Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1908)
- Date
- 1908-01-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449302--64120-2506696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Crite 4. Nr. S des Großen Zeiten stand ein Altar unter der Abraham-Eiche, den der Kaiser in eine Kirche umgestalten ließ. Bon den Cedernwäldern auf dem Libanon, aus denen Salomon das Holz für den Tempel und seine Paläste schlagen ließ, geben die 400 Cedern die dort noch zu treffen sind, ein schwaches Bild. Nur etwa ein Dutzend unter ihnen zeichnet sich durch besonderes Alter aus - während dieses von einigen Forschern auf 400—500 Jahre berechnet wird, wollen ihnen andere ein Alter von 1000 Jahren zuerkennen. Die Cedern, eine Fichtenart und unserem Lärchenbaum nahe verwandt, strecken sich bei ungestörtem Wachstum kerzengrade emporoft 20 Meterhoch haben sie einen Umfang von 4 Meter. Wie die Speichen eines Rades gehen die Aeste in wagerechten Kreisen aus dem Stamm hervor, in gleichen Abständen, aber kürzer werdend, wiederholen sich die runden grünen Kreise bis zur Spitze des Baumes. Dicht um die Zweige herum stehen die kurzen, nur 4 Centimeter langen Nadelbüschel, die auch im Winter am Zweige bleiben. Einen besonders schönen und zierlichen Eindruck macht die Ceder dadurch, daß sich die Zweige abwärts neigen, während sich die Spitzen wieder heben. Ulrich von Kraft, der Ulmer reisende Kaufmann, fand im Jahre 1374 nur noch 27 Cedern auf dem Libanon. Nie hat, mit Ausnahme der letzten Jahrzehnte, eine schützende Hand über den Beständen gewaltet, es ist daher nicht zu verwundern, wenn der Libanon von Cedern entblößt ist, während sich im westlichen Syrien und im südöstlichen Kleinasien größere Cedernwälder finden. Der hebräische Namen eres würde hart und stark bedeuten, wohl wegen ihrer Wurzelfestigkeit. Das Cedernholz gilt, obgleich es leicht wie Tannenholz ist, als sehr dauerhafteinst wurde es auch zum Schiffsbau verwendet. Ein der Ceder innewohnender harziger Stoff gibt ihm einen sehr angenehmen balsamischen Geruch. Zu den vornehmsten Erzeugnissen des heiligen Landes wurde der Feigenbaum gezählt. Die Feige war eine sehr beliebte Speiseder Wanderer, der sie in ihrer Frühreife erblickte, konnte nicht widerstehen sie abzupflücken, beim leisen Schütteln fiel sie schon vom Ast. Freilich darf man nicht au die zu Dutzenden gepreßten Feigen denken, wie sie in Deutschland im Handel sind. Die Feige ist vielmehr eine birnenartiqe, weiche Frucht. Eine geradezu unverwüstliche Pflanze ist, wenn ihr das Klima zusagt, der Oelbaum. Selbst wenn der Stamm durch Feuer zerstört ist, wachsen die Schößlinge aus dem Stumpfe wieder hervor. Oel war eines der Hauptprodukte Palästinasdie fleischige Hülle der Olive gab noch mehr Eraeregell wissen will. Die Kräfte und Anlagen, die Triebe- und Neigungen, alle diese mächtigen Triebierdern sind gut, wenn sie ausgezogen sind, wenn die menschliche Intelligenz der hohen göttlichen sich unrerordend, alles schrankenlose Wollen und Begehren zusannnenfaßt, in den von dem großen Werkmeister gezogenen Grenzen halt. Das ist „die Thora des Leben", welch die toten Glieder belebt, die dem Zeiger die rechte Bewegung in der gottgewiesenen Bahn sichert und ihn zum untrüglichen Maßstab der Zeit und des Lebens macht. Hort diese, die Triebfedern beherrschende, überwindende Regulierung aus, so haben sie die Elastizität und Spannkraft verloren, die für die Bewegung des Ganzen unerläßlich sind — und das Werk steht still. Aber der bloße Borsatz der Einschränkung und Meisterung aller Triebe und seine Verwirklichung genügt, um das entschwundene Leben wieder zurüchurufen und es so lange unverlierbar zu sichern, «6 wir dieser Bedingung für feine Gewinnung und Erhaltung treu bleiben." Als hier der Bater einen Augenblick innc hielt, meinte Gustav: „Demnach bildet jede Uhr den unerschöpflichen Text für eine ganze Anzahl von Bar-Mizwo-Predigten. Warum sollte es nun ein solches Unrecht sein, daß zur Bar-Mjzwo einer eine Uhr bekommt?" spricht von einem Unrechts entgegnete ihm der Bater. „Ungeeignet und unpassend fand ich ein solches Bar-Mizwo-Geschenk, aber nicht unrecht; und das finde ich noch. Du hast eine Uhr bekommen, hast du das, was in ihr liegt, herausgelesen? Wenn