Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1908-01-02 · Heft 1 (2.1.1908) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 1 (2.1.1908)
Date
1908-01-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449298-2449300--64079-2506653
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DerAKmeltr. Nr. 52. cnigett Worte Gehör verschaffen/ das neue Beifallsstürme entfesselte: „Wir haben das erst e Buch, das iLv, unsrer Bereinigung geschloffen — wir beginnen das zweite — rufen wir ihn laut und freudig, unsrem Vorstande zum Danke, hinaus, den allen jüdischen Gruß: Glückauf zu neuer Arbeit — PM„! Aas Zlestöankett. . In den herrlichen Räumen des Künstlerhauses begann um 5 Uhr das Festesten, an dem sich etwa zweihundert fünfzig Personen beteiligten. Namens des Vorstandes begrüßte Herr H erm ann- Gn mper tz-Hamburg die Gäste und forderte zu froher Gemütlichkeit auf. Kommerzienrat Benjamin Hi rs ch brachte unter jubelnder Zustimmung das Kaiserhoch aus, indem er geistvolle Parallelen zog zwischen der politischen Lage und den Verhältnissen im Innern brr deutschen Judenheit. Hierauf erhob sich der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Breuer„um in Anknüpfung an ein Midraschwort die Beziehungen zwischen Bereinstag und Festessen zu beleuchtener weihte sein Glas mit Worten warmer Anerkennung der Synagogen - Gemeinde Adaß-Jsroel. Distriktsrabbiner Dr. P. Kohn-Ansbach stellte sich als echter Süddeutscher vor und trank auf das Wohl der nord-süddeutschen Verständigung samt der „dazwischen liegenden" Frankfurter Religions gesellschaft. Nachdem Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer- Oldenburg einen launigen poetischen Trinkspruch vorgetragen, feierte Herr Jacob Rosenheim- Frankfurt dieRabbiner, denen in unserer Zeit wahrlich keine leichte Aufgabe beschicken sei, sowie den verehrten Bildner zahlreicher jüngerer Rabbinen, Rektor Dr. Hoffman n. Herr LouiS Feist, Frankfurt a. M. widmete fern Glas den drei Referenten des Vereinstages, Herr Sigmund Frä nkel-München den zahlreich erschienenen Damen, deren Beziehungen I zur Reorganisation der „Freien Vereinigung" der geistvolle Redner überzeugend nachzuweisen I wußte. Rechtsanwalt Dr. Schwa rzschild- Frankfurt a. M. teilte mit, daß die anwesenden Zionisten Oelbäume zur Erinnerung an den Vereinstag der „Freien Bereinigung" gestiftet hätten. Wohlverdientes Lob fand der Festausschuß aus dem Munde des Herrn LaydrabbinerDr. Loeb- Emden, dem zuguterletzt — von Ihrem Berichterstatter leider nicht mehr gehört — Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn-Fulda folgte. Sehr viel zur Anregung der Festesstimmung trugen ein hebräisches und ein deutsche-Tischlied bei. das die Herren Rabbiner Dr. Petuchowski und Rabbiner Dr. Rosentha l-Berlin gewidmet hatten. Harmonisch wie die ganze Tagung, verlief auch ihr letzter Akt, das Festesten, und es waren die bealückendsten und erhebendsten Eindrücke, welche die mit den Nachtzügen nach ihrer Heimat zurückkehrenden Festreilnehmer mit nach Hause rtahmen in ihre Gemeinden. Möge sich das Geschautes und Gehörte dort umsetzen in rüstiae, Leben weckende Tat zum Wohll von .PMN21 psti getaufte Juden gebaut, und als seien dir Letzteren alles Verstandes beraubt. Es ist aus normalem Wege nicht mehr erklärlich, wie junge Mädchen und ältere Krauen, verchristlickte Judenjünglinge und anscheinend gesetzte Männer, sich jeden Sonntag so vielen ostentativ höhnischen Gesichtern und hämischen Bemerkungen seitens ihrer neuen Glaubensgenossen aussetzen können, ohne vor Scham za vergehen. An keinem andern Platz kann man interessantere Studien machen, als Sonntag vormittags vor dem DotN, wo sich der versteckte und Halb offene Judenhaß gegen diese Auchchristen in Worten