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Der Israelit · 1907-12-27 · Heft 52 (27.12.1907) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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den Sinn nicht so leicht erkennen lügt und zu erständnissen Anla g* ’ »M. " Dr. D, titerariKber ZMchraal. Löbliche Redaktion! Die in Ihrem geschätzten Blatte vom 14. v. M. veröffentlichtemit ^*npn gezeichnete Besprechung meiner Schrift: „Ueber den Ursprung der Synagoge", liest aus derselben unberechtigterweise eine bestimmte Parteitendenz heraus. Ich sehe mich mit Rücksicht aus die Art dieser angeblichen Tendenz veranlaßt, gegen jene Besprechung Stellung zu nehmen und gegen die rn derselbe« enthaltenen Ausführungen höflichst, aber entschieden Verwahrung einzulegen. — Woher in aller Mett weiß es der Rezensent, daß ick einen „Aufwand von Gelehrsamkeit" einzig und allem zu dem Zwecke gemacht habe, „um die moderne Synagoge mit singendem Mischchor und klingendem Orgelspiel zu preisen?" (Gegen Talar und salbungstricsende (!) Kanzel habe ich sonst nicht viel einzuwenden). Wer mich und mein Wirken kennt — unter den Lesern Ihres Mattes gibt es sicherlich deren nicht wenige — wird über diese Behauptung n i ch t w e n i g erstaunt sein. Meine Schrift bietet dafür auch nicht . kM geringsten Anhatt. t MMrrne Gy n a a pG e «blöfetin des T euipeldienstes sei, stehtder Schrift. Dagegen hätte dem Rezensenten leicht über den ganzen Tenor der Schrift ein Satz Ausschluß geben Wnnen, der auf Seite 16 wörtlich lautet: „D r e H o f f n u n g e n a n s die Wiederherstellun g die se s v ers-chwn ndenen Tempels aus dem Berge Moriah ist mit der .Messiasidee aufs innigste verknüpft und kommt in den täglchen Gebeten (Schemvne Esreh, Tischgebet u. a. St.) so wieinden fürdieFestta gebe st immten mannigfach zum Ausdrucke" Ebenso p. 11 wörtlich: „Irgend eine eschatalogische Anschauung ist mit der Synagoge nicht verknüpf t." Klarer und unzweideutiger kann wohl nicht gesagt werden, daß die Synagoge bloß eine Stellvertrrterin, aber keine endgiltige Ablöse rin des zerstorten Tempels sei. Der Rezensent sucht allerdings meine Theorie von der Entstehung der Synagoge aus der Institution der nTiDVD während des sopherischen Zeitalters in einen Gegensatz zur jüdischen Tradition zu bringen, „welche die ersten Anfänge der Synagoge in die Zeit der Patriarchen zurücksührt". Ist aber dieser Gegensatz wirklich vorhanden? Ist es dem Rezensenten entgangen, daß der springende Punkt meiner Untersuchung die Frage nach dem opserlosen Kult ist, daß demnach das OorhandMsÄn <von Betstätten - alter Zeit davon nicht berührt „ diese in der Patriachenzeit nicht bloß sein fbmttav sonder» auch sein mujjten, daß sie aber — der Beweisführung meiner Studie — mit Opferdarlningungen verbunden waren, welche Annahme gerade in der Tradition ihren Stützpunkt findet, die bekanntlich sogar von einer Opferung durch den ersten Menschen zu berichten weiß. (Sabbat 28 d). Die Behauptung endlich, daß ein Satz der Boraitha in sein Gegenteil verwandelt worden sei, wird der Herr Rezensent wohl ernstlich nicht aufrecht erhalten wollen, wenn er die leicht zugängliche Tosest» zur Stelle einiseht, oder die Noten meiner Abhandlung in Rücksicht zieht. Er dürste dann vielleicht auch bezüglich anderer Punkte seine Meinung.