Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1908)
- Date
- 1908-01-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Der Israelit. halben es die Herren Veen? 'Der Präsident knüpfte an den Erlaß Ministers mchrere geistreiche Bemerkungen. GöMes nach, daß laut allen Regeln der sinaituchen Hermeneutik Kultusminister Graf Apxipn y i nie ein orchodoxer Jude sein konnte. Er pMorrefziere auch das Dogma einer orthodoxen Konfession Und glaube bloß an die alleinseligniachende. Kongreßpartei. Wir werden auf diese offiziöse Auslegung des Ministerialerlasies noch zuruckkommen. Die Angelegenheit wird ja ohnehin eine Zeit lang das ganze konfessionspolitifche Leben der ungarischen Juden beherrschen. Zur Beruhigung aller gesetzestreuen Kreise im In- und Auslande wollen wir für's Erste folgendes feflsiellen. Wir sind auch zu der Erklärung autorisiert, daß uns diese Information von einem mit den Intentionen der Regierung wohlvertrauten Staatsmanne zugeht. Im Jahre 1870 hat der ungarische Reichstag den obligatorischen Charakter des Konareßstatutes aufgehoben und als ein natürliches Resultat der Glaubensfreiheit es ausgesprochen, daß die orthodoxen Juden Ungarns eine von der Kongreßparbei ganz unabhängige israelitische Glaubensgenoffenschast bilden. Die Distrittspräfidenten ijw&en erst nach diesem Reichstagsbeschluß ihre erste konstituierende Sitzung übgehalten. Sie ignorierten ganz einfach den Beschluß und verfugten die Einberufung eines n eu e n Kongresses für die ersten Monate 1872. Doch weder der König noch die ungarische Regierung wollten in die Wiederholung des mißglückten Kongresses emwilligen. Biele Jahre haben dann die Distrikts- Präsidenten kein Lebenszeichen von sich gegeben, bis, sie im Jahre 1906 wieder im Zeichen der Kongreßpolitik erwachten. Die Einberufung eines zweiten Kongresses wurde bei jedem Kultusminifter urgiert. Unter Trefort, Csaky und Berseviczy war die orthodoxe Autonomie in ihren Kardinal- Punkten erschüttert. Aber zur Bewilligung eines zweiten allgemeinen Kongresses hat sich keine einzige Kultusregierung entschließen können. Die Vorgänger des derzeitigen Kultusministers haben aber die Deputationen inrmer mit dem Studieren der Frage vertröstet und die „Regelung" in Aussicht gestellt. Graf Albert A pp o n y i ist jedoch kein Freund der Beschwichtigungspolitik und hat ernstlich die Absicht, dieser heitten Frage näher zu treten. Er tat dies aber nicht einseitig, wie es im. ersten Augenblicke durch den sensationellen Charakter, den man diesem Reskript in der Plenarversammlung des VI. Distrikts gab, den Anschein . hatte. Kultusminister Graf Apponyi hat nicht an den Distrikt, sondern an beide Landeskanzleien, die orthodoxe, wie die neologe, z u gleicher Zeit, einen ganz gleichlautenden Erlaß gerichtet. Beide Kanzleien werden bloß um Gutachten aufgefordert, welche Versügüngen sie für zweckdienlich halten, damit ein allgemeiner Kongreß gbgehalten werden könne. Dasorthodoxe Präsidium , hat. dieses Reskript unverzüglich beantwortet. Es sei vollständig ausgeschlossen, daß die Orthodoxie an einem gemeinsamen Kongreß teilnehme, geschweige denn in eine einheitliche Organisation ein willige. Der Kultusminister war von dieser apodiktischen Erklärung nicht im mindesten überrascht. Was werden aber die Distriktspräsidenten sagen? Diese sind bereits zu einer Konferenz für' den 13. Februar einberusen. Sie werden zweifellos für die Einberufung des Kongresses beschließen. Sie werden sich daraus berufen, daß sogar ein rechtskräftiges Wahlstatut vorhanden sei, ein Statut, welches seinerzeit auch von den Orthodoxen nicht angefochten wurde. Sie werden auch die feierliche Zusage geben, daß der neue Kongreß eine ganz neue Verfassung für die jüdischen Gemeinden, für jüdische Institutionen, für die Pflichten .der Rabbiner re. schaffen werde, ohne die Grundsätze der jüdischen Religion