Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1907)
- Date
- 1907-12-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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cf>e Wart nleraips Tür$t$ Uebersetrung der Emmunot Oledeot des 5aadja 6aon. Bon Dr. L. Dünner, in Rogasen. Wer aus den zeitgenössischen Geschichtsbüchern die Werke Saadjas ben Joseph kennen lernen will, der wird verschiedentlich bei der Erwähnung der „Emmunot Wedeot" die Bemerkung finden, daß dieselben von I. Fürst ins Deutsche übertragen wurde. Welcher Art aber diese Uebersetzung ist, darüber läßt uns der Historiker im Ungewissen. Als ich daher im Laufe des Sommers mit Herrn Oberrabiner Dr. Dünner in Amsterdam dieses Thema besprach, lenkte derselbe meine Aufmerksamkeit auf einen im Jahre 1878 in der holländischen Zeitschrift „Israelitische Letterbode" erschienenen mit — R. Unterzeichneten Aufsatz, der in holländischer Sprache diesen Gegenstand behandelte. In diesem Artikel, der die Ueberschrift trägt: „Einige Blicke in Fürfts Uebersetzung von Saadjas Emmunot Wedeoth," wird an der Hand einiger Beispiele nachgewiesen, daß Fürst den ihm vorgelegenen Text vielfach falsch verstand und auffaßte, und es dürfte daher angebracht sein, den gemäßigten Inhalt jenes Aufsatzes in diesen Blättern einem größeren Teile der Gelehrtenwelt in deutscher Sprache zugänglich zu machen. Bereits seit Jahren, so schreibt — R., fühlte ich infolge fleißiger Vergleichung des Werkes des Fajumischen Philosophen mit der einzigen deutschen Uebersetzung das Bedürfnis, die Sünden und Mißgriffe Fürfts als Uebersetzer dieses Werkes bloß zu legen. Dieses Bedürfnis hatte seinen Ursprung nicht in dem Verlangen, einen allgemein bekannten und als Autor produktiven Universitätslehrer für die unglaubliche Nachlässigkeit und Oberflächlichkeit, für den Leichtsinn und und die Unbescheidenheit zu geißeln, mit der er eine Aufgabe unternahm, der er, wenn auch nicht gerade nicht gewachsen, so doch vollständig unvorbereitet gegenüber stand. Vielmehr erfordert es die historische Gerechtigkeit, daß man die beleidigte Ehre eines Saadja rächt und nicht stillschweigend zusieht, wenn einer der größten Männer unserer jüdischen Literatur durch die falsche Wiedergabe seiner phhilosophischen Lehre fast lächerlich gemacht wird. In einer Rezension von Kaufmanns: „Geschichte der Attributenlehre in der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters von Saadja bis Maimuni," die in der Allgemeinen Zeit, des Judentums vom 4. und 11. Dezember 1877 ausgenommen ist, ist es gerade Saadjas Werk, das der scharfen Feder des Rezensenten als Ausgangspunkt dient, um die Fehler und Jrrtümer Dr. Kaufmanns zu kritisieren. Hierbei aber will er Rezensent sein Urteil über die Unselbständigkeit des Verfassers auf jüdisch-philosophischem Gebiete dadurch beweisen, daß er behauptet, dem Verfaffer hätten die deutschen Ueberfetzungen der betreffenden philosophischen Werke „vortreffliche" Hülfsmittel bieten können. Zweifellos sollte doch wohl zu diesen auch Fürfts Uebersetzung der Emmunot Wedeot gehören. Dadurch aber, daß er diese Uebersetzung als „vortrefflich" kennzeichnet, liegt die Gefahr nahe, daß diejenigen, welche sich ohne genügende Kenntnis der Urquelle mit den jüdischen Philosophen des Mittelalters befassen, leicht glauben können bei Fürst einen Saadja wiederzufinden. Dies ist aber bei weitem nicht der Fall. Wir halten es daher für unsere Pflicht, in diesen Blättern der historischen Forderung zur Ehrenrettung Saadjas Genüge zu leisten und wollen im Folgenden aus einzelnen der 9 ersten Bücher, denn nur diese wurden von Fürst übersetzt, eine geringe Anzahl von Beispielen bringen, die unser mißbilligendes Urteil über Fürfts Arbeit rechtfertigen werden. I. Buch, Kap. 4. wy -iru* njnm bis nrK mjnn 'Sd kW Fürst übersetzt: „Die elfte Ansicht ist die der trügerischen Philosophen (Platonisten). Diese betrachten alle Wesen als ewig und geschaffen zugleich, weil die Wahrhaftigkeit der Dinge nur in dem Nachgebildetsein derselben nach den vorbildlichen Ideen liegt!" Nach