ändern. Rabbiner Dr. M. NossnmMn. Wien, 28. November 1967., ' (Wir können, da wir die Schrift des'Herrn Dr. Rosenmann nicht gelesen haben, aus Einzelheiten seiner Entgegnung an *mprr nicht eiygehen. Wik, bemerken jedoch, daß der in der Besprechung zitierte Satz der Schrift, daß die „Propheten, gegen die Opfer eiferten und der opferlose Kult wohl das herbrigesehnte, aber damals noch nicht erreichte Ideal einiger großen Geister gewesen ist", das Urteil des Rezensenten über den allgemeinen Charakter der Rosenmannschen Arbeit zu rechtfertigen scheint. D. Red.) euilleton. ver €nlrel. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Nur zufrieden? — glücklich hin ich, daß Ihr wieder da seid. Und daß es euch gut gegangen ist, danach brauch' man gar nicht zu fragen, Ihr sehet ganz vorzüglich aus, alle beide." Aber nun ist's Zeit, daß ich hinübergehe — Ihr seid unerwartet gekommen, Kinder, habt Ihr nun heute Mittag etwas zu essen." „Darüber mache dir keine Sorgen, Papa, unsere treue Marie läßt uns nicht hungern. Morgen Abend haben wir doch wieder die Freude, dich zum Abendbrot bei uns zu sehen, nicht wahr Papa? wir haben doch schon so lange nicht zuscMmen gegessen." Mt zögerte mit der Antwort, es gefiel ihm * nicht recht, daß er wieder an jedem Freitag Abend bei seinen Kindern Gast sein sollte, weit : passender hätte er es gefunden, wenn sie seine Gäste gewesen wären. Aber darüber wollte er «st allein mit dem Sohne sprechen, der anmuti- ^MN^SchwiegeEchter wollte er keinen Korb geben. Sv versprach er denn morgen Abend zum Effen zü kommen. . ’ Als Gotthold am Freitag Abend aus der Synagoge kam, trat ihm fein guter Herr Meier mit herzlichem guten Savvaihwunsch entgegen. „Wie gehts Herr Gotthold, ist der Herr Sohn schon gekommen?" „Guten Sabbath Herr Meier. Meine Kinder .haben uns überrascht, sie sind schon gestern gekommen." „Gestern schon? Ach wie, schade — wenn ich das gewußt hätte" — „Sie hätten meinen Sohn gestern und heute hoch nicht getroffen, er war im Geschäft." . „Und wo könnte ich ihn denn morgen treffen?" ' *8# Hanse, morgen geht er vor Nacht nicht Kontor." . „Wirklich nicht? — das ist schön, das muß sagen — Wenn der Herr Sohn so ist, Idaün kommt die Sache in Ordnung" — 's/- .Es war am folgenden Tage. Malwines Äste Freundin hatte sich verlobt und sie. hatte mit ihrem Manne verabredet gegen Mittag in der gewöhnlichen Besuchszeit, die Gratulationsvifite abzustalten. Als sie ihre Toillette beendet hatte, wollte sie sich in das Zimmer ihres Mannes begeben, um ihn abzuholen, doch als sie in das Borzimmer trat, hörte sie ihn sprechen und gleich darauf vernahm sie auch eine andere ihr unbekannte Stimme, - denn die Türe wäre nicht geschloffen, man konnte im Borzimmer genau verstehen, was drinnen gesprochen ward. Jetzt sprach er, Theodor, aber keineswegs erregt, seine Stimme war im Gegenteil gedämpft, so daß sie nicht verstehen konnte, was er.sagte. Aber nun sprach wieder der andere laut und deutlich. Aber ' was -der Mensch da alles vorbrachte! —. Das mußte sie alles hören. Nahezu eine Stunde saß sie lauschend da, dann entfernte sich der Besucher. Theodor entließ ihn durch eine direkt nach außen führende Tür, er hatte seine seine Frau im Vorzimmer bemerkt und wünschte nicht, daß der Fremde sie dort treffe. „Wollen wir jetzt gehen?" fragte er, indem er mit dem Hute in der Hand zu ihr trat. „Ich bin bereit, schon seit anderthalb Stunden." „Es tut mir leid, daß ich dich habe warten lassen müssen, aber ich konnte dem Manne doch nicht sagen, daß er gehen soll." „Warum nicht? — wer mit dergleichen kommt" — „Du hast gehört, um was es sich handelt?" „Gewiß, er hat doch laut genug gesprochen und ich habe gute Ohren. Dich habe ich freilich nicht