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Der Israelit · 1908-01-16 · Heft 3 (16.1.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 3 (16.1.1908)
Date
1908-01-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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No. 8. Seite 10 Der Israelit. 16. Januar 1908 Kühlung zahlreiche jü ische Familien aus Rustland nur vorübergehend in Deutschland sich aufgehalten haben. Relative Dichtigkeit der jüdischen Bevölkerung in den Provinzen und Bundesstaaten des deu schen Reiches. 1905 I960 gj. aE ts Bi -og« Gebiet GesamtVe Juden ÄH* c? *» a Juden?*■! völkerung Jo . L Jo yW Ma ’Ss" Prov. Ostpreußen 2 03017t 13 55! 0,67 13 87' 0,70 „ Wesipreuß 164174t 1613! 096 1822! 1,16 Stadt Berlin 204014 9S 89c 4,85 92 20t 4,88 Prov.Br ndenbg 3 581 90t 40 42' 1,15 25 76t 0,83 „ Pommern 1684 326 9 661 0,57 10 88C 0 66 „ Posen 198 637 30 432 1,53 35 327 0,87 „ Schlesien 4 942 611 46 845 0,95 47 586 1,02 7 „ Sachsen 2 979 221 8 05t 0,27 8047 0,28 „ Schleswig- Holstein 1504 248 3 27C 0,22 3 486 0,25 „ Hannover 2 759 544 15581 0 57 15 393 0,60 „ Westfalen 3 618 090 20 757 0,57 20 640 0,65 „ Hess.-Nass. 2070 052 50 016 2,42 48105 2,54 „ Rheinland 6436 337 55 408 0,86 52 251 0,91 Hohenzollern 68 28. 469 0,69 532 0,80 Kgr. Preußen zus. Bayern rechts d. 37 293 324 409 501 1,10 392 322 1,14 Rheins 5638 539 45 735 0,81 44820 0,84 „ l.b. Rheins (Pfal>) 885 833 9 606 1,09 10108 1,21 Kar. Bayern zus. 6 524 72 55 341 0,85 54 928 0,89 „ Sachsen „ 4 508 601 14 697 0,32 12416 0,29 „ Württemvg. 2302179 12 053 0)25 11916 0,55 Großhzgt. Baden 2 10 728 25 893 1,29 26132 1,40 Grßhzt.Mee^brg.- 1209175 24696 2,04 24 486 2,19 Schwerin 625045 1482 0,24 1763 0,29 „ Sachsen- Weimar 388095 1421 0,36 1188 0,33 „ Mecklbg- 103 451 St elitz 298 0,29 f31 0 32 „ Oldenbg. 438 856 1493 0,44 1359 0,34 Hzgt. Braunschw. 485 958 1815 0,37 2 024 0,39 „ S achsen- Meiningen 268 916 1256 0,47 1351 0,54 „ Sachsen- Altenburg 206 508 131 0,06 99 0,05 „ Sachsen- 0,27 Kobg.-Gotha 242432 714 0,29 608 „ Anhalt Fürstt. Schwzb.- 328t29 1460 0,45 1605 0,51 Sondersh 85 K2 195 0,23 166 0,21 „ Schwzb.- Rudolstadl 96 835 82 0,08 48 0,05 „ Aaldeck 59127 629 1,06 637 0,11 „ Reuß ä. L. 70603 54 0,08 48 0,07 0,13 „ Reuß j. L. „ Schaumb.- 144 584 290 0,20 178 Lippe 44992 246 0,55 257 0,60 0,63 „ Lippe 145 677 735 0,50 879 Lübeck 105857 638 0,60 670 0,69 Bremen 263 440 1432 0,54 1409 0,63 Hamburg 874 878 19 602 2,24 17 949 2,34 Elsaß-Lohringen 1814564 31 708 1,75 32 264 1,87 Deutsch.Reich zus.^60641 278 6 >07 861 1,00 |ö86 833| 1,04 Straftburp, 13. Jan. In unserer Stadt wohnt eine ziemlich beträchtliche Anzahl galizischer Glaubensgenossen/ die zum großen Teil durch einen mühevollen Hauste. Handel unter Entbehrungen aller Art sich ehrlich und redlich zu err ähren bestrebt find. Sie haben hier chren eigenen Betsal. In nicht geringe Ausregung wurden letzthin die Andächtigen versetzt, als beim Oeffnen des EHpn ein min *)ED heraus und zu Boden fiel. Budapest, 10. Jan. Der ungarische Dickter Joses Kisch hat dieser Tage se n 40jähriges Dlchterjuiäum gefeiert. In schriftstellerischen Kreisen wurde der Jubilar, der als Jude geboren ist, als der bedeutendste lebende ungarische D chter gefeiert. Die Akademie der Wissenschaften und noch andere hervorragende literarischen Snpitute haben ihm jedoch ihre Anerkennung versagt. >te haben ihn bis heute Nicht einmal in die