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Der Israelit · 1908-01-02 · Heft 1 (2.1.1908) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 1 (2.1.1908)
Date
1908-01-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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- - ' -1 .<S'v4"3>I’frAj ' —'. -’S^Wr- 'je rziej Päd teil läge «railsra L\ cg-a. Inwieweit ist eine Umgestaltung Brr tzebräiscden Lieberretrungr- »merrichter «sch St-Na«rwadl. Stollvettelluug ««d methodischer Sehasdiung «onvendig? Bortrag, gehalten bei der 28. Gemralversammlung des JSraelit. Lehrervereins für daS Königreich Bayern in Aschaffenburg, von Seminaroberlehrer Jakob Tboll in Würzburg. (Fortsetzung.) Aber trotz allem und allem ist das Erlernen -er fremden modernen Sprache mit Hilfe der Grammatik noch gar nicht einmal die naturge- Mäße Methode. Jmmermehr kommt auch bei den Reuphilologen die Ansicht zum Durchbruch, daß . der Unterricht in der fremden Sprache nicht mit Her Grammatik, sondern mit dem Sprechen . zu beginnen hat. An den Schüler sollen gleich . vom Anfang an die Sachen herangebracht werden, die er in der fremden Sprache nennen und merken lernt, etwa so, wie wir in einem fremden Lande die fremde Sprache erlernen, oder so, wie ltzüs Kind seine Muttersprache erlernt. Es ist 'das die alte naturgemäße Methode, die auch HoruentuS in seiner „geöffneten Sprachentür" vorführt, daß mit den Sachen, Vorstellungen, Begriffen zugleich der sprachliche Ausdruck dem . Gedächtnis einverleibt werden soll. Das parallellmrfende Kennenlernen der Dinge und der Sprache -War düs Geheimnis seiner Methode, zu deren BttwiMchung tzr in 100 Kapiteln dem Schüler W^Aanz^ Welt und die lateinische Spräche zugleich vorführte. Run, wenn dns die naturgemäße Methode 'ist, dürfen wir jüdischen Lehrer uns rühmen, daß wir sie schon immer geübt haben, daß wir gar nicht vvn den andern, daß die andern von uns hAten lernen können! Aber man wird einwenden, daß. das Unter- ' .richtsverfahren zur Aneignung des fremden Sprachschatzes beim Neuphilologen ein planmäßigeres, systematischeres und rascher zum Ziele, ' nämlich zur Beherrschung der fremden Sprache führendes feiA als bei unserer Nebersetzungsmethode. Ganz richtig! Aber das ist ja gerade das, was uns versagt, die Sprachmetbode einfach auf unsere Verhältnisse zu übertragen. -Die Sprechübungen bei Erlernung des Französischen geschehen doch nur zum Zwecke der späteren Sprechfähigkeit und können deshalb ohne Rücksicht auf den Inhalt eingerichtet werden/ sie sind also am Platze bei Sprachen, die tatsächlich gesprochen werden sollen. Und ich gebe ohne . ...^res zu, daß dort, wo das Hebräische als Umgangssprache inbrtracht kommt, die Sprechmethode, wie sie in den Sprechfibeln rpn 'sb *npD und rrn nßtf gepflegt wird, die allein richtige is'. Bei uns handelt es sich aber lediglich um das .verständige Uebersetzen der Tefilla und derjenigen Bruchstücke'der Bibel, die für uusern Religionsunterricht inbetracht kommen. Wie lange aber wird es dauern, bis die Sprechübungen soweit gediehen sind, daß der Schüler mit Hilfe eines Wörterbuches Tefllla und Pentateuch selbständig übersetzen kann. Ich betrachte die Ansicht, daß es ein Bolksschüler überhaupt soweit bringen könne, als eine Utopie. Die praktischen Erfahrungen, die wir alle mit uns selbst gemacht haben, sollten uns warnen vor einer solchen. Hand auf's Herz! Wieviele unter uns Lehrern wären denn beim Verlassen des Seminars im Stande gewesen, uns mit einem noch nicht übersetzten Bibeltext etwa aus den Psalmen lediglich mit Hilfe eines Wörterbuches zurechtzufinden? Greisen wir nicht selber gerne nach einer Ueberfejpmg und sind wir nicht schon froh, wenn uns mrt deren Hilfe die Ableitung aller schwierigen Zeitwortformen gelingt? Ich' glaube auch nicht, daß ein Lehrer, der selbst Kinder unterrichtet, ernsthaft der Meinung sein kann, ein solches Ziel könnte in der Volksschule jemals erreicht werden! Der Vorschlag, den hebräischen Uebersetzungsunterricht. zu einer Sprachmethode umzugestalten, dürfte auch kaum von einem praktischen Schulmann herrühren. Zugegeben muß freilich werden, daß das wortweise mechanische Uebersetzen, wie es häufig betrieben wird, auch keine naturgemäße Methode ist, weil es dem Schüler zumutet, einen unbekannten Inhalt aus einer unbekannten Sprache zu übersetzen und dieses nebeneinanderherlaufende Auffassen zweier dem kindlichen Bewußtsein fremder Vorstellungsreihen macht in der Tat das Uebersetzen dem Schüler zu einer Qual. Naturgemäß ist für den Sprachunterricht