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Der Israelit · 1908-01-02 · Heft 1 (2.1.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 1 (2.1.1908)
Date
1908-01-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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>rr v *■ ~, - I Nr. 1. 2 Januar 1SÜ8:_^_ „Freien Bereinigung für die Jnrereffen -es orthodozcenJudentums" am Mittwoch, den 25. Dezember im Burg Hotel inBerlin eine Zusammenkunft angesehener Männer aus allen Gauen Deutschlands statt. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Isidor Dülken, begrüßte die zahlreich erschienenen Herren und führte als Zweck der Einberufung der Versammlung etwa folgendes aus: Das Kuratorium glaubte gerade den jetzigen Bereinstag zum Anlasse einer Besprechung über das Seminar wählen zu sollen, da doch die Heranbildung von Lehrern zu den vornehmste^ Aufgaben des gesetzestreuen Judentums gehört, und da ein in diesem Sinne geleitetes Seminar in erster Reihe das Interesse und die Unterstützung eines jeden Glaubensgenossen beanspruchendarf. Die währenddes 40 jährigen Bestehens des Seminars ausgebildeten Lehrer, deren Zahl 300 übersteigt, üben heute,'mehr oder weniger, eine segensreiche Tätigkeit über ganz Deutschland aus. Dieses gemeinnützige Wirken für die Pflanzung unserer heiligsten Güter in die Herzen der Jugend hat auch bislang in allen Teilen unseres Vaterlandes Förderung gefunden, was bei dieser Gelegenheit mit Dank und Anerkennung hervorgehoben werden soll. Die Verhältnisse und der Zeitgeist bringen es aber mit sich, daß das Kuratorium nunmehr wegen Beschaffung größerer Geldzuwendungen sich an die Oeffentlichkeit wenden muß. Die Anforderungen der Schulbehörden an die Lehrerbildungsanstalten wachsen; ein Zeichensaal, eine Bibliothek, Unterrichtssäle für Physik Und Chemie sind eingerichtet worden; außerdem wurde, in diesem Jahre auf Anordnung der König!. Regierung eine Uebungsschule geschaffen u.s.w. — Der' innere Ausbau des Seminars ist heute derart, daß dasselbe binnen Kurzem als vollgiltig vom Staate anerkannt wird und die Genehmigung zur Ablegung der staatlichen'Abschluß Prüfung zu erhoffen ist. Gerade dieser letztere Punkt ist von größter Bedeutung für das Seminar, denn es ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß dadurch größeres und gutes Schüler- Material der Anstalt zugesührt wird. — Durch diese Erweiterungen der Anstalt sowie durch die allgemeine Teuerung der Lebensmittel sind die Ausgaben, einmalige wie fortlaufende, naturgemäß bedeutend gestiegen. Das Kuratorium hat sich schweren Herzens dazu verstanden, alle diese großen Ausgaben zu bestreiten, obwohl keine entsprechenden Einnahmen gegenüberstanden, von der Erwägung ausgehend, daß die Ausgaben unbedingt erforderlich waren, um die Anstalt auf der Höhe zu erhalten und in der Hoffnung, daß die Symphatien und der Opfersinn der vollständig ausgebauten Anstalt in erhöhtem Maße sich zuwenden. Der Redner hoffte zum Schlüsse, daß ein solch mustergilttges Lehrerseminar keiner weiteren Fürsprache bedarf, und daß es Ehrensache unserer Aller ist das zu erhalten, was wir von unseren Vätern ererbt haben. — Die Ausführungen des Vorsitzenden machten auf alle Anwesenden sichtlich tiefen Eindruck. An der lebhaft geführten Diskussion beteiligten sich die Herren Rabbiner vr. A u e r b a ch - Halberstadt, Provinzialrabbiner vr. Bamberg er-Hanau, Rabbiner vr. B o n d i - Mainz, H. van C l e e f - Cöln, Siegmund Fränkel-München, Abr. Grünb aum-Nürnber g, Samson Goldschmidt-Hamburg, vr. Meier Hildesheimer-Berlin, Emil Isaak-Frankfurt a. M., Carl Knoller-Berlin, Aron Kober-Bresläu, Distriktsrabbiner vr. P. Kohn-Ansbach, <&'"$. Löwy-Rawitsch, M. L. Munk-Cöln, vr. meä. Rubens-Gelsenkirchen Man. war sich bewußt, daß es sich mu eine Sache handelte, mit der die Zukunft des gesetzestreuen Judentums