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Der Israelit · 1908-01-02 · Heft 1 (2.1.1908) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 1 (2.1.1908)
Date
1908-01-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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euilleton Der €nkel. Erzählung von Friedrich Rott. SO (Fortsetzung.) „Jetzt gleich, Hals über Kopf? — ich weiß doch nicht, ob das paffend wäre" — „Ätzer ^ich bitte Sie, waMM. sollte es nicht paffend sein? Wenn Sie jetzt mit mir zu ihm gehen, möglich, daß das Fräulein zu Hause ist, so wird er Sie viel'eicht gleich 511 ihr führen, und falls sie nicht daheim ist, könnten Sie mit ihm bereden, wann und wie und wo Sie sie treffen könnten. Meiner Seel'! Das wird das fpill U Theodor zögerte noch immer. „Weiß das Fräulein auch schon davon?"; „Aber keine Idee, das kann ich Ihnen zuschwören. — Also kommen Sie mit, Herr Gotthold, machen Sie keine langen Geschichten." Theodor ließ sich schließlich überreden und und beide begaben sich in die Wohnung des Rabbiners und wurden auf Meters Verlangen zu demselben geführt. Sichtlich überrascht begrüßte Dr. Schwarz die beiden Besucher und bat sie, sich zu setzen. Beide entsprachen der Aufforderung, dann räusperte sich Herr Meier und sprach: „Ich sehe es dem Herrn Doktor an Sie staunen und wiffen nicht recht, was Sie sich non unserm Besuch denken sollen." 1 „Ich habe allerdings nicht so oft das Vergnügen, die Herren bei mir zu sehen, daß ich nicht .fragen wollte, was mir die Ehre verschafft." „Das ist rasch gejagt. Der ältere Herr Gotthold. wünscht näml ch, daß vor allem sein Herr Sohn Ihr Fräulein Nichte kennen lerne." «Ist Ihr Fräulein Nichte zu Hause, Herr Doktor?" „Ich glaube, ja. Aber ich erlaube mir darauf aufmerksam zu machen, Herr Gotthold, daß Greine Nichte keine Ahnung hat von dem, was w« für sie wünschen." t -Düs lieb" erwiderte Theodor „dadurch dürfte sich unsere Unterhaltung voraussichtlich unbefangener gestalten." „DaS hoffe ich auch. Ich denke, wir machen eS^ folgendermaßen. Meine Frau ist nicht zu Kruse. Ich werde daher Sie, Herr Gotthold, in. ein anderes Zimmer führen und werde meiner Nichte sagen, daß Herr Meier, der allein mit mir zu sprechen hat, in meinem Arbeitszimmer sich befiudet ustd daß ich. deshalb einen andern Htzrm ins Wohnzimmer geführt habe, und sie ersuche» ihm einstweilen Gesellschaft zu leisten." Herr Meier ^ieb sich vergnügt die Hände. „.So wird's gehen, ich habe ja gleich gesagt, das ist. das-Gescheiteste. Das lange Getue hin und herdarmr ist kein Segen. Nur immer grad' „Darf ich Sie bitten, Herr Gotthold?" Doktor Schwarz öffnete die Tür des anstoßenden Zimmers,, geleitete, feinen Gast durch dasselbe in ein DÄttes Zimmer und bat ihn sich dort niederzulaffen. Dann entfernte er sich, um feine Nichte m rufen. Nach wenigen Minuten trat sie in Begleitung ihres Onkels in das Zimmer. Letz* lerer stellte die Anwesenden einander vor. f$*xv Gotthold — meine Nichte, Fräulein fco» Kahn. Ich muß seyr um Entschuldigung t, Herr Gotthold" — „Bitte sehr, Herr Doktor, wollen Sie sich nicht stören lasten" — Der Hausherr entfernte sich grüßend, während Theodors Blick mit unverhohlenem Interesse auf dem liebreizenden Mädchen hastete, daß sich ihm gegenübersitzte. Irma Kohn war in Wirklichkeit eine vollkommene Schönheit, Herr Meier hatte nicht zu viel von ihr gesagt. Wer sie nicht kannte, ahnte nicht, daß Sie bereits ihr dreiunddreißigstcs Jahr vollendet hatte, ihrem Aussehen nach konnte man sie um zehn, auch wohl um zwölf Jahre jünger halten Groß und schlank, voll und frisch, schien sie zu sprühen von Gesundheit und Jugendfrische. Und dabei dieser unbeschreiblich liebliche Zug um den kleinen schöngcformten Mund, in dem, wenn sie sprach oder lachte, zwei Reihen kleiner, bläulich weißer, wie durchsichtiger Zähne glänzten; diese Fülle von Frohsinn und Herzensgüte, die aus ihren funkelnden Augen leuchtete — Theodor war so versunken im Schauen auf sein holdes Gegenüber, daß er vollständig daran vergaß, daß es doch eigentlich ihm als