Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1908)
- Date
- 1908-01-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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I Skfdjlufe gefaßt; sie wird zunächst die weitere Entwicklung der Gemeinde abwarten. Die von > der vorigen Generalversammlung eingesetzte Statutenkommifsion ist mit ihren Arbeiten noch nicht zum Abschluß gediehen, die Verwaltung hofft jedoch in einigen Monaten die Resultate ' der Zwmmiffionsberatungen der Gemeinde vor- . legen zu können. — Zum Schluß fanden Wahlen statt. Herr Moritz Baß wurde in den Vorstand, die Herren Dr. S. Rosenbaum und Jakob Rosenheim in den Ausschuß^gewählt. Frankfurt a. M., 30. Dez. DieJewish ^. Kolonisation Association teilt uns folaendes mit: Die Ernte, welche dieser Tage y begonnen hat, wird wahrscheinlich in allen Kolvnien eine sehr gnte sein. Die Kolonisten 7, haben dieses Jahr bestellt: 30622' da Weizen, % 1Ö 057 ha Flachs, 14288 ha Hafer, 370 ha /7 Gerste, insgesamt an Winterkulturcn 55337 Im. Bit diesem kommen noch hinzu Mais- und / . Lnzernefelder, über deren diesjährige Ausdehnung uns bis jetzt genaue Zahlen fehlen. Wir schätzen, daß an 7 bis 8000 ha mit Mais besät sind und 7 daß die Luzerneäcker, die Anfang des Jahres k 19300. ha einnahmen, sich seitdem um ca. 7000 kha vergrößert haben. In Mosesville sind acht ^.Pressen für Luzerne im vollen Gange. Der f größte Teil dieser Pressen gehört den Kolonisten. Die Baumkultur beginnt ebenfalls in den Kof_ lonten einen gewissen Aufschwung zu nehmen. Zwei Kolonisten in Mauricio haben vier frühere Zöglingling der Ackerbauschule in Orgeiew Aeffarabien) damit beauftragt, einige Gehölze < von Weiden und Pappeln sowie eine gewisse . Anzahl von Fruchtbäumen zu pflanzen. Der > ein? dieser Kolonisten läßt 15000 Werden und Pappeln, 600 Fruchtbäume und 400 Weinstöcke : pflanzen. Ein erfreuliches Zeichen des Auf- * schwunges der Viehzucht in den Kolonien ist ebenfalls zu melden. Bei einer landwirtschafty lichen Ausstellung, die neulich in Rafaela (Provinz von Santa-Fe) stattgefunden hat, haben mehrere : Kolonisten aus Mosesville Zuchttiere ausgestellt, welche allgemeine Aufmerksamkeit erregten. Einer d derselben, Hirsch Kaller, hat ein Pferd der i Percheronrasse Präsentiert, das den ersten Preis K: davontrug und dessen Wert auf 5000 Pesos (ca. 9000 Mk.) geschätzt worden ist. Derselbe Kolonist hat auch Preise für andere Tiere erhalten. Ein anderer Colonist, Trumper, hat - . eine bei ihm geborene Stute für 200 Pesos y <ca. 350 Mk.) verkauft. Ein dritter Namens ^7 > Rothman hat für 500 Pesos (900 Mk.) einen ^TZuchtstier gekauft, der dazu bestimmt ist, die y Raffe seiner Herde zu verbessern. Gleichzeitig -vermehrt sich die Erzeugung von Milch. Die Butter- und Käsefabriken in Clara empfangen . und verarbeiten ca. 3000 Liter Milch pro Tag. Die Butterfabrik in Lucienville ist nicht imstande, $■} sämtliche Milch zu verarbeiten, die ihr geliefert * wird; man ist im Begriffe, die Produktion der £ Maschinen zu verdoppeln. Größere Summen k werden jetzt allwöchentlich aus den Kolonien nach v Europa (hauptsächlich nach Rußland) an Berir wandte gesandt. Neulich ist eine Kollekte für die / Verunglückten in Casablanca veranstaltet worden, f ine eine ganz hübsche Summe eingebracht hat. £.