Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1908)
- Date
- 1908-01-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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) er Israelit Ba Cuinlorgao ffirdas irflwdixe Jibutan Iifriiief m Br. Lämi ii Rbnz 49. Jahrgang KSI Sranbfurfa.nl., den 23. Januar 1908. 20 Sdiemaf 3668. M * erscheint jeden Donnerstag. Abonnements r Gewöhnliche Ausgabe Ml. 1.50 vrerteljShrlich. HestauSgabe auf Kunstdruckpapier Mk. 3.— vierteljährlich. (Auslandspreise für di« grwöhlüsthe AKrSgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Lr.» RuNand I Luv.» England 2 sd.» Amerika 60 cts-, Niederlande 1,20 fl.) AbonnemmtS bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bet der nur dstekt. Inserate r 80 Pfennig für die sechs gespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratmannahme nur durch ivHaaseustein u. Bögler A^G.» A EbiMe «o. 79605* Frankfurt a. W. und deren Filialen. Aont» btt der tn 69»i Am 24. Silvan werden es hundert Jahre, daß Rabbiner Samson Maphael Kirsch, der Regenerator des gesetzestreuen Judentums in Deutschland, das Licht der Welt erblickte. Wenn es eine imbestreitbare Tatsache ist, daß nach dem Heimgang des großen Meisters seine Werke und seine Gedanken in ungeahnter Weise einen Siegeszug durch die ganze Diaspora angetreten haben, so ist doch für das rechte Verständnis seiner GedanhMvelt sowohl im wissenschaftlichen Sinne, als in der Absicht populärer Darstellung noch vieles zu tun. Der „Israelit" beabsichtigt hierzu anläßlich des hundertjährigen Geburtstags des großen Lehrers das seinige beizutragen durch die Herausgabe einer Sondernummer die als Festgabe sowohl den .Lesern des „Israelit" als weiteren Kreisen zugängig gemacht werden soll. » r A* Zur Mitarbeit an diHer^S omdernummer fordern wir schon heute hierdurch alle, die Schüler des Geistes und Kenner Wamson Raphael Hirsch's sind, auf. Es sind Beiträge folgender Art willkommen: a) materiellen?ur Samson Raphael Kirsch s sowohl aus persönlicher Erinneru^. dra^M^ schriftlicher Dokumente, ungedruchte Briefe etc. ' gehörend auch bemerkenswerte geschichtliche Dokumente, welche geeignet sind, die den Hintergrund der Wirksamkeit S. R. Hirsch's bildenden Zettverhältnisse zu beleuchten. b) Beiträge?ur wissenschaftlichen Erkenntnis und jum weiteren Ausbau der Kedanhenwelt S. R. Kirsch s c) Rothen und Bemerkungen?u den Schriften S. R Kirsch s. ö) Photographien von Stätten oder von Persönlichkeiten, die in Beziehung zu S. R. Hirsch gestanden haben, Sacsimilia von Briefen etc Für die Beiträge sud b ist eine vorherige Anfrage bei der Redaktion des „Israelit", ob die Ausarbeitung gewünscht wird, zu empfehlen, damit den Verfassern womöglich unnütze Mühe erspart bleibt. Die zur Veröffentlichung angenommenen Beiträge werden honoriert, die übrigen zurückgegebeu. Zu weiteren Auskünften sind wir gerne bereit. Die Redaktion des „Israelit“. Die gallrircbe Ivaeimot. Die osteuropäische Judennot ist kein homogener Begriff. Trotz vieler gleichartiger Merkmale, besonders auf dem geistig-religiösen Gebiet, ist sie infolge der Verschiedenheit der politischen Zustände in Galizien von anderer Art als in Rußland und Rumänien. In den beiden letzteren Ländern ist der Drück, den die Staatsverwaltungen auf die Juden ausüben, die politische Entrechtung, die Ursache des wirtschaftlichen Elends der jüdischen Massen. In Galizien hingegen sind die Juden politisch nicht wesentlich schlechter gestellt, als in den westeuropäischen Ländern. Hier liegen die Ursachen des materiellen Tiefstandes vor allem in der ökonomischen Entwickelung, die das Land in den letzten drei Jahrzehnten durchgemacht hat. Bis dahin erfreute» sich die Juden erträglicher Lebensverhältnifse. Sie betrieben in den Städten Groß- und Kleickhanöel, Last- und Personenfuhrwerk, GeldverleihungSgeschäste, und verschiedene Handwerke; aus dem Lande ernährten sie sich als Besitzer twn Dorsschäuken, Straßenwirtshäusern und Lebensmittelgeschäften. Die Durchquerung _ Galiziens mit einer großen Zahl von Eisenbahnstrecken hat aber diese Erwerbszweige außerordentlich geschädigt und zum Teil ganz vernichtet. Tie Tausende von Straßenwirtshäusern, die in Händen von Juden waren und das Last- und Personensuhrwerl mußten eingehen. Der Zwischenhandel in Getreide und Landsstznodukten wurde durch den. Anschluß der Gutsbesitzungeck an ErseMbahnstationen stark zurückgedrängt. Me gleiche Wirkung haben die in den Städten gegründeten kleinen und großen Kassen auf die Geldverleihungsgeschäfte, und die fast 6000 Konsumvereine, die in den Dörfern heute bestehen, auf das Krämertunl und den Nahrungsmittelverkauf bei den Juden ausgeübt. So kam es, daß in der eine Million starken galizischen Judenheit wohl an HO,000 Familien ohne Erwerbsquelle und deren Väter gezwungen find, zum Teil in Galizien selbst, zum Teil im Auslande Almosen für sich und die ihren zu erbitten. Ganz untätig ist inan diesen traurigen Zuständen gegenüber nicht gewesen. Insbesondere ist die Einrichtung von Hausindustrien durch den österreichischen Hilfsverein für Galizien als ein anerkennenswertes Unternehmen hervorzuheben. Aber der Umfang dieser Aktion entspricht nicht der Größe des Elends, dem abzuhelfen ist. Wie in allen wirtschaftlichen Notlagen muß mich hier die Selbsthilfe mit der von außen kommenden Unterstützung Hand in Hand gehen. Den Beistand der westeuropäisch«: Juden werden freilich die galizischen Brüder nicht entbehren können. Aber die Hauptaufgabe muß von