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Der Israelit · 1908-01-30 · Heft 5 (30.1.1908) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 5 (30.1.1908)
Date
1908-01-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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St. ö;SWte 4 , . ^' ^üg werde er jnh metken; denn er kehre Der JStaelit. leicht nicht so schnell wieder! — Ich muß .sehen, daß die Worte des Armen wie eine kttÜagerede auf mich wirkten. Denn obwohl ich wahrlich nichts zu dem Mißgeschick des Gekränkteft beiaetragen, das Solidaritätsgefühl mahnt uns, daß bei bedauerlichen Zeiterscheinungen einer für den anderen verantwortlich ist. ■jtw rita HT D':ny. — Es liegt in der Tat kein Grund vor, Arme von der Uebung heiliger Bräuche und N11XV im Gotteshause fernzuhalten. Man macht rin dieser Hinsicht gar manche Einwendungen. näherer Prüfung sind sie jedoch nicht stichhaltm vor dem Richterstuhle der Vernunft und der Gerechtigkeit. So geben manche vor, die oft zweifelhafte Lebensführung der trrnw lasse dieiWen kaum würdig erscheinen zu und dgl. Uhgefehen davon, daß hierin eine oft grundlose WMchtigung, also die flagrante Uebertretung des Verbots von "ltenn liegt, folgt man Mit solcher Gepflogenheit dem häßlichen Grundes der Bervllgemeinerung, dem Prinzip des Httdenhasses aller Zeiten und Länder. Wollte" Wgn in dieser Hinsicht tatsächlich konsequent », so mühte man gar manchen von und tznämtern im Gotteshause ausschließen, well Aundamentalgefetze des Judentums mit Füßen Der Bymntinismus herrscht in vielen, reinden, selbst solchen, die noch auf gesetzes- Weyem Boden stehen. Die Wertschätzung der nun und ntn* hat das schöne Prärogativ des KPSV 21VN geschaffen. Wie oft aber verdrängt Her allmächtige Geldsack diese edel gemeinten Vorrechte! Kommt es doch vor, daß man die einzigen Orthodoxen in einer Gemeinde jahraus jahrein zurücksetzt, lediglich deshalb, weil sie in ihrer sozialen Stellung nicht die Hervorragendsten «rd. Wie sollte nun gar ein vollends Fremder, Wer mittellos zugereist kommt, auf Gleichberechtigung im Gotteshause rechnen dürfen? Zuwellen ist man froh, Arme zu Minjan rechnen m dürfen. Als Entgelt aber eine „Mizwoh" ihnen zukommen zu lassen, findet man unter seiner Würde. Wohl findet sich im Schulchan Aruch bei verschiedenen Anlässen die strikte Unterscheidung zwischen den Rechten des -Ansässigen und Fremdem, Denn und mit*. Nirgends aber wird einer Exklusivität in oben dargelegter Art das Wort geredet. Als eine Härte muß es bezeichnet werden, wenn einem Armen das „Kaddischsagen" am Jahrestag seiner Heimgegangenen Lieben mit der Begründung verweigert wird, daß laut Paragraph soundsoviel nur den steuerzahlenden Gemeindemitgliedern dieses Recht zustehe. Was denken sich etwa solche Äaddifch-Patrizier bei der so häufig widderkehrenden Wendung *P1" im Gebete? Wo , bleibt, da daS so vielgepriesene Gemetngefühl in Israel? — Man hat in den jüngsten Dezennien, dem Drange der Zeiten folgend, Großes geleistet auf allen Gebieten Humanitären Wirkens im Interesse der Armen und Unglücklichen. Man sollte auch einmal auf die bessere Berücksichtigung der Armen im jüdischen Gotteshause sein Augenmerk lenken. Das gilt sowohl für die Werktage als auch für Sabbathe und Festzeiten. Gerade im Geiste der Festtage, an denen der Thoravortrag ohnehin auf die Berücksichtigung der Armen, Waisen, Witwen und Fremdlinge hinweist, liegt es, von der bisherigen Gepflogenheit einmal abzuaehen. Die stumme Resignation, mit der die Zuruckgedrängten sich in die nun einmal zu Unrecht bestehenden Verhältnisse gefügt, macht den Fehler nicht besser. Drum sei es gewagt, offen ein Wort für sie einzulegen. Weisen wir von der Schwelle des Gotteshauses den Geist der Voreingenommenheit und Engherzigkeit energisch zurück, suchen wir wenigstens an heiliger Stätte den Armen anzuerkennen als vollwertiges Glied der jüdischen Gemeinschaft, als unsern Bruder und Volksgenossen. 