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Der Israelit · 1907-12-27 · Heft 52 (27.12.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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*t 5» Seite 8. Der JSraelit. 27. Dezember 1907 der neologe Landespräsident zu einer Erklärung aufgerafft, in der er auch das orthodoxe Landespräsidium wegen der Verhinderung des Judentages mit gewohnter Rabulistik zur Verantwortung zieht. Landespräsident Frankl war von diesen Lamentationen auch sehr gerührt und gab dem Redakteur eines ungarischen Abendblattes auf Befragen folgende Aufklärung: Tatsache ist, daß die Neologen den Judentag wollen, ob amtlich oder nichtamtlich ist einerlei. Einer ihrer Großen hat auch mich in dieser Sache aufgesucht. Ich erklärte, es sei nichts zu machen. Damit haben sich die Herren aber nicht zufrieden gegeben und wandten sich über unseren Kopf hinweg an die orthodoxen Gemeinden, mit der noblen Aufforderung, sich mit Abscheu von der amtlichen Clique abzuwenden, nämlich von uns. Wir richteten hierauf ein Zirkular an die orthodoxen Gemeinden. Wir müssen unsere gesetzestreuen Juden vor dem neologen Einfluß schützen. Wir fürchten nicht, daß beim Judentag sich Herausstellen könnte, es bestehe zwischen uns und den Neologen kein Unterschied. Wenn event. auch 200 Handlanger der Neologie, die zufällig in orthodoxen Gemeinden wohnen, an der Versammlung teilnehmen und proklamieren, daß zwischen uns kein religiöser und konfessioneller Unterschied sei, so würde das gar nichts bedeuten. Diese würdevolle Aeußerung des orthodoxen Landespräsidenten hat allenthalben den besten Eindruck hervorgerufen. Den dekadenten neologen Machthabern möchten wir empfehlen, ihr Schicksal mit Würdezu ertragen und eingedenk zu sein der alten Mahnung: Noblesse oblige! Beregsas, 20. Dezbr. Unsere Gemeinde Mt etwa 1000 jüdische Familien, die Filialen sinzugerechnet, mehr als 3000. Sie ist konstituiert auf der Basis der orthodoxen Organisation und das Gros der Mitglieder, etwa 97 Prozent, besteht aus gesetzestreuen Juden, ja man kann sagen aus O'v?V1 B'Ki' O’TDn. Zu unserer Schande sei's aber gesagt, daß der Kultuspräsident alles eher als ein orthodoxer Jude ist. Richtig hat der gute Mann auch in einem unbeobachteten Moment den kühnen Entschluß gefaßt, an den Redakteur des Neologenblattes eine offizielle Verständigung ergehen zu laffen, daß er bereit sei, an dem „Judentage" teilzunehmen. Und es fanden sich in unserer Großaemeinde auch 44 Leute, die den heroisch veranlagten Mann hierzu autorisierten und sogar die Erklärung abgaben, daß auch sie selbst zum „Judentag" — dessen Aussichten übrigens in der jüngsten Zeit sich stark verdunkelten — pilgern würden. Und darob großer Jubel im Lager der Neologen. Eine orthodoxe Gemeinde.' Ein orthodoxer Kultuspräsident! 44 orthodoxe Juden! Alle fassen begeistert den Entschluß, am Judentag teilzunehmen! Und der famose orthodoxe Kultuspräsident findet keine Pflichtwidrigkeit darin, daß er den Coup ohne Wissen des Vorstandes und der Repräsentanz verübte. Er ist von dem Amt, das er verraten, nicht zurückgetreten. Er wird aber seinem Schicksale nicht entgehen. Gerade in unserer Gemeinde ist es einmal vorgekommen, daß sich akademisch gebildete Männer, entschiedene Gegner unserer Orthodoxie, dank ihrem finanziellen und gesellschaftlichen Einfluß und der Indolenz unserer Chassidim sich in die leitenden Ehrenstellen hinein geschlichen, förmlich hineingeschlichen hatten. Die Kultusregierung, d. h. das konfessionelle Schiedsgericht mußte gegen dieses Attentat angerufen werden. Und die Herren halten soviel Takt und Selbstbewußtsein, daß sie sich nur mittelst