in Deutschland eng verknüpft ist, und man wetteiferte tn praktischen Vorschlägen zur Beschaffung der für die Erhaltung des Seminars notwendigen Mtttel. — Das Schlußwort hatte . der Direktor, Herr Rabbiner vr. Em. Carlebach, welcher in zündender Rede zunächst der Verdienste seines greisen Amtsvorgängers, Herrn Der JSraeltt. Rabbiner \ vr. Plato i gedachte und sodann nochmals hervorhob, wie unsere Sache die vitalsten Interessen des Gesamtjudentums Deutschlands betrifft, und daß er nach den Kundgebungen der Anwesenden zuversichtlich hoffe, daß der heutigen Versammlung der Erfolg nicht fehlen werde. Auch wir geben uns dieser Hoffnung hin; es sind allerdings große Mittel, einmalige und fortlaufende, zu beschaffen; aber für eine große Sache, die nicht nur jeder Gemeinde, sondern auch jedem Einzelnen naheliegt, hat es »ie an Opferfreudigkeit gefehlt, und es muß alles aufgeboten werden, das Seminar auf der Höhe seiner Aufgabe zu erhalten. ^Berlin, 25. D^br. Auf Ersuchen des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer hat Herr Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Engelmann,Direktor des physiologischen Instituts derBerltner Universität, das nachstehende Gutachten über das Schächten erstattet: „Physiologisches Institut der Universität Berlin. Berlin, 4. Dezemoer 1907. Ich bin auch heute noch der Ueberzeugung, der ich in meinem Gutachten vom 8. Dezember 1893 Ausdruck gab, daß das Schächten vor den sonst empfohlenen Verfahren des Schlachtens, sowohl im Interesse derHygiene wie desTierschutzes, den Vorzug verdient. Professor Dr. Th. S. Engelmann, Direktor des physiologischen Instituts der Universität Berlin." — Das Gutachten von 1893, auf. welches Herr Geheimrat Prof. Engelmann in obigem Schreiben Bezug nimmt, hat folgenden Wortlaut: „Ich kann nur' meine Verwunderung darüber aussprechen, daß man noch immer fortfährt, Gutachten über das jüdisch-rituelle Schlachtverfahren einzuholen. Die Untersuchung der Physiologen, Pathologen und Tierärzte haben längst in einer für jeden Unbefangenen völlig überzeugenden Weise festgestellt, daß dies Verfahren vor allen anderen den Vorzug und im Besonderen weniger als irgend eines der sonst empfohlenen oder geübten Verfahren den Vorwurf der Tierquälerei verdient. Es kann sich nach meiner Meinung nur um die Frage handeln, ob nicht das Schächten allgemein an die Stelle der sonst gebräuchlichen Schlachtverfahren zu treten habe. Das Interesse der Hygiene wie des Tierschutzes scheinen mir entschieden eine Bejahung dieser Frage zu fordern." Berlin, 30. Dezember. Von Herrn Dr. Warschauer in Berlin geht uns eine Berichtigung zu, der wir, obgleich sie nicht den Anforderungen des Preßgesetzes entspricht, hier Raum geben ': „In Nr. 52 Ihres Blattes bringen Sie eine längere Mitteilung aus der Feder eines gelegentlichen Korrespondenten, wonach ich auf dem Friedhofe und am Grabe „eines verstorbenen Täuflings eine rührende Leichenrede" gehalten habe. Diese Mitteilung entspricht nicht den Tatsachen. 1. Es ist nicht wahr, daß der betreffende junge Mann getauft war. Er hatte sich beim Militär, von dem er kurz zuvor entlasten war, als Dissident bezeichnet und war bis zu seinem Tode nicht einmal in der von dem Gesetze vorgeschriebenen Form aus dem Judentum ausgeschieden. 2. Ich habe nicht „auf dem Friedhofe" — der übrigens Charlottenburger Kommunalfriedhof ist — „und am Grabe" sondern im städtischen Krankenhause gesprochen. 