Fürfts Ansicht meint also Saadja hier den Platonismus, den er mit folgenden scharfen Worten kritisiert: „Diese Philosophen sind noch törichter als alle vorher genannten." D'^SD inv Dm nsr cnpty no). Wer jedoch den Standpunkt Saadjas als Philosoph kennt, muß es unbegreiflich finden, daß Saadja den idealen Platonismus zu den elf von ihm bekämpften philosophischen Grundsätzen rechnet und ihn unter diesen noch auf die niedrigste Stufe füllt. Schon dieser Umstand hätte Fürst veranlaffen müssen, sich den Text genauer auzusehen. Uebersetzen wir daher die soeben zitirte Stelle wörtlich, so erkalten wir folgendes Resultat: „Die elfte Tyeorie ist die der streitsüchtigen Männer. Diese betrachten die Erscheinungen in der Welt der Dinge zugleich als ewig und geschaffen, weil die Wahrheit bei ihnen nur subjektiven Wert hat." Wer waren nun diese Männer? Zu welcher philosophischen Schule gehörten sie? Derjenige, welcher die Geschichte der griechischen Philosophie nur einigermaßen kennt, weiß, daß die Lehre der Sophisten den Grundsatz führt: eine objektive Wahrheit giebt es nicht. Bon diesem philosophischen Standpunkte aus kann man mit Recht behaupten, daß die Erscheinungen in der Welt der Dinge zugleich ewig und geschaffen sind. Und gerade die Sophistik war es, gegen die Sokrates und seine Schüler, und unter diesen besonders Plato, mit Entrüstung zu Felde zogen. Aber trotzdem hinderte diese historische Tatsache J einen Fürst keineswegs, den? Platonismus mit der Sophistik zu verwechseln.'^ II. Buch, Kap. 9.7VO myJ-iDVO "Dl D’tptfi. Fürst übersetzt: „Ferner wird gefragt: wie können wir juns denken, daß Gott an allen Orten sich findet, da doch der Raum erst durch ihn geworden^und vor dem Sein des Raumes dagewesen. Denn wenn die Räume zwischen seinen Teilen ^unterscheiden könnten, so könnte er ja den Raum nicht geschaffen ^habenda abeh Gottf ebenso nach dem Erschaffen der Körper, wie vorher ohne alle Veränderlichkeit, Teilbarkeit, ohne daß er irgendwo nicht ist, oder irgendwo zu sein aufgehört — wie die Schrift sagt (Jer. 23, 24): Wenn sich jemand verbürge im Verborgensten, würde ich ihn etwa nicht sehen, ist der Spruch Gottes? Erfülle ich nicht den Himmel und die Erde? - so ist die Rede von seinem Sein an allen Orten nicht zu begreifen. Diesen Einwand will ich nun durch Folgendes lösen" etc. Fürst hat hier augenscheinlich nicht einen einzigen Satz richtig verstanden. Nach feiner Uebersetzung endigt die Frage, die mit den Worten: . . 7'iO my *10*1*0 beginnt, erst bei der Stelle: *>28 nto, wogegen die Antwort hierauf erst in den darauffolgenden Worten zu finden sein soll. Die folgende Uebersetzung dieses Stückes wird jedoch beweisen, wie schwer Fürst hier gesündigt hat. „Ferner: Wie können wir uns die Allgegenwart: Gottes erklären, in welchem Begriff doch enthalten ist, daß es nichts in der Welt gibt, wo Er nicht ist? Vor der Schöpfung war er allein gegenwärtig. Wenn wir nun annehmen würden, daß infolge der Schöpfung der Raum in Seine Telle eingedrungen wäre, dann würde ja der Begriff, den wir mit dem Schöpfer verbinden, zu Nichte werden. Dasselbe würde der Fall sein, wenn man sagen wollte, daß der Körper Ihn von der Stelle, die Er früher eingenommen, ganz oder tei weise verdrängt hätte. Daraus folgt natürlich, daß das Wesen Gottes nach der Schöpfung dasselbe blieb, wie vorher, nämlich ohne Veränderung, ohne Teilung, ohne Einschränkung und ohne Verminderung, was ja auch in der heiligen Schrift ausdrücklich gesagt istetc." Wenn wir nun auch von dem inneren Werte dieser Begründung ganz absehen wollen, so hat doch jedenfalls Saadja hier eine genügende Erklärung gegeben für die rätselhafte Idee von der Aügegenwärtigkeit Gottes. Wie kommt es nun, daß Fürst Saadjas Lösung des Rätsels für das Rätsel selbst hält? Weil er den Verfaffer nicht verstanden hat- und in der Tat laffen die Worte Saadjas, die unmittelbar auf unsere Textstclle folgen, leicht eine falsche Auffassung zu. In lem nun folgenden Abschnitte sucht nämlich Saadja das vorher behandelte Prob lem dem nicht philosophisch Gebildeten auf