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Der Israelit · 1908-01-02 · Heft 1 (2.1.1908) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 1 (2.1.1908)
Date
1908-01-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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fft. 1. Der JSrr^tt. «ette IS. t. Sctmrar 1901. Berscimmlung ehrte deren Ar.denken durch Erheben von den Sitzen. Die BeitrSge der außerordentlichen Mitglieder sowie einige sonst ge Einnahmeposten find bedauerlicherweise zur. ckgegangen. Bet i en Allerhöchsten Neujahrauszeichnungen wurden die Herren % Metzler-Floß und I. Löbenstern-Burgk, nstadt mit dem Titel Hauptleh^er geehrt. Die Herren A. I. WechSler-Aschbach und Wolfto >-Kronh im se erten unter lebhafter Teilnahme der Behörden und Gemeinden das Jubiläum ih,er 25jährigen Wirksamkeit. Allen Genormten lt ß die Verwalt» ig entsprechende Glückwunschschreiben »gehen. Zu der jüngsten Aukschußfitzung des „LandSvereins in Bayern, in w.lchrr über mehrere das jüdische Schulwesen berührende Fragen Be cklüffe gefaßt wu den, waenauch Vertreter des Lehrervereins ein elaben " orden. Bei der Revision der Satzungen w. rde einem Ant age der Lehre, delegierten entsprochen und die Bestimmung ausgenommen, daß von jetzt ab zwei Vertreter desLehrcrverems Sitz und Stimme im Ausschüsse haben sollen. Der Beriet t über die Fortbildungskurse entrollte ein erfreuliches Bild über die in denselben entwickelte Tätigkeit, die ein ehrendes Zeugnis für die Kursleiter sowohl als für die Teilnehmer ablegt. Dabei s'll ein für allemal der Legen denbtldung gegenüber festgestellt werden, daß auf Verwendung der B,rwaitung unseres Vereins hin die er en Fortbildungskurse für die RcligtonSw ffin chaften gegründet wurden und zwar schon >m Jahre 1894. Anschl eßend an einen Midra ch aus der Sidra: bja b"n Äni nvv bw ,'p-i:r 'n 'd ■J'T iWJJD „der Ewige dein Gott wird dich segnen, aber nicht, wenn du in träger Tatenlosigkeit fitzester segnet dich in jedem Werke deiner Hand, d. h wenn du selbst arbeitest", schloß der Vorsitzende seinen Bericht mit der Mahnung, daß 1 edes einzelne Mitglied nach seinen Kräftig tätig sein möge, um die hochgesteckten Ziele des Vereins zu erreichen. Bor Erledigung der wetteren Tagesordnung wurde unserem Prinzregenten eine Huldigung dargebrachr, in welche' die Versammlung begeistert einstimmte. Die Mitglieder der Fortblldungskonserenz Ansbach hatten den Antrag gestellt, in allen Kreisen Bayerns sog. „BezirkSkonfcrenzen" zu bildendiele sollten sich, wenn tunlich, jährlich zu einer Kreisversamml. na zusammenschlteßen. Die Be sammluna trat dem Beschluß der Verwaltung bei, wonach dieser A trag Insofern gegenstandslos fei, da solche Konferenzen schon dort bestehen, wo die geographischen Verhältnisse die Möglich eit zulasten. Eine Neuvrgantnerung des Vereins jedoch würde Satzungsänderungen nötig machen und solche bedürften erst der reiflichen Vorbereitung. Der Antrag Strauß-Uffenhetm auf Erhöhung des des Jahresbeiirags von 10 M. auf 25 M. event. 15 M. wurde abgelehnt. Der Unterstützungsteil für die Jahre 1908110 wurde nach Vorschlag der Verwaltung von 140 M. auf 200 M. erhöht. SterwFrankfurt a. M. wünschte die Leistungen der Untersti'tzungsstist ng und Beiträge hierzu aru eine verficherungstechnische G u dlage zu stellen und beantragte, sich zu diesem Zwecke mit einem Berficherung techntker in Verbindung zu setzen. D«r Antrag würfe angenommen. Als Ort für die rächstjährige General-Versammlung wurde. Rothenburg a. Tauben bestin mtdie Festsetzung des TageS wird der Verwaltung überlasten. Bei der nun folgenden Wah! der Bereinsverwaltung pro 1908>10 wurde die bisherige Verwaltung bis auf zwei Beisitzer wiedergewählt. Neugcwählt wurden die Herren: MarxGunzenhaufen und Oppe heimer- Laudenbach. