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Der Israelit · 1908-01-02 · Heft 1 (2.1.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 1 (2.1.1908)
Date
1908-01-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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9t*. 1. Me 10 Der JSraeltt. L Januar 1SV8 kongreß m Köln anstellen ließ, um mehr Klarheit m die von Kenward in seinem Testament gemachten Weisungen zu bringen. Gestern hat Richter Joyce sein Urteil dahin abgegeben, daß der Zionistenkongreß das ihm zugedachte Vermächtnis zü übernehmen nicht berechtigt sei, weil die von dem Erblasser aufgestellten Weisungen zur Ansiedelung von Juden zu unklar seien, um erfüllt zu werden. Letzteres komme in Betracht, weil der von ihm aufgestellte Plan eher politischer als wohltätiger Natur sei. Und da der Zionistenkongreß die testamentarischen Bedingungen nicht erfüllen könne, werde das Vermächtnis dem nächsten Leibeserben des Verstorbenen zugesprochen. Amerika, flüs Rmeriha. (Bon unserem Korrespondenten.) New York, 18. Dezbr. Die leidige Weihnachtsfeier-Frage in den öffentlichen Schulen, die wir schon erledigt glaubten, ist Heuer in noch unangenehmerer Ge statt als früher aktuell geworden. Voriges Jahr hatte eine jüdische Deputation . beim Erziehunosrat dieserhalb Vorstellungen ge macht, deren Berechtigung derselbe auch aner kannte und betten er zu entsprechen zusagte. Vor einigen Wochen schickte nun der Erziehungsrat an alle Schulprinzipale und Gesanglehrer Instruktionen, in welchen er anordnete, daß keinerlei konfeffionelle Feiern oder Gesänge in den öffentlichen Schulen Platz haben sollten. Diese Jnstrukttonen wären ohne Widerspruch oder Aufsehen zu verursachen ausgeführt worden, wenn Mcht die hiesige Sensationspresse, die sogenannte „gelbe Presse", darin geeigneten Stoff zur Erzeugung von Volksaufregung erblickt hätten. Sie stellte die Sache so dar, als ob versucht worden wäre, das Christentum und alles christliche Wesen aus dem amerikanischen Volksleben zu verdrängen. Darob große Entrüstung bei verschiedenen Geistlichen und feurige Reden, die nicht ganz von antisemitischem Anstrich frei waren. Inmitten der Erregung hielt der Erziehnngsrat eine Sitzung ab und nahm einen Beschluß an, durch welchen die frühere Maßnahme so gut wie aufgehoben wurde. Nach diesem Beschluß sollen zwar keine konfessionellen Borträge, in den Schulen gestattet sein, doch sollen die Weihnachtsfeiern und der Gebrauch der Gesangbücher mit den beanstandeten Liedern nicht gestört werden. Inzwischen hat sich die Auf- ^reaung einigermaßen gelegt. Verschiedene christliche Geistliche, darunter die berühmten Neverends Dr. Me. Arthur und Peters stellten sich ganz auf den von den jüdischen Bürgern verfochtenen Standpunkt, daß alles Konfessionelle aus der öffentlichen Schule fernzuhalten sei, auch fand eine Konferenz von Geistlichen und Rabbinern statt, die sehr harmonisch verlief und zu demselben Schluß gelangte. Es ist also doch alle Aussicht vorhanden, daß diese Frage endlich eine den Anforderungen der Gerechtigkeit und des wahren Amerikanismus gemäße Lösung sinden wird. — Eine Mischehe in den Kreisen der Geldaristokratie hat hier bei allen Juden, die noch etwas Gefühl für väterliche Sitte und Religionsaebote haben, einen peinlichen Eindruck gemacht. Miß Irma Stern, Tochter des bekannten Millionärs Louis Stern, hat sich mit dem schweizerischen nichtjüdischen Baron Leo von Graffenried am 11. Dezember vermählt. Die Trauung wurde mit großem Pomp gefeiert und von einem JttMKurzem wird hier eine Gesellschaft zur Pflege der jüdischen Kunst organisiert werden. Die Gesellschaft, deren Gründer der bekannte Maler Leo Loeb ist, stellt sich die Aufgabe, jüdische. Themata in würdiger und schöner Form künstlerisch darzustellen, bew. jüdische Maler, Musiker und andere Künstler, deren Anzahl Hierlande eine große, ist, dahin zu beeinstussen, daß sie sich, mit der Darstellung solcher Themata befassen. Das Unternehmen erfreut sich großer Sympathie seitens des jüdischen Publikums und har alle Aussicht auf Erfolg. New-Aork, 20/Dez. Jetzt, nachdem die Folgen des amerikanischen Krachs ganz übersehen werden können, ist es jedenfalls