And Blicken entläd. Das Christentum der getauften Juden ist das widerlichste Brld, das einem in Berlin (vielleicht auch in anderen Städtengeboten werden kann. Mit einem Gefühl der Erleichterung wird.man sich doch bewußt, wieviel moralische« Auswurf, der seit der Aera Holdheim si^ im sich jetzt a ändert und das Christentum b . z. 8. A»rrd -esetz-sirerttr jüdischer Ingendvereine. Die Delegierten von etwa 20 Lernvereinen traten anläßlich der Tagung der „Freien Vereinigung" zusammen und gründeten den „Bund gesetzestreuer jüdischer Ingendvereine", der Vereine in Nord- und Süd-, Ost- und Westdeutschland zu seinen Mitgliedern zählt, und auch zwei schweizerische Lernvereine umfaßt. Der „Bund" bezweckt einerseits eine ideelle und materielle Stärkung seiner einzelnen Glieder, das Schaffen von Stätten für das Torastudium, wo solche noch fehlen, und erstrebt andererseits auch eine Zusammenfassung der gesamten gesetzestreuen Jugend. Diese wird selbstredend nur dann möglich sein, wenn in der Tat alle in Betracht kommender: Vereine dem Bunde sichAanschließen. Präsidialverein ist Hamburg - alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden des dortigen Isidor Jsak, Rutschbahn 21, zu richten._ (DerAauSführliche^ Bericht "uber^den Dele - giertentag desVerbandes der^Sabbatbfreunde folgt wegen Raummangels in nächster Nummer.) Kochenranöscha«. eaelsr Imperators In dem Moniteur der deutschen Neologie veröffentlicht der siegreiche Führer der Frankfurter „Liberalen", Rabbiner vr. Cäsar Seligmann, ein Triumphlied über den Ausgang der Frankfurter Gemeindewahlen, die er — gleich uns —i als ein weit über den lokalen Rahmen hinaus bedeutungsvolles Ereignis betrachtet, und von dem er sich ein „neues Erwachen des liberalen Judentums in Deutschland" verspricht. Es ist schon der Mühe wert, einige Sätze aus dem Artikel hier zu zitieren, weil es gerade Ln unserem eigenen Lager immer noch Leute gibt, die des Glaubens sind, die „Reform" sei nicht nur vor dem Richterstuhl der Weltgeschichte, sondern auch in Bewußtsein ihrer eigenen Bekenner zürn Tode verurteilt. Diese Optimisten mögen sich folgende Strophen aus dem Siegesgesang am Ufer des Maines ins Stammbuch schreiben: „Der Wahlkampf endigte mit dem glänzenden Siege der Liberalen. Die drei Kandidaten des orthodoxen Zentralvereins, dem die zionistische Bereinigung Heeresfolge leistete, vereinigten auf sich zusammen 4184 Stimmen, die drei Kandidaten des freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindsleben erhielten zusammen 7191 Stimmen. Ueber sechzig Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimmen ab, eine Beteiligung, wie sie in Frankfurt niemals zuvor auch nur annähernd erreicht wurde. Am Wahltage herrschte, so schreibt die „Frankfurter Zeitung", „ein Leben und Treiben wie zu Zeiten erregter politischer Wahlen, es fehlte selbst nicht an Automobilen, um Säumige zur Urne zu bringen". Mit einer Opferwilligkcit und Hingebung ohnegleichen halten junge Kanfleute, Aerzte, Juristen und andere Tag und Nacht hindurch, unter Hintansetzung ihres Berum, gearbeitet, um die Teilnahmlosen auf- -urütteln. Widerstrebende zu gewinnen, die Pessimisten mit fortzureißen. Junge Damen stellten ihre Kraft und Zeit der liberalen Bewegung zur Verfügung. Der religiöse Freisinn erwachte zu kraftvollem Leben. Aus jahrelangem Jndifferentismus raffte er sich zum erstenmal wieder auf zu einer imposanten Machtentfaltung, um die Herrschaft der Orthodoxie, unter die er sich beuge» wollte, abzufchütteln. Einst die stolze Hochburg des liberalen Judentums in Deutschland, getragen und verkörpert von Namen wie Leopold Stein, Geiger, Brüll, Creizenach, "1, Stern, Jakob Auerbach, war die seit hundert >ren freisinnige Gemeinde in Gefahr; in