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Der Israelit · 1908-01-16 · Heft 3 (16.1.1908) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 3 (16.1.1908)
Date
1908-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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16. Januar 19C8. Der Asraütt. Sette S. Nr. 3 Wege nach Europa zu wenden. Vertreter -er ungarischen Gemeinden haben bei ihrem Zentral-Komite in Budapest telegraphisch um Zusendung von Mehl eriucht, darauf . telegraphisch die Anfrage nach der gewünschten Qualität erhalten und auf dem gleich, n Wege erwidert. Dieser Depeschenwechsrl kostete etwa 30 Fes. Die in nctö schlimmerer Lage befindliche Sephardische Gemeinde (die Sephardim haben bekanntlich so gut wie keine Chaluka und das wenige, was etngeht, wird nur an Talmtde Chachamim abgegeben), an der Spitze Chacham Bascki Panisel, bcschl ß nach eingehender Erwägung, telegraphisch um Hülfe zu b tren. Die Ausgaben für die von dieser Seite versandten Telegramme setzen sich wie folgt zusammen: Nach Paris Fes. 75.75 London „ 13015 London (Lord Rothschild) „ 14.20 Berlin „ 21.30 Frankfurt „ 3480 Wien „ 41.— Damaskus, Konstantinopel u. andere türkische Städte zusammen ca. „ 40.— Fcs. 357.20, sodaß die Ausgabe der Sephardiscben Gemeinde für Telegramme Fcs. 360.— betrug. Möglich wä e höchstens noch daß von prtvat.r Seite dieses ober jenes Telegramm geschickt worden ist. Jntercsiant aber wäre eS zu erfahren, woher die angebliche offizielle Summe von 5000 Fcs. genommen ist, noch interessanter, wer die 30,000 Fcs. aus Amerika bekommen haben soll. Soweit unser Berichterstatter. Wenn der Urheber des Alliance-Berichtes in der Tat, wie . anzunehmen, Herr Antebi ist, dann möchten wir uns erneut die Frage an die Leitung der Alliance Jsraölite erlauben, ob es anch diesmal wieder, wie beim Chacham-Baschi-Kampf, ohne eine gründliche Untersuchung und ohne ausreichende Aufklärung der Oeffentlichkeit abgehen soll. Eine solche Untersuchung ist uns damals zwar zugesagt worden, ihr Ergebnis aber ist bis zum heutigen Tage unbekannt. Die Sonntagsruhe in England. tu England sind gegenwärtig in der Frage Sonntagsruhe zwei Strömungen zu unterscheiden. Auf der einen Seite steht mit Lord Avebury an der Spitze die Partei, die vom Staate einen erweiterten Schutz des christlichen Feiertags fordert, während die andere, die National Hygienic Leagne, unter Führung des Deputierten Goddard Clarke mit ihrer Weekly Rest Day Bill nur dafür sorgen will, daß jedermann allwöchentlich einen Ruhetag zu beobachten habe, ohne daß es ihr aber darauf ankommt, ob derselbe gerade mit dem christlichen Feiertag zusammenfällt. Dementsprechend hat die National Hygienic Leagne eine in Verhandlungen mit dem jüdischen Boarck ok Depnties entsprechend formulierte Bestimmung in ihren Gesetzesvorschlag ausgenommen, daß Personen, die am Sabbat ihr Geschäft geschloffen halten, von der Sonntagsruhe dispensiert seien. Bekanntlich hat jj ja Lord Crewe im Oberhaus namens der s Regierung erklärt, es werde in absehbarer Zeit keine Aenderung der Sonntagsruhe-Gesetzgebung vorgenommen werden. Das ist bei dem gegenwärtigen Stand dieser Gesetzgebung in England für die Juden das wünschenswerteste. Immerhin ist es gut, daß sie durch die Vereinbarungen mit der National Hygienic