Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1907)
- Date
- 1907-12-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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»er Israelit. 27. DeremVe 1907. verfehlen werde, erachte ich eS als heilige Pflicht, die destruktiven Anschauungen, welche Herr Ben Jehuda fortgesetzt in Wort und Schrift in der hiesigen Gesellschaft verbreitet, noch einmal vor das Forum der breiten Oeffentlichkeit zu bringen. So schreibt Herr Ben Jehuda, Haschkafa Nr. 12, indem er die Haager Friedenskonferenz bespricht: Hrnen n'22 bm o^nn. „Der Traum des Propheten Israels". Gemeint ist tfQin nw> wie leicht zu erraten ist. (Jes. e. 2.) Die Phrase hat Ben Jehuda Dt. 13, 2 entlehnt: irr KTU □^n obp- „Ein Prophet oder einer, der Träume hat." Während aber die heilige Schrift einen Schwärmer Dlbn üHin nennt, wendet Ben Jehuda dieselbe 'Redewendung auf Jesajas an. War denn aber Jesajas ein Träumer? Ein Schwärmer? Dieses frivole Wort auszusprechen, hat sich meines Wissens noch kern I e h u d i, auch der „freisinnigste" nicht, geleistet, rrjnjn ein Träumer? Was aber noch weiter an der Sache gerügt werden mutz, ist, datz, worauf es Herrn Ben Jehuda hauptsächlich ankommt, damit dem jungen unreifen Leserkreis der Haschkafa gesagt werden soll: Glaubt nicht, daß Jesajas ein Prophet war / nein, ein Träumer war er! Vor 14 Tagen hielt Ben Jehuda einen zweiten Vortrag über den schon jüngst erwähnten Gegenstand: Die Kabala. So lautete das Thema in der Ankündigung. In Wirklichkeit hat sich der Vortrag ausschließlich auf das rupn idd beschränkt, aus dem einige Stellen zitiert wurden. Nach jedem Zitat folgte der Refrain: pjttW nöN2! Alles, was heilig ist, möchte Ben Jehuda schonungslos in Fetzen zerreißen, die Ueberreste „verrückter schwärmerischer Schriften" (!) sind ihm gut genug, daraus eine Sprache zu zimmern. Sein erster Vortrag hat Ben Jehuda einen scharfen, mehrstimmigen Protest eingebracht. Er konnte sich daher keinen Augenblick der Täuschung hingeben, daß, wenn er in derselben Weise fortfahre, sein zweiter Vortrag einen Sturm entfesseln werde. Allein Herr Ben Jehuda glaubt, daß der ein JTD2, ein Heuchler sei, der nicht so spricht, wie er denkt. Ein Heuchler ist aber nur derjenige, dessen Handlungsweise seiner Denkweise widerspricht. Wer dagegen seinen Nächsten schont, wer Gebärden und Redensarten vermeidet, Handlungen und Aeußerungen unterläßt, die geeignet sind, den Nächsten zu kränken, oder gar ihn in seinen heiligsten religiösen Gefühlen zu verletzen / der ist durchaus kein Heuchler, sondern ein wohlgebildeter Mensch, der die gute Sitte zu wahren weiß. Und das ist man doch zumindest zu fordern berechtigt. Herr Ben Jehuda beansprucht für sich Toleranz, wo ist aber die Toleranz, die er anderen Leuten gegenüber übt? Allein Ben Jehuda spricht allem Hohn, was ihm hinderlich in den Weg tritt. Sein Weg ist am besten gezeichnet durch die offen geäußerten Worte: min pn iptato ’teovfc« -»tat „Kein Gott, kein Gebieter, sondern Freiheit!" Schon vor Jahren schrieb mir einer unserer Gelehrten: „Ich kenne Ben Jehuda. Vielleicht aber )b wm 2V1." Diese Hoffnung ist nun vollends geschwunden. Darob können wir ihn nur bemitleiden. Auch darüber könnte man sich füglich hinwegsetzen, daß