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Der Israelit · 1907-12-19 · Heft 51 (19.12.1907) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 51 (19.12.1907)
Date
1907-12-19
Page
– (sequence 19)
Language
German
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yy*> 57, // euilleton Der €ukel. Erzählung von Friedrich Rott. iS (Fortsetzung.) Beide schwiegen eine Weile, dann begann Meier: „Wäre es Ihnen vielleicht recht Herr Gotthold, wenn ich mit Ihrem Herrn Sohne über diese Angelegenheit reden würde?" „Gewiß, das wäre mir sehr recht. Sagen Sie ihm, daß ich nur im Einverständnisse mit ihm zur Wahl einer zweiten Gattin mich entschließen würde." Meier nickte wiederholt mit dem Kopfe. „Wann kommt Ihr Herr Sohn?" Jch> denk Freitag Vormittag." „Erst Freitag — hm — das ist 'n bissel spät." ,Marurn finden sie das spät? — Die Geschichte eilt doch nicht gar so sehr" —. „Das kommt darauf an, man kann sagen nein und man kann sagen ja. So viel steht fest, wenn man was besonderes Gutes haben kann, soll man nicht zu lange zögern, es könnte Einem ein anderer zuvorkommen." „Haben Sie denn bereits eine bestimmte Persönlichkeit im Auge?" „Gewiß, und was für eine! — Haben Sie denn das nicht gemerkt? — Sehen Sie, Herr Gotthold, ich will Ihnen zwar keine Komplimente machen, aber was wahr ist, darf man sagen. Obzwar Sie bereits Großvater find, sind Sie doch noch ein schöner Mann in den besten Verhältnissen. Wenn Sie wollten, unter den schönsten und jungen Mädchen könnten Sie wählen." „Nein" sagte Gotthold, ablehnend den Kopf schüttelnd, „eine allzu junge darf es nicht sein, denn wenn ich auchvielleicht etwas jünger aussehe, ich bin doch bereits im vierundfünfzigsten Jahr, da taugt man nicht mehr für ein allzujunges Mädchen." „Der Ansicht bin ich auch. Aber zu alt dürfte sie auch nicht sein. Ich dächte, so an die dreiunddreißig Jahre dürfte sie sein frisch, und schön, lieb und brav und fromm —" „Und was sonst noch?" fragte Gotthold lächelnd. „O, alle möglichen Tugenden müßte sie haben — denn die, die ich im Auge habe, hat sie in Wirklichkeit?^ „Was? alle möglichen Tugenden?" „Wie ich Ihnen sage, alle möglichen Tugenden. Und — ich sage Ihnen, Sie können sich keine Schönere denken." „Aber wenn sie so schön ist und Inhaberin aller möglichen Tugenden, wie kommt es denn, daß sie zu dreiun. dreißig Jahren noch nnvermählt ist?" „Ach, wenn sie gewollt hätte, zwanzigmal hätte sie heiraten können. Aber ihre Mutter war Wittwe und zehn Jahre lang gelähmt. Die altern, Schwestern waren schon verheiratet, nur die Jüngste war zu Hause und die hat immer gesagt, sie kann nicht heirathen, sie muß die Mutter pflegen." ' ' „Aberwo ist die Mutter jetzt?" „Habe ich Ihnen das nicht gesagt? Bor drei Monäwn ist sie geftorben. Die Tochter hat gleich darauf einen Posten afö Gouvernante sannehmen wollen, aber ihre Familie hat es nichtzugegeben, sie sollte sich erst erholen, denn sie war durch die angestrengte Pflege in der letzten Zeit arg herunter gekommen. Nun aber ist sie soweit, sie läßt sich nicht länger zurückhalten, sie sagt, sie ist kräftig und gesund, sie wird sich schon ihr Brod verdienen." , „Das ist aller Ehren wert von der jungen Dame, und wenn sie im übrigen Ihrer Schilderung entspricht —" „Nun, Sie werden sie kennen lernen." „Sie halten schon weit, ich aber kann nur wiederholen, was ich Ihnen bereits gesagt habe, reden Sie mit meinen: Sohne, sagen Sie ihm alles, was Sie mir gesagt haben und was ich Ihnen gesagt habe." „Schon gut, schon gut Herr Gotthold, ich weiß jetzt ganz genau, wie Sie es meinen." „Sie ist doch von anständiger Familie?" „Aber gewiß hätte ich sie Ihnen sonst angetragen? — Ihre Mutter war die Schwester unseres Herrn Rabbiners, in dessen Haus sie gegenwärtig ist, und darum meine ich eben, Sie sollten die Sache nicht allzulange hinausziehendamit sie nicht erst in Stellung geht. — Es ist ja freilich keine Schande, wenn sie sich selbst ihr Brot verdient, aber schöner macht es sich doch, wenn Sie sie aus dem Hause ihres Onkels, unseres Herrn Rabbiners heiraten." Lange nachdem Meier ihn verlassen hatte, saß Gotthold noch sinnend, grübelnd über den ihm ewordenen Vorschlag. Es war seltsam, noch nie atte er die Möglichkeit seiner Wiederverheiratung in Betracht gezogen, jetzt aber glaubte er mit Bestimmtheit, daß seine verstorbene Gatttn in ihrer letzten Krankheit