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Der Israelit · 1908-01-23 · Heft 4 (23.1.1908) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 4 (23.1.1908)
Date
1908-01-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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R». 4. Veite 3. Der JSraettt. 28. Jamrar 1908 der Gesamtheit selbst in Angriff genommen werden. Dessen ist man sich auch in weiten Kreisen der gallischen Judenheit wohl bewußt. Aber es fehlte bisher die Initiative. Einen löblichen Anfang hat in letzter Zeit ein in Kolonien gegründeter Verein gemacht, auf den wir bereits an anderer Stelle kurz hingewiesen haben. Dieser Verein will, und das ist von Wichtigkeit, eine auf statistischen Feststellungen basierende, organisatorisch geregelte Arbeit leisten. Die Schaffung einer jüdischen Arbeitsvermittelung, die sich über das ganze Land erstrecken soll, die Förderung der Hausindustrie, die Errichtung von Gewerbeschulen, in denen auch das Thorastudium gepflegt werden soll, und die Regelung der Armenpflege, das sind die Aufgaben, die sich die junge Bereinigung gestellt hat. Allein ihre Kräfte sind vorläufig kaum groß genug, um ihr eine mehr als lokale Bedeutung zu verleihen. Die Frage ist die, wie es gelingen kann, eine das ganze Land überspannende Bewegung zu schaffen. Man könnte versucht sein, die jüdischen Reichsratsabgeordneten als die natürlichen Führer einer solchen Bewegung anzusprechen. Allein abgesehen davon, daß es aus mancherlei Gründen sich nicht empfiehlt, die Frage mit politischen Gesichtspunkten zu verquicken, können diese Männer auch nach ihrer ganzen Lebensanschauung nicht die Bertrauenspersonen der an den Ueberlieferungen Her Vätör festhalt^Nden Mafien werden. Es ist vpn jeher für das traditionelle Judentum von Wm gewesen, wenn Männer, die seinen Boden verlassen hatten, als Wortführer an der Spitze der Gesamtheit ständen. Die gesetzestreue Judenheit muß auch in Galizien ihre Schicksale m eigenen Händen halten. Es Muß eine Organisation der Orthodoxie geschaffen werden, die zur Wahrung der religiösen Heiligtümer auch die Förderung wirtschaftlicher Interessen in ihren Aufgabenkreis einbezieht. Eine orthodoxe Organisation wird schon seit längerer Zeit geplant, aber es Muß nun auch endlich mit aller Energie an ihre Verwirklichung gegangen werden. Vielleicht empfiehlt es sich, jetzt, nachdem sich eine Anzahl von den besten Absichten erfüllter Männer in Kolomea zusammengeschlossen haben, diesen Verein zmn Ausgangspunkt einer mit allem Nachdruck M betreibenden Aktion zu machen. Es ist keine AM zu versäumen. Unseres Erachtens wäre es vor allem eine Ehrenpflicht der an der Spitze der ungarischen Orthodoxie stehenden Männer, ihre Erfahrungen und ihre organisatorischen Fähigkeiten in den Menst ihrer galizischen Nachbarn zu stellen, deren besonderen Verhältnisse sie am besten kennen und deren religiöses Schicksal sie auch am allernächsten ängeht. Kocheurunöscha«. Der Refolufions-Sonfls. Wie bereits gemeldet, hat die preußische Regierung, gemäß den Beschlüssen des Landtags in den Etat einen — relativ recht kleinen — Betrag eingestellt, der dazu dienen soll, da, wo für den jüdischen Religionsunterricht nicht durch jüdische öffentliche Schulen oder seitens der bürgerlichen Gemeinde durch Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den öffentlichen Volksschulen oder in anderer Weise gesorgt ist, den leistungsschwachen Synagogengemeinden die Beschaffung des jüdischen Religionsunterrichts durch Gewährung von Beihilfen in solchen Fällen zu erleichtern, in denen dauernd mindestens 12 jüdische Kinder vorhanden sind. Die Tatsache nun, daß in der Begründung des Etats das Wort leistungsschwach eingefügt worden ist, während es in dem Wortlaut des Kommisfionsbeschluffes nicht enthalten war, gibt dem „Verbände der deutschen Juden" Beranlaffung, die jüdischen Zeitungen zu einem scharfen Tadel gegenüber der Regierung aufzustacheln, die „Bedürftigen Almosen" (sw!) reiche, statt — wie es die „ausgleichende Gerechtigkeit" verlange — die Zuschüsse ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Gemeinden zuznbilligen. In der Kommission des Abgeordnetenhauses, in welcher die Resolution