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Der Israelit · 1908-01-09 · Heft 2 (9.1.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 2 (9.1.1908)
Date
1908-01-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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djeVXJart Tfirsts Uebersetruug der Emmu« «st ttledeot d<$ Saadja 6asn. Bon Rabbiner Dr. Dünner in Rogasen. (Schluß.) IV. Buch, Kap. 2. . . nnnn dw 12MKV nn rat^n Dr nzv ^2-r. Fürst übersetzt: „Darum sehen wir, daß die Offenbarung keine Strafe dem Sünder aus Irrtum androhet, nicht weil er die Sünde nicht selbst gewählt, sondern weil er aus Unkenntnis der wahrhaften Bedeutung nicht vernünftig frei war. So z. B. wenn einer aus Irrtum einen Mord begangen) und wer beim mutwilligen Fällen eines Baumes, als aus Freiheit getan, bestraft werden kann, oder weil er ohne es zu wissen, daß es Sabbat ist, den Ruhetag entweiht, straflos ist, jedoch als Holzaufleser an demselben, wenn mit innerer Freiheit die Tat geschehen, bestraft wird." Der letzte Satz Fürsts enthält Rätsel, deren Auflösung mit viel Schwierigkeit verbunden ist. Man wird jedoch nicht sehr fehl gehen, wenn man annimmt, daß, Fürst den Sinn seiner eigenen Worte nicht verstanden hat, vielmehr glaubte, auch da, wo der Verfasser ihm unverständlich war, seiner Pflicht als Uebersetzer treu bleiben und demnach aufs Geratewohl übersetzen zu müffen. Und dennoch bietet diese Stelle in Saadjas Arbeit durchaus keine besonderen Schwierigkeiten. Nachdem nämlich' Saadja behauptet hat, daß der Mensch keine einzige Tat vollbringe, ohne sich derselben voll und ganz bewußt zu sein, will er nunmehr den auf Grund der Offenbarung scheinbar bestehenden Einwand, daß versehentlich begangenes Unrecht trotzdem straflos bleibt, widerlegen. Diese Widerlegung enthalten nun unsere Textworte: „Wenn wir sehen, daß die Offenbarung denjenigen, der eine Sünde ohne Absicht begeht, nicht straft, dann hat diese Straflosigkeit ihre Ursache nicht darin, daß der Missetäter ohne Bewußtsein gehandelt hat, sondern in dem Umstande, daß er die Bedeutung seiner Tat nicht gekannt hat. So nehmen wir an, daß derjenige, der unbeabsichtigt eine Tötung beging, sich voll bewußt war, daß er einen Baum fällte, jedoch unvorsichtig bei diesem Fällen zu Werke ging,' oder daß derjenige, welcher versehentlich den Sabbat entweiht, sehr gut weiß, daß er Holz sammelt, in demselben Augenblicke aber nicht daran denkt, daß Sabbat ist. VI. Buch, Kap. 2.'v Tiy njtfö nro mnDNn “]Sm. Fürst übersetzt: „Auch darin irrt man nicht, wenn man die Seele als Verknüpfung der Sinne, d. h. welche die Sinnesvorstellungen in einanderschstngtz und zusammenführt, an sieht - denn da die S^e« sich ms Leiterin der Sinne )herausstellt, so könpep chpch d^ese unmöglich die Wesenheit geben. Offenbar verdreht eine solche MetNuvg W Folgerichtigkeit unp die Wahrheit.^ Dtzft Ützbechetzüng ist sounbegrMnh, daß wenn man Fürst nicht kennen würde, man annehmen müßte, es babe ihm ein ganz anderer Text Vorgelegen. Denn während Saadja behauptet, daß derjenige, welcher den später noch zu erläuternden Grundsatz aufstellt, ohne Zweifel in gewaltigem Jrrtume befangen ist, übersetzt Fürst, „auch darin irrt man nicht." Ja schon die Worte „auch darin" stimmen mit dem Ausdrucke ritsi so wenig überein, daß man hier auf eine solch überraschende Interpretation gefaßt sein muß, wie sie nur ein Fürst geben kann. Nachdem nämlich Saadja im ersten Kapitel dieses Buches einen Gegenbeweis gebracht hat für die Behauptung, daß die Seele eine Eigenschaft ist, bespricht er in diesem unserem zweiten Kapitel unter anderem die Frage hinsichtlich der Selbständigkeit der Seele, was deren Einsicht betrifft. Einen Beweis für diese Selbständigkeit findet er in dem Umstande, daß ein blind geborener Mensch in seinem Traume ganz bestimmte Bilder sieht, die er dort unmöglich in Wirklichkeit gesehen haben kann, deren Quellealso unbedingt nur die Seele sein muß. Wenn es daher wahr ist, daß die selbständige Schöpfung der Vorstellungen und Begriffe nicht das Produkt der Sinne, sondern der Seele ist, wie kann man dann behaupten, daß die Seele die Summe der Funktionen der Sinne sei? Dies ist nun der Inhalt unseres Stückes, das wörtlich übersetzt folgendermaßen lautet: „Hieraus (ntai, nämlich aus dem Beweise der Selbständigkeit der Seele) folgt auch, wie sehr derjenige irrt, der die Seele für die Summe der Funktionen der Sinne hält. Ist es doch gerade die Seele, die den Sinnen ihren Inhalt giebtwie sollten also umgekehrt diese das Wesen der Seele bilden. Diese Ansicht ist darum in Streit mit der Logik und der allgemein anerkannten Wahrheit." VIII. Buch, Kap. 3.