Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1908-01-16 · Heft 3 (16.1.1908) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 3 (16.1.1908)
Date
1908-01-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449298-2449302--64129-2506705
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Feuilleton-Beilage zu Nr. 3 des „Israelit". Der knlrel. euilleton. Erzählung von Friedrich Rott. SS (Fortsetzung.) „Wo bist Du den ganzen Nachmittag gewesen?" fragte sie. „Zuerst war ich drüben bei dem Papa, dann habe ich einige Bekannte besucht, dann bin ich mit dem Papa in die Synagoge gegangen, und schließlich habe ich mir, wie du siehst, meinen Jungen geholt." Malwine war von Herzen froh, als sie den Gatten so heiter sah, dann hatte er, ihrer Ansicht nach, an die unliebsame Angelegenheit, über die sie sich beim Mittagessen nahezu entzweit hatten, sicherlich vergessen, würde hoffentlich auch weiter nicht daran denken, und die Geschichte würde einschlafen, würde totgeschwiegen werden, das war entschieden das Richtigste. Wie inlmer, wenn sie etwas tot zu schweigen wünschte, war sie besonders heiter und liebenswürdig und in traulicher Unterhaltung nahmen sie das Abendbrot ein. „Ich wäre heute so gern hinüber zu dem Papa gegangen, aber es waren so viele Besuche da, ich war den ganzen Nachmittag nicht allein. Aber beinahe hätte ich vergessen, Dir mitzuteilen, daß ich für uns beide, für Dich mit zugefagt habe morgen Nachmittag an einem Ausflug nach dem Jägerhof teilzunehmen. Direktor Steiner meinte, ob nicht Papa auch mit kommen würde." ,Zast Du nicht vielleicht auch für den Papa zugesagt?" „Nein, das habe ich nicht getan. Fmdest Du nicht, daß ich sehr weise bin?" „Na, dumm bist Du gerade nicht. Wann soll denn die Expedition von statten gehen?" ,/Zwischen vier und halb fünf sollen sich die Wagen draußen vor dem Stadtpark versammeln, spätestens um halb fünf soll es los gehen. Du wirst auch einen Wagen bestellen müssen, am Sonntag gebraucht mein Papa seine Equipage selbst." „Das weiß ich. Nun, wenn Du es denn einmal zuge,agt hast" — „Ja, Herzensmännchen, ich habe es zugesagt, weil ich von Deiner unvergleichlichen Bravheit überzeugt war." Theodor hatte mit dem Doktor Schwarz vereinbart, daß sein Bater in den späteren Nachmittagsstunden kommen werde, weil derselbe am Sonntag statt abends in den früheren Nachmittagsstunden seine talmudischen Studien zu betreiben pflegte. Er konnte ihn daher vor der beabsichtigten Spazierfahrt nur flüchtig sprechen, Aber wenn der Herr Grünfeld auch nicht zugegen gewesen wäre, sie hatten im Augenblick nichts zu besprechen, Vater und Sohn kannten einander, ein fester warmer Händedruck sagte beiden mehr als Worte. Der Ausflug verlief in heiterster Weise, denn es war eine ebenso heitere wie zahlreiche Gesellschaft zusammen und der Jägerhof ein mit Recht bevorzugtes Ausflugszielnirgends fanden die Damen besseres Eis, und die Herren frischeres Bier als im Jägerhof und beffere Tennisplätze waren auch schwer zu finden. Auch Theodor beteiligte sich lebhaft am Spiel, trotzdem hätte ein scharfer Beobachter gewahren muffen, daß er mit seinen Gedanken nicht immer im Walde war. Es war schon ziemlich spät, nahezu halb zehn als Malwine und Theodor ihr Heim erreichten. „Es war doch schön, Männeken,' nicht?" sagte sie, auf als sie auf seine Hand sich stützend aus dem Wagen sprang. „Aber was hast Du? — Frau Doktor Bach hat doch Recht, Du bist heute kein so guter Gesellschafter wie gewöhnlich, Du bist zerstreut." „Ich bin müde", sagte er, die Stirn in Falten ziehend, „vielleicht hat Frau Doktor Bach recht, ich hätte mich nach unserer Reise erst ausruhen sollen." „Das kannst Du noch tun", erwiderte sie, indem sie neben ihm die Stiege aufwärts schritt, die zu ihrer Wohnung führte. „Du gehst heute nicht mehr hinüber zu Papa, wir werden gleich effen und nach dem Essen gehst Du in's Bett und schläfft wie ein Murmeltier bis morgen früh." Er erwiderte nichts, er hatte hinauf zu den Fenstern seines Vaters gesehen, sie waren nicht erhellt wie sonst. Sollte sein Bater sich schon zur Ruhe begeben haben? — Dazu erschien es ihm doch noch zu ftüh. Oder sollte er noch nicht zu Hause sein? Sie fetzten sich zu Tische, Malwine legte ihm vor und plauderte heiter. Er antwortete ziemlich einsilbig, mußte sich zwingen einiges zu genießen, denn seine Erregung steigerte sich von Minute zu Minute. Da plötzlich ertönte die Hausglocke und gleich darauf wurden Schritte auf der Stiege laut. Wer war das? — sollte es sein Bater sein? — zu so später Stunde war er noch nie zu ihnen gekommen. '' Da klopfte es an die Tür, die gleichzeitig geöffnet ward, Gotthold trat in das Zimmer. „Papa!" rief Malwine „sei herzlich willkommen! willst Du mit uns