Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1908)
- Date
- 1908-01-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 12. Nr. 3. Der JSraeln -io. Januar awö. Zusammenhänge und in dem Versuch, statt dessen die nötigen Lehren an die Lesestücke anzuschließen in der sogenannten analytischen Methode. Der hohle Formalismus muß auch im Grammatikunterrichr unberechtigt sein und sich durch ein lebensvolleres Verfahren ersetzen lassen, daß nickt Leere und nicht Langeweile, sondern Teilnahme und Neugier und hohe Freude den Unterricht begleiten. Warum sind denn dem Philologen grammatische Untersuchungen nichrlangweilig, sondern anziehend, unter Umständen ja fesselnd? Dem Philologen wird eine grammatische Einzelheit anziehend, wenn sie in einen Zusammenhang einschlägt, dem er schon länger mit eigenen Gedanken nachgegangen ist. Das ist für ihn der reizvolle Weg, auf dem er dem sogen. System nachgeht, das er aber nicht als Fettiges gedächtnismäßig in sich aufnimmt/ sondern das er — und darin liegt der Reiz — selbst findet, wie neu entdeckt aus dem Zusammenhang und der Fülle der empittschen Erforschungen heraus. Der Reiz und die hohe Lust, diesen Weg selbst zu gehen, auf d'm man das „System" der Dinge selber findet, es kann auch den Schülern vom Lehrer schon eröffnet werden, wie eine reizvolle Aussicht ohne Ende. Da steht in dem angeführten Unterrichtsbeispiel einmal DTiB, das - andere Mal D'non: jedesmal mit einer etwas verändetten Uebersetzung. Ein kurzer Hinweis — und der Schüler findet eine wichtige grammattsche Regel. Vielleicht ist ihm schon das Wort Nv bekannt — sofort wieder eine Regel, die in gleichen Stücken noch an anderen Beispielen vom Schüler selbst nachgewiesen werden kann. Die Freude des Selbftfindens fteigett die Lust zum Selbstsuchen, und die Schüler wetteifern, ähnliche grammatische Bildungen aufzusuchen und zu erklären. Ich glaube, dieser Weg, Grammatik zu lehren, kann für Schüler und Lehrer anziehend sein, weil darauf gesehen wird, daß das Formelle vom Snhalte getragen wird — weil eine grammatische inzelheit, die man außer ihrem Zusammenhang vorvttngt, nicht als etwas für sich Wichtiges erscheint, sondern sich anschließt an das lebensvolle Ganze, dem anhängt und dient, daß sie als das erscheint, was sie ist, als Schale, nicht als Kern. Am hebräischen Uebersetzungsunterrrchte sollte deshalb an sprachlicherBelehrung nichts geboten werden, was die Kinder bei vergleichender Gegenüberstellung übersetzter Worre nicht selbst finden können. Auf diese Weise hött der Schüler das Wichtigere, die Grundkenntniffe in der Unterscheidung der Wortformen, öfter wiederholt,' denn die Beispiele bringen es mit sich, daß die für das Uebersetzen wettvolleren Grundregeln sich öfter wiederholen und Mar genau in dem Grade öfter wie. sie wichtiger sind. IV. Die hier von mir entwickelte Unterrichtstheorie beschränkt sich nicht auf die Darstellung der eigentlichen Methode des Uebersetzens im engeren Sinn, sondern will zeigen, daß dieses nur cin Hilfsmittel für den Religionsunterricht ist und in welcher Weise der Uebersetzungsunterricht zum wirklichen Religionsunterricht wird. Die Hauptaufgabe des hebräischen Uebersetzungsunterricht erblicke ick nicht in der Pflege der hebräischen Sprache, sondern in der Erschließung des Lehrinhalts unseres Religionsgesetzes aus der biblischen Quelle und in der stimm ungs- und andachtsvollen Erfassung des Inhalts unserer Gebete. Die rechte Behandlung des lebendigen Inhalts der biblischen Erzählungen und Belehrungen, des Stimmungs- und Empsindungsgehaltes der Gebete und Psalnien ist deshalb auch bei der methodischen Behandlung jedes Uebersetzungsstückes nicht nur das wichtigste, sondern «uch zeitlich das erste und nächstliegendste. Die rein sprachlichen Uebersetzungsübungen folgen erst in zweiter Stellewir betreiben sie aber weder als Selbstzweck, noch hegen wir die Hoffnung, daß sie für den Volksschüler ein brauchbares Mittel werden können zu dem Zweck, daß er je neue hebräische Texte mit grammatischen Hilfsmitteln selbständig übersetzen könnte. Grammatische Kenntnisse vermitteln wir dem Schüler nur insoweit, als sie geeignet sind, das Behalten und