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Der Israelit · 1908-01-16 · Heft 3 (16.1.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 3 (16.1.1908)
Date
1908-01-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WWW PR WWWW E.WMWIW,, l. JI |J > U. M Januar 1908. __ vorzugsweise ein kirchliches vlioer, das Auge auf die jüdische Erbauungsstätte richten. Man zog den Vergleich zwischen zwei Dingen, die äußerlich ähnlich waren, in ihrem Entwicklungsgänge und Wesen jedoch seit Jahrtausenden sich unterschieden. Mit Recht sagt ein kompetenter achmann auf dem Gebiete der synagogalen iturgie: „Das Wesen des Synagogenaefanges entspricht dem Typus des jüdischen Charakters und weicht schon darum vom Kirchengesang und seiner ganzen Richtung ab. Ziehen wir hier eine Paralle, so sehen wir schon die Zwecke sich von einander scheiden. Während es die Aufgabe des Kirchengesanges ist, Andacht und Rührung in dem Gemüte der Betenden zu erwecken, will der Synagogengesang ,den inneren Gefühlen einen Ausdruck verlehen — daher die genaue Harmonie zwischen Text und Melodie — der Kirchengesang repräsentiert die Feierlichkeit, die ästhetische Würde beim Gottesdienstein dem Synagogengesange liegt oft eine zarte Sehnsucht, wie sie nur durch die ihr vorangegangene, ihr verwandte Empfindung, dargestellt werden kann — Der Kirchengesang, namentlich der in streng klassischem Stil gehaltene, stimmt die Andächtigen zu tiefer Rühr r^nL und^löst die Seele aus in Empfindungen süßer Wehmut und Schwermut, welche himmelan erheben und das irdische Sein vergessen machen sollen. Biele Synagogenmelodien hingegen durchzieht das Feuer der Freude vor Gott — dessen Reich ja auch von dieser Welt ist — und bringt die Erde mit dem Himmel erst recht in Verbindung. So bleiben Innigkeit, Sehnsucht und Freudigkeit eigentümlich mit dem jüdischen Gotteshause verwebt und geben die Gefühle wieder, die darin herrschen . . . (Japhet.) — Die falsche Auffassung des Wesens der jüdischen Andachtsstätte hat aber weniger nach außen seine schädlichen Wirkungen gezeitigt. Es handelte sich höchstens um ein Moment mehr in der Reihe der Dinge, denen man auf nichtjüdischer Seite verständnislos gegenübersteht. Und das können wir am Ende noch verschmerzen. Unendlich schwerer hingegen waren die Verheerungen, die jener Irrtum im eigenen Lager anrichtete. Man empfand die Stigmatisierung des Beis-Hakneses als „Judenschul" als äußerst kränkend, man gewöhnte sich daran, in diesem gehässig klingenden Ausdruck den Inbegriff alles Unordentlichen und Ordnungslosen zu erblicken, dem man als adäquaten Begriff etwa nur den „polnischen Reichstag" an die Seite setzen kann. So entstand im Laufe des dahingegangenen Jahrhunderts jenes Kunterbunt synagpaaler Verordnungen, die erst recht sich als eine „Unordnung" darstellen. Aus dem Umstand, daß im jüdischen Gotteshause so manches unserer beiß: i&otb läutert — — — aber wo stndet man die Weisheit und wo gibt es einen Ort für die Einsicht?" (Hiob. 28, % 12.) Wentt. ich eines Trostes bedurfte fßfc manchen heißen Wunsch, dessen Erfüllung mir versagt geblieben, so würde ich ihn aus der Erfahrung schöpfen, die mir die Uhr gewährt, die ich zu Bar-Mizwo nickt geschenkt erhielt, und ich hoffe zuversichtlich auf die Zeit, welche mir die Einsicht bringen wird, deren Mangel allein uns über unerfüllte Wünsche und sehlgeschlagene Erwartungen trübe summt. oyg Svnagogenvan in alter und neuer Zeit. Am Montag hielt auf Veranlassung des „Vereins zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" Herr Direktor Frauberg - Düsseldorf in der Frankfurt-Loge einen Vortrag über „Synagogenbauten in alter und neuer Zeit". Der Vortragende führte aus, daß sich ein eigentlicher jüdischer Baustil geschichtlich nicht Nachweisen lasse und nur von gewissen Eigentümlichkeiten der Synagogenbauten gesprochen werden könne, die vor allem in dem in der Mitte des Raumes angebrachten Mmemor ihre Wurzel haben. Allerdings ist daher zü bedenken, daß wir über die vor dem Anfang des zweiten Jahrtausends der bürgerlichen ZeitreMrung vorhandenen jüdischen Kultusbauten hinreDhchtde Kenntnisse nicht