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Der Israelit · 1908-01-16 · Heft 3 (16.1.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 3 (16.1.1908)
Date
1908-01-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Wzid^uflg and L»el?n PiJiaajisJjcBeilaje stuBjlIsraeiii'* Ein Sieg der Konsequenten. Es war ein Begräbnis dritter Güte, wie der Berliner sagt. Durch eine motivierte Tagesordnung wurde der sogenannte Schutzparagraph, wonach Fragen, welche zu religiösen Streitigkeiten innerhalb des Verbands führen können, von seinen Beratungen ausgeschlossen sein sollen, auf dem Verbandstage in Hannover Mit 26 gegen 25 Stimmen zu Fall gebracht. Es war ein Sieg der Radikalen über das Juste miiieu, welch letzteres sich dem Frankfurter Verein dafür erkenntlich zeigen wollte, daß er dem Verband in „ernster" Zeit recht wesentliche Dienste eleistet hatten es war aber vor allem ein Sieg er Konsequenten über die Inkonsequenten. Man hatte doch in der Fortbildungsfrage der Verbandsleitung in Kassel ein Vertrauensvotum erteilt; welcher Grund lag da also vor, sich nachträglich selbst zu dementieren, und so den Schein zu erwecken, als ob seiner Zeit das Vorgehen des Vorstands doch nicht so ganz einwandfrei gewesen sei? Nein, der Verstand war diesmal laicht bei den Unterlegenen, sondern bei der Majorität. Wir sind nun nicht selbstlos genug, um über dieses Ergebnis nicht eine gewisse Befriedigung zu empfinden. Und das darf man uns nicht verdenken, denn wäre der Antrag durchgegangen, so wäre er höchstwahrscheinlich als ein bedeutsamer Erfolg ausposaunt und gegen die Anhänger des „Bundes" ausgebeutet worden. Seine Ablehnung hat wenigstens klare Verhältnisse geschaffen und damit kann Freund und Feind zufrieden sein. Jetzt, nachdem die Entscheidung gefallen, brauchen wir auch mit unserer Meinung über die Notwendigkeit und den etwaigen Nutzen eines solchen Schutzparagraphen nicht zurückzuhalten. Da wollen wir gleich von vornherein erklären, daß er erstens keinen rechten Sinn und zweitens weder Zweck noch Nutzen hat. Wie will man denn die Fragen erkennen die zu religiösen Streitigkeiten führen? Es kommt doch überall auf die Art und Weise ihrer Behandlung an. Wir haben es in Hessen erlebt, daß ein Referat über den biblischen Geschichtsunterricht zu den heftigsten religiösen Debatten geführt und nicht wenig zu der Spaltung in zwei feindliche Lager beigetragen hat. Das Thema: „Ueber den Anteil der Wissenschaft an der Emanzipation der Juden" ist ein durchaus harmloses, und Niemand hätte wohl vermutet, daß es im Rabbinerverband zu einem Stein des Anstoßes werden könnte. Die Fortbildungsfragc, die im Lehrerverband so viel Staub aufgewirbelt, ist wahrlich auch keine solche, über welche sich Neologe und Gesetzestreue bisher in den Haaren gelegensie ist erst dadurch zum Zankapfel geworden, daß sie in -er einseitigsten Weise, ganz im Sinne der radikalen Linken, gelöst werden sollte. Reine Standesfragen — man denke an die Ausübung der nv'kw seitens der Lehrer — Organisationsfragen, wie die Errichtung von Bezirksrabbinaten und die Inspektion des jüdischen Religionsunterrichts, ja sogar methodische Fragen können heftige religiöse Kämpfe Hervorrufen, wenn, wie das im Lehrerverband tatsächlich der Fall ist, die schroffsten religiösen Gegensätze sich berühren. Sie könnten aber gar nicht ausbleiben, wenn hüben und drüben ziel- und selbstbewußte Männer ständen. Wenn es bisher im Verband verhältnismäßig friedlich hergegangen ist, so kam das daher, daß die gesetzestreuen Lehrer das Feld fast ausschließlich den Neologen überließen und es ruhig mit ansahen, daß alle Fragen, die bisher in Betracht kamen, ihre Erledigung in neologem Sinne fanden. Die religiöse Duldsamkeit, die unsere Gegner stets in so rührsamen Tönen predigen, sie ist von den orthodoxen Lehrern in ausgedehntestem Maße geübt worden. Wozu also ein Schutzparagraph? Für uns ist das unerfindlich. Welchen Nutzen versprachen sich aber die Antragsteller davon? Haben sie wirklich gehofft, daß dann der Kurs ein anderer werde? Das