Bracchialgewalt aus denr Sattel heben und auf ihre Privatstühle herabsetzen ließen. Budapest, 20. Dezbr. Tie.Statuten für das Pensionsinstitut der orthodoxen Kultusbeamten wurden * sowohl von der Kultusregierung als auch vom Minister des Innern miU der Genehmigungsklausel versehen. Mehr als anderthalb Jahre hat sich die neologe Landeskanzlei bemüht, diese Sanktion einer wichtigen spezifisch orthodoxen Stiftung zu verhindern. Der allgewaltige Dr. Franz Mesey hat in seiner gehässigen Art in dieser Sache ein Referat bei der Regierierung eingereicht, in dem er Krokoditstränen darüber vergießt, daß die Gründung des orthodoxen Institutes geeignet sei die Bereinigung des ungarischen Judentums ack calendas graecas hinausz usch ieben. Der Minister des Innern billigte aber den Standpunkt der Kultusregierung, daß die als autonome Konfession organisierte Orthodoxie berechtigt sei, auch ihre Wohlfahrtsinstitute auf separirter orthodoxer Grundlage zu errichten und zu erhalten. — Da die neologe Leitung auf die Billigung ihres Standpunktes seitens der Negierung mit traditioneller Bestimmtheit rechnete, hat sie auch die Genehmigung der Satzungen eines alle Kultusangestellten Ungarns zulassenden Vereines — dem übrigens kein orthodoxer Kultusbeamter beigetreten ist — zu verhindern verstanden, um so ihre eigene Unparteilichkeit zu demonstrieren. Im Kultusministerium herrscht aber derzeit ein anderer Geist. Die „unparteiischen" Referate des „unparteiischen Fachmannes", der viele Jahre hindurch in der neologen Hexenküche sein Unwesen trieb und dafür von der Kultusregierung auch bezahlt wurde, haben viel von ihrem Nimbus verloren. Die Gutachten der Neologenkanzlei, die sich blos anf die Zerstörung neologer Interessen erstrecken, werden vom .Kultusminister gutgeheißen. Für die Beurteilung orthodoxer Angelegenheiten wird aber heute ein ganz anderer Maßstab angelegt. Budapest, 10. Dez. Dr. „S. Friedländer, der bekannte Herausgeber des „Jeruschalmi Kodaschim" wurde aufgefordet vor dem Rabbiner- Komitee der orthodoxen Zentralkommission zu erscheinen, um sich gegenüber den in maßgebenden Fachkreisen aufgetauchten Zweifeln zu rechtfertigen. Friedländer ist nicht erschienen. Man wartete einige Tage, ob er sich brieflich entschuldigen oder schriftliche Aufklärungen über die Authenticität des Jeruschalmi zur Verfügung stellen werde. Aber auch dies ist unterblieben. Nun bildet diese Angelegenheit den Gegenstand schriftlicher Beratungen der Rabbiner, und in kurzer Zeit dürfte in dieser vom Standpunkte der Tradition hochwichtigen Angelegenheit eine autoritative Entscheidung erfolgen. Die Affäre ist nun jedenfalls in ein Stadium getreten, wo nichts mehr wird vertuscht werden können. Die interessierten Fachkreise werden gut tun, sich kurze Zeit noch zu gedulden. Sollte es sich Herausstellen, daß man es tatsächlich mit dem Frevel einer unerhörten Fälschung zu tun habe, so wird man keinen Anstand nehmen min pn 'S by strengstens vorzugehen. KoUand. Das holländijdie Rabbiner-Seminar. Amsterdam, im Dezember. (Von unserem Korrespondenten.) II. Infolge der Reorganisation des Rabbinerseminars, von der wir das jüngste Mal gesprochen haben, gestaltete sich nach einigen kleineren Aenderungen das Studium und die Klasseneinteilung schließlich folgendermaßen: Das Seminar besteht aus zwei Abteilungen, einer Rabbiner- und einer Lehrerabteilung, und erstere wiederum aus einer höheren und einer niederen. Der Uebergang zwischen den beiden Rabbinerkursen ist die Abiturientenprüfung. Dieses Examen wird gewöhnlich bei einer Staatskommission abgelegt, die durchgängig in Utrecht, dem Zentrum des Landes, ihre Sitzungen abhält, um