Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1907)
- Date
- 1907-12-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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.. , . ......; .... M'KÄWW WrUHr irrten bitterey Bruderzwist übrig tvar — wenn ' wau' ni^hlt wüßte, daß der Zwist von außen in Me Mitte getragen und durch allerlei zweffel- " hafte Mittel unterhalten worden ist. Die tür- Uche Regierung hat s. Zt.. durch ihre Entscheidung diese Einflüsse zurückgedrängt, .und wenn jetzt auchdie irregeleitete Partei selbst die Hand zum Frieden bot und R. Panigel als Chacham bafcki anerkannte, so ist das ein Zeichen, daß sie neu verderblichen Charakter jener Einflüsse und die Gefahr, die von ihnen dem gesetzestreuen Judentum in der heiligen Stadt droht, erkannt hat. Herr Antebi wird jetzt doch allmählich lernen müssen, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Namvüremcdstt und Judentum. Bon Dr. M, Ascher in Neuchütel. Es wird gewiß niemand leugnen, daß durch Hie Fortschritte der Naturwissenschaft ein großer Und bleibender Gewinn für die Menschheit erhielt worden ist. Daß die empirischen Methoden ix Naturwissenschaft sichere Tatsachen zu Tage rdern, daiK beweisen täglich schon die Resultate er hochentwickelten modernen Technik, die nichts anderes ist als eine praktische Verwertung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. Doch ist es eine alte Erfahrung, daß selbst das Gute oft nicht srei von bösen Begleiterscheinungen ist. Diesem -Geschick sind auch die Errungenschaften der Naturforschung nicht entgangen. Sicherlich ist es ein sehr nützliches und löbliches Unternehmen, die Resultate der Naturwissenschaft auch dem großen Publikum zugänglich zu machen. Man hätte sich jedoch darauf beschränken müssen, nur absolute Wahrheiten, nur das völlig Unzweifelhafte darzubieten. Statt dessen wurden alle Schranken übersprungen, es wurden dem Publikum bloße Hypothesen und unfertige Theorien in populärer Form im Namen der Wissenschaft aufgetischt. Angelegenheiten, welche außerhalb des Bereichs und der Kompetenz der Naturwissenschaft liegen, wurden dennoch moderen Namen verhandelt, und mehr noch — die Naturwiffenschaft wurde die Wissenschaft schlechthin. Wir haben es traurig weit gebracht. Man muß sich in manchen „gebildeten" Kreisen fast genieren, noch von Religion zu reden, und sobald man dort als religiöser Mensch erkannt wird, hört man die Neunmalweisen schon vom „Opfer des Intellekts" munkeln. Henker, insbesondere, wie sich das Judentum zu den Poftulaten der Naturwissenschaft zu verhalten hat. . Dabei läge es nun wohl nahe, ohne weiteres auf der einen Seite Geologie, Descendenztheorie mit Selektionsprinzip, Astronomie, Chemie, Physik und Biologie, auf der anderen Seite den biblischen Standpunkt zu diskutieren. Bevor wir dies jedoch tun, wollen wir zeigen, daß die Stellung des Naturforschers ihre Gefahren hat, und daß nur Männer von echt philosophischem Geist gegenüber den Versuchungen, denen der Naturforscher ausgesetzt ist, stark zu bleiben vermögen. Gar mancher, der sich hinter seinen biblischen Standpunkt verschanzt und — ganz mit Recht — gegen die materialistischen Allüren der modernen Naturwiffenschaft zu Felde zieht, würde vielleicht ein krasser Materialist geworden sein, wenn er sich ein wenig eingeheno mit Naturwiffenschaft beschäftigt hätte "iew: Vsn. Der Naturforscher gewöhnt sich daran, in der ganzen Natur nur Kausalzusammenhänge zu finden. Jedes Phänomen ist verbunden mit einem anderen Phänomen und das eine tritt immer nur dann zu Tage, wenn das andere ihm voranging. Das frühere wird Ursache, das spätere Wirkung genannt. So ist es immer und immer, und je mehr Zusammenhänge, die früher unbekannt waren, aufgedeckt werden, desto größer ist der Fortschritt der Wissenschaft. Der Naturforscher gewöhnt sich derart an diese Kausalzusammenhänge, daß er schließlich gar nicht anders denken kann und bei jeder Erscheinung immer gleich nach der sinnlich wahrnehmbaren Ursache fragt. Gilt es nun die großen Menschheitsprobleme zu erörtern, so gehören diese doch offenbar in ein Gebiet, dem sich naturwissenschaftlich