Wiedererkennen der sprach lichen Formen zu erleichtern und das Maß der nach jeder Uebersetzung vorzunehmenden sprachlichen Hebungen ist gekennzeichnet durch die Fähigkeit der Schüler, grammatische Uebersetzungsregeln durch vergleichende Betrachtung , des erworbenen Wortschatzes selbständig zu er-! schließen. j Wir betreiben das Hebräische nicht als Sprach unterttcht und können keine Methode gutheißen, die das Uebersetzen im Sinne einer Sprachmethode umgestalten will. Der Gebrauch eines Wörterbuches für den hebräischen Unterricht wird dem Schüler die gestellte Aufgabe, den hebräischen Text verstehen zu lernen, nicht erleichtern, vielmehr einen Formalismus zeittgen müssen, der den Schüler mit größerer Unlust erfüllen würde als das mechanische Verfahren der alten Methode. Unsere Methode verwirft auch den früher wohl häufig geübten Mechanismus, der das he^ bräische und deutsche Wort nebeneinander einprägen läßt, ohne die dabei sich immer wiederholenden Uebersetzunasreaeln zum Bewußtsein und den erworbenen Wortschatz zur unterstützenden Verwendung zu bringen. Freilich muß das Einprägen eines zum erstenmal auftretenden hebräischen Wottes immer mechanisch geschehen, darüber hilft uns keine Sprachmethode hinweg. Am leichtesten aber erfolgt das Merken eines Wortes bei der Anwendung der Sprachmethode, wie wir das beim Erlernen der Muttersprache oder der Erlernung der Sprache in einem ftemden Lande gesehen haben. Da ist zunächst der Inhalt bekannt, die Sache, um die es sich handelt, und mit ihm vermählt sich dann leicht und sicher die sprachlicher Form, das Wort, das jene Sache bezeichnet. Unsere Methode des Uebersetzens im engeren Sinne macht sich eben diesen Vorteil beim Sprachenlernen zu nutze, ohne deswegen das Hebräische im Sinne einer Sprachmethode zu betreiben, indem sie, ganz naturgemäß verfahrend, vom Bekannten ausgeht, in unserm Falle also vom Inhalt derPentateuch- und Gebetstücke, der zuerst in deutscher Sprache vorbereitet, dargeboten, sachlich behandelt und eingeprägt wird. Das darauffolgendeUebersetzen ist ein Associeren bekannterBegriffe mitden hebräischen Wortformen, wobei die Selbsttätigkeit der Schüler nach Maßgabe des bereits erworbenen Wortschatzes in Anspruch zu nehmen ist. Wie das praktisch zu machen ist, ist aus dem angeführten Unterrichtsbeispiel - zu ersehen. (Der Religionsunterricht im allgemeinen, wie der Uebersetzungsunterttcht im besonderen wird in unserer Seminarübungsschule nach den hier entwickelten Grundsätzen etteilt.) Für die Stoffauswahl ist uns das Ziel des Religionsunterrichtes maßgebend, den Schüler mit dem Lehrinhalte des Religionsgesetzes in der Bibel bekannt zu machen und ihn zur andachtsvollen Teilnahme am öffentlichen und häuslichen Gottesdienste zu befähigen. Ich stimme mit Kollege Abraham (Berlin) darin überein,, daß alles, was der Schüler in der hebräischen Sprache lernt, sofort Leben für ihn bedeuten sollwas er von Anfang an lernen soll, sind nicht beliebige, einzig und allein nach ihrer grammatischen Schwierigkeit ausgewählte Wörter, sondern Worte, wie sie in der Bibel und im Gebetbuch tatsächlich Vorkommen. (Fortsetzung folgt.) 5ch«ltzerichte. Für unsere armen Glaubensgenossen nr©D □’HJ'iyn nnö5 gilt Bayern bekanntlich als das gelobte Land. An diesen Ruhm, den das Bayernland besitzt, wurden" wir beim Durchlesen der Rechenschaftsberichte dreier bayerischer Anstalten erinnert, auf die es auch stolz sein' kann, wir meinen die der israelii ischen Lehrerbild ungs - An st alt in WÜrzburg und die der beiden Präparandenschulen in Höchberg und Burgpreppach, die wir gemeinsam besprechen wollen. Opferwilligkeit findet sich wohl auch anderwärts^ aber meistens find es die größeren Gemeindendie sich darin hervortunauf dem Lande ist der WohttätigkeiBfinn mangels Anregung rielfach stark zurückgegangen. In Bayern dagegen sind es gerade die kleineren Gemeinden, in denen von nur mäßig bemittelten Leuten ganz respektable Summen aufgebracht werden. Ihren Leistungen gegenüber spielen die Großgemeinden, deren Kapitalkraft doch unendlich größer ist, eigentlich keine sehr glänzende Rolle. Nur Würzburg, als der Sitz des. Eeminars, bildet eine recht rühmliche Ausnahmedott