Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1908)
- Date
- 1908-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sei2 e^r.1. Der JSraeltt. ^.JanuarlSvS 2. damit die Möglichkeit geschaffen wird, auch unter die Lehrkräfte Juden neben Christen in ' höherer Zahl aufzunehmen, als bei durchgängiger. Absonderung der Juden in konfessionelljüdische Volksschulen möglich wäre. Nun also! Wer nicht gerade ein Freund von politischer Jongleurkunst ist, wird es unter diesen Umständen doch auch in Zukunft vorziehen, die Sache der konfessionellen Schulen lieber solchen Instanzen anzuvertrauen, die nicht „auf dem entgegengesetzten Standpunkte" stehen. Es gibt eben Situationen, in denen man nur Ja oder Nein, und nicht, wie der Verband möchte, Ja und Nein sagen kann. 2. Nach der Erledigung des Gesetzes hat der „Verband" seine berüchtigten „Leitsätze" ver-' össentlichr, die ganz im Geiste seiner porangegangene.n Tätigkeit, die Auflösung jüdischer Schulen in den Vordergrund schoben. Diese „Leitsätze" sind selbst in Steinhardts „Blättern für Erziehung und Unterricht" also gewiß nicht aus „orthodoxem Fanatismus" einer vernichtenden Kritik unterzogen werden. Bon ihnen schw eigt die Broschüre — natürlich, sie gehören ja nicht zur „Vorbereitung" des Gesetzes, aber sie erhärten um so deutlicher,. . daß die jüdische Schule verloren war, wenn die gesetzestreuen Körperschaften dem Verbände nicht in ^'n Arm gefallen wären. 3. Was den Religionsunterricht betrifft, so wären die Anträge des Verbandes nach Lage der Dinge an sich ebenso aussichtslos gewesen, wie sein Traum von jüdisch-christlichen Schulen, was jeder Kenner der politischen Verhältnisse zugeben wird. Daß diese Anträge überdies die Gefahr eines o b l i g a t o r,i s ch e n Religionsunterrichtes in sich bargen, den die Orthodoxie aus Gewissensbedenken verwerfen mußte das vermögen alle Leugnungsversuche des Verbandes nicht aus der Welt zu schaffen. 4. Deutlicher als je zuvor tritt in der Broschüre des „Verbandes" das — von seinem Standpunkt aus begreifliche — Bestreben hervor, der Regierung gegenüber als oberste Zentralinstanz der deutschen Judeuheit, auch der orthodoxen Judenheit, zu erscheinen! - Wenn die Gegenaktion der gesetzestreuen Körperschaften nichts weiter erreicht hätte, als die Zerstörung dieses für die religiöse Zukunft des deutschen Judentums geradezu lebenbedrohenden Wahns, wenigstens in einem speziellen Falle, so wäre das schon des Segens genug. Der „Verband" allerdings steht der Gewissensangst der orthodoxen Juden vor einer Zentralbehörde oder Zentralkasse für religiöse Bedürfnisse mit einer naiven Verständnislosigkeit gegenüber, die allein sein ganzes Verhalten in dieser Frage — namentlich seine Korrespondenz mit der Frankfurter Religronsgesellschaft — erklärlich macht. Daß der „Verbcmd" auch heute noch keine Empfindung für diese Dinge zu haben scheint, daß er angr^eist und an kla gt, wo er alle Ursache Hütte, zu beschwichtigen oder wenigstens zu schveigen, das werden die Freunde des „Verbandes", zu denen.wir nicht gehören, sicherlich am meisten bedauern. ßaturwi$$en$d><ift und Judentum. Bon Dr. M Ascher in Neuchütel. (Fortsetzung.) . .Bei oberflächlicher Betrachtung mochte es scheinen,, als ob das Neändertal-Sttlett, die in die in der Grotte von Spy (Belgien) und Krapina (Zkoatien) gefundenen Skelette, jene Vorläufer des Menschen vor uus erstehen ließen, die die meiste Aehnlichkeit mit dem heute lebenden Menschen - Wen und als Zwischenglieder zwischen Affe und Mensch in Frage kämen. Man hat sich gründlich getäuscht. Bei gellauer Betrachtung und systematischer Untersuchung ergeben sich ganz beträchtliche Unterschiede im Gesichtsschädel. Beim hurtigen Menschen