“Pin kVi D'JS O1V2 „Alle diese Wunder haben aber noch nie stattgefunden, und die Natur dieser Wunder bringt es auch mit sich, daß sie nicht teilweise sich erfüllen durften." Daß Fürst hier den Text nicht verstanden hat, ist allerdings bei ihm nichts außergewöhnliches, doch erwartet man dies meistens nur da, wo ein schwieriger philosophischer Begriff den Leser zu einer Vorsicht zwingt, die Fürst nicht kannte. Was muß man aber bei dieser Stelle denken, wo weder Inhalt noch Sprache irgend welche besondere Schwierigkeit bieten! — Saadja will nämlich hier an 15 Punkten Nachweisen, daß die messianische Zeit nicht bereits während des zweiten Tempels angebrochen war. Diese 15 Punkte teilt er in drei verschiedene Gruppen, nämlich 5 davon entnimmt er der Bibel, 5 andere der glaubwürdigen mmrd-. lichen Ueberlieferung und die letzten 5 der täg-. lichen Erfahrung. Bxi Behandlung der Fveiten ' Gruppe zitiert er einMße Bsbelverse, itt denen zwar Weissagungen über die Zeit oes Messias ■ enthalten find, fifc deren Verwirklichung aber fti * der heiligen Schrift weder direkt noch indirekt irgend welcher Beweis gebracht ist. Da aber die Bibel von der Erfüllung dieser außergewöhnlichen Ereignisse nichts berichtet, so muß man, um Sicherheit darüber zu erhalten, eine andre Quelle zu Rate ziehen und zwar die glaubwürdige mündliche Ueberlieferung. Und welches Resultat zeigt sich daselbst? „Hier wird uns auch nicht gesagt, daß eine dieser 5 Prophetien bereits stattgefunden hat, im Gegenteil, die glaubwürdige mündliche Ueberlieferung weist darauf hin, daß nichts dergleichen geschehen ist." IX. Buch, Kap. 3. pron btt... Fürst übersetzt: „Die Söhne der Knechte wohnen ruhig usw., d. h. nach Vernichtung des Himmels und der Erde wird noch eine Stätte erstehen, wo die Menschen für die Vergeltung wohnen werden, und ein Luftraum so gelassen werden wird, daß er uns für Erhaltung der Leiber dienlich sein und die Stelle der Nahrung vertreten wird, und mithin von der Natur unseres gegenwärtigen Lustkreises sehr verschieden." Auch an dieser Stelle hat Fürst die Worte des Verfassers durchaus nicht verstanden. Hier führt nämlich Saadja den Beweis, daß zur Zeit der Belohnung eine andre Welt geschaffen wird, als die ist, in der wir jetzt leben. Denn der Untergang dieser Welt geht ausdrücklich aus den Bibelworten hervor:' N2M (p«m D'DtPD) non TiDyn nrm „Wenn nun weiterhin in der heiligen Schrift steht irDBO, so muß man unbedingt an die Erschaffung einer andern Welt denken, in welcher die Seettgen wohnen werden, da dann Himmel und Erde untergegangen sein werden. Ein anderer Grund hierfür liegt in der Beschaffenheit der Luft, die sich jetzt zwischen zwei Enden (Himmel und Erde) befindet. Denn das steht doch fest, daß die Luft auf unfern Körper ihre Anziehungskraft ausübt, wodurch in uns das Bedürfnis nach Nahrung rege wird. Da nun die Menschen in der Zeit der Vergeltung kein Bedürfnis nach Nahrung haben, so folgt daraus, daß dann die Luft anders beschaffen sein muß, als jetzt, damit kein Bedürfsnis nach Nahrung entstehen kann." Zum Schluffe möchte ich noch eine Bemerkung des Herrn Prof. Dr. Ländauer in Straßburg nicht unerwähnt lassen. Derselbe hat sich mit dem arabischen Original der Emmunot Wedeot eingehend beschäftigt und schreibt zu Fürsts Uebersetzung u. a. folgendes: Unter den zahlreichen Beispielen von Fürsts Leichtsinn darf übrigens unter Anderem auch die unverfrorene Korrektur in den beiden, die Ausdehnung des Nils begrenzenden, geographischen Namen ttm'-iö ny (p.. 64) nicht übergangen werde«. Wem die aradifchen Geographen zugänglich sind, ttstrd sich.darsibEMcht informieren. (Verreiche Israel. LWWsW Dritter Jahrgang, Amsterdayr 1S7878 Pag,;j!52i); ... •.. - ■•Sr*,.

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