besitzen. .Das älteste SynagagMkMtoerE» das für den - Kunstforscher erirstsich' in Der JSraettt. Umgebung auffallend erscheinen konnte, vlAtercht auch sich als wirklicher Mißbrauch bezeichnen ließ, leitete man die Berechtigung ab, die alte Ordnung der „Judenschul" auf den Index zu setzen. In Tausenden jüdischer Köpfe existiert heute die „Judenschul" als ein Ort wüsten Durcheinanders und regelloser Ungebundenheit. Mit der unheimlichen Kraft der Suggestion hat sich das schiefe Urteil bei so manchem festgesetzt, der vielleicht anders denken würde, wäre ihm ein Einblick in die einschlägigen jüdischen Gesesbestimmungen möglich gewesen. Rur aus Grund dieser darf man sich erlauben, eine Ansicht über die sogen, der Erbauung gewidmete heilige Stätte sich zu bilden. Es soll in Folgendem durch einige Striche gezeigt werden, daß der Geist der Ordnung und der geregelten Pflichtübung dem jüdischen Gotteshause durchaus nicht fremd ist. Freilich, das beste Gesetz ist nicht gefeit gegen Mißachtung und nachlässige Handhabung in der Praxis. Das ändert nichts an seiner Wertschätzung, an dem Urteil über den Geist, der ihm zugrunde liegt. Und dieser Geist ist im vorliegenden Falle die Tendenz streng geregelter Pflichtübung. Die jüdische Gotteshausordnung erstreckt sich in ihren Anforderungen weiter als auf das Verhalten beim eigentlichen Gebete. Ungestört soll die Andacht sich vollziehen können. Und so fordert der Schulchan Aruch vor allem äußere Reinheit und Gesundheit des Körper«. (§ 1—3.) Man befriedige menschliche Bedürfnisse, es ist sonst das Beten untersagt. Keiner mache seinen Leib zum Abscheu, sollen doch auch die Eingeweide Gott loben, wie es die Schriftstelle meint: „Es lobe meine Seele den Herrn und mein ganzes Innere seinen heiligen Namen." Eine ähnliche Stelle fordert: „Bereite dich vor, deinem Gotte entgegen zu gehen." ,^Hüte deinen Fuß, wenn du zum Gotteshause gehen willst." (Hohelied.) — Dem modernen Geschlecht ist die altjüdische Einrichtung des „Schulenklopfens" unbekannt geworden. Es war gewöhnlich das Amt des „Schames" oder Synagogendieners. Doch auch Privatpersonenen leisteten gegen Besoldung diesen Dienst. Eine halbe Stunde vor dem Gottesdienste möge man sich des Morgens vom Lager erheben, um seine Vorbereitungen zu treffen, wenn der Ruf „zur Schul" erschallt. (Chaje Odem, Abschr. 1, 3.) Bon den „Frommen der Vorzeit^ berichtet die Mischna (Berachot), daß sie eine volle Stunde sich sammelten, ehe sie mit ihrer eigentlichen Andacht begannen. Diese Sorgfalt beweist, wie sehr man den strengen Weisungen der Synagogenordnung genügen wollte. — Selbstverständlich sind auch die Zeiten des Gebets genau geregelt. Sie entsprechen im allgemeinen den Opserzeiten. Alltäglich mit dem Betracht kommt, ist die berühmte Wormser Synagoge mit ihrer Raschi-Kapelle und dem Ryschistuhl. Bon. diesem ältesten jüdischen^Baildenkmal ausgehend, unterscheidet der Redner sechs Stilgruppen: die romanischgermanische, die gothische, die spanisch-arabische, die italienische, die russisch-polnische, und die Gruppe der neueren Synagogenbauten. Aus jeder dieser Gruppen führt der Vortragende Typen in Lichtbildern vor. Von besonderem, nicht blos kunsthistorischem Interesse waren einige Bemerkungen über in neuester Zeit errichtete Synagogen. Bei der Vorführung der größten Berliner und der Münchener Hauptsynagoge zeigt der Redner, wie hier, in erster Linie durch die Versetzung des Almemor aus der Mitte an die Ostwand, d as eigentümlich-jüdische Gepräge vollkommen verwischt ist, und er fügt hinzu, daß sehr leicht, mit einem geringen Kostenaufwand solche Synagogen in katholische Kirchen umgewandelt werden könnten. In Gegensatz zu diesen Bauten stellt der Redner das neue Gotteshaus der hiesigen Israelitischen Religionsgesellschaft, das er als ein Kunstwerk schildert, an dem das Auge sich nicht satt sehen könne. Hier sei der jüdische Charakter des Gebäudes in allen Einzelheiten zur Geltung gebracht. — Der fesselnde Bortrag fand sehr beifällige Aufnahme. (Die Fortentwicklung des Christentums.