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils erstattete Herr Seminaroberlehrer Stoll-Würzburg sein Referat, da in „Erziehung und L hre" veröffentlicht wird, weshalb von einer Skizzlerung des.elben abgesehen werden kann. Nach dem sehr beifällig aufgenommenen gediegenen und anregenden Bortrage setzte eine lebhafte Diskussion en, an der sich die Herren Hrimann-Plauen,M'annhe>mer- Dettelbach, Blatt-Obbach, Dr. Wachnh< imer-As i affenburg, Dingfelder-Muncken.Dr. Stein-Schwetnsurt, Werrheimer- Hardhcim, Strauß-Marktbreit beteiligten. Wegen der weit vorgerückten.Zeit wurde eine Besprechung über Punkt 6 der Tagesordnung nicht gewünscht Der Vorsitzende dankte dem Referenten und schloß gegen Vs 3 Nachmittags die Versammlung. Während des Mittagsmahles im Hotel Freihof wechselten die Toaste ernsten und heiteren Inhalts. Nach dm gemütlich verbrachten Nackmittagsstünden traten die mellten Teilnehmer im Laufe des Abends ihre rbückrei e nach Hause an, währmd ein Teil am anderen Tage den geplantm Ausflug nach dem Niederwald ausführte. Aron. Mandel bäum, Schriftführer. siottesponäenre« >. Nachrichte«. Hannover, 27. Dezember. (B er bandstag des Verbändes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche.) Im Saale der „Börse trat am Dienstag der von den Delegierten fast aller artgeschlossenen Bereine besuchte Verbandstag zusammen. Die Versammlung'wurde von den Vertretern mehrerer Mischer Verbünde ksegrKßt, ferner Nom Senator Fischer, Landrabbiner vr. Gronemann und Seminardirektor Dr. Knoller, der beauftragt war, die Begrüßung des Magistrats zu überbringen. Nach Erledigung des ersten Punktes der Tagesordnung: Bericht des Vorstandes über die Verwaltungsperiode für 1905 bis 1907 erstattete Lehrer Goldschmidt-Hamburg ein Referat über „Die Notwendigkeit der methodischen Umgestaltung des hebräischen Unterrichts". In der anschließenden Generaldebatte sprach zunächst Herr Levy-Frankfurt gegen die alte Unterrichts-Methode. Auerbach-Berlin wies auf den religiösen Jndifserentismus der Jetztzeit hin und auf das bedauerliche Verhalten vieler Eltern, von denen zu wenig Gewicht aus den Wert des Religionsunterrichtes gelegt werde. Es sei unbedingt erforderlich, diesem Jndifferentismus entgegen zu arbeiten. Die Religon müsse wieder in den Vordergrund treten und befruchtend auf die übrigen Unterrichtsgegenstände einwirken. Das beste Mittel sei eine Verbesserung der Unterrichtsmethode, nur dadurch könne eine bessere Pflege des Hebräischen und zugleich eine lebendigere Teilnahme am Gottesdienste erzielt werden. Rabbiner vr. Gronemann erwartete nicht viel von einem gegen den religiösen Jndifferentismus gerichteten Kampf. Es komme fürs erste lediglich darauf an, die Kinder zu gewinnen, und durch eine verbesserte Unterrichtsmethode zu fesseln. Bor Eintritt in die Spezialdebatte wurde ein Antrag beraten, § 1 der Satzungen um einen Zusatz zu bereichern, der die Behandlung solcher Fragen, die zu religiösen Streitigkeiten innerhalb des Verbandes führen können, ausschließen sallte. Nach Begründung dieses Antrages durch Amram-Borken beantragte der Verein für Rheinland und Westfalen Uebergang zur Tagesordnung. Die meisten Redner äußerten sich dahin, daß der Antrag zum Statut überflüssig sei. Wie der Vorsitzende, Oberlehrer Dr. Fiegel, mitteilte, sind