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Der Israelit · 1908-01-02 · Heft 1 (2.1.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 1 (2.1.1908)
Date
1908-01-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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3. Januar 1903. Der Israelit. No. 1. Sette 11. kommissärs ins Master, und da Lea erklärte, baß sie das Kloster verlassen und nach Hause zurückkehren wolle, wurde fie nach Unterfertigung einer Schrift der Mutter ausgefolgr und nach Hause gebracht. Sie erzählte, daß fie seit vielen Wochen Joef Niec.und Franz Salchnskt, -er Briefträger aus Czechow, bestürmten, stch ins Kloster zu begeben und dort tqufen zu lassen, daß fie infolge ewigen Zuredens sich ins Kloster bringen ließ. Eine Woche blieb dann alles ruhig. Samstag, 23. November I. verschwand Lea Gänger wieder und ist trotz eifrigen Süchens bis heute unauffindbar geblieben. Es besteht der Verdacht, daß die Lea Gänger neuerlich entführt wurde. Info ge schriftlichen Auftrages des Bezirksgerichts Brzesko hat die Gendarmerie Neue Recherchen begonnen, und es fit zu hoffen, daß die Behörde ihre Pflicht tun und das Mädchen ihrer Muster wieder zuführen wird. Uereinswesen. Frankfurt a. M., 1 Jan. Vergangenen Montag «öffnete der jüdische Frauen verein E. V." seine Tätigkeit auf dem Gebiete der geistigen Interessen des Judentums, deren Pflege er sich als wichtigste Aufgabe gestellt hat. Der Letter des ersten Lehrgangs (ausgewählte Stücke aüs dem Pentateuch 2. B. M. Kap. 3 und 4), Herr Dr. Bon di, sprach zuerst über die Grund- ' lagen und Ziele dieser Aufgabe, teilte mit, daß man ihr durch Lehrgänge, Borträge und Referate — letztere von Mitgliedern des Vereins zu halten — gerecht werden wolle und verbreitete fich dann über die wissenschaftlichen Beweisstücke für den Aufenthalt Israels in Aegypten. — Montag, 6. Januar, abends 8% Uhr, sinder im Hörsat her „Israelitischen Religionsgesellschaft" (Schützen - ftraße 9 der Lehrgang seine Fortsetzung. Berlin, 29. Dez. Zu dem gestrigen Vortragsabend' des Israelitischen Fortbrldungsvereins Montesiore hatten stch fast 400 Personen eingefunden. Das Ehrenmitglied, Herr Landrabbtner Dr. Mannheimer, Oldenburg, hielt ein meisterhaftes Referat ' über „Charakter, Bildung und Erziehung einst und jetzt". Er schilderte in seiner in Form und Inhalt gleich vollendeten Rede unsere alte jüdische Erziehung im Gegensätze zur modernen Erziehungsmethode. Nur die religiöse Erziehung wirke individuell und bilde das Gemüt und den Charakter. Für den jüdischen Jüngling komme es vor allem darauf an, in weichen Kreisen er seinen Verkehr sucht. Der Redner wies besonders auf denMontefiore- Veretn und ähnliche Vereinigungen hin, wo der jüdische junge Mann, im Kreise von Gleichgesinnten Beispiele echtjüüischen Lebens finden und eine Weiterbildung in Mischern Wissen erhalten, könne. Den interessanten und lehrreichen Ausführungen folgte starker Beifall. Es traten 25 neue Mitglieder dem Vereine bei. *>MStraftb«rg, 31. Dezember. Vorigen Donnerstag, 36. Dezember, hiellt der Verein „Kium Emunoh" seine ordentliche Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhielt der zweite Vorfitzende, Herr Dr. Hausmann, das Wort, um über die Bedeutung der diesjährigen Versammlung, als der 25. nach Gründung deS Vereins einiges zu sagen. Der Redner wies darauf hin, daß in der hiesigen Religionsgesellschaft nur wenige Wochen nach ihrem Werden — fie konnte nämlich am mol"! N2V ihr 25jähriges Bestehen als selbständige Gemeinde feiern — eine Heimstätte für die Thora in dem Kium Emunoh-Bereine