Leagne für alle Fälle gerüstet sind. Der Boarä ok Depnties hat sich durch die in dieser Beziehung geleistete Arbeit ein großes Verdienst erworben. Die Bäume des heiligen Lander. (Irrrn 15. Schervat.) Von Eduard Joel in Hamburg. Für unsere besten und reinsten Gedanken und Gefühle hat uns die Pflanzenwelt von jeher die beliebtesten Symbole geliehen; Freude und Sieg, Liebe und Mitleid fanden durch sie den zartesten und deutlichsten Ausdruck. Will der Morgenländer etwas Edles oder Großes schildern, so tritt ihm das Bild der Palmen zwerst vor die Seele. Sie sind es, die der orientalischen Landschaft das charakteristische Gepräge geben, die, die Laubbäume weit überragend, dem Orientalen wie grüne Minarets erscheinen. Ob seiner Schönheit zeichnet unter den Pflanzen des heil. Landes der Ethrog sich aus, „dip Frucht des lieblichen Baumes", eine Zitronenart, die im Feststrauß am Laubhüttenfeste eine bevorzugte Stellung einnimmt. Auch mit dem Auge des Botanikers gesehen, würde der Esrog die Krone vor allen Pflanzen verdienen. So eindrucksvoll die Palme wirkt, so sagen doch schon die einfachen Blütenrispen, die unter dem Wipfel hängen: es ist an ihr nicht alles unübertrefflich. Wenn der Botaniker nach der vollkommensten Pflanze fragt, so nennt er nicht die duftende Rose, die herrlichen Blütenkandelaber der Agaven oder die Orchideen, er reicht vielmehr den Orangen- und den Zitronenbäumen die Krone der Schönheit, nachdem ihnen L. Reichenbach diese Stellung wissenschaftlich zugewiesen hat. Die im zarten Weiß schimmernde Blütenkrone des Esrog-Baumes z. B. besteht nur aus einzelnen Blumenblättern, der Kelch ist in feine Blättchen auseinander gelegt, die Staubfäden lösen sich ftei voneinander. Und rund oder im sanften Oval ruht die schöne goldige Frucht in silbernem Blütenschoos, mit dem prachtvollen von ihr ausgehenden Aroma wetteifert das saftreiche, erfrischende Fleisch. Wie herrlich ist der Anblick des Esrog-Baumes! Der hohe, vollbelaubte, immergrüne Baum steht zu jeder Zeit im Blütenschmucke, wie er auch stets halbgereifte und reife Früchte trägt. Jahrelang kann die Frucht im abgeschnittenen Zustande frei oder verpackt liegen, ohne in Fäulnis zu geraten, sie wird ein» schrumpfen, aber ihre Form ist bleibend. Wohl in Bezug auf diese Beständigkeit, die stete Blütenfülle und die Jahrhunderte lang sich gleich bleibende fruchttreibende Kraft des Stammes haben unsere Weisen das Wort boäor „lieblich", wie der E-srog genannt wird, auch dackäar, der dauernde, gelesen. Mit welcher Berechttgung Josephus den Esrog in seinen „Altertümern" die Frucht des Baumes von Persien nennt, ist schwer zu sagen, jedenfalls war der Esrog-Baum kein häufig zu findender, denn so viele Ortschaften auch nach den sie umgebenden oder auszeichnenden Hainen, Pflanzungen usw. benannt werden, nach dem Esrog finden wir keine benannt. Weit häufiger gibt der Palmbaum den Grund ur Benennung der Städte in allen Gegenden es heiligen Landes-auch Jericho, übersetzt wohl : die Balsamduftige, war berühmt wegen ihrer vielen Palmen, des Stolzes des Arabers. Die Hebräer nannten sie die Schlanke, den Turm, auf jüdischen Münzen ist sie das Sinnbild Palästinas, vor Fürsten und Heerführern schwang man ihre dünnen, bogenförmigen Zweige als Zeichen des Heils, am Laubhuttenfefte ragte sie