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Der Israelit · 1907-12-27 · Heft 52 (27.12.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 53. 27. Dezember 1907._ wenn er von der jüdischen Jugend nicht als Aufmunterung zum Abfall aufgefaßt werden soll. Wenn der Rabbiner Warschauer in der Taufe kein Verkehrshindernis mehr erblickt, und sie derart sanktioniert, wie er getan, dann allerdings liegt keine Veranlassung in Zukunft mehr vor, junge Leute von der Taufe zurückzuhalten. Dann hat sie ein ehrenhaftes Gepräge erhalten und sich ein Sittlichkeitsrecht erworben. Allerdings ein solches nur, wie es Warschauer vertritt. Hoffentlich gibt es in der jüdischen Gemeinde in Berlin noch Leute genug, welche andere Moralbegriffe haben. Der liberal-konservative Block hat hier eine wichtige Gelegenheit, zu beweisen, ob er die Erhaltung oder die Auflösung des Judentums, selbst wie er es versteht, anstrebt. Der Fall Warschauer geht die ganze jüdische Gemeinde Berlin an, nicht nur den Vorstand und die Repräsentanten. Die ganze jüdische Oeffentlichkeit, einschließlich der jüdischen Presse, ist dabei interessiert. Hamburg, 18. Dezember. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch- Israelitischen Gemeinde hielt eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn I. Alexander ab, in der als erster Punkt der Tagesordnung der Bericht der gemischten Kommission, betreffend Subvention der Talmud-Thöra-Realschule verhandelt wurde. Herr Dr. H. Samson bemerkte alls Berichterstatter, daß es nach längeren Unterhandlungen durch gegenseitiges Entgegenkommen gelungen fei, einen Modus zu finden,p urch welchen dem Repräsentanten-Collegium bei den Wahlen zum Schulvorstand ein größerer' Einfluß wie bisher eingeräumt werde. Unter diesen Umständen werde wohl das Kollegium seinen ablehnendeil Standpunkt betreffs Erhöhung der Subvention aufgeben und einem diesbezüglichen Antrag des Gemeindevorstandes zustimmen. Die Versammlung erklärte sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und nahm einen dringlichen Antrag des Gemeindevorstandes an, wonach die jährliche Subention für die Schule um 10,000 Mark ergötzt wird. Bei der Annahme dieses Antrages wurde von verschiedenen Rednern der Wunsch geäußert, daß der Schulvorstand die erhöhte Subventivlr zur Aufbesserung der Lehrergehälter benutzen möge. - Die Versammlung trat dann in die Beratung des Gemeindebudgets für das Jahr 1908. Unter den Ausgaben figuriert in erster Linie das Armenwesen mit einem Betrag von 35,000 Mark, während für die Beihülfe zur Unerhaltung der Schulen 60,400 Mark vorgesehen sind. Ferner erhalten noch eine ganze Reihe von gemeinnützigen und Wohltätigkeitsanstalten Subventionen. Der Ausgabeetat der Gemeinde beziffert sich auf 192,150 Mark und wurde vom Repräsentantenkollegium nach eingehender General- und Spezialdiskussion genehmigt. Es wurde edoch ein Antrag angenommen, wonach der Geueindevorstand ersucht wird, in Zukunft das Budget früher vorzulegen, damit die Gemeindevertreter nicht genötigt sind, die Budgetberatung in einer einzigen Sitzung vorzunehmen. Bezüglich des Voranschlages für das Jahr 1908, welcher mit einem Fehlbetrag von fast 31,000 Mark schließt, wurde betont, daß nach den Erfahrungen früherer Jahre durch erhöhte Einnahmen das Defizit fast immer beseitigt wurde, welches wohl auch diesmal der Fall sein werde. Auf Antrag des Herrn H. Bachrach wurde eine fünfgliedrige Kommission eingesetzt, um etwaige Mittel zu finden zur Hebung der Gemeindefinanzen. Cöln, 26. November. Man schreibt uns: An hiesigem Platze besteht seit dem Jahre 1869 ein Israelitisches Krankenhaus unter dem Namen „Israelitisches Asyl für Kranke und Altersschwache". Das Haus zur Aufnahme dieser Anstalt wurde von den Gebrüdern Eltzbacher dahier, zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern geschenkt mit der Bedingung, daß sich in dem zu bildenden Kuratorium ein Mitglied oer genannten Familie