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Der Israelit · 1908-01-30 · Heft 5 (30.1.1908) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 5 (30.1.1908)
Date
1908-01-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Setc 6 N c. S Der JSraeltt. M JanukttllSW dürftigste für eine tatsächliche Berichtigung. Wegen der Bemerku a n, mit denen man der Ehre eines tm Dienste deS gesetzesrreüen Judentums ergrauten . Lehrers zu nahe getreten, werden wir uns nach jüdischem Gesetz ror einem Bethdin sprechen. Behrend, Lehrer. Der erste Teil dieser zur Berichtigung bestimmten Zuschrift ist für die hier fragliche Hauptsache so unwesentlich, daß wir es nicht der Mühe wert finden, darüber ein Wort zu verlieren. Anders steht es mit der Behauptung des Herrn Behrend, er habe nicht selbst als öannDD fungiert, sondern ein ihm befreundeter Rabbiner, der zufällig in Frankfurt a. M. zu der fraglichen Zeit anwesend war, habe diese Funktion besorgt. Auf unser Befragen, hat Herr Behrend wiederholt geantwortet, daß er den Namen des Rabbiners und des Schreibers des Get nicht nennen könne/ dies, obwohl wir ihn mehrfach auf die Folgen dieser Weigerung aufmerksam machten. Die Oeffentlichkeit kann über den großen Unbekannten, der hier wieder einmal sein Wesen treibt, zur Tagesordnung schreiten. Ein Eingehen auf die halachischen Ausführungen, die Herr Behrend oben im Namen dieses großen Unbekannten macht, können wir uns erst recht ersparen. Das einzige Erfreuliche,, was diese Angelegenheit bisher gezeitigt hat, ist, daß Herr Behrend auf unserem Bnrean bekannt hat, entgleist zu sein, gefehlt zu haben. Zu seiner Ehre teilen wir das mit. Wenn er nun aber ein Beth-Din anrufen will, was wir durchaus gutberßen, so möge er als der gesetzestreue Jude, der er sein zu wollen erklärt, in seinem eigenen Interesse das nicht in dem Glauben tun, für das Unrecht, das geschah, auch noch eine Rechtfertigung zu erhalten, sondern um aus dem Munde dieses Beth-Din zur Beachtung für die Zukunft die ungeheure Bedeutungsschwere sich zu Herzen führen zu lassen, die einer des Ernstes entbehrenden Behandlung jüdischer Ehesachen innewohnt. Berlin, 29. Jan. Ueber die Neuregelung der Sonntagsruhe ist, wie wir kürzlich berichteten, vom Reichsamt des Innern eine Erhebung bei den Einzelregierungen über die Ausgestaltung verschiedener Bestimmungen der Gewerbeordnung in die Wege geleitet. Von den Einzelregierungen find zunächst die Nachgeordneten Behörden um gutachtliche Aeußerungen angegangen, in Preußen die Regierungspräsidenten durch den Handelstninister. Es wird zunächst noch einige Zeit dauern, bis das Material bei den Einzelregierungen eingegangen sein wird. Dann muß es gesichtet und bearbeitet werden, um dem an das Reichsamt des Innern abzugebenden Gutachten als Grundlage zu dienen. Es werden also noch verschiedene Monate ins Land gehen, ehe die Reichsinstanz über die Ansichten der Einzelregierungen unterrichtet sein wird. Erst dann kann die Entscheidung getrosten werden. Es ist also, wie die Berl. Pol. Nachr. bemerken, so gut wie ausgeschlossen, daß der Reichstag, der ohnehin mit Aufgaben reichlich bedacht ist, noch in der gegenwärtigen Tagung eine Novelle zur Gewerbeordnung zugestellt erhält, die sich mit der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe beschäftigt. Eine zweite Arbeit auf dem Gebiete der Sonntagsruhe wird allein vom Bundesrate erledigt werden. Hier handelt es sich lediglich um die auf Grund der Gewerbeordnung für die Industrie zugelassenen Ausnahmen von der Sonntagsruhe. Es soll versucht werden, einige der anfangs der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zuMassenen Ausnahmen aufzuheben. Die ArbM^auf diesem Gebiete sind schon vor längerer Zeit ausgenommen worden, gestalten sich aber der Natur der Sache nach recht schwierig. Mttn sie zu Ende geführt werden können, läßt sich noch nicht absehen - immerhin darf angenommen werden, daß die zweite Aktion in Sachen der Sonntagsruhe eher zum Abschluß kommen wird als die erste. l i n, 29. Jan. Der gelegentlic der uns über die Angelege , Dr. Warschauer berichtet hatte, schreibt nunmehr: „In der vorletzten Nummer des „Israelit" ist eine wiederholte Berichtigung des Herrn Rabbiner Dr. Warschauer erschienen, welche den Zweck hat, meinen Bericht als böswillige Erfindung und als aus der Luft gegriffen hinzustellen. Demgegenüber sei nochmals ausdrücklich dargetan, daß 1. der auf dem Kirchhof der Louisengemeinde beerdigte junge