72 □v,on .Ww\ Jbri. Sinais Höbe«. □winn bv pyoio cnvOwQN riÄri •'O'dd D^nnn na O'dd d’W# nv «Das „Und", das dem Abichnitte der Rechtsvorschriftenvorgesetzt wird, bezeichnet dieselben als Fortsetzung der vorherge ' henden Gebote und besagr, baß wie diese so auch jene Rechtsvorschriften, am Sinai verkündet wurden." (Mechitta 21.) Noch waren die göttlichen Flammen nicht verraucht, die Donnerstimmen nicht verhallt. Zitternd in heiliger Ehrfurcht stand noch das Volk unterhalb des Berges, um den weiteren Lehren zu lauschen, die, der göttlichen Wahrheit entflossen, zur höchsten sittlichen Freiheit führen. Und gerade diese Rechtslehren sollte Moses anschaulich und mundgerecht dem Volke vorlegen Tny jnVittc: a'tsn. — Denn find die götttlichen Grundwahrheiten, wie sie in den „zehn Worten" niedergelegt sind, das Fundament, auf das sich die fortschreitende Kultur der Menschheit für ewige Zeiten gründet, so sind die „Mischpotim" die Grundpfeiler, auf denen das Judentum im besonder« festgebaut ist, das einzig wahre, unveräußerliche und unveränderliche, auf SinaisHöhen verkündete Judentum. Darum gilt die Verwarnung, welche '"vn nach der sinnigen Erklärung unserer Weisen bei „Dort unter bem die Annahme der der Gesetzgebung aussprach: Berge sollt ihr, wenn ihr Thora verweigert, euer Grab finden", nicht nur vom Dekaloge, sondern auch von den Rechtsvorschriften, den Mischpotim (l^2pn DK ormiap xnn nt» n*? vtri 2viv nmnn nt* (n"s rat?). Man braucht noch kein allzu großer Kenner der talmudischen Lehrweise zu fein, um beim Wörtchen otr erstaunt anzuhalten und zu fragen: Was soll dieses „dort" besagen, dadochJsrael hier vor dem Angesichte Gottes unter dem Berge steht? Sollte eS doch schlechterdings NS oder po heißen, da doch nur so die Verwarnung logisch verständlich würde: „Entweder die Thora—>- oder der Berg hier wird zum GrabeShügel?" Bei der Lösung dieser sprachlichen Schwierigkeit fällt mir eine andere interessante und jedenfalls sehr geistreiche Frage eines alten Talmudlehrers ein: „Wie", fragte dieser, „sollte die Verbindlichkeit der Thora für alle Zeit aufrecht erhalten bleiben, nachdem unseren Vorfahren dieselbe unter Tod esdrohung aufgezwungen wurde? Heißt es doch ausdrücklich (n"i svD v"N), daß jedes durch Todesdrohungen erzwungene Versprechen, und wäre es auch mit einem Eide bekräftigt, ungilttg» ist?" „Gewiß", antwortet der gleiche Lehrer, „ist es wahr, daß man das in Todesangst abgegebene Versprechen oder den geleisteten Eid dem Gewalttäter gegenüber in keiner Weise einzuhalten verpflichtet ist. Anders aber verhält es sich, wenn dieses Versprechen einem Dritten, der helfend und rettend eingriff, gemacht worden ist. nrn m'nym. Sagt da jemand zum andern: bringe mich über den gefährlichen Strom, schütze mich vor den Räubern, wogegen ich dir eine gewisse Summe zahle, so ist die Verpflichtung, obzwar ebenfalls unter dem Eindrücke der Todesgefahr eingegangen, rechtsgilttg und der also Gerettete zur Zahlung der versprochenen Summe gezwungen." Die Thora, führte mein Lehrer weiter aus, war es nicht, die durch einen Gewaltakt am Sinai sich Israel aufgedrängt hat. Sie tritt im Gegenteil als die Retterin und Beschützerin Israels in der Not und Drangsal, die ihm von allen Seiten drohen, auf. Wenn sich alle feindlichen Mächte zusammentun, um es zu verderben, wenn die Berge über seinem Haupte Zusammenstürzen, dann — ist es die heilige Thora, die ihm Schutz und Zuflucht bietet. Und daher spricht -»"rn: „Wollt ihr die Thora empfangen und sie als Stütze mit auf euere Wanderschaft nehmen, sie als Leuchte in der langen bangen Golusnacht benutzen, so ist's gut. So ihr es aber nicht tut, dann winkt dort, nicht heit von Menschen annehmen muß, die sich Geräte daraus hergestellt oder Geräte herausgeholt haben. Das zeigte auch die besondere Art und Weise der. Oeffnung und Spaltung fast sämtlicher geraden Markknochen von Hirschen, Rindern uno Schweinen, den Tiergattungen, die in der Triniljauna weitaus vorwiegen. In drei bis vier Körben, die schon als Schutt weggeworsen werden sollten, wurden noch glücklich solche primitive Werkzeuge entdeckt; es waren mit Vorbedacht auseinander geschlagene und zu Pfriemen und Nadeln zugespitzte Knochensplitter, von oenen mehrere ganz glatt geschliffen waren. Auch später wurden noch ähnliche Stücke ausgegraben, die deutlich genug das Vorhandensein des denkenden, Geräte anfcrtigenden Menschen für die Zeit anzeigten, in der nach Dubois sein Pithecanthropus das fehlende Mied in der Kette zwischen Mensch und Affen darstellcn sollte. Manche der Knochen waren augenscheinlich mit einem scharfen Instrument entzwei geschlr-!