Ihr t-rst einmal so alt seid, daß ihr das in einer Uhr suchet, wird Euer Herz nicht mehr so daran hängen und so lange Euer ganzes Dichten und Trachten noch nach einer Uhr strebt, so lange werdet Ihr « Der Asraettt. trag als der Kern. Das am sorgfältigsten gepreßte Olivenöl wurde im Tempel am heiligen Leuchter und bei den Opfern verwendet, mit dem Salböl wurde das Stiftszelt und seine Geräte, Priester, Propheten und 'Könige geweiht und geheiligt. Es war wohl der angenehme Geruch des Oeles, der dem Baum seinen Namen, der „lieblich" bedeutet, gab, nicht der knorrige Stamm, der vom Boden herauf schon Zweige treibt. Die Blätter sind dick und steif, lanzetförmig und immergrün, in kleinen Büscheln kommen zwischen denselben die gelblichen Blüten hervor^ aus denen sich die Oliven länglich rund entwickeln.. Die Zweige und Blätter dienten sowohl als Symbol der Freude wie des Friedens. Die bedeutendste Stelle unter den Fruchtbäumen des heiligen Landes nimmt der Weinstock ein, dessen Frucht nach des Psalmisten Wort „des Menschen Herz erfreut". Bis zu welcher Fülle die Traubenbündel in Palästina heranwuchsen, das zeigt die Riesentraube, die die Kundschafter auf der Bahre zu Zweien tragen mußten, das zeigen auch die guten Ergebnisse, die die neu angelegten Weinberge in den jüdischen Kolonien erzielen, deren Weine schon jetzt einen guten Ruf erworben haben. Zu den Früchten, die einst den Stolz des heiligen Landes ausmachten, gehört auch der Granatapfel. Der hohe Granatbaum hat dunkle Blätter, prächtig glänzende hochrote Blüten, rötlich ist auch die Rinde des Baumes und. die ebenso schöne wie wohlschmeckende Frucht ist purpurrot. Gilt uns die schöne Form des Granatapfels als Zeichen des Kunstgewerbes, ist die leicht anschwellende Form in allen Geweben und Techniken oft als Ornament verwendet, so gilt die Frucht unseren Weisen als Symbol des Gesetzes, denn sie zählt 613 Kerne, entsprechend der Zahl der Gebote und Verbote. Auch im jüdischen Kunstgewerbe wurde die geschmackvolle Form des Granatapfels, mit dessen einer Hälfte die Wange und Stirn der Geliebten im Hohenliede verglichen wird, nicht übersehen. So dienten aus purpurroten, violetten und carmoisinfarbigen Fäden gefertigt, granatförmige Kugeln als Schmuck am Gewände des Hohenpriesters. Unter den edlen Bäumen des heiligen Landes wird auch der Apfelbaum genannt, dessen erquickende Frucht hochgepriesen wurde. Im Pentateuch und in den Prophetelf wird noch eine große Reihe weiterer Bäume als Produkte Palästinas erwähnt. Tanne und Fichte, Akazie, Ulme, Platane und Sykomore, Aloe, Cypreffe, Weide und Myrthe, der Mandelbaum, auch die Balsamstaude, Zimmet- und Gewürzbäume werden genannt, und wenn das Lob des heiligen Landes gesungen wird, muß namentlich erwähnt werden, daß die Pflanzen der gemäßigten das nicht finden, was alles in ihr liegt. Du hast eine Uhr zur Bar-Mizwo bekommen, und . sie ist bereits nach einem halben Jahre invalide; bald wird sie eine Marse werden." „Wieso eine Waise?" „Du wirst sie dem Uhrmacher geben müssen, und dann wird sie tzon fremden Leuten aufgezogen, ist sie dairn nicht eine Waise?" Es war eine Eigentümlichkett meines Vaters, daß er ernste Unterhaltungen und Belehrungen mit einer heiteren Bemerkung einleitete und abschloß. Ich vernrutete daraus, daß er jetzt im Begriff sei, die Diskussion zu schließen und ich wußte, daß ich nach dem Resultat der heutigen Verhandlung nicht mehr auf meinen Wunsch würde zurückkommen können. Ich gestattete mir daher die Bemerkung: „Wenn ich eine Uhr bekäme, ich würde sie schonen und vorsichtig behandeln, so daß sie nicht so bald znm Uhrmacher müßte." „Das glaube ich auch. Ihr beide seid in diesem und in vielen anderen Punkten verschieden, deshalb paßt Ihr so gut zusammen." „Tu sprichst heute in Rätseln. Sagst du nicht, weil wrr verschieden sind, passen wir zusammen? Ich hätte das Gegenteil geglaubt. Wenn wir gleich sind, passen wir zusammen, aber nicht, wenn wir verschieden sind." „Unsere Uhr wird zeigen, daß ich im Rechte bin mit meiner Ansicht. - Seht Euch nochmal das Werk an, wie da die einzelnen Räder in einander eingreifen und eines das andere in Bewegung setzt. Es sind lauter Zahnräder und die Bewegung erfolgt dadurch, daß der Zahn des einen Rades in