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Der Israelit · 1908-01-16 · Heft 3 (16.1.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 3 (16.1.1908)
Date
1908-01-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3. 16. Januar 1908. ruhe im Handelsgewerbe in Form einer tabellarischen Uebersicht ermittelt werden. Wir ersuchen, uns eine solche Uebersicht der im dortigen Bezirke geltenden Bestimmungen in zwei Ausfertigungen einzureichen. Soweit diese Bestimmungen in dem engen Rahmen der Tabelle nicht Aufnahme finden können, sind sie in besonderen, gleichfalls doppelt anzufertigenden Anlagen zu dieser Tabelle übersichtlich zusammenzustellen." Es darf angenommen werden, daß die zuständigen jüdischen Körperschaften diesen Erlaß beachten und die Regierungspräsidenten über die auf dem Spiele stehenden religiösen Interessen in geeigneter Weise unterrichten werden. Berlin, 12. Jan. Von Herrn Rabbiner Dr. Warschauer in Berlin empfingen wir folgende Mitteilunc „In Nr. 1 Ihrer Zeitung vom 3. Januar d. I. wird im Anschluß an eine von mir eingesandte Berichtigung hehauptet, daß der verunglückte Kaufmann M., dessen Eltern ich als ihr Freund einige tröstende Worte an der Bahre ihres Sohnes gewidmet habe, von seinen Angehörigen bei der Einlieferung in das Krankenhaus als „evangelisch" bezeichnet worden sei. Diese Mitteilung entspricht nicht den Tatsachen: wie ich festgestellt habe, bezeichnet das bei der Aufnahme an gefertigte Protokoll des Stadt. Krankenhauses zu Westend den Verstorbenen als „mosaisch"." 8. K. Berlin, 12. Januar. Heute fand die Einführung der wiedergewählten und neugewählten Repräsentanten der jüdischen Gemeinde statt. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes Herr Julius Iacoby begrüßte die Versammlung und führte dann aus: „Die beginnende Amtsperiode wird wie die vor 3 Jahren eine Bauperiode sein. Das neue Krankenhaus, die Synagoge ^Fasanenstraße, das Haus Oranienburgerstraße 28, welches hoffentlich genügende Räume für die Gemeindebibliothek bietet, werden Gegenstand unserer Fürsorge sein. Wir hoffen die Synagoge Fasanenstraße zum Neujahrsfeste 1909 eröffnen zu können. — An den Bau dieser und anderer neuer Synagogen schließt sich die Lösung der Rabbinerfrage. Vorläufig ist Herr Dr. Eschelbacher der einzige Rabbiner, der nur in 2 Synagogen ohne Orgel Predigt. Möge es uns gelingen, mehrere den Ansprüchen der Berliner Gemeinde geeignete Rabbiner zu finden, welche in richtiger Weise auf die verschiedenen Synagogen verteilt werden können. Auf Am regung der Friedhofskommission wollen wir uns nach Bauplätzen umsehen, um den Friedhof Weißensee zu entlasten. Und wenn auch der Friedhof noch auf Dezennien reicht, so wollen wir doch gleich unfern Vorfahren auch in dieser Beziehung für die Zukunft sorgen." — Alsdann erhält der Alterspräsident Herr Moritz M a n - heim er das Wort zur Constituirung des Bureaus. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat : Erster Vorsitzender Louis Sachs, erster Stellvertreter Geheimrat Blumenthal, zweiter Stellvertreter Direktor Dr. Minden, erster Schriftführer Dr. Ignatz Cohn, zweiter Schriftführer Willibald Löwenthal. Aus Baden, 13. Januar. Es dürfte den Lesern dieser Zeitung noch in Erinnerung sein, daß der Synagogenratsvorsteher 1)r. med. Würzburger in Bad-Rappenau vom Badischen Oberrat mit einem Verweis bestraft wurde, weil er in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des „Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden" s. Z. die von diesem Verein gegen den Oberrat und die Synode erlassene Protesterklärung mit unterschrieben hatte. Der Oberrat hatte die Berechtigung zu diesem Verweis aus der Feststellung hergeleitet, daß die Synagogenratsmitglieder Beamte der „Landessynagoge" seien und als solche der Disziplin des Oberrats unterstehen. Das Ministerium hat als Rekursinstanz diesen Standpunkt des Oberrats auf Grund der gesetzlichen Vorschriften gebilligt. Herr Dr. Würzburger hat nun die Consequenz aus diesem Vorfälle gezogen, und sein Synagogenratsamt niedergelegt, weil er, wie er sich Der JSraelit. Sette 7. äußerte, zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß er nach Lage der Dinge ohne die oberrätliche Beamten - Eigenschaft mehr für das wahre Judentum wirken kann, als mit derselben. Der Rücktritt wurde vom^ Gr. Bezirksamt