3. Ich habe nicht eine „rührende Leichenrede" gehalten, sondern im bürgerlichen Gewände als Freund der tiefgebeugten Eltern an diese einige Worte gerichtet, die irgend ein anderer Freund des Hauses, welches Berufes immer, auch hatte sprechen können. Bon der Berichtigung einiger anderer, weniger wesentlicher Unwahrheiten sehe ich ab. '' ' ' , " " ' Sette 7. Ich ersuche Sie auf Grund des Preßgesetzes, ' diese Richtigstellung in ihrem Blatte abzudrucken. x Dr. M. Warschauer Rabbiner der jüdischen Gemeinde". Darauf erwidert unser Gewährsmann: „Die gewun dene Erklärung des Herrn Dr.W. beweist, wie sehr er selber deren innere Haltlosigkeit fühlt. Die hiesigen Kreise bleiben dabei, daß der Verstorbene als evangelisch in dem betreffenden Krankenhaus ausgenommen war. Jedenfalls war er — ob er sich nun als Dissident oder evang. bezeichnete, ist ja für das Judentum gleichgiltig — aus dem Judentum ausgetreten, und wenn er auf dem Kommunalfriedhof beerdigt wurde, so ' ist er eben ein Renegat gewesen, gleichviel ob mit oder ohne Kreuzeszeichen. Ueber den Ausdruck „rührend" in Bezug auf eine Rede oder Handlung läßt sich ebenso streiten, wie über den Begriff schön oder häßlich. Doch gestehen wir Herrn Dr. W. zu, daß er nicht „rührend" gesprochen. Daß er aber im bürgerlichen Gewände gesprochen, ändert nichts an der Tatsache, daß es der Rabbiner W. war, der sprach, und er, ob , als Volks-, Tisch-, Kanzel- oder Grabredner in jedem Falle in seiner Person nicht plötzlich Privatmann wird, wenn er zufällig kein Ornat anhat. Ob die Sache'sich am offenen Grabe abspielte oder nicht, ändert auch an der Sache nichts. Uebrigens wäre es wahrscheinlich auch gar nicht gestattet worden, im Gewände eines jüdischen Geistlichen an der Leichenfeier teilzunehmen. Lendenlahm bleibt die an sich ganz nebensächliche Bemerkung, daß die zuständige Behörde die Dissidentenschaft oder Taufe noch nicht gebucht hatte; bei der Tatsache des Austritts ist diese Form nebensächlich, sie ist es auch gegenüber der allgemein gültigen Anschauung, daß der Betreffende dem Judentum die Zugehörigkeit und Gefolgschaft gekündigt hatte. Man kann auch darüber anderer Meinung als Herr W. sein, ob jeder andere, wessen Berufs auch immer, dasselbe hätte sagen können wie er. Wie Herr Dr. W. aber die sittliche Verantwortung seiner Handlungsweise verkennt oder ignoriert, bedarf keines Kommentars. Herr Dr. W. sucht auch dadurch, daß er die wenigen von ihm „als Freund der Familie" gesprochenen Worte — er sprach Übrigens mehr als 10 Minuten — für bedeutungslos ausgiebt, die Meinung zu erwecken, als sei sein Verhalten Privatsache. Herr Dr. W. ist aber in den Augen der Welt ebensogut Rabbiner, wenn er im Ueberzieher umhergeht und Rock oder Schirm trägt, als wenn er den Tallis umhängt. Die Tatsache selbst schafft Herr Dr. W. durch keine Berichtigung aus der Welt." Frankfurt a. M. 31. Dezbr. Am vergangenen Sonntag hielt die Synagogenaemeinde „I sraelit is ch e R e l i g i o n s g es e lisch aft? . J ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der durch Herrn Dr. E. Rosenbaum im. Namen der Verwaltung erstattete Jahresbericht ging zunächst auf das für die Gemeinde wichtigste Ereignis des Jahres, den Synagogenbau, ein. Die Baustelle hatte 380 000 Mk., der Bau selbst 780 000 Mk. gekostet. Diese Beträge find, abgesehen von den Hypotheken, bis auf einen kleinen Rest baar beglichen worden. 390000 Mk. wurden durch spenden aufgebracht. Weitere Summen sind verschiedenen Fonds, über die die Gemeinde verfügt, entnommen worden und müssen an dieselben zurückgezahlt werden. Um für die Zinsen und die hohen Unterhaltungskosten der ' Synagoge Deckung zu gewinnen, mußte man die Preise für die Synagogenplätze gegen früher steigern. — Die Zahl der Mitglieder ist im Berichtsjahr um 51 gestiegen. Auch diesmal hat die Verwaltung Gelegenheit der Gemeinde von einer Anzahl Spenden, Stiftungen und letztwilliger Zuwendungen Kenntnis zu geben. — Der Etat für 1906/07 schließt mit einem Defizit von 3000 Mk, zu dessen Entstehung v vor allem der für die Realschule, gelMete < Zuschuß beigetragen hat; die ArmqMWttte einen Etat von 170000 Mk. — Hinsichtlich der alten Synagoge hat die Verwaltung noch keinen . j

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