gedründet wurde. Er zeigte, wie der Verein aus kleinen Anfängenheraus immer mehr emporreiste und wie fich an ihm der Spruch bewahrheitete: -t,nb -rm irnnm "Mv inw mm Lehr- und Lernstoff haben ungeahnte Reichhaltigkeit erfahren, die Vertiefung und Gründlichkeit beim Studium hat zugenommen und es besteht eine sehr rege Beteiligung an den Bestrebungen des Vereins. Aus dem Arbeits-, Kaffen und Bibliotheksbericht, den der Vorstand erstattete, wollen wir nur bemerken, haß der Mitgliederstand etwas Mer 100 beträgt) die Finanzen des Vereins stehen sehr ^nstig, die Benutzung der Bibliothek war in diesem Jahre eine viel regere als in den letzten drei bis vier Jahren. Zu erwähnen ist noch, daß der Verein am zweiten Abend rDljn zur Feier des 25jährigen Jubiläums ein Festmahl der Mitglieder veranstaltete. Die Schturim des Vereins wurden an vier Tagen der Woche von Herrn Rabbiner Bunenwieser und Herrn Dr. Cohn abgehalten. Duf Antrag des Vorstandes wurde Herr Rabbiner Buttenwieser etysttmmig zum Ehrenmitgliede «mannt. In den Vorstand wurdm dessen bisherige Mitglieder wiedergewählt. Breslau,' 26. Dez. Am hiesigen Ort hat sich eine MiSrachigruppe gebildet. Wie«, 29. Dez. Am vergangenen Sonntag wurde im Bethause der „min wo allabendlich «PIN V'tsni und di» ”n - Vorträge gehalten werden, anläßlich v DVD ctnemij® veranstaltet, bei welcher die Mitglieder des Bethauses und viele geladme Gäste qvweseno waren. Rebm, die von Ravb. Schenk und anderen Herren gehalten würben, gaben der Feier einen anregenden Inhalt. im Dezbr. Anläßlich seiner Schlüße hmmg Uett der Unterstützungs-Verein der hiesigen Jefchiba eine gewütliche Zusammenkunft ab, die unter vielen>121 in recht anregender Weise verlief. — Bei dieser Gelegenheit wurde der Beschluß gefaßt den b. dürftigen D^lirQ der riD'WV die gegenwärtigvomBereine unterstützt werden, außer den bisher an sie verteilten Anweisungen auch solche aus warme Mittagskost an Wochentagen zu verabreichen. Personalien. Hurdh.im, 29. Dez. Am 12. Tebeth ist nach langem, schwerem, aber mit großer Ergebung getragenem Leiden Frau Jeanette Oberndörfer in Creglingen zur ewigen Ruhe eingegangen. Die Verschiedene gehörte zu jenen hehren Frauengestalten, jenen D'EU nvjpis, deren Verdienste unsere Weisen als bestimmend für das Schicksal unseres Volkes erkannt haben. Das fühlte ein jeder bei der Kunde von dem Tod dieser Frau, daß durch ihren Verlust eine große Lücke in unsere Reihen gerissen worden sei. Sie alle, die gekommen waren von nah und fern, um ihr hie letzte Ehre zu geben, nahmen teil an dem Schmerz der Kinder, dem Herr Lehrer Oberndörfer, der Sohn der Verstorbenen, im Trauerhause Worte lieh. Auf dem D^n ITQ gab Herr Lehrer Preßburger ein treffend gezeichnetes Bild von dem musterhaften Leben, daS Jeanette Oberdörfer nun vollendet batte. Er sprach von ihrer tiefen. Frömmigkeit, ihrer Bescheidenheit rmd Anspruchslosigkeit, schilderte chr Wirken im Hause, in dem fie 44 Jahre m.t ihrem Gatten in glücklicher Ehe gelebt und eine Pflanzstätte echt jüdischen Lebens geschaffen, legte dar, wie sie in der Gemeinde ein glänzendes Beispiel gegeben und zur Nacheiferung angeregt, wie sie die Armen und Bedrückten gestützt und ihren Nächsten in Freud und Leid eine ratende und helfende Gefährtin gewesen. Ihr Schwiegersohn, Herr Ludwig Kohn aus Nürnberg, ergriff sodann das Wort zu einem ergreifenden Nachruf, in dem er dieses Charakterbild von der Entschlafenen ergänzte und fie als die NV» rühmte, deren Lob ihr eigenes Wirken verkündet. n"DXJn- Gailingen (Baden), 28. Dez. Dienstag, 24. Dezember, starb hier