genehmigt. Mit tiefem Schmerz muß man es jetzt in kurzer Zeit zum zweiten Mal mitansehen, wie durch das oberrätliche Verwaltungssystem ernsten, religiösen Männern die Möglichkeit entzogen wird, die Stellung in der Gemeinde einzunehmen, in der sie nach ihrer Befähigung, ihrer Ueberzeugungstreue und ihrem religiösen Ernst Hohes und Edles wirken könnteu. Bekanntlich mußte auch der Vorsteher in Randegg sein Amt niederlegen, weil er als Mohel es nicht über sich gewinnen konnte, gegen Ueberzeugung und Gewissen zu handeln. Mülhausen, 3. Jan. Herrn Rechtsanwalt Dr. Nordmann, der bei der Regierung die Verlegung des Sitzes des oberelsässischen Konsistoriums von Colmar nach dem viel stärker bevölkerten Mülhausen beantragt hatte, ist der Bescheid zugegangen, daß dieser Frage, die von prinzipieller Bedeutung ist, erst nach den Wahlen näher getreten werden kann. — Da gesetzlich 4 Mitglieder in Colmar wohnen müssen, konnten die beiden auswärtigen Kandidaten bei der Nachwahl nicht mehr in Betracht kommen. Wingersheim (bei Hochfelden), 8. Jan. Unsere israelitische Kultusgemeinde wurde heute durch die II. Zivilkammer des Landgerichts Straßburg, welches ihre Klage (bezw. die des Konsistoriums) gegen den Eigentümer des Hauses, worin sich die befindet, am 26. Juni 1907 wegen mangelnder Rechtsfähigkeit abgewiesen hatte, auf Grund der bis 1751 reichenden Akten des Bezirksarchivs als rechtsfähig anerkannt. Für Gotteshäuser, die vor 1808 bezw. 1784 bestanden, bedürfe es nicht des Nachweises ausdrücklicher Zulassung seitens der Obrigkeit, — eine Entscheidung welche für mehrere hundert Gemeinden des Reichslandes von größter Wichtigkeit ist. Kaiserslautern, 10. Jan. In der Frage der Anstellung eines israelitischen Lehrers an der konfessionell-gemischten Volksschule hier beschloß der Stadtrat der Beschwerde des Synagogenausschusses gegen den Bescheid der kgl. Negierung der Pfalz, wonach die Anstellung eines israelitischen Lehrers abgelehnt wurde, beizutreten. Köln, 9. Jan. Das Kuratorium des „Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache zu Köln" schreibt uns mit Bezugnahme auf eine diese Anstalt betreffende Korrespondenz in Nr. 52 des „Israelit": 1. Es ist unwahr, daß die Schenkung der Gebrüder Eltzbacher an die Bedingung, daß ein Mitglied der Familie Vorsitzender des Kuratoriums sein müsie, geknüpft ist. Nach dem jeder Zeit mit Genehmigung der Regierung abänderbaren Statut der Anstalt soll vielmehr der in Köln wohnende älteste männliche Descendent der Stifter- Familie dem Kuratorium von Rechtswegen als geborenes Mitglied angehören Der Vorsitzende hingegen wird vom Kuratorium aus seiner Mitte gewählt. 2. Es ist unwahr, daß der Anstalt zur Deckung ihrer Unkosten aus den Gemeinden Rheinlands jährliche Beiträge, außerdem Spenden und Zuwendungen in nennenswertem Umfang zufließen. Bei einer Gesamteinnahme pro 1906 von 20439 Mark Jahresbeiträgen und außerordentlichen Zuwendungen sind sechs auswärtige Gemeindeverwaltungen und eine Einzelperson beteiligt mit insgesamt 270 Mk. Jahresbeiträgen bezw. 300 Mark außerordentlichen Zuwendungen. Der gesamte Restbetrag ist aufgebracht von Kölnern oder auswärtigen Kölnern. Die Synagogengemeinde Köln selbst hat jährliche Beiträge geleistet in der Zeit von 1892 bis 1893 750 Mk., 1894 1500 Mk., 1895—1901 3000 M., 1902-1905 4000-Mk. und seit 1905 5000 Mk. 3. Laß bei solchen Leistungen der außerkölnifchen Gemeinden diesen ein Einfluß auf die Verwaltung der Anstalt zukommen müßte, wird ernstlich wohl nicht behauptet werden können. Abgesehen davon bestimmt aber das Statut, daß Mitglieder deS Kuratoriums nur in Köln domizilierte Angehörige des jüdischen Glaubens fern können. 4. Unwahr ist, daß der Synagogen gen : einde Köln kein Einfluß auf die Verwaltung zustehe. Dem derzeit aus 12 Personen bestehenden Kuratorium gehören an: als geborene Mitglieder: der jeweilige Borfitzende der Synagogengemeinde und der Rabbiner, als gewählte Mitglieder: 2 Repräsentanten, der Vorsitzende der Unterstützungskommisston und der Vorsitzende der größten Chewra. Außerdem hat durch en seit zwei Jahren bestehendes Abkommen die hiesige jüdische Armenkommifston die Befugnis, dem Asyl arme einheimische und durchreisende Juden zur unentgeltlichen Aufnahme zu überweisen. 