Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1907)
- Date
- 1907-12-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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*S?<5Ä«iS*r.;**. '.LMLSV4N«».«- RflcfcbllcK. Dtzs herannahende Ende des volitischen Jahres t uns Anlaß zu einem Rückvlick, auf die Er risse, die während dieses Zeitabschnittes die politische Stellung der Judenheit 1 beeinflußthaben. Das Jahr der z w e ite n rederrskonserenz — wird man es passend können, wenn eine für alle Nationen dbare Bezeichnung gewählt werden soll, die Bedeutsamkeit der Konferenz wird diese Mung freilich nicht gerechtfertigt. Man;t sagen, daß sie dem Jahr den Charäi^er! sei denn, daß man dabei nicht sondern an die Winzigkeit ihres die Sache des Friedens dächte, le Staatsmänner schon daraus eine se. BefriMgung gezogen, daß gewisse delikate e, die im Haag zur Verhandlung kamen, die Friedenskonferenz selbst zum Ausgangsinternattonaler Verwicklungen machten, ßt religiöse UebeMugung auch den ge- Ansatz zu einer Verständigung zwischen lßern yocherfreulich erscheinen. Aber dieses Mrd überwogen durch das traurige Bedaß unter oen Abgesandten der Staaten «teer fand, der für unsere russisches scheu Brüder auf dieser den idealen der Völker gewidmeten Versammlung svrt ergriff. i Rußland hat das Jahr 1907 zwür M Odessa keine förmlichen Pogrome ge- , aber im übrigen ist die Lage der jüdischen mg dort nicht besser, sondern schlechter »en. Die im Anfang des Jahres gewählte rite Duma hat nichts für sie getan oder zu vermocht, die dritte Duma macht Miene IM* fte zu tun, was sie vermag. Während in Rußland das blutige Handwerk. Hooligans ein wenig ruhte' brach in Rutän ien die wirtschaftliche ^Krise aus, die von ttttschen Schurken benutzt wurde, um die |en Massen auf die ohnedies genug gedrückten zu hetzen. Die rumänische Negierung die Frevel, die damals gegen Leben und W Juden verübt wurden, dadurch wieder MchrN, daß sie ihnen mit allen Chikanen das verbittert und sie zur Auswanderung treibt. m der westöstlichen Judennot der Gegenwart wir sprechen, wenn wir zu Rußland und syr Marokko gesellen. Das Schicksal der in Casablanca ist ein weiterer Beleg für die ng, daß die Juden im Streit der Völker 'eil des tyrtins gaudens zu sein pflegen. fchen Elends nach unserem deutschen Bater-- land e zurück, so fft zu konstatieren, daß die hohe Politik in diesem Jahr hier für die Juden keine wesentlichen Veränderungen mit sich gebracht hat. In Preußen ist man schon mit Beginn des Jahres an die Durchführung des für die Juden nicht ungünstig gestalteten Schulgesetzes gegang Hervorzuheben ist auch, daß die bayeri, Regierung die gesetzestreuett Juden zu Dank verpflichtete, indem sie sich bereit finden ließ, den Kommunen bei der Einführung der vollständigen Sonntagsruhe eine billige Rücksichtsnahme auf die den Sabbath beobachtenden Geschäfte zu empfehlen. In Oesterreich ist bei den Neuwahlen zum Reichsrat auch eine aus vier Abgeordneten bestehende jüdisch-nationale Fraktion zustande gekommen. Der Premierminister hat sich dieser Gruppe gegenüber recht freundlich ausgesprochen. Das hindert jedoch nicht, daß zunächst, wie die Ernennung christlich-sozialer Minister zeigt, in Oesterreich der Antisemitismus — gewiß wider den Wunsch des Kaisers — dank seiner numerischen Stärke Trumpf ist. Als eine sehr erfreuliche Tatsache ist ein Urteil des obersten österreichischen Berwaltungsgerichtshofes zu verzeichnen, durch das das Verbot des Schächters als ungesetzlich, weil die in ' der Verfassung gewährleistete Gewissensfreiheit verletzend, charakterisiert wird. ' Das freie England hat immer noch sein Fremdengesetz, wiewohl die jetzige Regierung, die das Gesetz von ihrer Vorgängerin übernommen hat, es gerne los werden würde. Man darf von dem vorurteilsfreien Sinn der großen Mehrheit des englischen Volkes erhoffen, daß sie die Alien Bill in absehbarer Zeit wieder von der.Bildfläche verschwinden machen wird. