junge Verein Wetter seine Ziele anstreben und immer schönere Erfolge machen wirb. Durch dm in Berlin efchlossenen Bund aller Thora-Vereine hat diese Zeit noch eine Steigerung erfahren welche das und Gedeihen aller dieser und ähnlichen Bestrebungm tn seiner Bedeutsamkeit nicht auf dm Ott beschränkt, in dem fich der eine ober andere Verein befindet, sondern alle. Kreise berührt, die ähnliche Ziele verfolgen. Jrb Ü^ITDn *>2 22227 pDWI 1PN1 Heldenberge», 27. Jan. Gestern wurde hier auf Anregung Sr. Ehrwürden, des Herrn Dr. Hirschfelh, Provinzial-Ravbiner in Gießen, eine „Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatyfreunde" mit ter Zentrale Heldcnberaen gegründet. Alle umliegenden Gemeinden waren gela' starke war. geladen, wcswegen die Beteiligung eine Bafel, 28. Jan Am Sabbath Abend (25. Jan.) ielt der hiesige Schomre-Thora-Männer-Verein, er aus 43 Mitgliedern besteht, seine Generalversammlung ab. Die vom Verein veranstalteten Schiurim, sowohl diejenigen des Beretnslehrers Herm Freilich, als besonders diejenigen des Herrn Rabbiner Dr. Cohn, erfreute fich eines stets zunehmenden Zuhörerkreises, was schon aus der großen Summe hervorgeht, die der Verein für oviED aus gab, welche den Teilnehmern gratis zur Verfügung gestellt wurden. Die finanzielle Lage ist Dank zahlreichen freiwilligen Spenden eine günstige. Der Vorstand besteht aus den Herren: Charles Nordmann, Präsident- Oberkantor Drujan, Vize-President; M. Löb, Sekretär; I. Haas, Kassierer; D. Rosenblum, Beisitzer. Re isoren sind die Hettm Dr. L. Hausmann und L. Wertheimer - Ehrenpräsident ist Rabbiner Dr. Cohn.' '- Bafel, 28. Jan. Dem Jahresbericht des hiefigen israelitischen Frauen-Vereins (Präsidentin Frau Dreifus-Strautz) entnehmen wir, daß der Verein 367 Mitglieder zählt, E nnahmen und Ausgaben balancieren mit 7700 Frcs., das Vermögen beträgt 20200 Frcs. wozu noch ein unantastbares Kapital von 3000 Fr. kommt Personalien. Rabbi David Lakenbach y'XT- Preßburg, 28. Januar. In R. David Lakenbach, über dessen Ableben bereits kurz berichtet wurde, ist ein großer Mann in Israel von seiner irdischen Laufbahn ins Jenseits abberusin worden. Er mar einer von denen, die noch zu den Füßen der großen Männer: -©ID ntVD '7 ,D^7J)D und JcHp '7 y-Stt Fpn gesessen; und er war in seinem ganzen Leben und Streben, im Bedeutenden wie im Kleinen, von der Cüaraktergröße und Gefinnungshoheit seiner Lehrer beseelt. Als Abkömmling einer hervorragenden Rabbinerfamtlie — er zählte zu seinen Ahnen die Verfasser des nDS p72J/ den n"2 und j#7SD ~ Zeichnete er sich schon in seiner frühesten Jugend durch ungewöhnliche Thorakenntnisse aus. 26 Jahre bekleidete er das Amt eii.es Rosch-Beth-Din in Preßburg und man kann sagen: selten ist es etnenl Manne gelungen, sich vor Gott und den Menschen beliebt zu machen", wie dem guten, frommen Rabbi David Lakenbach. Mit seiner enormen Gelehrsamkeit zählte er schon längst zu den n^7I2i1 ^171- Sein Fleiß im Thoralernen war beispiellos. Er widmete dem Schlaf nicht mehr als 3 Stunden täglich, und die Nächte