Reihe ihrer Mitglieder ausgenommen. Der . jüdische" Dir. ter hat zwar seine Kinder der Re he nach zum Taufbecken geführt, er selbst ist aber ungetauster Jude geblieben. Uno von einem solchen ist eS doch anmaßend, der größte lebende ungarische Dichter zu sein. Bereu saft, lv. Jan. Dieser Tage fanden hier die Komitatswahlen statt. Tie bisherigen Beamten wurden alle wiedergrwählt, nur der Oberfiskal Ernst Barta ist durchgefallcn. Ec ist der Sohn unseres Reichstagsabaeordneten Edmund Barta, der seine Kinder taufen ließ, damit re in ihrer Karriere nicht behindert würden. R»m hat doch die Taufe nicht den gewünschten Erfolg gehabt.) 1- Kalvary, 10 Jan. Ein junger jüdischer Fuhr- «ostti brachte Reisende von Willkopischkcn nach Kalvarh. Auf der Mitte des Weges kam ihm ein Fuhrwerk, mit Holz beladen, entgegen, auf dem drei polntscke Arbeiter saßen. Da das Pafiagierfuhrwerk in der Dunkelheit und bet dem tiefen Schnee nicht so schnell auSweichen konnte, wurde einer der Polen unwillig, ergriff eine Klobe Holz und schmetterte fie dem Fuhrmmn auf den Kopf^so^datz er tot zusammenbrach. Der Mörder entkam. Nelv-Uork, 10. Jan. Der jüdische Dramatiker AVrakam Goldfaden, der viele Stücke für jüdische Theater geschrieben hatte, ist gestorbensein Begräbnis veiursachte tumultuarische Szenen, weil nahezu hunderttausend Menschen gekommen waren und den Sarg berühren wollten. Die Polizei war anfangs machtlos gegen den Tumult, bis Berstärkungen herankamen. Die Stoßen waren stundenlang gesperrt und der Verkehr völlig unterbrochen. Verelnsevesen. Meran, 8/ Jan. Am 19. Dezember fand die konstituierende Versammlung des Vereins „Asyl für mtttelose kranke Israeliten" in Meran statt. In den Vorstand traten gemäß den Statuten ein: als Präsident Fr. Stransky, Bankier in Meran, und die Kuratoren der Kvnigswarterstistung, die Herren Sanitätsrat Dr. R. Hausmann, Gustav Katzenstein, Dr. Kcref, Gustav Rie in Meran. Gewählt wurden in den Vorstand: die Herren Dr. Wilhelm Hcrsch, Meran, Kommerzienrat M. Joß, Prag, Jonas Löw-Beer, Brünn, Dr. Viktor Pick u. d Karl Zinner, Meran. Zum geschäftsführenden Vizeprästdenesn wurde Herr Dr. Hersch ernannt. Als Revisoren wurden per Akklamation bestimmt: die Herren Heinrich GuttMann, Meran und Jrsef Kraus, Prag. Weiter wurde die Wahl von 10 Schiedsrichtern vorgenommen und von Herrn Dr. Hersch ein Bau- und Kasienbericht erstattet. Der neugcwählte Verein hat innerhalb 6 Monaten an 800 Mitgliedern geworben und in dieser kurzen Zeit über 100000 Kr. Spenden gesammelt DaS war nur dadurch möglich, daß die Tendenz dieses Vereins eine rein humanitäre und eine die .esamte Judenhett umsasiende ist. In Meran besteht Wohl ein kleines Asyl, in welchem brustleidende Glaubensgenossen aus aller Herren Länder Aufnahme finden, doch müssen 3—4000 Gesuche jährlich abgewiesen werden weil kein Platz frei ist. Der Verein hat cs sich nun zur Aufgabe gestellt, dieses kl ine Asyl zu vergrößern, dasselbe gemeinsam mit den Kuratoren der Königswarterstistuug auszugestalten und zu verwalten und so die Not vieler armer kranker Glaubensgenofien zu lindern. Der Vau ist unter Dach, er kostet mit ber Einrichtung 460000 K>.