wiederholt darauf hatte hindeuten wollen. Damals hatte er sie nicht verstanden, weil er mit vollster Zuversicht auf ihre Genesung gerechnet hatte, jetzt aber wußte er ganz genau, was sie damals hatte sagen wollen. Wenn er nur gewußt hätte, wie sein Sohn die Sache beurteilen würde — -r- * # * Die Reisenden hatten ihre Ankunft auf Freitag Vormittag angekündigt, doch schon Tags zuvor überraschten sie ihre Angehörigen durch ihre Heimkehr. Vom Bahnhof waren sie zu Frau Dr. Beer gefahren, um ihr Söhnchen von dort abzuholen, Donnerstag in der Mittagstunde hielt ihr Wagen vor dem Hause derselben. „Bleibe du mir ruhig sitzen", sagte Theodor zu seiner Frau indem' er hinaussprang, „ich bringe ihn Dir sofort." Er eilte in das Haus und kam wirklich schon nach wenigen Minuten freudestrahlend mit dem schönen Kinde auf dem Arm zurück. Die Amure folgte. Frau Dr. Beer war nicht zu Hause, so war die Expeditton um so rascher von statten gegangen. Und nun ging es sogleich denk eigenen Heim entgegen. — Der Kleine hatte sich in den zwei Monaten merklich entwickelt. Theodor nahm sein Bübchen und trat mit ihm hinaus auf den Balkon, um von dort aus seinen Vater heimkommen zu sehen, denn die gewohnte Speisestunde nahte. Es währte auch nicht lange, so sah er den Vater um die Ecke biegen, er eilte ins Zimmer, übergab das Kind der Amme, und dann rannte er die Sttegen hinunter quer über die Straße zu der Wohnung seines Vaters, der eben im Begriffe war, die Schwelle zu überschreiten, als sein Sohn auf ihn zustürzte. „Papa! lieber Papa!" „Theodor, mein Junge! bist du's wirklich? das heißt überraschen! — Wann seid ihr denn gekommen?" „Mit dem Mitagszug vor ungefähr anderthalb Stunden." „Da habt Ihr Euren Edwin wohl noch gar nicht gesehen, werdet Augen machen, wie der sich heraus gemacht hat." „Oho, den haben wir schon geholt, sind zuerst zu Frau Dr. Beer gefahren und haben unfern Jungen von dort mttgenommen." „Das war gescheidt, überhaupt war es gescheht, daß Ihr schon heute gekommen seid. Wenn man jemanden erwartet, je näher die für die Ankunft bestimmte Stunde rückt, desto ungeduldiger wird man, — namentlich wenn man so ganz allein ist", fügte er leiser hinzu. Theodor atmete schwer auf. „Wir hätten nicht so lange ausbleiben sollen, verzeihe lieber Vater." „Aber Kind, was ist denn da zu verzeihen. Die Reise warst Du Deiner jungen Frau schuldig, darfst überhaupt nicht allzuviel an deinen alten Vater denken. — Aber nun komme hinüber, ich möchte vor allem Malwine begrüßen." Raschen Schrittes begaben sich beide hinüber in die Wohnung des jungen Paares, Malwine hatte sie kommen sehen, mit ausgebreiteten Armen eiltesie dem geliebten Papa entgegen und überhäufte ihn mit ihren Begrüßungen. „Bist du zufrieden, Papachen, daß wir um einen Tag früher gekommen find?" (Fortsetzung folgt.) r» a. inderecke. Für die poettsche Lösung unseres Chanuka- Preisrätsels sind folgenden Einsendern Preise zugesprochen worden: Emmerle Kaatz-Zabrze, H. Schottland-Rülzheim (Pfalz), M. S ch. - Frankfurt a. M., Bertha Wiener- Kattowitz, L. Cohen-Borken i. W., A. Adler-Cannstadt, Hermann M e yr - Frankfurt a. M., Elias Fröhlich - Nidda, S. Reicher-Budafok, H. Wieser - Baden (Schw.iz). Wir geben hier einige der prämiietten Lösungen wieder: P Ncht Menschengunst allein erstreben Sollst du in deinem ganzen Leben, Nein suche eins vor allen: Deines Gottes Wohlgefallen. Nach grausem Kampf und grimmem Krieg Errangen die Treuen Ruhe und Sieg. Auch nach des WerieltageS Last und Plage Sollst ruhen du am Sabbarhtage. Ob sich auch wandeln schnell in 25 Jahren Der Menschen Sitten durch die Hast der Zeit, Die Satzung deines Gottes sollst du wahren, O Israel, in alle Ewigkeit? raun Sinnbild bist du, Weihefest, esraels kleinem tteuen Rest: in winzg Krügllin unentwetht Brachte Licht und Herrlichkeit. Ein Haus, daS dem Gesetz ergeben Kann begründen neues Leben, Kann dem ganzen Judentum Rettung sein und ewiger Ruhm. Emmerle Kaatz, Zabrze. 1.3. Willst du die Welt geneigt dir machen? Die Gunst der Menschheit dir erringen? Zwei Laute können dir eS bringen: Du mußt zum n die j gesellen, Mit jn wirds sicher dir gelingen. 1.2.3. Setz ein ) nach n und 3! Ein neues Wort Entsteht sofort. Nach Hasten und Sputen wn — sie ruhten-. Denn nach des TageS Mtth'n und Tun, Ist doppelt gut, sich auszuruhn.

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