von Donnerstag und Samstag abend hat er in der Regel ganz durchwacht. Er war von einem vorbildlichen -,Dn mit Jedermann, und Arme waren immer seine- Ttschgenossen. Das Leichenbegängnis bezeugte es auch, tn welchem Ansehen der große Mann gestanden. Zahlreiche ungarische und österreichische' Gemeinden waren durch Deputationen vertreten und etwa 30 Rabbiner herbeigceilt, unr dem teuren p’nm pNI das letzte Geleite zu geben. Bon den vielen □'HEDD sei hervorgehoben der gediegene Nachruf des Oberrabb.ners Aktba Schreiber, der den Verklärten als „Fürsten der Thora" feierte. Großen Eindruck machte der 7OO,7 des würdigen Sohnes, Ol errabbiners von Zsambok.ret, der in ergreifenden Worten von seinem großen Vater Abschied genommmen. Der jna, der die irdischen Reste des Verblichenen in fich barg, wurde bis zum Friedhof von den Lomdim auf den Schultern gettagen. Die imposante Trauerfeier war erst spät nachmittags zu Ende. Der teure Verklärte hat in Vertretung des Oberrabbiners auch die Erez-Jisroel-Agenden geleitet und auch auf diesem Gebiete sich große Verdienste erworben. In Jerusalem wurde die Trauerbotschaft durch öffentlich Plakate verkündet und in allen Bethäusern der ungarischen Gemeinden wurden Trauerandachten mit □'nDDH veranstaltet. Alles erkannte, daß 7V. .n"asun Bad Ems, 13. Jan. Mit letztem N2V trat Herr Lehrer Emmel, der seit 1869 in hiesiger Gemeinde gewirkt hat, in den Ruhestand. Herr Rabbiner Dr. Weingarten hielt in der Synagoge eine herzliche Ansprache an den Scheidenden und begrüßte gleichzeitig den neu angestellten Lehrer und Kantor, Herrn Ucko. Mainz, 22. Jan. Einer bescheidenen Persönlichkeit, die fern ron der geräuschvollen Welt in der Stille des Hausses gewirkt und Vortreffliches geleistet, sei in diesen Zeilen gedacht. Fräulein Bella Jacobs schied vorgestern im Alter von 65 Jahren von hinnen. Vor 34 Jahren hatte fie das Glück tn dem Hause von Rabbi Samuel Bondi ySjf ein zweites Heim zu' finden, und dem Hause dieses großen Mannes blieb fie treu biS zur letzten Stunde ihres Lebens. Sie sah Rabbi Samuel sterben und dessen Sohn Rabbi Jaunoh y'äT öahinschetden; aber unentwegt blieb sie den Kindern, Enkeln und Urenkeln eine ebenso treubesorgte Freundin, wre fie dm vorhergehenden Geschlecktem gewesen. Hett Rabbiner Dr. Bondi zeichnete vei der heute stattgehabtm Beerdigung bas Charakterbild der Hetmgegangen. noch beinahe als unsere Ahnfraum im Zelte sei sie rühmenswert, da fie auch ohne mit den von ihr so treulich Behüteten verwandt zu sein, für fie lebte und wkkke- Wie Mirjam stand fie von feme und doch war chr Herz stets nahe, wie Dcborah flocht fie lichlspende Kränze W daS Heiligtum unseres Volkes. Der Redner erwähnte noch, taß die Dahingeschiedme aus einer Familie hervorgr gangen, die immer an der Spitze stand, wmn eS galt, für das wahre Judentum zu kämpfennamentlich trat in dieser Beziehung der vor ihr von hinnen gemfene Bruder, Herr Siegmund Jacobs der in London wirkte, hervor. Ihr Vertrauen auf die unendliche Gnade des Allgütigen verließ fie nicht, als fie bereits