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben im Laufe des Jahres ihr Einwanderungsgesetz etwas verschärft. Dabei werden aber wohl kaum judenfeindliche Einflüsse mit gewirkt haben. Denn wenn der Antisemitismus in Amerika heute auch nicht mehr vollkommen fehlt, so hat er doch, wie die Ministerschaft von Oscar Straus beweist, dort noch keine offizielle Bedeutung erlangt. Möge es in diesem Lande, in dem so viele unsrer russischen Brüder noch werden Zuflucht suchen müssen, auch fürderhin so bleiben. «butt Sürforge für jitöifdie Wir veröffentlichen an anderer Stelle einen Aussatz von Adolf 'Peritz-Iönigsberg über den tlan einer allgemeinen Fürsorge für jüdische emeindebeamte. Es hieße Eulen jmdjj Athen tragen, wollte man erst noch auf die Wichtigkeit der Erörterung dieser Frage aufmerksam Machen. Die Dinge, um die es sich handelt, werden längst nicht mehr nur im Kreise der Gemeindebeamten selbst diskutiert, sondern haben sich im Laufe der Jahre die Aufmerksamkeit Mer errungen, denen die gedeihliche Entwickelung der Mischen Gemeinwesen am Herzen liegt. Die Ausführungen des Herrn Peritz erscheinen uns aber als ganz besonders beachtenswert, weis sie beweisen, daß die Schaffung von Institutionen^ die zur Regelung und Sanierung der Verhältnisse jüdischer Beaprten dienen sollen, keines?" wegs auf dem Wege der staatlichen Zwangsorganisation vor sich gehen muß. Leider gibt es innerhalb der deutschen Judenheit Kreise,denen für die Errichtung solcher Institutionen eine staatliche Organisation unerläßlich erscheint, während diese in Wahrheit nur dazu dienen könnte, den Feinden des gesetzestreuen Judentums eine furchtbare Waffe in die Hand zu geben und so unseren heiligsten Interessen unberechenbaren Schaden zuzufügen. Die Vorschläge des Herrn Peritz bieten einen auf der Grundlage der Freiwilligkeit aufgebauten Plan, und wir möchten daher die Darlegungen dieses Fachmannes auf dem Gebiet des Kassenwesens weitesten Mischen Kreisen zur Prüfung empfehlen. Die Beilegung 9es Jerufalemer HW^libMI-Slrelkes. Wie uns min unserem Jerusalemer Karrespondenten mitgeteilt wird, ist der unerquickliche Streit um den Sitz des Chachambaschi in der heiligen Stadt .nunmehr endgiltig beigelegt. (Vgl. unter Korresp. u. Nachrichten.) Diese Nachricht wird in den Kreisen des gesetzestreuen Judentums überall freudig begrüßt werden. Man wird es überall begreiflich finden, daß die Jerusalemer Judenheit sich durch die Erledigung dieses Streites wie von einer Last befreit fühlt.. eines Feuilleton. Berliner SilSonem«. «oalefpeare behauptet oder legt es doch Hamlet Jttit Mund, daß es Dinge zwischen Himmel und gibt, von denen sich der Mltagsmensch nichts re» läßt. Etwas Aehnliches mochte auch Ihr indent von Berlin behaupten, ohne sich mit . eare vergleichen zu wollen. Afo. Was rm sogenannten jüdischen Berlin mögest, das soll hier in kleinen Kaleidoflopbildchen plaudert werden. «t hat es ein jüdisches Blatt gegeben, — eigent- »7 existiert es noch — das bei fernen Lesern sich gewissen Beliebtheit erfreute. Noch mehr bei Leserinnen, sofern diesen die Absolvierung der )en Verpflichtungen oblag. Denn dieses jü- Matt, über dessen jüdische Ägitimitat sich wirk- Juden die Köpfe zerbrachen, oder dieses vor- Stockwerk menschlicher Körperlichkeit erstaunt eften, bringt allsonntäglich — denn ein soljüdisches Blatt setzt voraus, daß seine Leser am Sonntag feiern — einen Küchenzettel ganze Woche. Nem, nicht einen, sondern zwei, ' für die „bürgerliche" und „feinere" Küche. rchastora (bert es irtiimllch auf Hoschandverlegte) lautete der Küchenzettel: Ochseni-suppe, gebratene Nreren mit Blu- Dnd anderes. In stühe en Jahrgängen brachte " stsche Blatt noch ganz andere, für den rillt nicht gang