Frau Marie Kurz geb. Beit im 60. Lebensjahre. Dieselbe war viele Jahre Kassiererin des israelitischen Frauenvereins und hat für denselben nach jeder Richtung hin Vortreffliches geleistet. Herr Bezirksrabbiner Dr. Spitz widmete der Entschlafenen einen ihrem Wirken entsprechenden warmen Nachruf. Kiskunhalas, 24. Dez. Am 18. ds. Mts. starb hier im Alter von nur 58 Jahren Herr Hermann Löwinger, ein früherer Mitarbeiter des „Israelit" und anderer jüdischer Blätter des In- und Auslandes. An seinem Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Spitzer eine ergreifende Trauerrede, in der er die Frömmigkeit und. Charakterfestigkeit des Heimgegangenen schilderte. Mokon (Ungarn), 26. Dez. In unserer Gemeinde starb im Alter von 71 Jahren Frau Julie Weiß. Die Heimgegangene, deren Verlust hier schmerzlich empfunden wird, war 25 Jahre Präsidentin des jüdischen FrauenvereinS. An ihrer Bahre sprachen Herr Rabbinatsverweser Löwinger-Moson und ihr Neffe, Herr Rabbinatskandidat Moritz Flesch-Preßburg. HaagH?. Dez.Uer Vizepräsident des holländischen Staatsgerichtshofs, A. A. de Pinto, der im Namen der Haager jüdischen Gemeinde den letzten Zionistenkonzreß begrüßte, ist verstorben. vetrsldtungen jum 27. Teroefh, gern Jahrjeifstage S. R. Birfdi’s W. So kehrt denn wieder jener"Tag"der Trauer^da'Du^ 0 teurer, weiser Rabbi, dem ird'schen Leben wardst entrissen, von vielen schwer Betroffenen beweint. Welch' schmerzlich traurige Gedanken weckt die Erinnrung in dem Herzen derer, die Du belehrt, geleitet und geführt in Jugendjahren, wie im späten Alter! — Doch, wenn dem Rufe eines Höher'n folgend. Du fie für immer auch verließest, so gabst Du ihnen doch als schönen Nachlaß ein treu Geleit für ihre weitre Lebensbahn) Du hin.t erließest ihnen Deine großen Werk, in welche fie und ihre späteren Geschlechter, die Dich in Deiner vollen Lebensblüte nicht gekannt, eindringen können zur Erhebung und Begeisterung. Welch teuren Schatz doch bilden sie der Jugend, den Knaben und besonders auch den Mädchen, die sich dem tieferen Studium der Tauro nicht widmen können, in so reichem Maße! Welch reicher Born des Wissens sind sie ihnen, aus dem sie Klarheit schöpfend, niemals schwanken) an dessen labend Wasser fie stch stärken und stählen können fü den harten Kampf des Lebens! Ist doch die Jugend' in der stürm'schen Zeit der Gegenwart, da fie hirumstritt in deS Lebens Wirrnis, fich selbst und ihrem eigenen Dünken überlassen, so vielen schweren Kämpfen ausgesetzt. Zur Ueberwindung dieser Seelenkampfe, zum reinen Pfad deS Göttlichen und einzig Wahren zeigst Du uns den gebahnten Weg durch Deiner Werke finnig reiche Worte. — Du lehrst uns, wie im Geist der Tauro wandelnd, wett fiegsgewiffer und gefestigter man fich auch dem Gebiet der Wissenschaften widmen und im sozialen Leben fich betär'gen kann!- So lebst und wirkst Du fort für ew'ge Zeiten) und nimmer, wenn auch viele Jahre schwinden, wenn Deine Schüler Dir fast alle schon gefolgt, wird Dich, den großen Meister, man vergessen. Stets wird man dieses Weihetags gedenken, der dich entführte uns in hüh're Sphären, von wo, ein Gottgesandter, Du gekommen, unS hinzuweisen aus den Pfad des Heils! Sprecdraai. Hulderstadt, 29. Dezember. Herr Redakteur! In London gibt es so wenige absolut koschere und zugleich fein geleitete Boarding HouseS, daß eS dem vorübergehend oder dauernd da weilenden orthodoxen Fremden schwer wird, ein passendes UnterkonyNM zu finden. Durch einen glücklichen Zufall fandHch in London dl (24 Carysfort Road. Clissold Parit) eine Unterkunft, die mich in jeglicher Weise so