befinde, der auch gleichzeitig Vorsitzender desselben sein sollte. Diese Bedingung wurde Der Israelit._ auch bisher erfüllt. — Die zum Betrieb der Anstalt erforderlichen Mittel wurden aber von Privaten, nicht allein aus der Israelitischen Gemeinde Cöln, sondern aus den meisten Gemeinden des Rheinlands durch jährliche Beiträge und außerordentliche Spenden und Zuwendungen aufgebracht. — Dementsprechend stand der Synagoaengemeinde Cöln als solcher trotz ihres namhaften Beitrages ebenso wenig ein Einfluß auf die Verwaltung wie den übrigen jüdischen Gemeinden Rheinlands zu. — Diesem Nebelftand ist es zu verdanken, daß die Leitung der Anstalt, die doch hauptsächlich dazu dienen soll, jüdischen Personen Gelegenheit zu geben, außer der Krankenpflege auch rituelle Kost zu erhalten, schon seit geraumer Zeit im Verhältnisse des Prozentsatzes die Aufnahme-Gesuche von Nichtjuden begünstigt. Hierin ist auch die Ursache zu finden, daß noch in letzter Zeit jüdische Kranken gezwungen waren, christliche Krankenhäuser aufzusuchen. — Wenn auch zuzugeben ist, daß prinzipiell die Aufnahme von christlichen Kranken, im einzelnen Falle unter Berücksichtigung der Raumverhältniffe und der jüdischen Kranken, zu gestatten sei, so ist doch zu erwägen, daß vor allen Dingen die jüdischen Kranken den Vorzug haben müssen,' schon deswegen, weil außer den städtischen großen Krankenhäusern auch noch mehrere christliche Privatanstalten bestehen - während in ganz Rheinland nur ein jüdisches Krankenhaus, das vorgenannte Asyl, vorhanden ist. — Mit Rücksicht auf diese leidigen Verhältnisse und im Interesse der gesetzestreuen Juden ist es nicht allein wünschenswert, sondern eine Notwendigkeit, daß die rheinischen Synagogengemeinden, dem Beispiel des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens folgend, gemeinsam zum Bau eines eigenen Krankenhauses für ganz Rheinland schreiten, in welchem die Delegierten aus den einzelnen Gemeinden die Verwaltung führen. — Es ist außer Zweifel, daß die zu gründende Anstalt, in Anbetracht ihres edlen Zweckes von allen rheinischen Juden, die Sinn für Humanität und Gesetzestreue haben, in der opferwilligsten Weise unterstützt werden wird. (Wir geben diese Zuschrift mit dem Bemerken wieder, daß nach den uns von anderer Seite gewordenen Mitteilungen die Angaben über das Verhältnis der Synagogengemeinde Cöln zur Verwaltung des Asyls nicht zutreffend sind; im Kuratorium des Asyls haben, wie man uns mitteilt, ein Rabbiner und der Vorsitzende der Gemeinde Sitz und Stimme - anch das über die Aufnahme christlicher Kranken Gesagte sei zu bestreiten. Im übrigen können wir sagen, daß man der Frage der Errichtung eines Provinzial- Krankenheims für das Rheinland auf berufener Seite näher getreten ist. D. Red.) Gesterrreirh. Wien, 13. Dezember. Die Jsr. Kultusgemeinde in Wien hatte dem Verein „S ch o m r e Hadath" die Abhaltung gottesdienstlicher Uebungen sogar an den hohen Feiertagen verboten und sich behufs Durchführung dieses Verbotes an den Wiener Magistrat als politische Behörde erster Instanz gewendet. Diese Tat der Kultusgemeinde gab Veranlassung zu mehreren Volksversammlungen, in denen das Vorgehen der Gemeinde auf das Schärfste gerügt wurde, veberdies ist diese Angelegenheit, da der Verein „Schomre Hadath" in dem Verein eine Ueberschreitung der Kompetenz der Gemeinde erblickte, bei der politischen Behörde anhängig. Um nun den Uebergriffen der Gemeinde bei der Bildung von Bethäusern und Minianim in Zukunft zu steuern, berieten, wie die Jüd. Ztg. berichtet, am 25. v. Mts. die zu einer Konferenz versammelten Obmänner verschiedener jüdischer Vereine über die Angelegenheit des Vereins „Schomre Hadath". Herr Dr. Josef Zipser referierte über die Gefahr, welche in den Uebergriffen der Gemeinde bei der Bildung und dem Fortbestände von Bethäusern gelegen ist und wies auch an der Hand der bezüglichen Gesetze die Ungesetzmäßigkeit der Gemeinde in ihrem Vorgehen nach. An