Leute aus dem ganzen Lände zu Prüfen, die die Universität besuchen und dort Examina ablegen wollen, ohne vorher eine der dazu bestimmten Anstalten absolviert zu haben. Bis zu der Abiturientenprüfung pflegen die Seminaristen also auch gymnasiale Studien: Lateinisch, Griechisch usw., in welchen Fächern das Seminar selbst den vollständigen Unterricht gibt. Vom 12. Lebensjahre an ist ihre Ausbildung schon ganz der Leitung des Seminars anvertraut. Die Schüler können das Seminar sogar schon zwei Jahre früher besuchen, da es eine „vorbereitende Klaffe" hat, um die Knaben für das eigentliche Seminar reif zu machen. Gewöhnlich wird im Alter von 19 bis 21 Jahren das Abiturientenexamen abgelegt,' dann wird der junge Mann Student und geht in die höhere Abteilung über. Ich habe Gelegenheit gehabt, den humanistischen Unterricht des Seminars mit dem einiger Gymnasien zu vergleichen, und ich habe gesehen, daß ersterer viel besser istwie denn auch der Präses obengenannter Staatskommission gewöhnlich die jüdischen Seminaristen an den besten Ziffern erkennt. Die Lehrerabteilung steht mit der Rabbinerabteilung, obwohl einige Fächer, wie ■y'an mit □'UnSD und mit ''"ttn für beide zusammen unterrichtet werden, nur in losem Zusammenhang. Das Examen, mit dem der Schüler der Lehrerabteilung den Besuch derselben abschließt, enthebt ihn von der Prüfung in nicht-jüdischen Lehrgegenständen, wenn er bei der, wie schon gesagt, vom Seminar unabhängigen jüdischen Prüfungskommission sein Lehrerexamen machen will. Er kann dann noch an einigen Stunden der höheren Abteilung, in denen D"tP und □'pDIS unterrichtet werden, teilnehmen, wenn er will. Die untere Rabbiner-Abteilung hat 3 Klassen mit folgendem Lehrgang: I. K l a f s e. Jüdische Facher: I. Hebräisch. a) Exegese eines nicht zu schweren Buches der ü’OinD oder tTynriK b) Uebersetzen der min und der D^ltf• c) Hebr. Grammatik (wofür eben die kleine Gesenius Grammatik benutzt wird). u. minn by nsn III. rriOl aus zwei verschiedenen ninBDD- IV. Ritualien: Ltücke aus antt nn oder deral. V. Jüdische Geschichte. Profane Fächer: I. Holländische Sprache: s) Schriftsteller: ausgewählte Stücke (Chrestomath ie) d) Grammatik, c) Aufsätze. II. Latei isch. a) Grammatik (noch keine Syntax). b) Schriftsteller: Caesar (erst im 2. Jahr). c) Themata. III. Geschichte. a) Niederländische Geschichte. b) Weltgeschichte, Neuere und Altertum. IV. Geographie. a) Niederländische Geographie. b) Allgemeine Geographie. V. Deutsch: Grammatik und Literatur (Schulbücher). VI. Mathematik: Rechnen und Algebra. VII. Phystk. VIII. Theorie der Musik. Ich habe natürlich die verschiedenen Pensen nur in groben Zügen angegeben; die Ausführung weiterer Details ist nicht wichtig genug. Hauptfächer sind in dieser Klasse mo:i und Lateinisch. Der Schüler bleibt in der Klaffe 2 Jahre. Dann gehen diejenigen, die für das Rabbinerftudium Lust und Begabung bekundet haben, in die zweite Rabbinerklasse, die anderen zur Lehrerabteilung über. II. Klasse. Jüdische Fächer. I. Hebräisch. a) Exegese eines schwierigeren Buches des □'Qini> oder O^iinrr dtcmb) Hebräische Aufsätze. c) -pn mit □^-iDD(p//m, und *ory p« ) ii mai. a) Mit b) Mit und niDDin - III. Jüdische Geschichte. Profane Fächer. I. Holländische Sprache. a) Schriftsteller: Holländische Klassiker (Bondel, Hooft, Huygens usw.) b) Aufsätze. II. Lateinisch. a) Grammatik, b) Sch iftsteller: 1. Prosa: Cicero, später auch Livius- 2. Poeste: Ovid, später auch Birgil. c) Themata. III. Griechisch. a) Grammatik. b) Themata. c) Schriftsteller: Xenophon (erst im 2. Jahrhundert). IV. Weltgeschichte. V. Deutsch.

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