nicht ohne weiteres beikommen läßt. Der Naturforscher kann sich jedoch gar nicht denken, daß auch geistige Kräfte wirksam sein können und daß es eine Ursache geben möge, die seinen Sinnen unzulänglich ist. Deshalb sucht er' um jeden Preis physische Kausalzusammenhänge, und wo er keine findet, da erfindet er sie. So wird er immer mehr dazu gedrängt, das ganze Weltgetriebe mechanistisch oder sagen wir geradezu materialistisch aufzufassen. Steckt man noch obendrein tief in der Realistik des Lebens und fehlt es an Leit zum Nachdenken, so wird man in diesem Punkte stets phlegmatischer und abgestumpfter. Die Begriffe Freiheit, Unsterblichkeit* Gott — erscheinen als hohle Schälle, fade und gehaltlos, und Intellekt, Vernunft, Geist nur als Funktionen einer Maschine. Es ist also erklärlich, daß der Materialismus eine häufige Begleiterscheinung der Naturforschung ist, wenn Der vorsichtige Naturforscher wird in weMk / Selbftbeschränkung jederzeit auf seinem eigene» ' Gebiete bleiben und sich wohl hüten auf andere -j Gebiete hinauszuschweifen, die außerhalb feiner- Kompetenz liegen. Die wahrhaft Großen, ein. Newton, Pascal, Helmholtz, Du Bois Reymond, Liebig, Virchow und Pasteur haben die Grenzen ihrer Wissenschaft gut gekannt und nicht mit, typothesen und unfertigen Theorien. geprunkt. s mußten erst Häckel und Konsorten komme», um uns das Beste, das, was dem menschlichen Leben allein einen Sinn und einen Wert verlecht, nämlich das Bewußtsein des Höheren, über die bloße Natur Erhabenen nehmen zu wollen. Dernüchterne Naturforscher wird sich von jeder Ueberhebung fernhalten und eine Theorie nur in dem Umfange als sicher gelten lassen, in welchem sie' durch wirkliche Erfahrung bestättgt wird. Ue&erbte3 wird er sich hier noch vor Augen halten, daß auch die Erfahrung täuschen kann. Doch kommen wir nun zu jenen naturwissen-; wissenschaftlichen Fragen, die so oft den Gegenstand des Streites zwischen Naturforschern und Theologen bilden. Es ist nicht nötig, daß wir lange bei.der Behandlung des Schöpfungsproblems verweib^e denn einerseits ist gerade in letzter Zeit -WÄ Frage von einer berufeneren Feder als ber unsrigen behandelt worden, und anderseits find^ unsere geologischen Kenntnisse heute noch viel zu- H unvollkommen, als daß ein Naturforscher es", wagen dürfte, hier ein apodiktisches Urteil zu fällen. Der Naturforscher hat umsomehr Ursache, gerade bei der Behandlung dieser Frage sich jeder Anmaßung zu entäußern, als ja heute die vielgerühmte Kant-Laplace'sche Theorie bedenklich ins Wanken geraten ist. Der Grundgedanke des Schöpfungsberichtes ist ja aber, daß Gott die Welt geschaffen. Dieser Gedanke läßt sich selbst von solchen Naturforschern, die ihn nicht für ße-. weisbar halten, wenigstens doch auch nicht bestreiten, wie das ja schon Matmonides auf Grund ' der Erörterungen des Aristoteles klargelegt hat.? Gehen wir über zur Descendenztheorie Mit - mit ihrem Selektionsprinzip, jener Theorie, die' die breitesten Schichten der Kulturvölker in hohem Maße beeinflußte. Die Descendenztheorie behauptet, daß die Aehnlichkeiten und Verschiedenheiten, welche in der Klassifikation des Tier- und /. Pflanzenreiches zum Ausdruck kommen, weiter. nichts sind als das Ergebnis einer wirkliche» ." näheren oder entfernteren Blutsverwandtschaft. Fast scheint es, als ob der Erfolg dieser Theorie Recht gäbe. Der Züchter paart verschiedene ' Formen derselben Gattung und es gelingt ihm durch konsequente, während vieler Generationen . meinte scheint von seinem „Bruder und Kollegen" sehr gereizt worden zu sein. Was kann aber emru Parneß einer Berliner Gemeinde so in den Harnisch gebracht haben, 6aß er solcherart aus dem Häuschen,. Nicht minder aus der Logik und gänzlich aus Gramatik int» Satzbau heraüsgerät, — wie wir das in keiner vier Seiten Umfassenden Schttft mit dem Titel: „Offener SBxiefc an meinen lieben Bruder Mid Kollegen Dr.. Arthur Kahn von Dr. Georg Joachim, Berlin" vor Augen haben? Der Name Georg, ttgentlich Sankt Georg, hat nun schon an sich etwas Reizvolles, denn dieser Ritter tötete bekanntlich den schrecklichen Lindwurm, der das Land verödete