geeignete Menus, Über jkeit^ich der Redakteur dieses jüdischen me Sorge machte. Gerat nun schon die jüdische Hausfrau, die etwa dieses Sonntügsblatt liest, in bedenklichen Zweifel, ob sie es mit einem tatsächlich für eine jüdische Familie bestimmten Wochenblatt zu tun hat, so wird sich der männliche Leser baß dieselbe Frage vorlegen, wenn er beispielsweise die Rubrik der Bücherschau überfliegt. Was dieser, alles nur keine jüdische Bücherschau den Lesern anbietende Teil in einer jüdischen Zeitung zu suchen hat, zumal fit den großen Tagesblättern doch viel besser orientierende Besprechungen stehen, das muß selbst dem nur am Sonntag feiernden und lesenden Staatsbürger jüdischen Glaubens iu Berlin so dunkel bleiben, wie der „Worte Sinn dem frommen Knechte Fridolin". Da sich sonst von dem jüdischen Blatte mit dem jüdischen Küchenzettel und der konfessionslosen Bücherschau nichts Belangreiches sagen läßt, so könnte man das Thema hier eigentlich abschließen. Aber leider sind aus derselben Quelle in letzter Zett einige Schriften entflössen, die man denn doch nicht mit Stillschweigen ubergehen darf. Da war ein „Witzbuch" empfohlen: das an Gemeingefährlichkeit kaum überboten werben kann. Es nennt sich „Schabbesschmuß" und hat durch seinen Titel, den ihm der geschworenste Antisemit beigelcgt haben könnte, schon oft dir größte Indignation hervorgerufen. Der Inhalt gar ist so ordinär, so gefährlich in seiner pointierenden Form, daß man den Gedanken nicht los wird, der Verfasser müsse im antisemitischen Radaulager zu suchen sein. Betrügereien,' Diebereien, Gaunerstückchen und Ehrlosigkeiten aller Art weichen da als „Witze", deren Rollenträgrr Juden sind, verzapft. Die einzigen harmlosen sind noch die uralten aufgewärmten; Ramensbezrichnungrn und Ausdrücke sind so ordinär, daß sich selbst ein tauLknecht schämen würde, sie laut. wiederKÜgeben. ln'en Geffczn Helfershelfer tme chie :,Schäbbesschnruß" Wunen sich die Antisemiten gar nicht wünschen. Das ' Buck fft ein neuer,, dem Judentum angehesteter Schandfleck, gegen das der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" von Rechtswegen Stellung. ' nehmen mußte. Der anonyme Verfasser, dessen Feinfühligkeit und schriftstellerischer Takt sich hier selber - an den Pranger stellt, müßte dann endlich bekannt werden. Dieses sogenannte jüdische Witzbuch ist weit mehr geeignet die Juden zu diskretittrrsn, als ein ganzes Schock antisemitischer Broschüren. Daß dieses schon äußerlich sehr geschmackvolle Buch in jedem Bücherschaufenster ausgestellt ist, mag an sich mit. geschäftlichen Spekulationen zusammenhängen. Daß aber jüdische Buchhändler es auslegen, ist doch noch mehr als eine Geschmacksverirrung, es fft schon Selbst- ' entäußerung. Man kann bei solchen Erscheinungen wirklich ein Gefühl des Ekels nicht unterdrücken. Nun sind wir unversehens ins „literarische" (?)- Berlin hineingeraten und da wir bisher nur von untergeordneten Dingen gesprochen, — soweit der innere Geüalt iu Betracht kommt, — so wollen wir, ehe wir uns aus dieser öden Ebene in höhere Gefilde erheben, noch einer kleinen Druckschrift gedenken, deren ungewollte Komik uns einen Blick m die- Begriffsverwirrtheit moderner, dem Judentum unbewußt feindlicher Juden tun läßt. An sich und inhaltlich wäre die etwa einen Druckbogen füllende — wie soll man's schnell heißen? Broschüre? Pamphlet? Bekenntnis einer schönen Seele? — Schrisff kaum erwähnenswert, wenn der unglückliche Verfasser nicht einer jüdischen enggeschlossenen Gesellschaft an- Sehören würde, die es sonst vermeidet, ihre, inneren: lngelegenheiten publizieren zu lassen. Doch, nicht mir: " dieser abgeschlossenen Gesellschaft gehört der Schrei. •> ber eines „offenen Briefes.:«» Dr. WchWcHHn" sondern auch Äls BorMenher wMS ev in einer, wem» auch mt Keinen Geitzemdr osten vor» Bettfii. Mt -Mt einer ' -V-