5. In dem Haus für Steche und Altersschwache find alle verfügbaren Plä e — gegenwärtig 30 — seit Gründung der Anstalt, von seltenen Ausnahmen abgesehen, nur n tt Anden besetzt und zwar mehr als die Hälfte mit armen Leuten aus kleinen Landgemeinden, welche entweder ganz unentgeltlich oder gegen kleine 2 ergütung seitens der Verwandten, der Ortsbehörden oder der betr. Synagogengememden ausgenommen sind. In der Abteilung für Kranke. find und werden arme jüdische Kranke, wiche im Bentz eines Ausnahmescheines der hiesigen jüdischen Armenkommisiion sich befinden, niemals zurückgewiesenfür solche w rde > betten stets bereits gehalten. Ebenso für arme jüdische Kranke, deren Aufnahme auf Kosten auswärtiger Komm neu beantragt wird. Im übrigen richtet sich die Aufna me jüdischer und nichtjüdischer Kranken, insbesondere Krankenkasienparienten, Pensionäre usw. nach den disponiblen Betten bezw. Penfionärräumen. Daß dabei eine Bevorzugung Andersgläubiger gegen jüdische Kranke stattfindet oder gefunden hat, ist vollständig aus der Luft gegriffen. Das r» egenteil ist vielmehr wahr, trotzdem daS Statut gemäß dem ausdrücklichen Willen der Snfter best mmt, daß die Aufnahmen or ne Unter chied der Konfcffion stattzufinden haben. 6. Der Verband westfälischer Gemeinden hat kein Krankenhaus, so dern nur ein Altersyaus errichtet. Unsere Anstalt ist nach wie vor daS einzige jüdische Krankenhaus Rheinlands und Westfalens. Trotz langjähriger privater Aufforderung und Agitation in der Presse haben die größ.ren rheinischen Gemeinden unS irgend welche Beihilfe nicht geleistet, obwohl wir die Lasten für die den Westen durchziehenden armen Glaubensgenossen und die armen Landaemeinden tragen. Auch die Zuwendungen von ca. 700000 Mk. für unsere im Februar zu eröffne'den, mit einem Kostenaufwand von l'/, Million Mark errichteten neuen Anstal en rühren, abgesehen vo i kleinen Beiträgen, ausschließlich von hiesigen Gemeinde- Mitgliedern oder auswärts woh enden Kölnern her. Diese bedeutenden Schenkungen dürsten übrigens zur Ev denz erweisen, daß diejenigen, welche das Wirken des Kuratoriums aus der Nähe zu betrachten Gelegenheit haben, mit den von ihm eingehaltenen Grundsätzen durchaus einverstanden stad. Wir hatten der hier berichtigten Korrespondenz bereits die Bemerkung beigefügt, daß die Angaben des Einsenders von anderer Seite bestritten würden. Ungarn. Vergiftete pkeile. (Bon unserem Korrespondenten.) Budapest, 13. Januar. Wir haben über den Angriff, denn die offizielle angeblich liberale Neologie in Ungarn gegen das gesetzestreue Judentum gerichtet hatte, neulich an dieser Stelle referiert. Und obgleich wir im Momente der Erregung den Vorsatz hegten, den abgerissenen Faden unserer Ausführungen wieder aufzunehmen, glaubten wir doch nachher über das gehässig? Treiben der Gegner, deffen wir selbst uns aus tiefster Seele schämen, nicht mehr berichten zu sollen. Nun. läßt aber unsere offizielle Neologie die ungarische öffentliche Meinung garnicht wieder zur Ruhe kommen. Seit Wochen wird in dem von einem Täufling redigierten, christlich-reformierten-jüdischen Organe der neologen Landeskanzlei in spaltenlangen Artikeln gegen die Jeschiwos losgezogen. Ursprünglich glaubten die neologen Führer, daß ihnen dieser Angriff gelingen werde. Mit heftigem Grimme im Herzen, aber doch in diskreter Form haben sie in einer offiziellen Eingabe an die königlisch ungarische Kultusregierung das „Thoralernen" in den Jeschiwos verspottet und verlästert. Als sie aber zu der Ueberzeugung gelangten, daß ihr Versuch, die Orthodoxie und die Jeschiwos bei der Regierung zu diskreditteren, kläglich mißlungen sei, wollten sie sich wenigstens dadurch rächen, daß sie den frivolen Angriff öffentlich wiederholten. Diese „liberalen" Männer scheuten sich nicht, ihre schöne Eingabe in den ungarischen Zeitungen zu publizieren, in der Absicht auf diese Weise auch noch die hervorragendsten Rabbiner des Landes in ihren heiligsten Gefühlen zu kränken und lebende und tote Thoragelehrte dem allgemeinen Spotte preiszugeben. Nun hat die neologe Zenttale den Vernichtungskrieg, nicht blos gegen die Jeschiwos, sondern gegen das „Thoralernen" überhaupt eftrf der ganzen Linie eröffnet. „In ganzen Gegenden Ungarns", — so heißt es in den neuen offiziösen Auslassungen des erwähnten neologen Organs — „in denen die dichten Scharen der «

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