auch im Vorstände die Ansichten über den Antrag sehr geteilt gewesen. Es wurde Uebergang zur motivierten Tagesordnung beschlossen und also der Zusatz zum Statut abgelehnt. In der Spezialdebatte über das Referat, betr. die Notwendigkeit der methodischen Umgestaltung des hebräischen Unterrichtes, berichtete Reallehrer Feiner-Hamburg über die Arbeiten der Kommission und verlas die von ihr entworfene Vermittelungsthese, die das Erfordernis einer Modernisierung des hebräischen Unterrichtes in knapper Form betont. Diese These wurde mit einigen redaktionellen Aenderungen angenommen. Dagegen wurde der Antrag auf Beschränkung des Religionsunterrichtes mit großer Mehrheit abgelehnt. Lehrer Nußbaum-Wiesbaden referierte über den Stand der Kantorenbewegung in Deutschland. Nach längerer Debatte erklärte sich der Verbandstag für eine von einer Kommission ausgearbeitete Resolution, welche die Verpflichtung des Verbandes zur Förderung der kantoralen Fragen und die Organisation der Kantorensektion innerhalb des Verbandes festlegt. — In der zwetten Sitzung am Mittwoch nahmen die Beratungen über die materielle Lage der jüdischen Lehrerschaft im Deutschen Reiche einen breiten Raum ein. Die Ausführungen des Referenten (Lehrer Andorn-Krefeld) gipfelten in der Feststellung eines Notstandes in der jüdischen Lehreschaft, deren Angehörige, abgesehen von wenigen Ausnahmen, gegen ihre christlichen Kollegen weit zurückstehen müßten. Nach längerer Debatte genehmigte die Versammlung die nachstehende von dem Referenten eingebrachte Resolution: „Die wirtschaftliche Lage des größten Teiles der jüdischen Lehrerschaft ist völlig unzureichend, der deutschen Judenheit unwürdig und der kulturellen Entwickelung widersprechend. Die Gleichbehandlung der jüdischen Lehrer mit den Ortslehrern in Hinsicht auf Besoldung, auf Sicherung der Anstellung der Alters- und Hinterbliebenen-Versorgung muß überall verlangt werden. Die jüdische Lehrerschaft hegt die Erwartung, daß die jüdischen Verbände in Gemeinschaft mtt den staatlichen und kommunalen Behörden die baldige Verwirklichung dieser Forderungen in die Wege leiten werden." Die Organisation der Berbandspensionskasse war Gegenstand einer längeren Debatte. Schließlich stimmte die Versammlung einem Anträge des Del. Religionslehrer Feiner- Hamburg zu, eine Kommission mit der Durchberatung der Organisation der Kasse zu betrauen. Direktor Silberberg-Ahlem berichtete im Aufträge der Verwaltung der Simon-Stiftung über Ziele und Tätigkeit der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem. Im Anschluß daran wurde die Einrichtung von Ausbildungskursen für jüdische Lehrer beschlossen. Den Beschluß des Verbandstages bildete ein Festkommers. (Wir kommen anf5 den Verbandstag noch des Näheren zurück. Die Red.) 0« Cageb»ÄbIatt. Bon N. R. Dreimal hatte ich den Versuch gemacht, ein Tagebuch zu führen. Als Zwöl>jährige schon de. ab ich mich ans W rk. Auf dem 1. Blatt des selbstf briz erien Hefteprangte in Rirsenlrtter die Aufsck rift „'i> ein Tagebuch". Zu einen el ganteren Tagebucke, in Leder gebund n, mtt Schloß und Schlüsiekrin, war wabl reichliche Luft vorhanden, aber nicht daS i ölige Geld. Mit glühendm W mgen und Tintenfingern beruhte e ich, was äugenbiicklich daS Wich tgste und Paüendste mich tünkte. Ein Laniento war'S über „schlechten Zetten" im allgemeinen und die „schrecklich" vielen chularbeiten im besonderen. * an kam ja garntckt aus dem „Büffeln" lerauS. „Die ein ige Oase in der Wüste st noch die schöne» Religionsstui den be: Herrn Kantor