essen?" Theodor war aufgesprungen, dem Vater entgegengeeilt, hatte seine Hand ergriffen und sah fragend zu ihm hinüber, aber er brachte keinen Laut hervor. „Guten Abend, liebe Kinder!" sprach Gotthold mit seltsam belegter Stimme. „Bitte setze Dich doch, Papa, die gefüllten Tauben sind deliciös und bitte, Theo, willst Du an den Schellenknops drücken, dag Marie noch ein Couvert auflegt." „Danke sehr, liebes Kind, ich habe bereits gegessen — Ich — ich wollte nur nicht zögern — auch euch mitzuteilen — daß ich mich heute Ab nd verlobt habe, mit Fräulein Irma Kohn. „Mass.ltow, lieber Vater", rief Theodor „masseltow! — innigen herzinnigen Glückwunsch!" Malwine aber brach in ein lautes, grelles Gelächter aus. „Dummer Kerl, der Du bist! merkst Du denn nicht, daß der Papa uns foppen will? — Wer wird denn solchen Unsinn glauben! — Papa ist doch nicht verrückt geworden." „Schweig!" schrie Theodor. „Laß sie", besänftigte Gotthold, „es hat sie überrascht, da darf man nicht jedes Wort auf die Goldwage legen." Theodor ergriff den Arm seines Vaters und zog ihn mit sich zur Tür. „Komm lieber Vater," stammelte Theodor „lassen wir die Wahnwitzige allein." Sie lachte abermals und Verwünschungen sprudelten über ihre Lippen, während Bater und Sohn die Stiege hinunter schritten und das Haus verließen. Schweigend gingen sie quer über die bereits verödete Straße, über die der azurblaue Himmel voll glänzender Sterne sich wölbte. „Es ist spät" sagte Gotthold, indem er die Tür zu seiner Wohnung aufschloß, „willst Du nicht nach Hause gehen?" Theodor schüttelte den Kopf. „Noch nicht — wenn ich jetzt heim käme ich glaube, ich könnte sie erdrosseln" — fügte er zähneknirschend hinzu. „Wer wird solchen Unsinn reden!" I„Es ist kein Unsinn!" stammelte Theodor mit heiserer Stimme, „ich habe mir schon viel von ihr gefallen lasten — aber das — das — . übersteigt die Grenze dessen, was man sich gefallen lasten darf". — Gotthold hatte inzwischen in seinem Wohnzimmer die elektrischen Flammen aufleuchten lassen und gewahrte erst jetzt das fahle, verstörte Aussehen des Sohnes. Armer Junge!" sagte er, ihn in ein Fauteuil niederzieheud und sich selbst ihm gegenüber setzend, „da es Dich so sehr schmerzt, tut es mir selbstverständlich auch leid, doch im übrigen ist es mir so gleichgültig, berührt mich absolut nicht" — „Nun ja freilich, Du stehst viel zu hoch, — aber ich" — Er schlug die Hände vor das Gesicht, ein Aechzen entrang sich seiner Brust. Dann fuhr er sich mit der Hand über die Stirn, als wolle er auf mechanischem Wege die Schatten verscheuchen, die dort Welten, dann atmete er tief auf und ergriff die Hand des Vaters. „Ich freue mich aber doch, lieber Bater, freue mich von ganzem Herzen, d^ß nun der Wunsch der teueren Mama sich erfüllen wird, denn ich halte mich überzeugt, daß Du heute den Grundstein gelegt hast zu dem Wiederaufbau Deines Glückes." „Das hoffe ich auch, wenn ich nur wüßte, daß Du" — „Meinetwegen sei unbesorgt, lieber Vater, Du siehst, ich bin schon wieder ruhig, habe die Geschichte jchon vollständig abgeschüttelt." „Du hast Dich schrecklich aufgeregt, das darfst Du nicht." „Das tue ich auch sonst nicht, das war nur heute, weil sie sich gegen Dich so — so — Na, reden wir nicht weiter davon. Daß das nicht wieder vorkommt, das läßt sich doch leicht verhüten, Du wirst nur für einige Zeit auf die Gesellschaft Denier liebenswürdigen Schwiegertochter verzichten müssen — Aber sage mir, lieber Bater, habe ich Dir auch nur ein Wort zu viel gesagt über das herrliche Mädchen, das Du hoffentlich recht bald heimführen wirst?" (Fortsetzung stiebe nächste Seite). 8ftr de« ReklamenteU ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ansschliestlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Gnrpfehlnnge» ritueller Waren oder Angabe« religionageseH» liche« Charakters ans ihre Zuverlässigkeit zu prüfe«. III ' " s Landeshuter |===n Leinen- und Gebild «Weberei F.V.Qrünfeld König!., Grossherzogl. o. F ürstlicher Hoflieferant Berlin Itipdlintnm 21-L Grösste AasmU aller Wäscheartikel für den Baosfcedarf. Hifemnn inzer flissUltmn. Preisliste mit AMIldimgen sowie KostenanscMioe zu Diensten. (7sss) D Ilias Lili siel i “ Eine Puppe, die Mama sagen kanneinen Puppenwagen und etnen ganzen Berg Fay Z ächte Svdener Mineral-Pastillen. Darauf ist die Kleine nämlich ganz toll und denen danken wir'S au», Satz ste immer mobil ist. Haben Sie Lili je krank gesehen? Oder hat ste je gehustet? - ehen Sie, das macht nur der regelmäßige, vorbeugende Gebrauch von Fays ächten Sodener. Versuchen Sie's nur auch damit — die Schachtel kostet nur 8S Pfennig und ist in allen Apotheken, Drogerien und Mineralwafserhandlungen zu haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.