die Lücke des anderen eingreist. Wären die Räder glatt und gleich, sie IS. Januar 1908 Zone dort ebenso gut gediehen wie die der heißen Zone. Am 15. Schewat, zur Winterzett, quillt nach den Worten unserer Weisen neue Lebenskraft in die Bäume und wirklich treiben dieselben in Palästina dann schon Knospen und in manchen Gegenden blüht dann schon der Mandelbaum. Erst sehr spät im Herbst verlieren die Bäume ihre Blätter. Noch heute giebt es keinen Monat, in dem nicht Pflanzen zur Reife kommen, sind es im Januar Knollenwurzen, Kohl usw., so im März Zuckerrohr und Gerste. Tamarisken, Artischoken und Bohnen stehen im April in Reife, die Aprikosen folgen im Mai. Dann schneidet man im Jordantal schon den Weizen, während alle anderen Getreidearten im ganzen Lande im Juni geerntet werden. Zu gleicher Zeit reifen auch die Pfirsiche, dann Feigen, Aepfel, Birnen, Johannisbrot, Wasser- und Zuckermelonen. Im August ist in manchen Gebieten schon die Weinlese, die in anderen erst im September stattfindet, wenn gleichzeitig D 'tteln, Limonen, Granatäpfel und Mandeln gepflückt werden, denen im Oktober und November die Orangen, die süßen Limonen usw. folgen. Von der heutigen, verkümmerten Vegetation Palästinas auf die ehemalige einen Rückschluß zu ziehen, ist ebensowenig angängig, wie aus den Trümmerstätten, die ganz Kleinasien bedecken, eine Vorstellung von seinen einstmaligen Städten zu gewinnen. Die Benennung „Ko nkammer Italiens", die die Römer Kleinasien und Palästina gaben, beweist schon, daß die Lobpreisungen des heiligen Landes keine „orientalischen Uebertreibungen" waren. Selbst - unter den jetzigen Wirtschaftsverhältniffen wird jährlich von Jaffa Getreide nach der Türkei geschickt und die Resultate der jüdiichen Ackerbau-Kolonien nnd Weinanpflanzungen sind trotz aller Hinderniffe doch gut und vielversprechend. Schon jetzt zeigt sich, wie reich der Boden die Mühe, die an ihn gewendet wird, lohnt - wie sehr sich aber Palästina in näherer oder fernerer Zeit entwickeln wird, wenn der Segen Gottes auf ihm ruht, das ist unberechenbar. Ltwar über <lle „Mensel)«!." Bon Bar Meuachem Es wäre eigentlich zu verwundern, wenn unter all den Einrichtungen des Judentums, welche dem Gegner wohlfeile Gelegenheit zur Befriedigung seiner Spottlust gaben, das jüdische Gotteshaus fehlte. Der alte Erfahrungssatz, daß die Ümaus hoaulam Israel höhnen, kann nicht Halt machen vor der Synagogentüre. Naturgemäß mußte man dort, wo das religiöse Leben würden wirkungslos an einander Vorbeigehen. Nur weil sie ungleich sind, greifen sie in einander ein, passen sie zusammen und erzeugen so die sinnige Harmonie, die wir in dem ganzen Mechanismus bewundern. — Ganz genau so verhält es sich mit uns Menschen. Wie wäre das Leben fade uno langweilig, wie würde Einer ohne Einwirkung und Einfluß «m dem Andern vorüber gehen, wenn wir alle dasselbe dächten, dasselbe wollten, aus dieselbe Weise uns räusperten und spukten! Die Verschiedenheit in unfern Vorzügen und Mängeln weisen einen auf den andern an, lassen einen den andern aussuchen und erzeugen auch hier eine Harmonie, mit der sich diejenige eines toten Mechanismus nicht messen kann.^ Der Bater belegte seine Behauptung noch durch viele aus dem Leben gegriffenen Beispiele. Hätte er von unserem täglichen Brotaustausch etwas gewußt, so hätte er einen klassischen Beleg mehr für die Gleichheit, die sich aus der Verschiedenheit erzielt, gehabt. Mer ich war froh, daß er es nicht wußte. Heute bin ich auch froh, daß ich zu meiner Bar-Mizwo keine Uhr beram. Damals war ich es nicht. Die geist- und gemütvollsten Abstraktionen von der Uhr konnten mich damals nicht für den realen Besitz einer Uhr entschädigen. Heute denke ich. darüber anders. Hätte mir der Vater den Herzenswunsch erfüllt und mir die Uhr gekauft, so wäre ich um all die trefflichen, weisen Bemerkungen gekommen, mit welches er die Versagung dieses Wunsches begründete. Auf diese letzteren hätte ich damals gern verzichtet. Heute aber möchte ich sie nicht missen. Man kann leichter zu tausend Uhren als zu der väterlichen Erziehungsweisheit kommen, die es verstand, aus den unscheinbarsten Dingen die tiefüen Wahrheiten zu entwickeln. „Denn es gibt für das Silber eine Fundstätte und einen Ort, an dem «an;