orthodoxes Wasser zu kommen. Im Ausschuß besaß die Ortyo- .bereitS die Mehrheit. Die neuen Kandidaten deS alvereins erklärten sich? offen gegen den geplanten neuen Gottesdienst in der zu errichtende»! Westendsynagoge. Ein Sieg der Orthodoxie bedeutete die Knebelung ' liberaler Forderungen, die Unterdrückung des neuerwechenden liberalen Lebens in der Gemeinde." Dann folgt ein Panegyrikus auf die „freisinnigen" Institutionen, deren Entwickelung durch die konservativen Elemente in der Gemeinde bedroht gewesen sei — leider existiert diese Prinzipienfestigkeit des konservativen Zentralvereins nur in der Phantasie des streitbaren. Reformrabbiners —, mW endlich wird, im Geiste des^ Herrn Dr. Blau, den Konservativen der Revolver auf die Brust gesetzt und ihnen zugerufen: Entweder Ihr verzichtet ein für alle Mal darauf, dasjenige, was uns, den Liberalen, als das einzig wirksame Mittel.der E r h altung des Judentums erscheint, als „Erschütterung der Grundfesten des Judentums" zu bezeichnen oder — Ihr vernichtet die Lebensfähigkeit einer „einheitlichen Gemeindeverwaltung mit zwei religiösen Richtungen." AHZWir sind begierig, was vonseiten^der^also Abgekanzelten auf die Heraucforderung^erwidert werden wird. _' ° Für uns ist nach wie vor die Tatsache am wichtigsten, daß die Frankfurter Wahl zwar nicht die Lebensfähigkeit der alten, abgebrauchten Reform-Kinkerlitzchen, wohl aber das Erstarken eines neuen, mit der alten jüdischen Lehre nur gefühlsmäßig verknüpften Judentums gezeigt hat, tausendmal gefährlicher als die alte Reform, um deren Banner sich die Wählermassen nur aus Opposition gegen die verhaßte Orthodoxie und^in Ermangelung eineanderen Feldgeschreis diesmal geschart^ haben.. Wenn der Seligmannsche Artikel zum Schluffe die Reform von dem Borwurf reinigen will, die Vorstufe der Taufe zu sein, so soll die Prüfung dieses historischen Reinigungsversuches nicht ausbleiben. Für heute kam es »US nur darauf an, unsren Lesern einen flüchtigen Blick in die Seele des triumphierenden Imperators der Frankfurter Liberalen werfen zu lasse». VerbanS Ser Seutlcken 1uS«i ormtr» vrtlwSoxie. Der „Verband der deutschen Juden" über-. sendet uns einen „Bericht über die Tätigkeit de? Verbandes bei der Vorbereitung des Preußischen Bolksschulunterhaltungsgesetzes", erstattet VS» Felix Makower, ein Buch von 95 Seiten, das scheinbar sehr langweilige juristische Auseinandersetzungen enthält, in Wirklichkeit aber eine Anklageschrift gegen die böse preußische Orthodoxie sein sott. Die angegriffenen Körperschaften, namentlich die „Freie Vereinigung", werden gewiß nicht unterlassen, auf das staatsamyäMche Plaidoyer des Herrn vr. Makower mit der ent- / sprechenden Ruh« und Gründlichkeit zu antwor- * ten. Für die breitere Oeffentttchkeit genügt es, -- gegenüber den beweglichen Klagen des Verbau- - des, die orthodoxen Körperschaften hätten die edlen Absichten der Berliner Herren vereitelt," auf folgende Tatsachen hinzuweisen: 1. Der Verband sucht zwar mit allen Mittel» der Dialektik die unglaubliche Behauptung zu erweisen, er Vermöge alle Richtungen — auch die Interessen der Orthodoxie — zu vertreten, / aber er muß das Gegenteil aus Seite 7 selbst zugestehen. Dort heißt es: Indem der Verband so versuchte, die Interessen desjenigen Teils der jüdischen Bevölkerung wahrzunehmcn, welcher an konfessionell-jüdischen Volksschulen^ festzuhalten wünscht, konnte doch dieser Gesick^'— für die Anträge des Verbandes nicht allein a gebend bleiben» denn ein ariderer Teil der I Bevölkerung steht auf dem entgegengesetzten Punkt, daß er konfessionell-jüdzsche Schulen n zu vermeiden sucht, 1. damit eine Absonderung bereits unter den Ki dern vermieden wird, und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.