das Referat knüpfte sich eine längere Diskussion, an der sich die Herren Pappenheim, Dr. Drucker, Sette T. Bellack, Kohn, Buchsbaum, Hecht u. a. m. beteiligten. Zum Schluß wurde ein Exekutivkomitee gewählt, dem die Ausarbeitung eines Memorandums an die Kultusgemeinde aufgetragenIward. Das Memorandum soll nicht nur die speziellen Wünsche des Vereines „Schomre Hadath" zum Ausdruck bringen, sondern auch die Abschaffung der auf dem Gebiete der Abhaltung öffentlicher gottesdienstlicher Uebungen bestehenden Uebelstände fordern. Ungarn. Der ungarifche Juöenfag. (Bon unserem Korrespondenten.) Budapest, im Dezember. Der erste Akt der Judentags-Komödie scheint zur Neige zu gehen. Zu einem zweiten dürfte es kaum mehr kommen. Ursprünglich war die Abhaltung dieser „einheitlichen" Landesversammlung für den 27. d. Mts. geplant. Dieser Termin kann nicht mehr eingehalten werden. Die Arrangeure des Judentages haben sich gründlich verrechnet. Nicht eine einzige orthodoxe Gemeinde oder Körperschaft hat sich offiziell zur Teilnahme gemeldet. Der Hauptzweck des ganzen Projektes war doch nur, eine solenne Demonstration für die „einheitliche Landesorganisation" zu veranstalten. Nun aber wäre das Resultat ein entschieden umgekehrtes. Der Charakter des Judentages, ohne offizielle Teilnahme seitens der Orthodoxen, würde als „einheitlich neolog" in die Erscheinung treten. Deshalb wird zum Rückzug geblasen. In erster Reihe will sich die offizielle Neologie von der eklatanten Blamage reinwaschen. Der schneidige Sekretär der neologen Landeskanzlei, Dr. Franz Mezey, veröffentlicht in den politischen Zeitungen eine geharnischte Erklärung, in welcher er es in Abrede stellt, daß die fortschrittliche Judenschaft direkt oder indirekt bezüglich der Abhaltung des Judentaaes irgendwelche Schritte unternommen hätte. Diese Frage gelange erst jetzt auf die Tagesordnung der neologen Distriktsberatungen. Der ehemalige Abgeordnete Dr. Paul Mandl habe unabhängig vom amtlichen (sic!) Judentum diese Idee im Int eres s e der Bereinigung der ungarischen Juden (also doch!) angeregt. Auch die aufgeklärten Orthodoxen (siehe Beregsaß!) wünschten die Bereinigung. Jndeffen handele es sich hier nur um eine rein sozialkonfeffionrlle Aktion, um die sich die Landeskanzlei nicht kümmere (wie naiv!) Die amtliche Orthodoxie sei erschrocken,' sie fürchte für ihre Stellung, darum schreie sie: Das Judentum ist verloren! Dr. Franz Mezey empfiehlt sich noch der Gewogenheit der Regierung und versichert auf seinem Wege fortfchreiten zu wollen. Man muß eben die Expectorattonen dieses Herrn nicht immer tragisch nehmen. Diesmal ist es blos ein Wutausbruch der eigenen Ohnmacht. Der gute Mann, der bisher mit seinem neologen Despotismus so glänzende Erfolge erzielte, hat mit der derzeitigen amtlichen Orchodoxie großes Pech, und die nichtamtlichen Orthodoxen können Mezey Pascha nur herzlich bemitleiden. Es ist immerhin bezeichnend für die Konfusion, die in dem Gehirn dieses hervorragenden Juristen platzgegriffen, daß er in seiner pikanten Erklärung von einer amtlichen und nichtamttichen Neologie und ebenso von der Orthodoxie spricht. Die amtliche Neologie ist offenbar in koloffale Verlegenheit geraten. Namenlose Wut und grenzenlose Verlegenheit herrscht im Lager der Neologen. Ein hauptstädtisches Tageblatt, eines der angesehensten Organe der Regierung, hat das Rundschreiben des orthodoxen Landespräsidenten Adolf Frankl, welches wir in diesen Blättern noch im vorigen Monat eingehend besprochen, erst jetzt vor die große Oeffentlichkeit gebracht. Das finden unsere Herren Neologen unerhört. Die Presse betrachteten diese Champione der Aufilärung als ihre eigene Domäne. Und nun wagen es auch die Orthodoxen ihre Grundsätze und Motive durch die Zeitungen zu verkünden. Einer solchen Anmaßung muß energisch entgegengetreten werden. Nach dem Wutausbruch des Sekretärs hat sich

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