zu berühren. W wstrchen eben alle Fragen, die die' Parteien tcjmjieu, ausgeschaliet werAm damit gelinge, für -rhie,gesamte umgaMche, Judenschaft ge- «yheitliHe. OrgstnWwn W;. ZZeben M MIMMer Minister, wjrb die Orthodoxen, ja däHMch.nur eine einzige orthodoxe Gemeinde einen gemeinsamen Kongreß beschicken wird, ist für jeden Kenner der Verhältnisse vollkommen ausgeschlossen. Gezwungen können die Orthodoxen hrerzu nicht werden. Nun angenommen, aber keinesfalls zugegeben, daß der Kultusminister dennoch die Lizenz zur .Abhaltung des Kongresses erteilt und die Vertreter der Kongreßgemeinden sich in der Tat in Budapest versammeln; was können die Resultate eines solchen Rumpfparlamentes, eines jüdischen Landes-Kongresses sein, auf dem der größte Teil der jüdischen Bevölkerung kontumaziert wird?! Daß es aber so weit nicht kommen kann, daß Graf Albert A p p o n y i zur Beschränkung der Gewissensfreiheit und der Selbständigkeit des religiösen Lebens niemals seine Hand bieten wird, dafür bürgt seine ganze Vergangenheit. So weit unser Gewährsmann. Im übrigen ist das Blendwerk des Vorsitzenden der Distrikts- Versammlung nicht allen Teilnehmern zu Kopf gestiegen. Die besonnen Mitglieder haben auch der künstlich hervorgezauberten Begeisterung einen Dämpfer aufgesetzt. Universitätsdozent Dr. M. Schächter warnt davor, sich optimistischen Erwartungen hinzugeben. Er tadelt den Ton des Präsidialberichtes und verurteilt aus persönlichen Gründen auch die Aktion des Judentages, die von einem Manne eingeleitet wurde, dessen 'Kinder getauft sind. Der Vorsitzende bedauert (!) diese Intoleranz (!), weist sie energisch zurück und bittet, solche Dinge hier nicht vorzubringen. M. Szabolcsi, der bekannte Redakteur des nologen Wochenblattes, schreibt dem Ministerialerlasse nicht die Bedeutung zu, die ihr der Vorsitzende zuerkennt. Man könne höchstens von dem Aufblitzen einer Hoffnung reden. Am klarsten hat sich aber der Delegierte von Altofen, Dr. Bernhard Mittelmann, ausgesprochen. Die Aussicht auf eine Vereinigung der Orthodoxen mit uns — sagte dieser neologe Ehrenmann — ist auch nach dieser ministeriellen Kundgebung noch geringer als gleich Null. Der Einigungskampf muß mit einem Fiasko enden. Ein gemeinsamer Kongreß ist unmöglich; es fehlt hierzu die ethische Grundlage. Wenn wir auch durch Gewaltanwendung — was doch in einem freien Staate ausgeschlossen ist — alles erreichten, dann könnten wir bloß mit Goethe sagen: „Da steh' ich nun, armer Tor und 6in nicht klüger als zuvor!" Auch ist es nicht wahr, daß wir mit den Orthodoxen eins sind. Zwei verschiedene Weltanschauungen trennen uns von einander. Die Orthodoxie kann mit der Neologie auch durch Eisen nicht verbunden werden. Man höre auf mit den Anklagen gegen die Orthodoxen. Es ist häßlich, wenn wir die Staatsgewalt gegen sie anrufen. Präses Mezei soll sich persönlich.mit Präses Frankl ins Einvernehmen setzen, um eine friedliche Vereinbarung anzubahnen. Im übrigen hat die Neologie selbst die im Kongreß festgestellten religiösen Institutionen vernachlässigt. Es gibt hei uns keinen Thoraunterricht. Darum ist auch eine unjüdische Generation bei uns aufwachsen. Wie kann man a n einem wirklich gemeinsamen Kongreß auch nur denken? Die Majorität war trotz dieser überzeugenden Argumente der Ansicht, daß sich die Sonne doch um die Erde drehe, und hat beschlossen, die Anstalten zur Einberufung des Kongresses unverzüglich in Angriff zu nehmen. Als interessantes Moment verdient noch hervorgehoben zu werden, daß bei der Wahl der Distrikts-Funktionäre der Präsident Mezei sich selbst als Mitglied vorgeschlagen, und . daß kein einziger Rabbiner in die Kandidatenliste ausgenommen wurde. Der Budapester Rabbiner Dr. Hewe.schi und sein Kollege Dr. Feldmann Protestierten — allerdings in schüchterner Artigkeit — gegen diese Präterierung, aber ohne Erfolg. Der Delegierte