- zur Deckung dieses Betrages fehlen noch 160000 Kr. Zur Unterhaltung dieses Asyles find jährlich 85000 Kr. erfoe-erlich Der Asyl-Verein wendet fich an alle Glaubensgenofien mit der Bitte, Baubeiträge zu spenden und als Mitglieder beizutreten, damit man das erbaute Haus auch zu erhalten im Stande fei. Personalien. Frankfurt a. M., 13. Jan. Eine Greifin und doch nvch in der Jugendfrtsche und Vollkraft ihres jüdischen Empfindens, ist Frau Jeanette Schwarzschild, Witwe des Herrn Abraham Schwarzfchlid defirn segensreiches Wirken in unserer Gemeinde wohl noch in aller Gedächtnis ist, heimgegangen. Sie stammte aus der altehrwürdigen Familie Kann, die besonders im 18. Jahrhundert in der Frankfurter Gemeinde eine führende Roll? innehatte. Alle die reinen Tugenden, die die Besten dieses Geschlechtes damals auszetchneten, hat auch sie in fich verkörpert, fie hatte, was sie von ihren Vätern ererbte, wahrhaft erworben, um es dauernd zu befitzen. Der tiefste Kern ihres Wesens war ein schlichtes, überzeugtes und unerschütterliches Gottvertrauen. Sie sah manches Blatt vom Baum des Leben-, vom Baum ihres ganz persönlichen Lebens um fich herum fallen, manches fröhllch aufprteßen — aber nichts brachte fie aus ihrer klaren, gefaßten Ruhe, aus ihrem standhaften Gleichmaß. Innig gesellt war dieser ergebenen, freudigen Hinna.me aller Geschicke eine feine, unbewußte Demut. Ansprüche iür sich kannte die Verklä te nicht, nur Ansprüche an sich. Und diese Ansprüche, die fie an fich stellte, waren nach keiner Richtung hin kleine, namentlich auch nicht, wenn es fich darum handelte, Armen mit der dem Herzen entquellenden Milde ihres Wesens entgeaenzukommen, ihre Bedürfnifie in reichem Maße zu befriedigen. Sie wußte die Würde der Armut zu wahren und erhöhte damit ihre eigene Würde und Vornehmheit. E.n Musterbild aus der atten gesegneten Frankfurter Zeit, da noch Gottesfurcht und Gottesliebe in allen Häusern und Herzen wohnte, wandelte fie in eine neue, von Irrungen und Wirrungen durchtobte Zeit hinüber, ohne daß ein Zug ihrer Persönlichkeit sich veränderte. Still, ernst und voll Klarheit hat fie ihr Leben geführt und auch beschlossen. Kinder, Enkel und Urenkel v. wahren und verehren ihr Andenken, indem fie ihren Spuren zu folgen trachten. pfasun Emden, 4. Jan. Am vergangenen Mittwoch konnte Herr Jkob Pels hiersclbst auf eine 25jährige Tätigk it als Vorsteher der israelitischen Gemeinde zurückbltcken. Wenn der Jubilar fich auch wegen seiner erst überwundenen schweren Krankheit jegliche Ovation verbeten hatte, so wurde dieser Tag doch vom Herrn Lanbravviner Dr. > öb, von der Gemeindeverwaltung und von vielen Gemeindemttgliedern für den Jubilar zu einem Festtag Äet. Schon deS Morgens gingen zahlreiche Gratum aus allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung, wie auch von auswärts in jeglicher Form ein. Mittags versammelte sich eine große M <nge von Gratulanten im Hause deS Jubilars. Herr Dr. Löb nahm Gelegenheit, dm von ihm hochgeschätzten Vorsteher und Freund zu beglückwünschen, und überreichte zum Beweise seiner aufrichtigen Hochall tung ein Gebetluch. Herr Synagogenvorstther Pytupp Meyer schilderte die Verdienste, die der Jubil r fich um Gemeinde und Schule erworben hat, und überoab namens der Gemeinde eine kunstvoll ausgestattete Adresse. Herr Doktor Sternberg überbrachte die Glückwünsche des Schulkollegiums und Herr Lehrer Apt grat lierte im Namen der schule und der israelitischen Kranken- und Beerdigungsbrüderschaft. Tiefbewegt dankte Herr Pels für die Ehrungen und in seiner bescheidenen Weise erklärte er, in allem nur seine Pflicht geran zu haben. Seine Arbeiten für die Gemeinde uno deren