und «irr Jungfrauen verdauen konnte. Was konnte den Parneß Georg, da vorderhand keine Lindwürmer »ürfte, veranlaßt haben, sich so feindselig gegen »Bruder und Kollegen" Arthur Kahn zu wenden? Wollte dieser Kahn etwa die Juden zum Christentum SDchtttl? Darum ist in Berlin nichts bekam». Viel- " weiß man, daß er so rückhaltlos, wie sobald Miftr, für das positive Judentum einaetrsten Her kann den Parneß einer jüdischen Gesolche Wut versetzt haben, daß er rn seinem pnd Kollegen" Arthur Kahn einen so bösen erblickte, den er mit einem offenen Brief ' kchte? Kurz gesagt ist hie Sache sol- )ur Kahn hat in einer Studie aus die hingewießn, die durch Taufen, Misch- ' iderpng dem weÜÄrr optischen sen MS einzig wftstames Gegenmittel .geHinnUügder Jugend für ,ustd in ZMs NNtz Schule, und tische« Geistes in Jugendver- und einen, in denen sich oi!<* schn;r>'!in-r'.c,»n rr^. rr«**--* noch, der Schule entwachsenen jungen Leate zujammeufinden sollte». Die Publikation rüttelte die schlafenden Geister wack> und rief eine große, begeisterte Bewegung hervor, die, soweit ihr Berichterstatter informiert worden ist, immer »och im Steigen begriffen ist. Nun sollte man meinen, daß ei» derartiger Artikel und seine ungewöhnliche Wirkung den Synagogenvorsteher einer jüdischen Gemeinde angenehm berühren und zur Zustimmung begeistern müßte. Wer ganz das Gegenteil davon war die Wirkung der Dr. Kahnscheu Publikation aus den Parneß Dr. Georg Joachim. Vielleicht ließ ihn auch sein Ehrgeiz nickst schlafen, was in einer Zeit, in der es so viele Druckereien gibt, gauz entschuldbar sein mag. Also setzte sich der Gemeindevorsteher vor sein Tintenfaß und schrieb fulminante, weder ihm selbst, noch seinen Lesern verständliche Sätze, die aber samt und sonders in dem höchsten Tenor ausllangen: Mischehen! Untertauchen im Staatsbürgertum! schleunigste- Ende des Judentums!Dr. Kami, ein Dichterling, ein Fanattker, ein. Feind der Wissenschaft, von der er keinen blassen Schimmer hat, em Ignorant, — und nun, fröhlich hinüber mrt unserer Jugend ins christliche Staatsbürgertum!„ Hallelujah! Wie gesagt, so recht verstanden hat eigentlich kein Leser den an „Bruder und Kollegen "Dr. Kahn gerichteten Brief. Ihr Bettchterst aller, mit den Jnternis der Gesellschaft, der der Briesschreiber und der Angeschriebene angehören, nur par distance vertraut, UM anfänglich ganz konfus von hem Inhalt, der ruft Grammatik und Logik in sich immer mehr häufenden Widersprüchen steht. „Mir wird von alledem so dumm, M ging' mir ei» Mühlrad im Kopf Pft Wittuna soll Mü«ein hie eines mers bei den Lesern «Wesen sein, was rum. enram niair ausschließt, daß em paar Dutzend ebensolcher Wirrköpfe den Unsinn für Weisheit proklamieren Ww die Assimilation als Endziel aller jüdischen Bewegungen betrachten. Der Unsinn frndet fletS beter und eS scheint, daß sie auch vor gewissen, fochtt verschlossenen Türen nicht Hall macP, JudEeu^scheint der Effekt ganz entgegengesetzt dem DorN^ÄmMchreiber erwarteten gewesen zu sein. Der Lindwurm ist nicht' erlegt worden und der Drachentöter und Parneß Joch-, chim gründlich in die Nesseln gefallen. Warum prunkt er auch mit der Wissenschaft, die er nicht einmal embryonal ersaßt zu haben scheint? Soweit Ihr Korrespondent beurteilen rann, ist Dr. Joachim auf mW von ihm zitierten Gebiet nicht zu Haus, und brn fth überzeugt, er wird auf diesem Gebiet keine Lorbeeren: ernten. Aber gar nett und „brüderlich" oder „kolle^ zB sucht. Wenn Dr. Kahn in fe****^ Verbindung noch mehr solcher „Brüder und Kolle. hat, dann mag er nur das Gebet ansspreche»: Gott» schütze mich vor meinen Freunden! . A. S. Cbawe Rubin. T Bon Alexander SwieutochowSki. sSchluß.)^ Uebertragung aus dem Polnischen von S. Horowitz. Gleic^eitta mit dem steigenden Wohlstand der steife:: ebackenen Briefträgerin sank Franeks Glück. lftneS üges bemerkte man im KredeMchrank den Wk" von zwei Silberlöffeln. Die Bürgermeisterin vielleicht ihren Verdacht nach einer anderen Seift lenkt, der Bürgermeister aber, der f neuen Wachtet .eisten polizeilichen lagte ihn auf -er Stelle dcchon. Frack »lich seine Wlichdett, der strenge nicht erwer xr-