Mann nicht mehr Jude war, als er verunglückte,' daß 2. die genannte Gemeinde, deren Friedhof am Fürstenbrunner Weg liegt, protestantisch ist. Ferner besitzt die Familie, d. h. die Eltern des verstorbenen jungen Mannes, an dessen Sarg Herr Rabbiner Warschauer eine Leichenrede hielt, nach Aussage des Friedho.fs-Jnspektors ihr eigenes Erbbegräbnis auf genanntem Kirchhof. Mithin muß nicht nur der unter dem Zuspruch Warschauers beerdigte junge Mann, sondern auch dessen Familie aus dem Judentum augeschieden sein. In der Steuerliste der jüdischen Gemeinde ist der Name der Familie nicht mehr zu finden. Mithin hat Herr Warschauer, allerdings nur, weil er sich selber nicht genügend orientiert hatte, eine unrichtige Angabe gemacht, als er im „Israelit" behauptete, der Verstorbene sei mosaischer Konfession gewesen. Wenn Herrn Warschauer so sehr daran gelegen ist, den wahren Sachverhalt kl a r z u l e g e n, so soll er doch durch die zuständigen Behörden, Zivilstandesamt re., eine amtliche Bescheinigung beibringen, was ihm doch nicht schwer-fallen dürfte. Er wird dies sogar tun müssen, da man denn doch auch in liberalen Kreisen jetzt die volle Wahrheit zu erfahren bemüht ist und der Vorstand die Sache nicht weiter ignorieren kann." (Immerhin muß zugegeben werden, daß der Fall, sobald Rabbiner Dr. Warschauer glauben konnte, der Verstorbene gehöre dem Judentum noch an, in einem milderen Lichte erscheint. D. Red.) Fr ei bürg i. B., 27. Januar 1908. Am Samstag Abend fand hier die konstituirende Versammlung der „Liberalen Vereinigung in der badischen Landes-Synagoge" statt. Es waren, wohl durch Versehen der Schriftleitung des hiesigen Komitees, auch einige Herren der Rechten eingeladen wurden, die dann auch, wie wir weiter sehen werden, den konservativen Standpunkt gegenüber den „liberalen" Forderungen vertreten haben. „Ms Referent hatte man sich den Rechtsanwalt Dr. Heinrich Haas aus Karlsruhe verschrieben, der in seinem Referat absolut nichts wesentlich Neues vorbrachtc. Man hörte die alten Anklagen wider die Orthodoxie, sie wolle terrorisieren und den Andersgesinnten ihre Meinung aufzwängen. Warum man keine Konservativen in den Oberrat wähle? Einfach deshalb, weil ja in Karlsruhe die Rechte ausgetreten sei, weil aus Mannheim die Herren gewählt seien, die die Mannheimer gewünscht hätten, und hier in Freiüurg? da könnte man doch wohl zufrieden sein, in Herrn Hofrat Rosin eine so würdige Vertretung zu haben. (Daß die Mitglieder des bOerrats nicht gewählt, sondern ernannt werden, scheint Herr Dr. Haas nicht zu wissen.) Der Redner führte sodann des Näheren aus, wie schwer die Liberalen in ihren Bestrebungen zur Erhaltung des Judentums angegriffen würden, ja man sei auf konservativer Seite noch weiter gegangen, man hätte sogar den Liberalen die Taufe zum Vorwurf gemacht, während in der Tat doch lediglich Liebe, pekuniäre und materielle Vorteile stets die wahren Gründe der Taufen seien. Die Liberalen, so schließt der Redner seine Ausführungen, wollen das Judentum im Verein mit der Oberbehörde erhalten und den Religionsunterricht der Jugend in die neuen Bahnen lenken, die jetzt moderne Menschen für recht halten und die frei sind von blutigem Opferkult. .Er fordere deshalb alle liberal Gesinnten auf zum Schutz gegen die Uebergriffe der Orthodoxie. In eindruckvollster und wirksamster Weise replizierte Herr Moses Kahn auf diese Ausführungen; in längeren Darlegungen wies er überzeugend nach, daß nicht Konservative die Friedensstörer seien; er beschwerte sich eindringlichst darüber, daß sie gar keine Gelegenheit haben, an maßgebender Stelle gehört zu werden und baß nur dadurch der Kampf auf die Straße gedrängt werde. „Wenn Sie, meine Herren Liberalen, sagen, wir lehnten uns auf gegen die h u nbertjährige Institution der Synode (was natürlich nicht zutrifft), so sagen wir mit viel größerem Rechte: Sie lehnen sich auf gegen die bald zwei tausendjährige Tradition unseres heiligen Gebetbuchs; das ist wohl viel schwerwiegender und pietätloser." Herr Kahn wies überzeugend nach, baß die geplante Reform eine schwere Gefährdung des Judentumes darstelle. Das neue Gebetbuch, sei entschieden ein Parteigebetbuch, da es die Konservativen und Zionisten derb brüskiere. Der jüngst geplante Wahlmodus für die Syüode habe gezeigt, wie weit es komme mit der Vergewaltigung, der ganze Aufmarsch gegen Dr. Löwenstein, der Mainzer Prozeß, die Maßregelung des Vorstehers Dr. Würzburger-Rappenau und vieles