er so wenig die von jedem Kulturmenschen zu fordernde humane Rücksicht auf anderer Gefühle nimmt. Nimmermehr aber kann es geduldet werden, daß die von ihm gepredigte Apostasie zur Herrschaft in der heiligen Stadt gelangt. Herr I. Carlebach hat jüngst in einem seiner Aufsätze Ben Jehuda mit Herzl verglichen. Stimmt dieser Vergleich? Ich glaube: nein! Denn Herzl ist im^Gymnafium erzogen worden, Ben Jehuda aber im Cheder; Herzl hat die Universität besucht, Ben Jehuda aber diese und jene rtt'W; Herzl ist in Wien und Paris ausgewachsen, Ben Jehuda in Rußland und Jerusalem, wo er, nebenbei bemerkt, vor zwanzig Jahren noch den ganzen Tag in den Talit gehüllt ging, aus welchem Frau Chemda sich neulich erst ein Jäckchen fabriziert hat/ Herzl hat ferner die Devise ausgegeben: Zurück zum Judentume! Die des Ben Jehuda lautet: Fort mit dem Plunder! Fort mit dem Judentum! Nichts als Schwärmerei und Träumerei! Dieses offensive Auftreten des Herrn Ben Jehuda ist noch sehr jungen Datums. Und das hat wohl seinen liefern Grund. — Darin sollte er aber das Göttliche in der Thora erkennen/ denn auch von ihm gilt das göttliche Wort: pmiv \ntr ]&&''i (Dt. 32,15). Ich möchte zum Schluffe Herrn Ben Jehuda "^^^""cklichst empfehlen, den Leitartikel der Nr. 43 mit Aufmerksamkeit zu lesen, richtet sich gegen die von einigen Pariser Herren beabsichtigten Reformen. Der Schreiber meint mit Recht, daß sie unbedingt zur Assimilation hinüberleiten würden. Ich frage nun Herrn Ben Jehuda, wenn wir das Judentum verabschieden sollen, was er so sehnlich herbeiwünscht, was wird uns, nämlich seine Judenheit, dann noch vor Assimilation bewahren? Welche Scheidewand bestünde dann noch zwischen Juden und Nichtjuden? Was würde unsere Nachkommen hindern, Mischehen einzugehen? Die Sprache etwa, oder die Nationalität? Wenn das ein Hindernis wäre, dann könnte z. B. zwischen Germanen und Franzosen nie eine Ehe Vorkommen. Ist dem aber so? Nein. Ist es nun Herrn Ben Jehuda ernstlich um die Nation zu tun, dann soll er des bösen Spiels genug sein lassen. Dr. Grünhut. „Welt" Derselbe Aus dem heiligen Lande, 9. Dez. Die Unruhen, verursacht durch die Chacham Bashi- Wahl, sind endlich beigelegt. Die bisherige erbitterte Opposition hat sich bereit erklärt, den Oberrabbiner Elias M. Panigel als Rischon-le- Zion und Chacham-Bashi anzuerkennen. Am Chanukas-Hamisbeach herrschte hier allgemeine Freude, als Rabbiner Jacob Zadok Matalon, der greise und einflußreiche Ab-Bet-Dm, der bisher die Hauptstütze der Gegenpartei bildete, dem Chacham-Bashi schrieb, er bereue die Schritte, die er bisher gegen die Autorität dis R. Panigel getan, und hege den Wunsch, daß von nun an aller Streit und Hader aufhöre. Er bedaure die unschönen Vorgänge der letzten 12 Monate, umsomehr, als sie den Jerusalemer Armen, deren es leider so viele Tausende gibt, unbeschreiblich geschadet haben, da unsere ob der Wirren verdrossenen Glaubensbrüder in Europa die Armenunterstützung beträchlich verminderten. Möge der hergestellte Frieden ein dauernder sein und Jerusalem zum Segen gereichen. vennkcdtez. Frankfurt a. M., 22.' Dezember. Die Firma Gebr. St o l l w e r ck hatte in einem von uns iüngst mitgeteilten Schreiben an einen jüdischen Stellensuchenden deiie \ ' ewerbung mir dem