im Feststrauß hervor. So beliebt aber auch die Palme und ihre Frucht war, so waren die Anpflanzungen doch nicht so zahlreich, daß sie die eigentlichen Laubbäume des Landes darstellten. Palästina scheint am meisten von Eichen und Terebinthen bewaldet gewesen zu sein, noch jetzt trifft man herrliche Waldungen stark-laubiger Gchen und Steineichen und immergrüner Terebinthen. Den sechs Ortschasten, die ihre Benennung den Palmenbäumen entlehnen, steht eine stattliche Reihe derjenigen gegenüber, deren Namen mit der Eiche zusummenhängt. Beim Propheten Daniel und im Talmud heißt immer der Baum: illon, derselbe Namen und Stamm, der im Pentateuch als allaun, eilo re. stets für Eiche und Terebinthe zu finden ist. Ins Deutsche übersetzt, würde eS Stärke bedeutendie mächtigen Fürsten BaschanS werden mit ihr verglichen. Prächtige Exemplare muß die Gegend um Sichern aufaewiesen haben. Neben den Eichen von More, bet oenen Abraham weilte, werden dort eine Eiche des Denksteins und eine der Wahrsager genannt, unter einer anderen Eiche vergrub Jakob dort die an heidnischen Kultus erinnernden Schmuckgegcnstände seiner Angestellten und er bestattete Deborah unter der Eiche des Weinens. In der Nähe von Chewron standen die Eichen des Edomiters Mamre, durch die Erscheinung Gottes vor Abraham berühmt, zu Josephus Zeiten fand sich dort eine Ogyges-Eiche. Noch zu Constanttns noch einen Schritt weiter. Nicht nur eine Weckuhr, sondern jede andere ist der beste Wecker nicht nur aus dem Morgenschlaf, sondern aus dem ganzen tiefen, betäubenden Taumel, in dem Viele, in dem die meisten Menschen die paar ihnen Angemessenen Jahre verbringen. Leben ist Zeit und Zeit ist Leben. Unser Leben beschränkt sich auf die Spanne Zeit, die ihm zugemessen ist. Wenn die Uhr ein Zettmesser ist, so ist fie auch ein Lebensmesser. Wer denkt denn das Leben zu messen? Die meisten schatten und walten damit, als wäre es unerschöpflich, unermeßlich. Sie verbringen gedankenlos ihre Jahre, vertändeln ihre Tage, verschlafen ihre Nächte, verträumen ihre Stunden und verschwenden ihre Minuten und Sekunden. Die Zeit kommt und geht so leise, daß Niemand ihre Schritte hört und beachtet, und erst wenn die Lebensuhr im Begriffe ist, abzulaufen, werden die bisher im Taumel Dahinlebenden an die furchtbare Wahrheit erinnert: „Niemand ist Herr über den Geist, zurückzuhalten den Geist" (Kohelet VIII, 8), welches Wort die Weisen dahin erklären, daß, wenn die Todesstunde einmal geschlagen hat, niemand die Macht besitzt, sie auch nur so lange hinauszuschieben, bis er eine letztwillige Bestimmung getroffen hat. Dann geizt man mit den Almuten, die man ^ungezählte Millionen mal vergeudet hat, dann möchte man krampfhaft die Zeit zurückhalten, die man bisher mit allem Raffinement „vertriebe n" hat, wie der allen geläufige und doch so krasse Ausdruck lautet, — e8 ist zü spät. Die meisten glauben, daß die süße Gewohnheit des Daseins noch morgen und übermorgen anyatten müsse, weil sie gestern, und vorgestern da war. Sie rechnen nicht mit der Möglichkett, daß das Leben einmal schließen könne, wett sie kein Auge und kein Ohr für oaS Komme» und Gehen der in unsichtbarem und unhörbarem Gigantenschtttt? dahinschreitenden haben. Kinder! wie könnte da die Uhr zur Retterin und Weckerin aus diesem betäubenden Taumel