verkümmert der Weisheits- ' \ immer mehr, während beim Neander- . Spy. und Krapinaskelett, die drei hintersten W- oder Mahlzähne der Größe und Dicke Wh von vorn nach hinten zunehmen. Auch ist im Gegensatz zum Menschen bei ihnen der Um terkiefer sehr hoch, stark und massig, und das Gebiß, dessen Zähne lange und starke Wurzeln haben, gewaltig. Außerdem stehen bei ihnen die Zähne in ganz anderer Anordnung als beim Menschen, und — was sehr wesentlich ist — fehlt bei ihnen das Kinn vollständig. Anderseits ließ sich auch nicht sagen, daß wegen der niedrigen flachen Stirn, der mächtig hervorspringenden Augenbrauenwülste schon eine Annäherung an den Bau des Schimpansen und Gorilla gefunden werden konnte, denn bei genauer Untersuchung ergab sich, daß bei den Affen die Augen recht nahe beieinander stehen und die Nasenwurzel flach und seicht ist, während beim Neandertal-, Spy- und Krapinaschädel die Augen weit auseinandergerückt sind und die Nasenwurzel stark vertieft und eingesattelt ist. Wir sehen, daß alles von genauer Untersuchung abhängt und daß unter allen Umständen bei derartigen Betrachtungen Reserve im Urteil geboten ist. — Häckel betrachtet den 1894 von Dubois entdeckten kitevantbroxas erevtrw als das missing link, das „fehlende Glied" in der Primatenkette. Bei genauer Untersuchung kamen jedoch die Gelehrten zu dem Resultat, daß der kitevLutbropus ein echter Affe sei, der in mancher Beziehung sich dem Menschen mehr nähere als der Schimpanse, in anderen Punkten jedoch wieder den niedrigen Affen näher stehe. Es gehr eben nicht an schon aus einem gefundenen alten Schädeldach, einem Oberschenkelknochen und zwei Backenzähnen Schlüsse von ungeheurer Tragweite zu ziehen, oder doch wenigstens nicht, dieselben als apodiktische Wahrheit zu verkünden. In Bezugs auf dergleick n Dinge trifft sicher zu, was Professor Schwa, in seiner Vorgeschichte des Menschen sagt: „Auf keinem Gebiete der Naturwissenschaften wird wohl das Bestreben, aus einer Summe von Tatsachen allgemeine Schlüsse zu ziehen, so von der subjektiven Eigenart des Forschers beeinflußt als in der Vorgeschichte des Menschen. Oft bilden sich hier auf Grund weniger Tatsachen Meinungen, welche durch die überzeugte Art, mit welcher sie vorgetragen werden, von denen, die der Sache ferner stehen, leicht für gesicherte wissenschaftliche Errungenschaftengehalten werden, „nnrn D'orri D-'H3“D Die Auffindung von fossilen Formen, die als gemeinschaftliche Stammeltern verschiedener heutiger Gruppen angesehen werden, beweist gar nichts. Bei der Deutung solcher Formen spielt das subjektive Gefühl des Beobachters die größte Rolle, und man kann oft ohne Mühe just das Gegenteil von dem herauslesen, was meist der Naturforscher in seinen materialistischen Anwandlungen herausliest. Alle Schlußfolgerungen der Descendenztheorie auf den Menschen sind äußerst gewagt und dürfen nicht den leisesten Anspruch auf naturwissenschaftliche Bestimmtheit machen. Wir haben natürlich alle Freiheit, uns in den uralten Formationen von Funden aus prähistorischer Zeit die schönsten Stammbäume auszusuchen, aber wir kommen damit ins Gebiet der Phantasie. Auch läßt sich letzten Endes für die Entstehung von Organismen die Annahme einer Intelligenz so wenig entbehren wie bei den Produkten menschlicher Erfindung. Der Naturforscher muß sich bewußt bleiben, daß es sich, sobald er über das Gebiet der durch Erfahrung faßbaren Verhältnisse herausgeht, um unbeweisbare Theorien und Hypothesen handelt, und daß die Descendenztheorie in ihrer extremen Durchführung bis auf die letzten Konsequenzen im Grunde nur ein unbeweisbares Dogma ist. Wir gehen hier gar nicht darauf ein, daß es « nicht schwer wäre zu zeigen, daß