beraten wurde, sei — so behauptet der „Verband" — der jetzt von der Regierung eingenommene Standpunkt nicht vertreten worden, vielmehr habe man es als eine Forderung ausgleichender Gerechtigkeit erachtet, daß ebenso wie die jüdischen Steuerzahler die Kosten des christlichen Religionsunterrichts mit aufzubringen haben, so auch der Staat als solcher in entsprechendem Maße für den jüdischen Religionsunterricht mitsorgen müsse. Es sei nöthig, den „früheren Standpunkt" im Landtag in Erinneiung zu bringen. Wir möchten, bevor wir an diesen sachlich unrichtigen und politisch geradezu gefährlichen Auslassungen Kritik üben, vor allem betonen, daß wir in dem Wunsche, Staatsmittel in möglichst reichem und wirksamem Maße dem jüdischen Religionsunterrichte dienstbar zu machen, hinter dem ,J2ß. d. d. I." gewiß nicht zurückstehen; allein gerade deshalb müssen wir namens der gesetztstreuen Kreise der preußischen Judenheit Verwahrung ein legen gegen die politischen Methoden, die der „Verband" in seinem Eifer anzuwenden für gut findet. Jeder Unbefangene wird es vonvornherein für elbslverständlich erachten, daß nur leistungschwache Synagogengemeinden Anspruch auf Üe Hilfe des Staates haben. Die heiß umtrittene Frage, ob nach der Berfasiungsurkunde n Sachen des Unterrichts der preußische Staat christlichen Charakter trägt oder nicht braucht hierbei gar nicht erörtert zu werden, denn auch die nicht jüdischen Schulverbände erhalten ihre Staatszuschüffe nur subsidiär im. Falle mangelnder Leistungsfähigkeit. Es liegt also durchaus keine Zurücksetzung für die jüdische Religion darin, daß der Anspruch auf Staatsbeihülft von dem Nachweise der mangelnden Leistungsfähigkeit einer Synagogengemeinde abhängig gemacht werden soll. Geradezu unbegreiflich aber ist es, wenn der „Verband" es so darzustellen sucht, als ob „Umn" (d. h. doch wohl die Mehrheit oder gart Regierung und Mehrheit?) in der Kommission die Absicht gehabt habe, die Zuschüsse des Staats als Rechtspflicht gegenüber sämtlichen Synagogengemeinden zu statuieren. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Allerdings wurde von Mer Seite in der Kommission eine fiücheLlnsicht vertreten. Allein sofort bestritt^ssiehe Knmvk- Bericht Seite 330) „ein Kommissar des Finanzministeriums die Schlußfolgerung, die der letzte Redner aus der Kommission gezogen habe, daß der Staat verpflichtet sei, auch leistungsfähigen Synagogengemeinden den Religionsunterricht durch Zuschüsse zu erleichtern, weil die Juden Steuern zahlten; denn die Anwendung dieses Grundsatzes müßte dann auch aufdie christlichen Staatsangehörigen ausgedehnt werden. Der Staat erhebe aber auch von diesen die Steuern ganz allgemein, leiste aber die Zuschüsse nur an leistungsschwache Schulverbände." Und in der anschließenden Diskussion war es ganz evident, daß die gegenteilige Rechtskonstruktion nicht aufrecht erhalten werden konnte. Aus Billigkeitsaründen hat der Landtag die Förderung des jüdischen Religions-Unterrichts beschlossen, in dem Bewußtsein, daß es Ehrensache und eigenstes Interesse des preußischen Staates sei, den schwer ringenden jüdischen Landgemeinden in ihrem Kampfe um die Erhaltung jüdisch-religiöser Gesinnung zu Hilfe zu kommen. Wenn — sicherlich mit Rücksicht auf die Finanzlage — der bewilligte Betrag in gar keinem Verhältnisse zu dem durch die bekannte Enquete festgestellten Bedürfnis steht, so ist es gewiß das euilleton. Der Treitagabend.. FreitagalKnd! Welcher Zauber liegt in diesem Wort, welche Fülle von Glückseligkeit! Drängt sich nicht dem die Träne der Sehnsucht ins Auge, der fern der Heimat alleinstehend an einem Freitagabend des Elternhauses gedenkt, wie.jetzt im traulichen Familienkreise am Sabbattische die Großen und die Kleinen sich heiter der Saboatsreude hingeben. Ja, wem von allen denen, die nicht mehr in den Spuren ihrer Väter wandeln, denen Sabbat und Judentum nur eine Reminiszenz geblieben, würde es nicht warm ums Setg, wenn. ihn der Zufall in die lichtdurchflutete abbatstube am Freitagabend führen sollte, wo der Anblick der Sabbatsreude ihm die Bilder einer glücklichen Jugend vor das geistige Auge hervorzaubert! Ein poetischer Zauber liegt über dem Freitagabend, ein Zauber, der