\ Frankfurt a. M., 29. Dez. Ein hiesiger 7 jüdischer Kaufmann war an einem Samstag in einem Ermittelnngsverfahren vor das hiesige *7 Amtsgericht als Zeuge geladen worden. Als ihm |> der untersuchende Richter nach Beendigung der sp Vernehmung das Protokollffzur Unterschrift vor- ^legte, erklärte er, er sei Jude und dürfe aus reli- Nsgesetzlichen Gründen am Samstag nicht . , 'eibener könne daher das Protokoll nicht y unterzeichnen. Der Richter entgegnete darauf: §Das ist Wortklauberei, es muß Ihre Ehrenpflicht yfeitt, in einer derartigen Angelegenheit das Prozu unter schreiben." Als der Zeuge nun ^beinerken wollte, es sei vielleicht möglich, das ProytpGoll in den nächsten Tagen zu unterschreiben, der Richter ihn nicht zu Worte kommen und : „Ich kenne' vornehmere Juden, die am abend schreiben.E^Erst drängen^, sich die Juden in die Staatsstellen, nachher streiken sie." Wegen dieser Aeußerungen des Amtsrichters führte der Zeuge beim Landgerichtspräsidenten Beschwerde, in oer er sich beklagte, daß im Gerichtssaal sich solcher Antisemitismus äußern könne, und daß der Richter, statt seine religiöse Ueberzeugung zu achten, sie im Gegenteil zum Angriffspunkt auf die Gesamtheit der Juden mache - auch abgesehen davon sei das Verhalten des Richters mit dem Gesetz nicht zu vereinbaren, denn es genüge auch, wenn der Grund angegeben werde, warum die Unterschrift fehlt. Auf diese Beschwerde erhielt der Zeuge folgenden Bescheid: Der Präsident des Königl. Landgerichts hier. Frankfurt, 22. 12. 07. Ihre Beschwerde vom 11. d. Mts. ist begründet, ich habe dem A. G. Rat (folgt der Name) wegen seines Verhaltens in dem Termin vom 30. November d. Js. meine ernste Mißbilligung ausgesprochen. gez.: Der Präsident Köln, 28. Dezbr. An die in voriger Nummer veröffentlichte Korrespondenz aus Köln, betr. das dortige israelitische Krankenasyl, hatten wir die Bemerkung geknüpft, daß die Angaben des Einsenders über das Verhältnis der Kölner Gemeindeverwaltung zu dem Asyl, sowie über die Begünstigung christlicher Kranker in einem uns von anderer Seite zugegangenen Schreiben bestritten würden. Der Einsender teilt uns nunmehr mit, daß er die von ihm aufgestellten Behauptungen aufrechterhalte und in btt Lage sei, sie zu beweisen. Leipzig, 27. Dezbr. Zu unserer Freude können wir Ihnen; kund geben, daß sich auch hier eine neue „Vereinigung jüdischer A k a d e m i k e r" unter den gefetzestreuen Studierenden der Universität gebildet hat. Eine umso erfreulichere Tatsache, wenn man bedenkt, daß vor noch nicht allzulanger Frist, der hiesige Boden für eine derartige Gründung völlig ungeeignet erschien. Das frisch aufblühende Leben in der rmn TiD^n rrün hat diese segensreiche Erscheinung gezeitigt. Aus dem Oberelsaß, 31. Dez. Am Sonntag, den 22. Dezember, sollte bekanntlich die Neuwahl dreier Laienmitglieder des K o n s i st o r i u m s des Oberelsaß, dessen Sitz in Colmar ist, stattfinden. Bis dahin war die'Sache fast immer so gehandhabt worden, daß die austretenden Mitglieder' ihre Kandidatur wieder aufftellten und infolge mangelnden Interesses stets, wenn auch bei recht schwacher Wahlbeteiligung, wiedergewählt wurden, ohne daß man danach fragte, was die Herren in ihrer Eigenschaft als Konsistorialmitglieder für das religiöse Leben im Bezirke geleistet hatten. Auch diesmal schien die Sache den altgewohnten Gang gehen zu wollen,— die drei ausscheidenden Mitglieder, die Herren Fabrikant Wallach, Mülhausen, Kaufmann Charles Levy, Colmar, und Rentner Charles Zivy, Colmar, wiegten sich schon in dem beglückenden Gedanken ihrer sicheren Wiederwahl — als ihnen kurz vor Thorschluß drei Gegenkandidaten erstanden in den Herren Webereibesitzer Armand Bernheim, Mülhausen, Rechtsanwalt Dr. Nordemann, Mülhausen und Kaufmann Jacques Bloch fils, Gebweiler, die sich laut Wahlaufruf auf folgendes Programm verpflichteten: 1. Aenderung der Konsistorialverfassung in freiheitlichem Sinne, insbesondere: Selbständigkeit der Gemeinden, Abschaffung der Vorrechte der Konsistorialgemeinden und Oeffentlichkeit der Sitzungen des Konsistoriums.^ 2. Organisation, bezw. Reorganisation des jüdischen Armenwesens. 3. Reorganisation des Unterrichtswesens. 