andere beweist zu Genüge, auf welcher Seite das Recht sei. Nach diesen Ausführungen entsteht ein kleines Intermezzo dadurch, daß ein älterer Herr nach einigen wirren Sätzen intensiv ein dreifaches Hoch auf den „Liberalismus" ausbrachte, in das die meisten Anwesenden einstimmten; es zeigt dies, wie hoch überhaupt die Versammlung einzuschätzen ist. Sehr versöhnlich plaidierte sodann Herr Bankier L. Weil für friedliches Nebeneinander-Arbeiten, das „Gezänk" im Judentum sei eine Schmach nach außen hin; er sei der Ansicht, daß die bisherige Methode des Unterrichts verfehlt sei, denn 80 Prozent der Jugend könnte kein Verständnis haben für die Art, in welcher bisher unterrichtet worden sei, und für ihn sei der große Abfall vom Judentum'Beweis für die Richtigkeit seiner Behauptung. Es folgten sodann längere Darlegungen eines in religiöser Beziehung absolut linksstehenden Herrn Jakob Mayer. In scharfer Weise geißelte er die Ungerechtigkeit, daß man die Hauptforderung der Orthodoxen, das Verlangen nach einer Vertretung innerhalb der obersten Behörde, nicht erfülle; die Minorität müsse hier eine Vertretung haben und deshalb dürfe man es den Orthodoxen absolut nicht übel nehmen, wenn sie den Kampf auf die Straße tragen. Er sei nichi der Ansicht wie der, Referent, daß man zufrreden sein könne, wenn man durch würdige, angesehene Personen in der Oberbehörde vertreten sei; nein! die Hauptrolle spiele hier eben auch die religiöse Gesinnung; sie sei sogar für die Parteien das allerwichtigste, ja, wenn der versöhnliche Geist des Herrn Bankier. Weil in Karlsruhe maßgebend wäre, was er leider nicht ist, dann hätte die ganze letzte außerordentliche Synodal-Sitzung, die zu nichts weiter einberufen war, als um den Kollegen und Parteigegner Dr. Löwenstein zu versehmen, nicht stattgefunden und die badisch: Judenheit hätte dadurch einen Verlust wahrlich nicht zu beklagen "gehabt. Wenn weiter diese versöhnliche Gesinnung des Herrn Weil maßgebend wäre, dann wäre der ganze Mainzer Prozeß nicht entstanden^ und dann wäre auch wohl die Disziplinierung des Vorstehers Dr. LVürzburger-Napvenau unterblieben, und auch das wäre kein Verlust geivesen für das badische Judentum, und wenn so versöhnlich an maßgebender Stelle gedacht würde, dann wäre weiter unmöglich, daß sämtliche höheren Amtsstellen einzig allein von der Reformpartei besetzt sind, und dann wäre es auch unmöglich, daß eine erhebliche Minoritätspartei so gänzlich in jeder Vertretung ausgeschlossen wäre. Diese ungerechtenZu stände abzuschaffey, sollte Ihre nächste Arbeit sein! — Nun kam das Oberratsmitglied, Herr Geh. Hofrat Rosin, selbst zu Wort, auf dessen Rede wir wegen ihrer Wichtigkeit noch zurückkommen werden. Zum Schluß verlas Dr. Haas-Karlsruhe folgende Resolution, die vom größeren Teil der Versammlung angenommen wurde: 1. Die „Liberale Bereinigung" in der. badischen Ladenssynagoge anerkennt das Nebeneinanderbestehen einer beharrenden und einer fortschrittlichen Richtung im Judentum als naturgemäß und sinnvoll, daß beide Richtungen in unserer Landesfynagoge ihre Befriedigung finden. 2. Die ^Liberale Bereinigung" wM> daß die Orthodoxie in der ihren Ueberzeugungen entsprechenden Religionsübung ungestört belassen und tunlichst gefördert werde. Sie verlangt aber andererseits für die liberale Mehrheit eine der Zeit entsprechende Gestaltung des Gotteshauses und Religionsunterrichtes überall da, too sie ohne Ge- - wissenszwang gegenüber der orthodoxen Richtung durchführbar ist. 3. Die „Liberale Vereinigung" erstrebt, daß nur solche Männer dem Oberrate und der Synagoge angehören, welche die vorstehenden Forderungen zu erfüllen gewillt und geeignet sind. Hamburg, 14. Januar. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt gestern mittag im Gemeindebureau eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn I. Alexander ab. Bei den zunächst vorgenommenen Wahlen des Vorstandes des Kollegiums wurden die Herren I. Alexander und Gustav Tuch als erster resp. zweiter Vorsitzender, und die Herren Dr. Samson und D. Münden als Schriftführer wiedergewählt. Sodann wurden in gemeinschaftlicher Sitzung mit dem Gemeindevorstand die statutengemäß aus dem Gemeindevorftand aüSscheidenden Herren Dr. Max Cohen und Alfred Levy einstimmig als Gemeindevorsteher wiedergewählt. Eine lebhafte Debatte rief sodann ein Antrag des Herrn Alexander Levy, betreffs her Mißstände auf dem alten Begräbnis-

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