sich schon in seinem Herannahen spürbar macht, der schon über dem Empfang geleitet ist, mit dem man die „Prinzessin Sabbat", *) Der Verlag von M. Lehrberger L Co. in Rödelheim war so freundlich, uns von dem demnächst in neuer Bearbeitung erscheinenden nvbV nbrp, das einst als beliebtes Familienbuch große Verbreitung erfahre« hat und jetzt vollständig vergriffen ist, einige Aushängebogen zuzustellen. Die Bearbeitung rührt von Herr« Prot. Dr. Sulzbach her. Derselbe hat Werk mit einem Anhang versehen, aus dem wir die Betrachtung „Der Freitagabend" hier wiederzugeven. D. Red. ihr entgegengehend, ehrenvoll auszeichnet. So herzerquickend, so reizend ist diese Zurüstung, daß sie einen Künstler begeistert hat, sie im Gemälde zu verewigen. Der schöngedeckte Tisch, auf dem die Sabbatbrote unter der Decke hervorlugen, der silberne Becher neben einer Flasche mit Wein für die Weihung des Sabbat berritgestellt, die seitwärts stehende Schüssel mit den appetitlich ausschauenden Fischen, das hell erleuchtete Zimmer — alles deutet darauf hin, daß man einen hohen Gast erwartet, dem zu Ehren ein Fest bereitet werden soll, das die Herzen freudig stimmen wird, die Augen wird glücklicher leuchten lassen, das eine glückliche und heitere Sorglosigkeit über alle verbreiten wird, die dieses Fest oegehen, und jedem Kuminer und jeder Tagessorge den Eingang wehren wird. Bor dem Tische steht im Sabbatgewande die Hausfrau. Sie hat soeben den siebenzinkigen blinkenden Leuchter, der über dem Tische hängt, angezündet, und hält wie betend ihre Häirde erhoben, Gott dankend, daß es ihr zur Pflicht gemacht worden, die Lichter zum Saboatempfang anzuzünden, ihr gleichsam der Hausfrau Aufgabe andeutend, Helle im Hause zu verbreiten, das Haus durch ihr Walten zu einer Stätte heimischen Glückes, der Gemütlichkeit und des Friedens zu gestatten. Wie verklärt blickt sie empor, und da mag sie wohl dem Segensspruch noch manche Bitte hinzusügen: die Bitte, daß Gott ihr den geliebten Mann gesund und froh erhalten möge, die Bitte, daß ihre Kinder guck gedeihen, zu guten Menschen und frommen Juden heranwachsen mögen, daß sie, wie diese Leuchter, auch einst Helligkeit und Lichtglanz und Freude in dem Kreise verbreiten mögen, dein sie einstens angehören werden. Indessen hat der Mann wartend und zum Hortgang bereit an der Tür gestanden. An der einen Hand hält er sein Söhnchen, das er mit in die Synagoge nehmen will, in der andern hält er noch die Taschenuhr, die er gezogen hat, als er seine Frau daraus aufmerksam machte, daß es Zeit sei, die Lichter anzuzuude«. Er will nur noch ein freundliches „Gut Schabdos" seiner Frau zurufeu, um alsdan» in die Synagoge zu eilen. So hat der jüdische Maler Oppenheim die Bor' bereitungen zutn Empfange des Sabbat im Bilde dargestellt, so realistisch wahr und eben darum so reizerrd, so erfüllt vom Sabbatglanz und Sabbatzauber. Und der Maler kormte es daher so wahrheitsgetreu und so alckend darstellen, weil er nur in seine Erinnerung zugreifen brauchte, um mit dem Stifte zu zeichnen, was er im Elternhause in der Judengasse zu Hanau als Kind gesehen und erlebt hat. So hat mall also vor mehr als hundert Jahren den Sabbat empfangen, aber ebenso empfangen wir ihn jetzt nach mehr als hundert Jahren, denn seine alte Kraft und ferne Macht ans das Gemüt hat der alte Sabbat noch immer für die behalten, die ihn als das „schönste Geschenk, das Gott aus seiner Schatzkammer" einenr Volke bieten konnte, zu lieben und zu schätzen wissen. Diese feiern diesen Tag noch ebenso, wie ihn unsere Väter gefeiert haben. Manches Aeußerliche hat sich nur geändert. Wenn auch die siebenzinkige Lampe nur noch als antiquarische Rarität die Salons oder die Speisekammer schmückt und ihre Stelle Gaslüster oder elettrische Kronen eingenommen haben, die Mutter des Hauses zündet nicht weniger andachtsvoll, nicht weniger hoffnungsvoll das Sabbatlicht an. Wenn dir Männer auch.nicht mehr nrit Barett und in Kniehosen gelleidet und mit dem Sabbatmantel umhüllt zum Gottesdienste eilen, sie jubeln doch nicht weniger Herzens« fieudig dem Sabbat entgegen: „Zieh' ein, o Braut, zieh' ein, o Braut!" Und wenn der Mann heim-

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