Cohn. Ja, tot tut die nicht wären!" — Eine lln ust des LernenS hat:e die Neine Prffimistin ergriffen. Tat ein und Arrcftftrafe» waren die Folge. Da wer erwachte der Ehrgeiz. Die jftifiS war übe, standen und mit ihr die Tagrduchim roite. Der fchwärmertiche Backfisch faßte den Plan w eder inS Auge, brockte ihn jedoch nicht zur Reife. W,e hätte er das Stürmen und Drängen fe neS übervollen Herzens in Worte kleiden können! Und wenn! Wer bürgte dafür, daß nicht ein tückischer Zufall die hochklmgenden Ergüsse an d e Orffentlichkeit, b h. vor daS elterliche und geschwisterliche Forum brachte? De- Gedanke schon ließ cas Herz steck, n. — Also wieder nichts. Ais Zwanzigjährige griff ich zur Feber, um meine Gefühle beim elften Hinaust e en in die Welt als BerufSauSübende schriftlich zu ze. gliedern. Mit welcher Begeisterung und Hingebung gedachte die junge Weltderbesierin der Erzt-hun der Jugend fich zu women! Tief hinetnpflan en wollte sie in die empfänglichen Kinderherzei die beglückende Lehre de- Judentum-: /al AM nSTiif "irorfcai "pPitut Und sie trat ins Leben hinaus. T n 'chroffe Gegensatz zwischen Traum und Wirklichkeit machte die Anfängerin mutlos. Mtt b.ttereni Lächeln zerriß ste die eisten Bogen ihrer Aufzeichnungen. So fand der dlitte Versuch seinen Abschluß. Biel später erst wurde eS m r Bedürfnis, daS Tagebuch zur Frcunvin zu machen. Fern aber w r es von mir, den „Tag zu tuchen". Ich schrieb 'und schreibe, so oft es ein.n Gedanken i ach Ausdruck verlangt. . So auch heute. Ein meinem Lehi berufe nahrliegendes The <t beschäftigt meine Gedankenwelt. Re chiiche S legrnhrtt hatte Ich, südliche Kinder und term Mütter HU studieren. Erzi herinnen ult eigentlichen? inne des Wories fand ich unter letzteren nicht. Die Mütter, die ich kennen e nte, gehörten dem besseren Mitt lstande an:. Intelligenz und Bildung mußte ihnen zugesprochen werben. Sie, die ihre Kleinen Tag sür Tag. Jahr um Juhr mtt der größte« Sorgfalt zu ihrem ko perlichen Wohle pflegten, beachteten keines oegS die Schwingungen der Kindesfrele. Gewiß wird eS Frauen geben, die ihre Mutterpfitchten voll und ganz ersoffen. Leider nußte ich mich darein finden, ein weiblicher Diogenes zu fem. Meine Late ne brannte hell, aber ich fand doch nicit daS Gesuchte. Ich möchte de« Müttern zu rufen: „Denket an die Zeit zurück, da ihr Kinder wäret!" Und die jüdische Mutter ftage ich: „Glaubst du, genug getan zu haben, wenn du dein Kind anhälst, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten, rQV zu heiligen, die gebotene Wartezeit zwischen Fleisch- und Milchspeise,! innezuhalten?" Ich gehe noch Wetter tu meinen Fragen. Erfüllt ihr jüdischen Fr. uen selbst mit freudiger Hingebung den Mitten GotteS? Ist euer Ha» S eine Mizwrh? Ist euer HauS e n Teo pel der GottrSverehrung, der Reinheit und beS Friedens? Ja?! Tan,» hebt euer «inb zu euch empor, mrch eS rmp änglich für daS Gute und Schöneseid ihm zunächst Spie« gefähr e, später Freund und Berater. Dunh ei enes Beispiel, gute Handlungen wird erfolgre ch erzogen. Bor allem suche man sei Kind kennen zu lernen, alsdann berücksichtige man feine Jn.tivtdualllät. Dem fiatterbasten und dem ernsten Kmde ist nicht mtt giricher Medizin gedient. S.td der kundige Arzt, der durch seine Heilmittel der Natur beS Patienten fich anpaßt, ihr die Wege ebnet. Laßt eure Eprößitnge die re,ne, gute Luft deechtjüdtfchen Elternhauses ein tmendann türft ihr sie getrost m die Fremde ziehen lassen. Die Kinderstube verleugnen sie niemals.

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