immer verstanden, aber er hat doch das Wort geführt." „Allerdings, was ich gesatzt habe, war ohne Belang.". „Sage mir das Eine, warum hast Du den Mann nicht hinausgeworfen?" „Warum hätte ich ihn denn hinauswerfen sollen?" fragte er, indem er ihr den Arm bot und sie nun nebeneinander die Straße entlang schritten, „es ist noch nicht zu spät, wir kommen noch früh genug." „Das weiß ich, aber wenn Einer mit dergleichen kommt." Sie hatte laut und erregt gesprochen, er wandte sich unwillkürlich um, sich zu vergewissern, daß niemand sie gehört haben konnte. ,Saß uns' von etwas anderem sprechen, was du mir darüber zu sagen hast, geschieht besser zu Hause. Mache auch ein weniger unfteundliches Gesicht, man könnte sonst glauben, wir hätten uns gezankt, und; dort kommt eine ganze Gesellschaft auf uns zu, bei der wir vermutlich werden stehen bleiben müssen." Sie blickte lächelnd zu ihm aus und gleich daraus waren sie von einer Anzahl Bekannter umringt, die sie bewillkommten, sich nach ihrem Befinden erkundigten und dergleichen mehr. Dann statteten sie den soaettanten Pflichtbesuch ab- und so war es Zeit yeimzugehen und das Mittagessen einzunehmen. Während dessen hatte keines von ihnen des Besuches vom Vormitag erwähnt. AK Theodor jedoch Nachmittags nach seinem Hute griff, ftagte Malwine: „Wohin gehst du?" Hinüber zu Papa, kommst du mit'?" Sie schüttelte den Kopf. „Jetzt nicht, vielleicht später. Aber — was ich noch sagen wollte — Theo, Du wirst doch die dumme Geschichte nicht erwähnen, mit der der dumme Kerl heute Vormittag Dir gekommen ist?" . „Gewiß werde ich die Angelegenheit erwähne-, die ist sogar der Hauptzweck meines heutige« Besuches." Sie schüttelte mißbilligend den Kops. ),D«S ist überflüssig, entschieden überflüssig. Er doch ausdrücklich gesagt, Papa habe erklärt, wenn Du nicht mit ihm davon ansangen würdest, so würde er sich nie dazu entschließen. Das ist ja sehr schön und sehr gescheit von Ptzpp und darum muß man gar nicht weiter daiAÄr reden, das ist das allerbeste." „Ich begreife Dich nicht, wenn ich nicht davon anfange, so muß Papa doch glauben, es mir nicht recht wäre." — „Nun ja freilich, es könnte Dir doch auch nicht recht sein." „Wer sagt Dir das? „Der gesunde Menschenverstand." , Er schüttelte den Kops. „Dos Glicht dar' gesunde Menschenverstand, der da verKang^ %§ der Vater aus Rücksicht auf den Sohn sein Woche einsam vertrauern soll." „Aber was beabsichtigst Du jetzt zu „Ich werde Papa erklären, daß ich mit einverstanden sein werde, was die ÄnnehmRchMt und Behaglichkeit seines Lebens fordern kÄMe und werde mich bereit erklären über die betreffrrche Dame Erkundigungen einzuziehen und sie eventuell persönlich kennen zu lernen." „Bist Du verrückt?" schrie sie aus. „Nein" versetzte er ruhig „aber ich bin olV schloffen, das zu tun, was ich als meine Pflicht betrachte." . .. / „Du bist ein Narr mit Deinen dummen Phrasen! — Ich sage Dir, dein Papa darf nicht heirathen! — Und ich leid's nicht! ich lejd's nicht!" fügte sie wiederholt mit den Mißen stampfend, hinzu. „Sprich doch keinen solchen Unsinn! — Undwas kümmert's dich denn eigentlich, wenn mein. Vater heiraten würde?" " 5 „Was mich das kümmert? das weißt du nicht? nein, für so dumm hätte ich dich dtzch nicht gehalten. Jetzt sind wir doch PapäH^ einzige Erben, wenn er aber heirathen wüÄe und am~ Ende noch einen Haufen Kinder be- - kommen würde, was käme dann auf uns?" „Malwine!" schrie er auf „nein, daß Dn gemein denkst!" —

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