wurden von 19)000 Mk. Jahresbeiträgen und Legaten ca. 5200 Mk. aufgebracht, Dabei werden noch, wie es ja in dem Höchberger Jahresbericht bankend anerkannt wird, arme Schüler der dortigen Anstalt von Würzburger 2b ,»3,n3 durch monatliche Subventionen, sogen. Zahltage, in oft recht munificenter Weite unterstützt. Rühmend sek auch hervorgehoben, daß das kleine Burgpreppach mir ca. 20 Familien über 600 Mk. für die dortige Schule' übrig hatte. Die Würzburger Anstalt hatte eine Jahres einnahme von ca. 32000 Mk. und einm Bermögensfiand von ca. 100000 Mk., die Höchberger 'eine Einnahme von. ca. 20000 Mk. und ein Vermögen von 183000 Mk., die Burgpreppacher eine Einnahme von 17 000 Mk. und ein Vermögen von ca. 100000 Mark. Angesichts solcher Summen möchte man den Ruf erheben: Gründet jüdische Schulen, die Mittel finden fich schon! Wie schwer freilich die Aufbringung dieser Gelder den Lettern der oben» genannten Anstalten oft fällt, davon können sie ein Liedstngen, das nicht immer schön klingtum so größer ist ihr Lohn. Es ist dankbar anzuerkennen, daß die bayerische Regierung den jüdischen Lehrerbildungsanstalten ein sehr ,eges Interesse entgegenvrtngt und fie durch ihre Organe recht häufig inspizieren läßtdiese sorg Sltiae Beaufsichtigung bietet eine volle Gewähr, daß Leistungen und- Einrichtungen stets aus der Höhe der Zeit bleiben. Es wäre wünschenswert, wenn die staatliche Fürsorge, fich auch in einem Zuschuß zu den sachlichen Kostett eltend machte, denn von den drei Anstalten hat jede ihre spezielle Sorge. In Höchberg muß ein neues schulhaus errichtet werdenin Burgpreppach bedarf der Senfionsfond einer bedeutenden Verstärkung und in Würz» urg gar, wo für Penfionsu. Witwengehälter 5770 Mk. Höchberger Rechenschaftsbericht die wir möchten sagen, überschwän ängliche ' Unte en Weise der nterstützung von Z00 Mk7 feiert, welche die Regierung einigen bedürftigen Präparanden gewährt. Wenn wir noch erwähnen, haß Burgpreppach 44, Höchberg 38 und WÜrzburg 26 Schüler im ad gelaufenen Jahre zählte, so glauben wir das- Wiffensw.rteste aus den äußeren Verhältnissen den bayerischen Lehrerbildungsanstalten mitgeteilr zu haben. WaS ihre Einrichtungen und Leistungen betrifft, sohaben wir schon den Faktor hervorgehoben, der von maßgebendem Einfluß auf dieselben sein muß - dazu kommen noch der Pflichteifer und -er Fleiß von Lehrern itn$ Schülern. Es ist ja eine bekannte Tatsache, daß nirgends größerer Fleiß entwickelt wird als in Präparandenschulen und Seminarmin den jüdischen aber ist er besondergroß. Die recht eingehende Berichterstattung gestattet, einen Einblick in alle Details, s^daß der Äser ein klares Bild von dem Schulleben erhält. Was die Unterrichtsegenstände anlangt, so sehen wir es als einen Bm^ug. Zurgpreppachs an, daß dort Französisch und Stenographie, beide Fächer fakultativ, gelehrt werden - wir möchten her höchberger Schwesternanstalt und dem Seminar bio aldige Einführung einer Fremdsprache dringend empfehlen. Für wünschenswert halten wir es noch, daß für alle Reltgtonsfächer ein VID verein, art werde und zwar zwischen den beiden Präparandenschulen einerseits» und diesen und tem Seminar anderseits. Ermöglicht muß es ferner werden, baß ganz "j''an in den 6 Jahren durchgenommen wird - wir halten das für eine ganz, elbstverständliche Forderung. Wir möchten weiter daraus Hinweisen, daß Herr Direktor Dr. Lange-Frankfurt a. M. mit seinen Schülerinnen, die fich für das Lehrfach vorbereiren, tie G'VI'O recht eingehend behandelrsollte das ür angehende G^n nicht auch notwendig sein? Wir wisien es aus eigener Erfahrung, baß die Arbeit an drn Lehrerbildungsanstalten eine recht anstrengende, ja gcradezu aufreibende ist. Um so höhere Anerkennung verdienen die Leiter und Lehrer derselben, die jahraus jahrein unverdroffen ihre Pflicht, ja mehr als dys. er» füllen. Möge da« Interesse >ür diese Schulen nie erlahmen und möge es fich vor allem darin manifestieren, daß immer reichlicher die Mittel fließen, deren fie unbedingt bedürfen, wenn fie ihrer hohen Aufgaben gerecht werden wollen. So rufen wir ihnen für das neue Jahr ein herzliches n^Ji zu. Aufwärts führe jdipr Bahn! , ______ ■i& ÜiiL _.l7 ' , MMES .