Institutionen seien ihm durch die treue Mitarbeit deS Herrn Landrabbincrs, der beiden anderen Gemeindevorsteher und des Ausschußkollegiums wesentlich erleichtert worden. * Gietzen, 8. Jan. Herr S. B. Esch Wege, bisher Lehrer in Königberg i. Pr., bestand an der Universität Bern die philosophische Doktorprüfung summa cum laude. Pretzburg, 9. Jan. Eine ber markantesten und auch geistig einflußreichsten Persönlichkeiten der Preßburger orthodoxen Gemeinde, Rabbiner David Neu mann, ist am 6. d. M. nach langem Le? den gestorben. Der Verblichene, in der Gemeinde nach seinem Heimatsorte als Rabbi „David Lakenbach" bekannt, belleioele seit mehr als dreißig Jahren das Amt eines Rosch-Beth-Din in unserer Gemeinde. Der Heimgegangene stand sowohl wegen seiner großen Gelehrsamkeit, wie auch wegm seiner mit beispielloser Bescheidenheit gepaarten aufrichtigen tröiimigkeit in allen Kreisen der Bevölkerung in großem nsehen. Seii e Frömmigkeit und Pflichttreue kannte keine Grenzen. Obwohl er seit mehreren Jahren krank war, versah er doch noch bis vor einem Jahre seine Amtspflichten. Bis in sein hohes Alter fastete er freiwillig jeden Montag und Donnerstag, und als ihm dies infolge seiner Krankheit nicht mehr möglich war, enthielt er fich an diesen Tagen wenigstens des Fietschgenuffes. R. David Lakenbach n"y gehörte auch zur Prüfungskommission ber Preßburger Jeschibah, und jeder, der vom Preßburger Rabbinat eine Haturah haben wollte, mußte fich bei R. David Lakenbach einer strengen Prüfung unterwerfen. Das Leichenbegängnis fand am Mittwoch, 8. d. M., unter großer Beteiligung der orthodoxen Kreise aus allen Gegenden Ungarns und auch der Wiener orthodoxen G meinde. statt. (Wir werden auf die bedeutende Persönlichkeit dieses Mannes noch zurücklommen. D. Red.) Sprechsaal. London, 6. Januar 1908.. Werter Herr Redakteur! In Nr. 1 Ihrer Zeitung macht Ihnen Herr Gottfried Goldschmidt aus Haiberstaat „zu Nutz und Frommen orthodoxer junger Leute" eine Mitteilung betreffs eineS „absolut koscheren uno zugleich fein geleiteten Boarbing- House" in London. Da ich nun ebenfalls in der glücklichen Lage bin, den Reflektanten ein streng koscheres,?gemütliches Heim für einen Aufenthalt in London, sei es ür längere oder kürzere Zeit, Nachweisen zu können, tue ich dies mit Vergnügen. Daselbe befindet fich in London N. 39 Grosvenor Road. hat a s Referenz den bejahrten Rabbiner der hiesigen Machastke Haduß-Gemetnde, Hernn A. Werner, u> d erfreut sich sll.on seit einer Reihe von Jahren des lebhaften Zuspruchs orthodoxer Reisender und junger Leute, die auf längere Zeit hier ihren Aufenthalt nehmen. Da ich schon seit mehrer-n Jahren ständig in obengenanntem Hause wohne, ist es mir eine angenehme Pflicht, hierdurch zur Kenntnis weiterer Kreise zu bringen, daß die es Boardinghouse sowohl was Vertrauenswürdigkeit in ritueller Hinsicht als auch waS liebenswürdige, aufmerksame Behandlung anbetrifft, mit unter die ersten (leider sehr dünn gesäten) Institute dieser Arr gezählt werden darf. Auch ich bin gerne bereit ev. Interessenten nähere Auskunft zu erteilen. Hochachtungsvoll Alex Adler aus Lübeck. (Eine Mitteilung des obigen Inhalt ging uns auch von anderer Seite zu. D. Red.) Uereinskalender. Jüdischer Frauenverein. Mittwoch, 32. Januar, abends 8*/a Uhr (Schützenftr. 12): Die Bibel und die Ausgrabungen (Fortsetzung). &Üt&Ääiäfcs

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