das Verfahren, das dem Schüler erst die Sache, dann das W ort gibt, erst die Vorstellungen und Begriffe, dann ihre sprachliche Formulierung. Wie erlernt denn das Kind seine Muttersprache? „Da wird ihm ein neuer Gegenstand sinnlich oder innerlich bekannt und im selben Augenblick, wo dieser im Interesse festen Fuß gefaßt hat, haftet auch das gehörte Wort dafür im Ohre und im Gedächtnis, während es vorher vielleicht schon wer weiß wie oft an uns vorüber gegangen ist; man glaubt wohl oft das Wort schon ganz gut zu kennen, über es war vor dem Augenblick eine leere farblose Hülse, währendes xetzt Gesicht und Farbe gewonnen hat. Auch kver in ein fremdes Land kommt, lernt die Sprache dort aus diese Weise am besten; er hört unter dem inhaltlosen Schwall von Tönen, der anfangs sein Ohr umspütt, Plötzlich von Dingen reden, die er kennt, die ihn näher angehen oder anzugehen ansangen, und mitten aus oer-gehaltlosen Reihe von Klänge» heraus saßt er plötzlich einen, ein Stichwort, von dem er merkt, daß es dem ihm bekunnten Gegenwände enFpricht und der WorMäW vetAählt sich in dem Augenblick in ihm mit her Vorstellung des Dinges. Inhalt und Horm, Kern und Schale, haben sich gefunden und bas wird * ' '7 f zugleich ein Augenblick reinster geistiger Freude, weit es zugleich ein Nachschaffen des schon vor-" handenen ist, ein kleiner Schöpfungsakt in uns/* (Hildebrand.) (Fortsetzung folgt.) Protokoll-Bericht über die 2$. tieMträtoerttMMlHitg des isr. Ccftrerocrelas für das Königreich Bayer«. Die Versammlung fand am 83. Juli 1907 zu Aschaffenburg statt. Diese- Jahr hatten wir eunternommen, im äußersten Westen unsere- Vaterlandes unsere Beratungen zu Pflegen. Es war insofern ein große- Wagnis, als wir auf eine größere Teilnehmerzahl rechnen wollten und viele Kollegen aus naheliegenden Gründen Men mehr zentral gelegenen Ort vorzst Yen. Die Verwaltung war jedoch angenehm enttäuscht, indem dir Präsenzliste die stattliche Zahl von 80 Besuchern aufwi»-, darunter auch mehrere Kollegen aus den angrenzenden Bezirken. Dev Vorsitzende, H. Golbstein-Hei-ingSfel-, gab auch in seiner Begrüßung diesem schönen Zeichen von LehreridealiSmus^ der trotz deoft schwachen Einkommens gern.pekuniäre Opfer bringt, wenn es sich um -a- Wohl der Schule und de- GtandeS handelt, 'beredten Ausdruck. BrgrüßungS- resp. Entschuldigungsschreiben hatten celandt - die Herren Rabbiner Dr. Chmie-Nürnberg, Dr. Kohn-Jchenhausm, Borfitzender der bayerischen Raoviuerkonfrrenz, Dr. Eckstein-Bamberg, Dr. Kohn-AnVbach, die Lehrer an den Präparant enschnle» Burgpreppach und- Höchberg mck noch eWelne Kolleg«. Herr Dtstriktsraöoiner Dr. Wachenheimer begrüßte die Versammlung in herz tcher Weise, da die Zusammentunst dem idealsten Streben emeS jeden einzelnen Juden gelte: der Pflege unserer heilig« Lehre. Indieser Pfleg« gebe eS kein« Nnterfchted -wisch« den verschiedenen Kategorien von Lehrern, -wisch« ReltgionölM«n, Elem«tarlehrern und Mbbinern. Mle seien wir Leht« und ein gewisse- Solidaritätsgefühl müsse unzusammenschließen, um auch baß geisttge und matertelle Ansehen de- Stander nach innen und außen -u stärken nvch dem Grundsätze unserer Weff«: rtm ph Nvp fik M M wünsche, daß die Lehrerschaft immer mehr auch mMertett gehoben ungefestigt merde, auf -aß He umschnchr ihren hohen geistigen Aufgab« er tsprech« kd»»r. Im Namm -er Ztultu« erwaltung dmckt« der ft stand, Herr Hamburger, für Sie Einladung, welcher gerne gefolgt sei«, um dadurch zugleich ihre SM^athte fiir die Bestrebungen de- LehrervereinS zum Au-lMÄk.zu bringen, sowie dafür, haß die Versammlung diesmal -ie schöne Matnstadt Aschafstnburg zur Tagung «chählt habe. Gr wünsche, daß die Beratung« stwohl für düs eigene Interesse alS auch für die Int« ff« des gefmttt« Judentumvon Erfolg sein möge»! Herr Kollege Tannenwald beleuchtete in seinen BegrüßungSworten die -Bedeutung dei^hrerstanheS. imd die Bedeutung de- LehrervereinS, tm viel zur Efist«-» ficherung beitrage und knüpfte daran die Mahnung an alle LeHcer, fich dem Lehrerverrine aitzuschließm. Mst'.die mit großem Beifall duMraMMenetz Begrüßung-Worte der Redner dankte der Porfltzenoe ftn Rmnm oer Versammlung. ' , - AuS der Berichierswtturm des BorflWK« sei MlaendeS von allgemünem Interesse hervorMhoben. Me Zahl der aktiven Mitglieder beträgt 183. WWe. MWee Kollegen zögern noch mit ihrcm Beitritt auS GründöN /- denen wir Me Berechtigung nicht zuerkmnm und dt wir nochmals zurücklommen. Leiber hat her Herein am Köffeg« chirch LE

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