außoanÄenttlch befriedigt, daß ich zu Nutz und Frommen der Interessenten, insbesondere orthodoxer junger Leute, die sich geschäftlich in London aufzuhalten.haben, darauf aufmerksam machen möchte. Nähere Auskunft gebe ich gerne auf private Anftagen. Gottfried Goldschmidt. Zur Lektüre uu erer jungen Mädchen. Wir Juden find bas Volks des Buches. DaS Buch der Bücher ist unser ureigenstes Besitztum. Die Schrift, die uns gegeben, ist Gottes Schrift, von beiden Seiten geschrieben. Aus jener Geburtsstunde deS jüdischen Volkes besitzen wir noch heute die Gewohnheit, uns jede Schrift von mehreren Seiten anzusehen. Das „Buch" hat uns durch die Jahrtausende geführt, aber statt ihm dankbar zu sein, lassen wir es unbeachtet. Nicht daß etwa weniger gelesen wird, als früher — im Gegenteil, zu keiner Zeit hat man soviel gelesen wie heute, aber an die Stelle des „Buches" ist die Zeitung getreten. Wir werden mit Zeitungen totgefüttert. Der Vater liest eine große politische Zeitung und außerdem wird daS Lokalblatt durchgeflogen. Ohne Berufszeitung geht eS heute auch nicht mehr ab, fei es nun die „Allgemeine- Deutsche Schlosserzeitung" oder der „Konfektionär", dabei fliegen einem noch so und so viele Gratisoff.rtenblätter ins Haus, die auch hie und da durchgesehen sein wollen. Die Frau des Hauses muß die Romane in den verschiedenen Blättern des Gatten stch zu eigen machen, damit das Abonnement stch auch gehörig bezahtt, außerdem mird man doch auch ein Modejournal halten und mindestens ein oder die andere illustrierte Wochenschrift, aus der man fich unterrichten kann, welche Toilette die Kaiserin in England und Holland getragen und wie der berühmte Professor ausgesehen hat, der diese Woche gestorben ist. Und die Tochter, was liest die? Ja, die greift allerdings zum Buche. Hat fie den Roman des Jahres, wie etwa Jörn Uhl oder Gbtz Kraffr gelesen, dann kommen allerhand Schmöker daran) nach Qualität und Standpuntt des Verfassers wird wenig gefragt. Am eireitag Nachmittag, kurz vor Sabbath, eilt man in die eihbibliothek. „Geben Sie mir was Schönes," sagt man rasch zum Kommis, und schnell — denn man geht ja schon um 4 Uhr in die Synagoge — eilt man nod) Hause, ohne sich auch nur vorher den Tttel angesehen zu haben. Da wird dann Samstags und Sonntags oft ein Zeug zusammengelesen, das auf den Bildungsgang unserer Töchter durchaus nicht von gutem Einfluß sein kann. Hier müßten unsere Erzieher den Hebel ansetzen, um den Mädchen eine den hohen Aufgaben einer zukünftigen jüdischen Mutter angemessene Lektüre in die Hand zu geben. Man kann von unseren jungen Damen heute nicht mehr verlangen, daß sie Rn „Zeeno Ureo" oder das „Deitsch-Chummesch" am Sabbathnachmittage lesen, auch die bekannten modernen religionsphtlosophischm Werke, die vielfach als Ersatz angeboten werden, fmd hierfür nicht geeignet. Eine gute jüdische Belletristik müßte den Damen zugänglich gemacht und Mar nrüßje ihnen Gelegenhett gegeben werden, sie fich ohne Stoßen und Mühe zu verschaffen. Wie das zu machen ist, ob durch wandernde Äolksbibliotheken nach dem Muster des Gemeinnützigen Vereins in Dresden oder durch Bücherhallen nach dem Beispiel der Comenius-Gesellschaft, diese Frage dürste bei anderer Gelegenheit einmal ausführlich behandelt werden. Wir wollten hier nur darauf Hinweisen, wie wir uns einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die zukünftigen Erzieherinnen unseres Volkes zu sichern in der Lage find. n. Briefkasten. Bereinsmitglied. Anonyme Zuschriften können wir nicht berückfichttgen.

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