erfreulich konstatieren zu können, daß in die großen Bank Skandale, durch welche so viele Menschen ihr Vermögen verloren haben, kein einziger jüdischer Bankier von Namen verwickelt war. Die amerikanischen jüdischen Blätter stellen mit berechtigtem Stolze fest, daß die jüdischen Finanziers gerade in dieser kritischen Zeit bewiesen haben, daß der Ruf ihrer Solidität ein berechtigter ist. Es gab Wohl jüdische Opfer, aber das waren nicht Spekulanten, sondern leichtgläubige Spareinleger und Aktienkäufer, die ihr geringes, schwer erworbenes Vermögen verloren. VttLlrftiner. Jerusalem, im Nov. Sehr geehrter Herr Redakteur? Als ich in Ihrem geschätzten Blatte (Nr. 43) meinen Aussatz gegen Ben Jehuda veröffentlichte, hatte ich mich der Hoffnung hingegeben, daß die gerechte Entrüstung einer ganzen Gemeinde, zumal der hl. L-tadt, die so deutlich aus meinen Worten herausklang, am Ende doch nicht in den Wind verhallen werde. Wer meinen Artikel liest, kann darüber keinen Moment in Zweifel sein, haß das allein meine Absicht gewesen ist. Eine andere, wie etwa die Person zu treffen, die mir ganz gleichgültig ist, hat mir wahrlich fern gelegen. Bon dieser Absicht geleitet, werde ich auch m Zukunft nicht ermangeln, diejenigen Auslassungen des Herrn Ben Jehuda der schärfsten Kritik zu unterziehen, die darauf zugespitzt sind, unsern Glauben und dessen Bekenner öffentlich zu schmähen, unser Schrifttum, das unsere Väter mit ihrem Herzblure verteidigt und uns in Ehren hinterlaffen haben, eoram pübiico in den zu zerren. Da mein Artikel derart abgefaßt war, daß darauf sachlich nichts erwidert werden konnte, habe ich mich einer Entgegnung seitens des Herrn Ben Jehuda nicht versehen. Ich erwartete vielmehr, daß er, der sich so viel auf seine Religicnsfeindlichkeit zu gute tut, so selbstbewußt, so siegesgewiß in alle Winde hinaus den Abfall von Gott predigt, sich vornehm in tiefes Stillschweigen hüllen würde. Ich habe mich aber gewaltig geirrt. Schweigen ist Sache des Herrn Ben Jehuda nicht. Selbst dort nicht, wo er gar nichts zu sagen hat, nichts zu sagen -weiß. Aus Mangel an Stoff zu einer sachlichen Erwiderung ließ nun Herr Ben Jehuda in seiner Haschkofa V'D — um die Welt zu ärgern, schreibt er die Zahl 15 anders, was man gewöhnlich gern vermeidet — einen Artikel vom Stapel, der von den gröbsten persönlichen Jnvektiven strotzt. Ich freue mich dessen ganz von Herzen. Ein Beweis, daß mein Artikel sein Ziel nicht verfehlt hat. Woher käme denn sonst der grimmige Zorn? Auf j das persönliche Moment hier einzugehen, hahe ich aber keine Beranlassnngt. Ich katholischen Prälaten und einem jüdischen Richter , gebe meine Person^ gern,'? sogar der Haschkofa vollzogen. Das Bedauerlichste an diesem unt und chrem Anhänge preis, wenn nur die korrup- Jildentrim hohnsprechendeu Schritt neseni ist, daß er anscheinend ohne alle Wirkung auf die Beziehungen des Herrn Stern zu dem .jüdischen öffentlichen Leben — e c ist z. B. Präsident des jüdischen Waisenasyls — bleiben wird. Bei einem ähnlichen Anlaß mußte vor mehreren Jahren Baron de Worms in. England seine sämtlichen Mischen Ehrenämter niederlegen. Doch besitzt daS amerikanische Judentum ersichtlich nicht die Konsequenz und Charakterfestigkeit des englischen. tcn Zustände dadurch gebessert werden. Persönliche Angriffe >auf sachliche Ausführungen erregen nur schwere Zweifel an der Güte der Sache für die diese Angriffe geführt werden. Eine Notwehr lag bei Herrn Ben Jehuda nicht vor; wenn ja, hätte er billigbei der Sache bleiben muffen. Was ich hauptsächlich hier vorzubringen habe, ist, daß der ganze Artikel BenIJehudas von A—Z ejne^grobe Unwahrheit ist. Schon voriges Jahr, als er das oniD OJ öffentlich persiflierte, bin ich ihm scharf entgegengetreren. Mein Artikel ist, wegen Unwohlseins verspätet, in einem deutschen jüdischen Blatt erschienen. Aber noch früher, als er nämlich gelegentlich die unerhörte Torheit aussprach, daß der erste jüdische Philosoph, Kohelet, ein Gottesleugner gewesen sei, habe ich ihn scharf in ebendemselben Blatte gerügt. Daß er heuchle, fordern wir von Ben Jehuda nicht, sondern die Rücksicht, die den gebildeten Mann auszeichnet. Jm Uebkigen, will er es darauf