Ansagen abgclehnt, datz sie jüdische Reisende prinzipiell nicht beschäftigte. ^uf unsere Bemerkungen zudiesemBerhalten sendet uns die Firma die Abschrift folgenden Briefes, den sie in gleicher Angelegenheit an den „Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gerichtet hat: „Antwortlich Ihrer geehrten Zuschrift vom 6. er. ist unser Schreiben vom 15. pass, an Ihr Mitglied auf einen Jrrrum des betreffenden Korrespondenten zurückzusühren und können wir Ihnen bestätigen, daß b i un e er Firma owohl Mann iche wie W. ibliche israelitischen Glaubens beschäftigt sind. Es ist überhaupt bei dem internationalen Charakter unseres Geschäftes naheliegend, daß weder Religion noch Politik in der Wahl von Mitarbeitern wie Lieferanten von Einfluß ist, was selbstverständlich auch bei Fragen Wohltätigkeit betreffend, der Fall ist. Wir bedauern den stattgehabten Irrtum und zeichnen Hochachtungsvoll Gebrüder Stollwerck A.-G. gez.: Ludwig Stollwerck." Es ist ausfallend, daß ein Korrespondent einen solchen Irrtum begehen konnte, zun at doch wohl die Leiter der Firma selbst die ans aufenden Korrespondenzen unterzeichnen. Emden, 21. Dezember. Der vor einigen Wochen verstorbene Rentner A. Zamorg in Berlin vermachte dem hier im Bau befindlichen jüdischen Waisenhause testamentarisch 10,000 Mk. Die Auszahlung der Summe erfolgt nach dem Ableben der betagten Gattin des Erblassers. Aus Bayern, 18. Dez. Di? Unterrichtsstatistik für das Königreich Bayern pro 1905/06 wurde veröffentlicht. Bezüglich der jüdischen Werktags Volksschulenist von Interesse, daß deren 87 oder 1,2 Proz. vorhanden sind. Die Zahl der jüdischen Schüler in Stadt und Land zusammen beträgt 4509 oder 0,47 Proz. der Gesamtzahl. Vorreden verwendeten Lehrkräften gehören 182 oder 0,62 Proz. der israelitischen Konfesiion an. Aue^Bayern. Die vor kurzem für alle Strafanstalten des Königreichs Bayern in Kraft getretene neue Hausordnung enthält u. a. (Justizministerialblatt, S. 326 und 327» folgende -Vorschriften : Keinem Gefangenen soll derz Zuspruch eines Geistlichen' seines Bekenntnisses»versagr werden. Den Israelitischen Gefangenen ist die Feier des Sabbaths urid der 13 bohen Festtage, ferner die Feier des Fasttages „Zerstörung Jeru alems" gestattet. Sie sollen an diesen Tagen in einem besonderen Raume, womöglich unter einem Rabbiner oder Religionslehrer zum Gebete versammelt werden. Sie dürfen auch die Schau'äden und Denkriemcn anlegen. Für ihren Religionsunterricht wird nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse gesorgt. Karlsruhe, 19. Dezember. Die Großherzogin- Mutter empfing am Dienstag Abend im Schlosse zu Karlsruhe den bekannten Newyorker Millionär Nathan Strauß, der aus ihren Wunsch von Heidelberg, wo er gegenwärtig vorübergehend seinen Wohnsitz hat, dorthin gekommen war, um ihr über seine amerikanischen Schöpfungen zu berichten. Die Großherzogin-Mutter zeigte großes Interesse für die segensreichen Bestrebungen des Amerikaners, und Straus, der zu den Freunden Morgans und Rockefelters zählt, erklärte sich bereit, in der Stadt Karlsruhe auf eigene Kosten ein Pasteurisierungs-Institut zu errichten, wie er es iir Newyorkünd anderen amerikanischen Städten, zuletzt in kleinerem Stil in Heidelberg, geschaffen hat. Groß-Moyeure (Els.