Herrn zugekommen wäre die Unterhaltung zu eröffnen. Irma begann daher: „Haben Sie sich von den Strapatzen Ihrer großen Reise schon vollständig erholt, Herr Gotthold?" „Die Reise war nicht so groß und die Strapatzen nicht so bedeutend, daß zwei Tage zur Erholung nicht genügen sollten." „Sie sind, wie ich glaube, früher heimgekommen, als Sie beabsichtigt hatten. Frau Dr. Beer war Donnerstag Nachmittag in großer Aufregung, als sie nach Hause kam und ihren kleinen Pensionär nicht mehr fand." „Sie sind mit Frau Dr. Beer befreundet, Fräulein Kohn?" „Meine selige Mama war mit ihr befreundet, da ich in jüngster Zeit nicht viel zu tun hatte, bin ich häufig zu ihr gekommen, habe dort auch die Bekanntschaft Ihres Sohnes gemacht, es ist ein herziges Bübchen, aber er hat Sie gar nicht vermiet." „Das weiß ich wohl, unser Kleiner hat uns nicht vermißt, seinetwegen hätten wir noch lange fortbleiben können — aber mein Vater war während dieser ganzen Zeit allein — das liegt mir noch jetzt auf dem Herzeir." „Ich glaube Sie brauchten sich auch in dieser Beziehung keine Gewissensbisse zu machen. Am Tage war doch Ihr Herr Vater im Geschäft und alle Abend ist Herr Grünfeld bei ihm gewesen, das weiß ich von diesem. Und ich weiß sowohl von diesem, als auch von meinem Onkel, daß derjenige, der sich mit denr Studium der GotteSlehre befaßt, sich nie vollständig allein fühlen kann. Das ist der große Vorzug der Männer vor uns Frauen?" „Verstehe ich Sie recht, Fräulein? — Sie ( b neiden die Männer wegen des Talmudstudium?", „Daß ich daS Studium des Gottesgesetzes als einen Vorzug betrachte, das ist allerdings richtig, aber daß ich deshalb die Männer beneiden würde" — sie schüttelte den Kopf. „Ich beneide überhaupt keinen Menschen, ich bin vollkommen zufrieden mit dem, was Gott mir beschieden hat." „Das sieht man Ihnen sogar an, Fräulein" sagte Theodor lächelnd. „Wirklich?" fiel sie lebhaft ein, „sehen Sie, das freut mich, denn ich betrachte Unzufriedenheit in gewiffer Beziehung als das größte Laster, ist es doch Undank gegen die Wohltaten, die die götttiche Liebe uns tagtäglich zu Teil werdest läßt. Und grade, weil ich nach landläufigen Be? grtffen doch nichts habe und nichts bin" — „Fräulein, wie künenn Sie. so reden! diese Selbstunterschätzung" — „Sie find im Irrtüml ich unterschätze mich keineswegs, ich. sagtenach landläufigen Begriffen bin und habe..ich. nichts, aber, nach..meiner persönlichen Anschauung bin und habe ich VoLpästdtg aenug. Denn ich bin gesund und kräftig und habe Kopf und Herz auf der rechten Stelle. Das klingt viclleiH unbescheiden" — „Bitte sehr, durchaus nicht" fiel Theodor ein, der mit unverhohlener Bewunderung zu ihr binüberblickte, „aber ich gestehe, ich habe derartige Anschauungen bisher von keiner jungen Dame vernommen." „Sie haben dieselben auch jetzt von keiner jungen Dame vernommen", entgegnete Irma lachend, „denn ich bin weit älter, als ich aussehe, und es haben vermutlich die Jahre und dir Verhältnisse meine Anschauungen gereist." (Fortsetzung siehe nächste Seile). Für de« Reklamenteil ist die Redaktio» nicht verantwortlich; insbesondere ist eS ansschliestltch Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Angabe« religionsgesetz« licheu EharakterS auf ihre ZnverlSfstgkeitz« prüfen. □ 4 Landesbuter £ D Leinen- und Gebild-Weberei F. V. Grünfeld König!., Qrossherzogl. a. Forstlicher Hoflieferant Berlin W., leildprstmu 21-2. Grösste Auswahl aller Wdscheartikel fär dei Hausbedarf. flitotpg ganzer flBsstittmp. Preisliste mit Abbildiuioen sowie Kosten' anschläoe zu Diensten. (7ssv) n im Konkurrenz-Kampf ist ein wirkungsvoll abgefasstes Inserat am richtigen Platze; Derartige Vorschläge hat rar Sie kostenlos die Firma Haasensteln A Vogler. ft* 8.» Frankfurt a- M.v Zoll 481. Ulis üli stell zu bMMg Mt: E ne Purpe, die Mama sagen fcmn; einen Puvprnwagen und einen ganzen Berg FayS ächte Sövener Mlnerat-Pastiüdw Darauf ist die Kie ne näch ich ganz toll und denen danken wir'S auch, datz sie immer mobil ist. 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