im , Schatten des Todes wandelte. Sie war ein Biederweiv! in des Wortes schönster Bedeutung. Ihr Gedmken sei zum Segen. Tauberetter sbeim, 20. Jan. Dieser Tage geleitete man Frau Esther Sulzbacher .von hier zur letzten Ruhe. Die Dahingeschiedme war bekannt ob des hervorragenden 7O!7 bas sie allezeit geübt. Im Sterbe- Haus hielt ihr Herr Lehrer Blummihal von Auv einen warmen Nachruf. Es sprachen dort ferner zwei Söhne der Verstorbenen, die Herren Lehrer Sulzbacher von Biebrich und von der Religionsgesellschaft in Stuttgart ergreifende Worte über die Innigkeit, mit der ihre Muttrr an unserer heiligen Thora hing. Herr Rabbiner Dr. Schweizer von Weikersheim, wo die Heimgegangene zur 7712p kam, sprach sein Bedauern aus, daß er infolge der Nähe des Sabbaths von einem Nachruf absehen müsse. 7"2AN- Ostrrwo, 13. Jan. Zum Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde ist Rabbiner Dr. NeuhauS tn Lauenburg i. Pomm. gewählt worben. Jerusalem, 5. Jan. Bor kurzem starb im Hospital „Schaare Zedek" emer der tüchtigsten d'D2I7 '»TTD^D Jerusalems, Rabbi Jedidioh Harodner im Alter von 53 Jahren. Er war ein hervorragender Kenner von Talmud und Poskim und ein seelenguter Mensch. Sein Heimgang ist ein unersetzlicher Verlust für die heilige Stadt. 7"2Sttn. Moson, 8. Jan. In unserer Gemeindestarb im 27. Lebensjahre Frau Bertha Fellner geb. Flesch. Die bewundernswerte Geduld, - mit der die Heimgegangene ihr schweres, lange andauemdes Leiden ertragm hat, legte Zeugnis ab von dem tiefen Gottvertraum, das fie beseelte. Nachrufe widmeten ihr Herr RabbinatSaffessor Löwinger-Moson und ihr Bruder, Herr Rabbiner Dr. Flesch-Kanitz. Briefkasten. H. G Selbstverständlich ist es verboten, am Sabbath Papier zu zerreißen, auch wmn keine Buchstaben darauf stehen. Uereinskalender. Verein Tiseres Bachurinr Sonntag, 2. Felr., Bortrag des Herrn Sallt Michel über „Moses- Mendelssohn." Jüdischer Frauenverei«. Mittwoch, 5. Jebr., abends 81/» Uhr, Schützenstraße 12, II. Lehrgang: Gebet und G ebere I. Vortragender: Hett I. Rosenheim. Gäste (Damen) find willkommen. Verein zur Versicherung gegen Stell, rrlosigkeit. Sonntag, den 2. Febr., abends 6 Uhr, Schützenstraße 2, Versammlung für Handlungsgehü sinnen: „Die Organisation der Handlungsgehülfinnen." Referent: Herr M. A. Loeb. DamMennachtlcdte«. Geburten: Eine Tochter: Sigsried Rich(Levy), Frankfurt a. M. — I. I. Messer (v. Geldern), Frankfutt a. M — Meier Levi (Greif), Alsfeld. Barmlewohfeier: Moritz, Sohn von Philipp Pappenheim, Frankfurt a. M. Verstorbene: Simon Eisemann, 48 I-, Frankfurt a. M. — Sara Rosenbaum, 23 I., Frankfutt a. M. — Max Rothschild, 60 I., Karlsruhe. — Joseph Gutmann» Philippsburg (Baden). Sabbat-Anfang u. Ausgang. . V'VLVV ORT: Anfang DalNW AuSgang UhriMin. 1908 5768 UhrlMin. 1.Febr. I <K & i El Frankfurt a M 4 55 6 10 Berlin ... — — 5 36 München . . . 5 — 5 55 Gtraßchnrg . 5 15 6 10 Stuttgart. . . 5 00 6 01 Bose». — — 5 22 Nürnberg . . — — 5 54 Hamburg. . - — — 5 40 Prag. — ' — 5 40

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