-Lothr.), 15. Dezember. Die hiesige jüdische Gemeinde ist im begriff, einen Friedh o f zu errichten. Bis jetzt existierte weder im Or^ selbst noch in nächster Umgebung eine Beerdigungs stätte für Juden. Vor 20 Jahren durch eine ei' zige Familie vertreten, wuchs die Zahl der hier ansässig gewordenen Israeliten, besonders in den 10 letzten Jahren, auf ca. 35 Personen. Paris, 20. Dezember. Die verstorbene Baronin Rothschild hat jüdischen Wohlfahrtsinstituten in Paris bedeutende Stiftungen hinterlassen, und zwar zwei Millionen Franks für jüdische Unterstützungskomitees, eine Million Franks für jüdische Heimstätten und Gartenbauschulen, 500,000 Franks für das Rothschild spital und 100,000 Franks für Handwerkerschulen. Qeretoswmn. Frankfurt a. M., 23. Dezember. Der „I ü d i s ch c Frauenverein" E. V. Frankfurt a. M., der es in den wenigen Wochen seines Bestehens schon zu der stattlichen Zahl von 400 Mitgliedern gebracht hat, ervsfnete dieser Tage seine Abteilung für Stellenvermittlung. Die Vermittlung erfolgt für beide Teile völlig unentgeltlich. In Betracht kommen aile für Frauen geeigneten Stellen wie: Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Hausgehilfinnen, gewerbliche Arbeiterinnen usw. Gemäß seinem prinzipiellen Standpunkt vermittelt der „Jüdische Frauenverein", Frankfurt a. M. nur solche Stellen, die bezüglich des Sabbats und, wo Pension gewährt wird, bezüglich des Haushaltes den Anforderungen des Mischen Religionsgesetzes entsprechen. Doch ist es hinsichtlich des letzteren Punktes Sache der Bewerberinnen, sich über die Verhältnisse in jedem einzelnen Fälle genau zu vergewissern. ferronallrit. ~ Presiburg, 19. Dezbr. Unsere Gemeinde hat einen großen B.rlust erlitten. Herr Moritz Fuchs, der in. zwei Jahren v n Szered b erhcr übergefiedelt war, if. uns durch den Tod entrissen worden. In weitesten Kreisen wird der Heimgang öiests Gerechten tief beklagt werden. Denn er war weithin bekannt ob seines rdlen Herzens, ob der Wohttätigkeit, die er in reichem Maße geübt Hot. Groß ist die Zahl der Armen die in ihm eine Stütze halten und die Gastfreundlichkeit seines allen offenen Hauses genossen. An seiner Bahre hielt Rabbiner S. Donath einen tief empfundenen Nachruf. Ferner sprachen unser Oberrabbiner A. Schreiber und Oberrabbiner PscherHofer aus Szered, der schilderte) was der Verstorbene der dortigen Gemeinde gewesen, war. 6n3bkängiger Verein isr. Dslirer im Großherzogtum Hessen. Einladung: Die diesjährige Heneratverfammtung findet Sonntag, den 29. Dezember, vorm. IO1/* Uhr, in Frankfurt a. M., Schützenstraße 12 iHörsaal der Isr. Religionsgesellschaft), statt. Tages-Ordnung: 1. Bericht des*Borstandes. 2. Rechnungsab age. 3. „Der MeUgions Unterricht) im 'ersten Schuljahre." Referent: Herr Kaufmann-Schotten. 4. Neuer cheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Schulliteratur. Res.: Hr. Ehrmann-Friedberg. 5. Anträge. 6. Mitteilungen. I « Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird dringend gebeten. Gemeinsames Mittageffen und Fortsetzung der Beratungen nach demselben ist vo gesehen Gäste find willkommen. Infolge einiger Subventionen steht den Konferenzbesuchern eins Zuschuß zu den Jahresbei rügen in Aussicht. Der Worstaud. ^_J.A.: I. Leber mann, Schriftführer.