Franz S e ke l y,, (Redakteur eines Witzblattes) besänftigte die Malkontenten mit der Motivierung, daß mit Rücksicht-aus die geplante Verständigung mit. den Orthodoxen es MecknläsiUÜL jei^daß kein neoldger Rabbiner uit* seMMabhmern,uhd den.Ortho.WA" sagte M Näherung von vornherein. aMDAUj,^. Krankveiih. Paris, 24. Januar. Die demnächst stattfindende Wahl eines Grand-Rabbin von Frankreich hält denjenigen Teil der hießigen Judenheit, der sich für religiöse Angelegenheiten noch einigermaßen interessiert, in einer gewissen Bewegung. Es ist das allerdings ein nicht gerade großer Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung- Das zeigte die jüngst stattgehabte Wahl der Delegierten, die in Gemeinschaft mit den Mitgliedern des Zentral-Konsistoriums den Grand-Rabbin zu ernennen haben. Bon den 3461 Angehörigen des Paxiser Kultusvereins — wir haben schon vor einiger Zeit dargelegt, daß auch diese nur einen geringen Teil der Pariser jüdischen Bevölkerung darftellen,—haben nur 1009 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Da also nicht einmal ein Drittel der Wahlberechtigten abgestimmt haben, so muß die Wahl am 27. Januar wiederholt werden. Vermutlich rührt die schwache Beteiligung wohl auch daher, daß vielfach die Ansicht vorherrscht, ein Grand-Rabbin sei jetzt, nachdem mit dem Trennungsgesetze die staatlich anerkannte Hirarchie aufgehört habe, überflüssig; ja man trägt sich in manchen Kreisen mit der Absicht, die Ernennung eines Großrabbiners, die von seiten des Zentral-Konsistoriums schon beschlossen wurde, durch einen Wahlstreik hintanzuhalten. Die Körperschaft, die den Grand-Rabbin zu wählen hat, besteht nämlich aus den etwa 30 Mitgliedern des Zentral- Konsistoriums und der gleichen Zahl von Delegierten der Kultusvereine. Da Vz-Majorität notwendig ist, so könnte durch das Fortbleiben von mehr als 20 Wahlmännnern eine Erledigung der Sache verhindert werden. Es kann jedoch als sicher betrachtet werden, daß es nicht zu einem solchen Streik kommt, und daß der Großrabbiner gewählt wird. Die Kanditaten für dieses Amt sind in einer eiftigen Agitation begriffen, und die Aussichten eines jeden werden hin und wieder diskutirt. So viel ist jedoch sicher, daß die neue Besetzung des Großrabbiners von Frankreich dem französischen Judentum nicht die so notwendige Regeneration bringen wird. Was den französischen Juden fehlt, ist etwas ganz anderes als der Großrabbiner. — — Nachdem am vergangenen Sonntag nunmehr auch in Paris die endgültige Wahl der Delegierten, die den Grand-rabbin mitzuernennen haben, ftattgefunden hat, wird angenommen, daß die Majorität ihre Stimmen für Rabbiner Israel Levy, den Schwiegersohn Zadok Kahns, abgeben werde Wir werden über den definitiven Ausgang der Wahl berichten. Do-Uarrd. Amsterdam, 19. Jan. Man hat jetzt hier den vor 9 Jahren schon einmal gescheitetten Plan, eine jüdische Realschule zu errichten, wieder ausgenommen. Die Versammlung der Oberrabbiner, die die Initiative in dieser Sache ergriffen, hat mit verschiedenen jüdischen Notablen des Landes getagt, und es wurde eine Kommission gebildet, die das Weitere zur Gründung einer höheren _ Bürgerschule veranlassen soll. Die Kommission wird in 3 Monaten ihr Referat vorlegen. R«Mand. Die HJarfdiauer Oemeinderoahlen. (Bon unserem Korrespondenten). Warschau, 26. Januar 1908. Lange schon wurde nicht so reges Leben in der jüdischen Gemeinde hier bemerkt, als in den letzten Wochen des vergangenen bürgerlichen Jahres. Es galt auch nichts geringeres, als die Wahl eines Voxstandes für die nächsten 3 Jahre in der größten jüdischen Gemeinde Epropa % ja der ganzen Erde, und da traten hie seither in. dem letrargiscken Schlaf des In- - differentismus versunkenen Parteien, durch die härren, Erfabrüwgen der. letzten Jghxe geweckt, zum. energischen KaMfhervor. . ^VHMWW Ein, vox '.W JcWech/LegaflgeM Mchltritt,