\en; an einigen bereits früher ausgegrabenen Stücken ossilen Elfenbeins konnte man seststellen, daß sie aus tarfen Schlagzähnen von Elephanten oder Stegooonten, dem Uebergangstier vom Mastodon zum Elefanten, „herausgeschlagen" waren und sicherlich nicht zu Lebzeiten dieser Tiere infolge eines Stoßes gegen Festen oder durch einen anderen natürlichen Umstand ausgefallen oder abgerissen worden sein konnten. Außer diesen Knochenstücken, die deutlich menschliche Tätigkeit verrieten, wurden auch noch drei Stuck Holzkohle gefunden, die nur durch Feuer geformt sein konnten, wie eine eingehende Untersuchung bewies. Wichtig ist es auch, daß unter den von der Sclenka- ^ednickn ausgegrabenen Knochenresten sich patbo- M mißgestaltete Knochenslücke befinden, di? die von Birchow seinerzeit abgegebene Erklärung unterstützen, daß der Schädel des Pftheeanthropus ein pathologisches, krankhaftes Gebilde sei. Auf Grund der geologischen Verhältnisse bei Trinil uno des paläonthologischen Befundes hatte bereits Professor Bolz festgestellt, daß der Pithecanthropus jus mittlere Diluvium gehöre und gleichzeitig mit dem Menschen gelebt habe. Durch diese neuesten Ergebnisse nun, die das Vorhandensein des Menschen in der Zeit, der der Fund Dubois angehörte, in unzweifelhafter Form feststellen, sind die an den Pithecanthropus geknüpften weitgehenden Folgerungen als ungerechtfertigt erwiesen. Dieser Anthropoide von Trinil ist nicht älter als der dortige Mensch und folglich auch nicht das so lange gesuchte ,.Missing Link“. fPhito, der Alexandriner, über Mimikry.) Wir lesen im „Kosmos": Angesichts der neuerdings erhobenen Zweifel an oer biologischen Bedeutung der sogen. Mimikry dürste es interessieren, daß diese Erscheinung schon im Altertum bekannt war und in der Weise' Darwins gedeutet wurde. Dies beweist folgende Stelle aus einer Schrift des bekannten j ü d i s ch-h ellenistischenPhrlosoph epMH i l o n (oder Philo, geb. um 20 v., gest. gegen 54 tbLjp uns Herr Pfarrer Ottran frenndlichst mitteilt. - DWn schreibt in seinem Buche äs vbriststs (§ 42H „Das Chamäleon verändert, wie man sagt, seine Farbe und färbt sich den Bodenarten ähnlich, über die es hinzukriechen pflegt. Der Polyp paßt seine Farbe den Meeresfesten an, an die er sich gerade klammert. Wahrscheinlich hat die auf Lebenserhaltung bedachte Natur ihnen diese Möglichkeit des Farbenwechsels^ als Abwehrmittel gegen das .Gefangenwerden geschenkt. Man sagt auch, daß im Lande der Skythen, ber den sogenannten Gelonen, etwas sehr Wunderbares vorkomme, zwar selten, aber jedoch jedenfalls zuweilen, näm lich ein Tier mit Namen Tarandos, das an Größe einem Rind nicht nachsteht, in der Gesichtsbildung aber dem Hirsche sehr ähnlich ist. Bon diesem geht die Rede, daß es seine Haare immer verändere und anpasse an die Oertlichkeiten und Bäume und überhaupt an alle die Gegenstände, in deren Nähe es stehe. Tie Folge davon ist, daß es wegen der Aehnlichkeit der Farbe den Herzukommenden verborgen bleibt, und daß es mehr durch diesen Umstand als durch seine Körperstärke schwer zu erjagen ist." — Dr. M. C. Piepers, der Verfasser eines Werkes, das gegen die Mimikryrehre und Naturselektion zu Felde zieht, führt in seiner neuesten Arbeit „Noch einmal Mimikry, Selektion, Darwinismus" (E. I. Brill, Leidenletztere Stelle ebenfalls an mit der Bemerkung: „das ist gewiß eine sehr alte, echte Mimikrywahrnehmung. Glaubt man aber, daß zu der Zeit das Elen — denn dieses Tier scheint hier doch wohl gemeint zu sein, obgleich der Name an das Renntier erinnert — in der Tat so das Haar wechselte? Ach nein, aber die den alten Skythen eigene Oberflächlichkeit ist noch immer bis heute bei vielen Naturforschern unverändert erhalten geblieben." _

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