die einer gemäßigten Descendenztheorie zu Grunde liegenden Beobachtungen mit dem auf eine Stufenfolge der Organismenproduktion hinweisenden biblischen Schöpfungsbericht übereinstünmen. Uns schien wichtiger hier zu demonstrieren, daß die Fragen nach der Entstehung der Arten sich nicht so einfach lösen lasten, wie es anfangs schien, und daß der ehrliche Naturforscher im Gegensatz zu den Häckelianern mit einem abschließenden Urteil zurückhaltend, sehr zurückhaltend sein muß. Es hieße den Gegeüstand nicht richtig behandeln, wollten wir hier mcht aus das Urzeugungsproblem eingehen . Man machte Aufgüsse von Fleisch, kochte sie, verschloß sie und sah, daß sich trotzdem kleinste Wesen in Scharen darin entwickelten. Man nahm nun an, daß diese Wesen ohne Eltern direkt aus den organischen Stoffen des Aufguffes entstanden seien. Ursprünglich konnten sie nicht darin sein, denn sonst hätten sie durch das Kochen zu Grunde gehen müssen, und daß etwa unsichtbar in der Lust schwebende Muttertierchen Eier hineingelegt hätten, ließ sich nicht annehmen, denn die Flasche oder der Topf waren fest geschlossen. Woher kommen also jene Wesen? Sind es neue Wesen oder bloße Nachkommen von Wesen, die in der Welt existiert haben seit dem Augenblick, wo diese in ihrer Vollständigkeit aus Gottes Hand hervorgegangen war? Und wenn es wahr sein sollte, so sagte man, daß aus zerfallenden Leibern von Tieren und Pflanzen Lebewesen entspringen, so ließe sich ja auf dieselbe Art alles Leben um uns her, ja auch unsere Existenz erklären. Wozu bedarf eS da noch der Annahme eines Schöpfers? Auch wir haben uns in dieser Weise ohne Zutun eines weisen Schöpfers entwickelt, nur unter anderen Umständen und in unvergleichbar längerer Zeit, auch wir haben unendliche Reihen von Entwicklungszuständen durchgemacht. — Wer weiß, wie es heute um das Urzeugungsproblem stünde, wenn nicht Louis Pasteur uns Aufklärung verschafft hätte. Pasteur bewies absolut klar, daß, wenn die reine Luft von.der Infusion abgeschlossen oder gewöhnliche Luft von den Keimen befreit wird, von denen sie voll ist, keine Gärung und keine Verwesung stattfinden könne, und daß nur, wo Gärung und Verwesung vorbanden sind, aus Samen und Eiern, mit denen ständig die Luft geschwängert ist, Lebewesen sich entw'ckeln können. Pasteur und nach ihm andere bedeutende Forscher haben dargetan, daß auch im Reiche der kleinsten Lebewesen die Arten genau so scharf getrennt sind wie im übrigen System der Organismen. Es gibt keine Urzeugung in irgend einer Form, denn nur aus einer lebenden Zelle kann sich eine lebende Zelle entwickeln. Am Anfang des Anfangs müssen also schon so viele Arten von Zellen geschaffen worden sein als es in der Pflanzen- und Tierwelt gibt. Man wollte die Bibel lächerlich machen durch die Darlegung, daß ihr D^-System falsch sei, daß unmöglich von Uranfang an schon verschiedene Arten gewesen sein könnten. Vielmehr habe sich eine Art erst aus der anderen entwickelt, aus dem Bazillus .wurde ein Schimmelpilz und hieraus eine Hefe usw. Alle Versuche in dieser Richtung sind jedoch kläglich, gescheitert, alle Beweise für einheitliche Stammesentwicklung, versagten, und immer mehr wird die Wissenschaft auf die Annahme einer vielstämmigen Entwicklung hingedrängt, ganz so, wie die Bibel es uns lehrt. Nach unendlichen vergeblichen Studien kommt man wieder auf den Standpunkt der Bibel zurück, daß alle Formen des Lebens aus der Hand des Schöpfers stammen, der „ein jegliches nach seiner Art schuft. — (Schluß folgt.) Korrespondenzen und Nachrichten. Dentsthes Kttih. vas jüSIlctie behrerfeminar in QJln. Berlin, 27. Dez. Auf Einladung des Kuratoriums des Cömer Lehrerseminars fand anläßlich des Veremstages der