ankommen lassen, und bin gerne bereit, den Wahrheitsbeweis anzurreten, daß sein Artikel die gröbsten Unwahrheiten enthält. Ich btte Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, vorstehenden Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte Raum ztr gewähren. Rabbiner Dr. L. Grün Hut. Liberias, 12. Dez. Bom Großrabbine von Liberias erhalten wir ein Schreiben, aus dem man die ganze Größe der im heiligen Lande herrschenden Not kennen lernen kann. Der Rabbiner berichtet, daß in Liberias die Lebensmittelpreise von Tag zu Tag steigen und gleichzeitig ansteckende Krankheiten grassieren, sodaß viele unsrer Brüder durch Hunger und Mangel an Medikamenten zu Grunde gehen. In ergreifenden Worten ruft das Schreibers des Großrabbiners die Hilfe der in der Diaspora lebenden ^lden an, damit wenigstens einigermaßen die Not gelindert werde. llelmtrcdt«. Aus der Provinz Posen, 25. Dez. Im April d. I. ist die Umwandlung der bisher städtischen Realschule in Schönlanke in eine staatliche Anstalt erfolgt. Der neue Leiter der Schule wußte' nicht, ob das Außetzen der Kopfbedeckung teim jüdischen Religionsunterrichte gesetzlich zulästig sei, er erkundigte fich deshalb beim Referenten im Provinzialschulkollegium zu Posen, der jedoch der Anficht war, daß eS unzulässig sei. Der Leiter der Anstalt teilte dies dem Religionslehrer, Herrn Rabbister Dr. Bamberger mit, stellte ihm aber anheim, fich an das Provinzialschulkollegium mit einer Eingabe zu wenden, bis zu derei Berbescheidung er die Kopfbedeckung beim jüdischen Religionsuni errichte zulasten wolle. Herr Dr. Pamberger wurde hierauf mündlich und schriftlich im Juni d. I. beim Provinzialschulkollegium zu Posen vorstellig, und es erging dieser .Tage von genannter Behörde der Bescheid, daß es sowohl dem Lehrer als auch den Schülern gestattet sei, beim Religionsunterrichte das Haupt zu bed cken. Tarmstadt, 25. Dez. Beim hiefigen Ministerium wird am 80. März 1908 eine Prüfung für israelitische Religionslehrer abgchalten werden. Ujest, 22. Dezbr. Da infolge. Abzuges jüdischer Einwohner in den letzten Jahren hier keine Juden mehr wohnen, hat der Regierungspräsident zu Oppeln die Synagogengemeinde Ujest ausgelöst. Die zum bisherigen Gemeindcbezirk gehörigen Ortschaften find den benachbarten Synagogengemeinden Groß-Strehlttz und leiwitz überwiesen worden. Die hinter! fsenen Bermögcneobjekte gehen in den Brfitz der Synago engemetnbe Groß-StrehUtz über. Wie«, 17. Dezbr. Die Oesterreichisch - ungarische Union macht folgende Mitteilung: Am 12. November 1907 verschwand die 17jährige Tochter Lea der verwitwetten Schankwirlin Mirla Gänger in Czechow (Beztrkshauptmannschaft Brzesko) um 7 Uhr abends aus der Wohnung. Die Magd hatte gesehen, laß das Mädchen kurz vor ihrem Verschwinden mit dem Bauernsohn Josef Niec aus Jurkow (ein Torf in der Nähe von Czechow> gesprochen hatte. Mit Gendarmerieasttstenz begab sich die Mutter des Mädchens in die Wohnung der Eltern $e8 Josef Niec und dort wur^e festgesteltt, daß Josef Niec ebenfalls verschwunden sei, ferner daß der W gen und die Pferde seines Schwagers, Andreas Piwowar, tom Hause weggeführt waren. Alles deutete auf eine Entführung. Frau Gänger telegraphierte sofort an sämtliche benachbarten Bahnstationen und begab sich überdies mit Gendarmerieaststenz nach Krakau. Al'es - uchen war fruchtlos, und erst am nächsten Tage trafen die Gendarmen nahe dem Bahnhof in Krakau den Josef Niec/ welcher die Heimreise antreten wollte. In seiner Gesellschaft befand fich ein Schuster Nikolaus Wojtal, der auS Jurkow stammt und in Krakau wohnt. B^de leugneten, etwas von Lea Gänger zu wiflen, und erst als fie arretiert worben wann, gestanden fie, daß Josef Ni e das Mädchen entführt und nach Krakau in das Kloster der Felic>.;n -rinnen gebracht habe. Die Mutter rief die Hilfe ocr Polizei an, welche auf telephonischem Wege im Kloster uni'.acne und die Anwort erhielt, daß fich Leu Gänger im Klus er nicht befinde. Erst alS em Polizetkommiffar persönlich im Kloster - intervenierte, wurde das Mädchen daselbst gefunden. Frau Gänger begab fich. nun in Begleitung eines Weltgeistlichen und eines Polizei»

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