werden! Ihr Zifferblatt zeigt mir das Hinüberrauschen der Stunden, Minuten und Sekunden in die Ewigkeit, sie ist der einzige sichtbare, greifbare Maßstab der eilenden Zett und des schwinoenden Lebens und selbst der hörbare. Die Herzschläge, die das Leben bekunden, sind vorausbestimmt und gezählt. Mit dem letzten Herzschlag schließt das Leben. Leise, ungehött und unbeachtet hämmert und pocht das Heiy i n der Brust. Jeder Schlag bringt uns um eine Linie dem Ende näher. Wer denkt daran, um daraus die Konsequenzen zu ziehen? Wer erinnett daran, um die beschienenen Sekunden und Augenblicke zu zählen und zu würdigen? Der Tik-tak meiner Uhr auf der Brust unmittelbar unter dem Herzen tut es. Er fixiert und bucht jeden Herzschlag und jede Wallung des Pulses. Wenn Gott seine ernsten Sendboten schickt, um uns durch Schwäche, Hinfälligkeit und Krankhett aus dem betäubenden Taumel des Lebens zu wecken, in den uns Leichtsinn, Gedankenlosigkeit und Lebensgemächlichkeit lullten, dann trifft uns der Ernst des Augenblicks mit der Uhr in der Hand, um nach ihr die schwindenden Puls- und Herzschläge zu zählen. Wem aber in normaler Zeit, wem täglich und nächtlich der Tik-tak dpr Uhr an die verfliegenden Augenblicke erinnert, aus welchen unser ganzes Dasein zusammengesetzt ist, der braucht nicht erst durch Schickfalsschläge aus dem ttaumenden Dahinleben geweckt zu werden, dem ist die Uhr zur rettenden Weckerin geworden." Bei diesen Wotten nahm der Bater die Uhr in die Hand und fuhr sott: „Sch sehe e» Such an, Ihr versteht da» alle» nicht, wa» ich Euch da sage, Ihr könnt e» noch nicht verstehen. Wer die Uhr lehtt auch manches, was Ihr wohl jetzt schon verstehen könnt." Dabei öffnete er die Uhr und hielt sie uns hin mit den Worten: „Sollte man nicht meinen, wenn man das Räderwerk gehen sieht, wenn man die rastlosen Schläge hört, wie sie unermüdlich Tag und Nacht die Zeiger fortrücken und damit die Stunde, die Minute mrd selbst die Sekunde markieren, sollte man nicht meinen, es walte ein Geist des Lebens in den Rädern, wie in denjenigen, von welchen das rätselhafte prophetische Gesicht des Propheten Jecheskel heißt: Woher kommt dieses Leben? Es stammt von einer kleinen dünnen Feder auS Stahl, die, wenn sie aufgezogen, d. h. fest zusammeneprcßt, in die vorgeschrrebene, erforderliche Lage gerächt wird, eine solche Elastizität und Spannkraft besitzt, daß sie das ganze tote Räderwerk zu bewegen vermag. Ist die Feder abgelaufen, d. h. hat fie mtt der festen Umwindung und Ueberwindung ihre Schnellkraft verloren, so steht das ganze Gerader still. Wer selbst dann wird es die frühere Bewegungs- und Lebcnsfähigkett wieder erlangen, wenn die Feder aufgezogen und sie durch den auf sie geübten Druck ihre Elastizität und Schwungkraft aufS neue entfalten kann. Und nun richtet einmal mtt mir den Blick auf den kunstvollsten Mechanismus, aus das kompliziertes Uhrwerk, das wir selber darstellen, und da» jeder Mensch repräsentiert. Es ist nicht eine, eS find ratlose seine und doch so überaus starke Treibfedern, die hier schalten und Watten. Alle flehe» sie km Dienste der Seele, dieses mächtigen Zeigers, der <u& den Hinmärschen Ursprung, aus Gott hinweist, ber die Bewegung dieses Zeigers »ach seinem weifen Man

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