hieße die Naivität auf die Spitze treiben! Die Leute am Steuerruder und die Lotsen bleiben dieselben und die wissen ganz genau, wohin sie das Verbandsschiff zu lenken haben. Die Feiner und Blaschke, Adler und Steinhardt, Gutmann und Fiegel verfolgen ruhig und sicher ihren Weg, denn es sind zielbewußte Männer, die sich mit Scheinerfolgen nicht zufrieden geben. Die gesetzestreuen Lehrer im Verband dagegen, die nun einmal auf den Berbandsgedanken festgelegt sind und nach ihrer Meinung nicht zurück können, sie wollten sich mit einem Paragraphen begnügen, der im besten Falle die Gewissen beschwichligt, ohne den immer weiter fressenden Einstuß der Neologie irgendwie zu hemmen. Sie hatten aber mit dem Selbstbewußtsein der Ne otogen nicht gerechnet, die nicht gewillt sind, vor der Orthodoxie auch nur die leiseste Verbeugung zu machen. Die Toleranz dieser „Liberaten" ist ja eine sehr einseitige, sie verlangen sie von andern, wollen ober von Berücksichtigung der religiösen Gefühle anderer nichts wissen. Sie können sich aber darauf berufen, daß diese ihre Auffassung bisher kaum Widerspruch erfahren. Die Ostfriesen, die es allein gewagt hatten, ihrem oppositionellen Standpunkt auch öffentlich Ausdruck zu verleihen, wurden ja aus dem Verbände hinausgegraultdie Zurückgebliebenen aber — so argumentieren sie — werden sich auch so zu behelfen wiffen. Es ist leider zehn gegen eins zu wetten, daß sich die klugen Rechner auch diesmal nicht geirrt haben. Diese.Entwicklung der Dinge hätten wohl nur die Wenigsten bei der Gründung des Verbands vorausgesägt. Wir haben zwar nie an die 95 % konservative Lehrer im Verband geglaubt, und ihren Einfluß qar haben wir recht gering eingeschätzt, aber das hätte wohl Niemand gedacht, daß sie auch in einer Frage unterliegen würden, in der die Gemäßigten mit ihnen zusammengingen. Und doch ist diese Erscheinung keineswegs auffallend. In einem so gedrückten Stande, wie dem der jüdischen Lehrer werden die radikalen Elemente stets die Oberhand gewinnen. Wenn die Führer den Mund recht voll nehmen und die Not ihrer Genoffen recht anschaulich schildern, so sind sie deren Gefolgschaft ganz sicherob sich ihre Forderungen überhaupt erfüllen lassen, danach fragt kein Mensch. Im Lehrerverband aber haben sie sich's noch bequemer gemacht. „Wir waren", so erzählen sie ihren Gläubigen, „schon auf dem besten Wege, euch alle glücklich und zufrieden zu machenda kamen die Orthodoxen und haben unsere besten Absichten vereitelt." So schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: sie brauchen sich nicht zu sorgen, wenn die versprochenen Erfolge ausbteiben und indem sie die Leidenschaften aufstacheln, graben sie den Gesetzestreuen das Wasser ab. Die Gefahr dieser M.nirarbeit zu unterschätzen, davor möchten wir ganz entschieden warnen. inwieweit ist eine Umgestaltung des bebräiscben Uebersetrnngs- Unterrichtes nach Stottanswahi, Stottvereilung und methodischer vedandinng notwendig? Bortrag, gehalten bei der 28. Gener lverfammlung des Israelit. Lehrervereins für das Königreich Bayern in Aschaffenburg, von Seminaroberlehrer Jakob Stoll in Würzburg. (Fortsetzung.) Daraus folgt, daß auch der hebräische Sprachunterricht naturgemäß verfährt, wenn er erst die Sache, dann das Wort gibt. Jenes ist das dem Kinde Bekannte, der geistige Inhalt, dieses das Unbekannte, die Form, die sich mit jenem vermählen soll. Und wie man den Namen und die Gesichtszüge eines Menschen sich einprägt, der uns innerlich näher getreten, indem er uns bekannt geworden, so wird derselbe Name für einen Gegenstand oder eine Sache eingeprägt, wenn der Inhalt uns vertraut geworden. Auch inbezug auf Erlernung der Grammatik als sprachliches Hilfsmittel muß der Grundsatz vom Inhalt der Sprache durchgeführt werden. Eine gewisse stillschweigende Anerkennung hat der Grundsatz im allgemeinen Sprachunterricht schon erfahren in einer Tatsache der pädagogischen Entwicklung: Ich meine im Aufgeben des grammatischen Unterrichts im systematischen

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