4. Neuregelung der Gehaltsverhältniffe der Rabbiner und der übrigen Kultusbeamten. Wie man voraussehen konnte, war denn auch die Wahlbeteiligung eine verhältnismäßig rege, das Resultat aber fiel wider alle Erwartung aus. - L ZEär M Von den drei aus>cheidenden Mitgliedern hat kein einziger die erforderliche absolute Stimmenmehrheit erhalten, während die Gegenpartei einen der ihrigen durchbrachte: den Webereibefitzer Armand Bernheim aus Mülhausen. Es werden also in einem zweiten Wahlgang noch zwei Mitglieder zu wählen sein. Durch die neue Kandidatenliste ist eine wichtige Prinzipienfrage aufgeworfen worden: Ist es statthaft, daß mehr als zwei Mitglieder ihren Wohnsitz nicht am Sitze des Konsistoriums haben? Bis heute ist hier, sowohl, wie auch in den Bezirken Unterelsaß und Lothringen die Ansicht geltend, wohl auch durch königliche Ordonnanz begründet, daß sämtliche Mitglieder bis auf zwei am Hauptorte des Konsistoriums wohnen müssen. Was nun die von der Mülhausener Bevölkerung gewünschte Verlegung des Konsistoriums von Colmar nach Mülhausen betrifft, so wird dieselbe, trotz des Dekretes vom Jahre 1808, laut besten die Gemeinde mit der größten jüdischen Bevölkerung Sitz des Konsistoriums sein soll, heute ebensowenig Aussicht auf Erfolg haben, wie im Jahre 1859, wo derselbe Antrag, obwohl vom Zentralkonsistorium in Paris unterstützt, vom Minister des Innern abschlägig beschieden worden ist. - Straßburg, 24. Wie bereits gemeldet wurde, war die Wahl der Herren A- Durlach, C. Kauffmann und Meyer-Scheyen ins Konsi-, siorium des Unterelsaß von der Gegenpartei angefochten worden. Das Konsistorium, das laut Bescheid des Bezirkspräsidiums in erster Instanz als Wahlausschuß zu gelten hat, hat nun in seiner Sitzung vom letzten Sonntag diese Wahl einstimmig für ungültig erklärt. Wir werden also voraussichtlich bald eine Neuwahl erleben. OesteweiÄx. Wien, 25. Dez. Aus dem Dezemberhest der Mitteilungen der „Israel. Allianz zu Wien" ist zu entnehmen, daß die Allianz u. a. für das Privatgymnasium des Herrn Rabbiner Dr. Jung in Ung.-Brod 2000 Kr., für die Opfer in Casablance 2000 Kr., für die Verköstigung armer Schulkinder in Rumänien 3000 Frs., ferner für die Opfer der rumänischen Judenverfolgungen einen weiteren Beitrag von 22500 Kr. bewilligte. Der Expedition an die Falaschas in Abessinien wurden 1000 Frs. und dem Auskunftsbureau für jüdische Auswanderer in Basel ebenfalls 1000 Frs. überwiesen. Wien, 29. Dez. Die Landesregierung für Bosnien und Herzegowina hat eine Verordnung erlassen, durch welche vorgeschrieben wird, daß den Arbeitern und Handelsangestellten ein Ruhetag in der Woche gewährt werden muffe. Die Durchführung dieser Verordnung ist dergestalt bestimmt worden, daß den christlichen Angestellten der Sonntag, den mohammedanischen der Freitag und den jüdischen der Sabbath freizugeben ist. Den Arbeitern der beiden letztgenanntem Konfessionen wurde das Recht Vorbehalten, mit ihren Arbeitgebern einen beliebigen andern.Tag der Woche als Ruhetag zu vereinbaren. (Hoffentlich macht man aber von diesem Recht keinen Gebrauch. D. Red.) Preßburg, 20. Dez. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß der vor einigen Monaten gegründete Verein der rot? 'HDItP schon rüstig an den ihm obliegenden Aufgaben arbeitet. Es war ja kein Wunder, daß gerade Preßburg, die führende Gemeinde in der gesetzestreuen Judenheit Ungarns, sich auch in der so überaus wichtigen Angelegenheit des Sabbaths an die Spitze gestellt hat. Daß gerade in Preßburg ein solcher Verein gegründet wurde, ist auch um deswillen von besonderer Bedeutung, .weil die Bewegung von hier aus auch leicht noch Hefterreich übergeleitet und dort verbreitet werden kann. Es wird sich zweifellos empfehlen, wenn ni«U nur in Ungarn eine einheitliche Organisation der Sabbathfreuude^ ähnlich dem deutschen Verband