- Professor Delitzsch veröffentlicht in der neuesten Nummer der „Umschcht" deu Hauptinhalt seiner im November in Berlin gehaltenen Vorträge über, dje Weiterbildung des Christentums. Die Borträge gipfeln in dem Hinweis darauf, daß die Kirche erst im dritten und vierten.Jahrhundert gewagt habe, den Stifter der christlichen Religion dem einen einzigen Gotte selbst Itx. 3. Seile 5 Morgengrauen bestleg ein Priester die Tempelzinnen und ließ den Blick gen Osten schweifen zur Ruhestätte unserer Ahnen. Und wenn von daher der erste Frühftrahl leuchtete, so war die Stunde des Tamidopfers da. Noch heute richten sich die Zerstreuten Israels nach diesem Zeitpunkte, wenn sie ihre Seelen zu Gott erheben wollen. Vor einem halben Zwölftel des Tages nach dessen Mitte beginnt keiner mit dem Minchagebet, fünf Viertelzwölftel des Tages vor Nacht — je nach der Tageslänge — ist die früheste Zeit des mit Mincha zusammen in der Gemeinde verrichteten Abendgebets. Also auch hier bindende __5 (Schluß folgt.) plan Kr die Gewinnung einer allgemeinen, gesicherten Türsorge m jüdische Gemeindebeamte nach staatlichen Grundsätzen. Bon Av. Peritz in Königsberg i. Pr. (Fortsetzung.) Die staatliche Versorgung wird auch nickt billiger sein, als die, die wir uns aus eigenen Mitteln schaffen können*), und der Zwang zum Beitritt, der dort vorwalten soll, wird dann auch unsrer Kasse indirekt zu Gute kommen. Die Gemeinden werden dann nicht mehr vor die Frage gestellt sein: Willst du oder willst du nicht? — sondern nur noch: Wählst du die eigens für die jüd. Gemeindebeamten mit den Zielen und Leistungen der staatlichen Versorgung einaerichtete Pensionskajse oder die allgemeine staatliche Kasse für alle Penstonsbeamte? — An uns nur wird es liegen, unsre eigne Versorgungsinstitution so zu gestatten, und mit so vielen sozialen und materiellen Vorteilen fiir die jüdischen Beamten und die jüdischen Gemeinden auszustatten, daß eine Gemeinde gar nicht im Zweifel sein kann, wo sie ihrer Bersorgungspflicht gegen ihren Beamten ambesten zu genügen vermag. — Es wird für die einzelnen Gemeinden am Ende auch eine Ehrensache sein, um der Gesamtinteresfen, die wir bei solcher eigenen Kasse besonders zu berücksichtigen und zu fördern vermögen, sich unserem gemeinsamen "Unternehmen, bei dem sie sonst alles finden, 'was ihnen die allgemeine staatliche Prnsionseinrichtung zu bieten vermag, anzuschließen. — Es dürste sich nun fragen, ob sich auch gegenwärtig schon für eine solche Pensionskasse für jüdische Gemeindebeamte, die bei ihren anzunehmenden hohen Leistungen naturgemäß auch entsprechend hohe Beii) Dr Heinz Potthoff, einer der Führer der Bewegung für eine staatliche Versicherung der Privatbeamten sagt: „In den Kreisen der Beteiligten Herrscheu noch vielfach ganz unttare, allzu opttmistische Vorstellungen, denen entgegengetreten werden mutz. Auch eine staatliche Zwangsversicherung Hai nichts, zu verschenken, sie leistet nichts weiter als die Verteilung des Risikos und die Unterstützung durch die Arbeitgeber." gleichzuietzen und dadurch das Christentum auf die „polytheistische" Bahn zu drängen. . Die bei den allen Völkern tief eingewurzelte Verehrung der. Dreizahl sei es allem gewesen, die zur christlichen Trinität geführt habe. Die Weiterbildung der künstlichen Religion müsse in der Umkehr der Trinität zur Unität besteben, mit anderen Worten in der Annäherung an den reinen Monotheismus. Obgleich noch einige Jahrhunderte verfließen werden, bis die christliche Kirche als solche den wohlmeinenden Ratschlägen des Herrn Pros. Delitzsch Folge leisten wird, so düHte doch vielleicht einstweilen die Frage an die Vertreter des sogenannten „Liberalen Judentums" gerechtfertigt sein, womit sie die Taufe bekämpfen werden, wenn sich erst einmal eine nennenswerte Zahl von Geistlichen zu dem Delitzschen christlichen Monotheismus bekennen und die Täuslinge lediglich «ms diesen Monotheismus verpflichten. Und was bleibt dann überhaupt noch an Charakteristischem, an spezifisch Jüdischem vom „liberalen" Judentum übttg? Wieder z« haben Karnrnelrnappen zum Ansbetvahren der Israelit-Nummern gegen Einsendung von Mark 1.—, zuzüglich Port».

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