Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1907)
- Date
- 1907-12-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1& im Seite 90. ^üSstinenfifchea Mischen Bevölkerung dahintzemfft worden war, unmöglich geworden. . Go scharte er während des Friedens, den der R«ierungsantritt des Kaisers Julianus brachte, hie Lehrer Israels in Palästina zum letzten Sanhedrin um sich und verlieh der traditionellen Berechnung der Neumonde und Schaltjahre, die "von jeher neben der Heiligung auf Grund der Zeugenaussage bestanden und die Nichtigkeit der letztere» Wtrolliert hatte, die Autorität eines Sanhedrialbeschluffes - mit anderen Worten, er hellüste iw Voraus für die Zeit, in der kein Sanhedrin auf helligem Boden bestehen würde, Reumonde und Schaltjahre uach dem Gebote der Tauro, daß der obersten Behörde in Israel obliegt, die Festzeiten zu heiligen, und diese nur Grund dieser Heiligung verbindliche Kraft In jenem denkwürdigen Jahre 359—60 <d. übl. Zeit), in dem, wie Halevy ausführt, dieses letzte Sanhedrin unter Hillel U. tagte, wäre» fast vier Jahrhunderte verflossen, seit dem Hillel, der Babylonier, Naßi von Israel geworden war, und has Bibelwort, daß des Frommen Mdenken zumWegen gereicht, war an ihm zur geschichtlich» Mstsache geworden. Schließen aber wollen nllr> die Geschichte Hillels und seiner Zeit Wtt dem Nachruf, den eine Boraitha im Talmud Hillel gewidmet hat. Daselbst heißt es: Einmal saßenfie in der Overhalle von Beth Guria in Jericho, da ließ sich eine himmlische Stimme vernehmen, die sprach: Einer ist in eurer Mitte, wert, baß die Schechina auf ihm ruhe, sein Zeitalter verdient es aber nicht! Aller Augen richteten sich auf Hillel, den Aelteren. Und als er starb, da klagte man um ihn: Wehe, ein Hwmmer, wehe ein Demütiger, ein Schüler von ' Der tzsraelu Der mrrircdc Wcbtlivg. Bon Mar Mayer in Lechenich bei Cöln. Winternacht! — Ein alter Jude Trottet spät noch, wie ein Schatten, Ueber einen fremden Weg. Seine Gattin, seine Kinder, Ausgeplündert und erschlagen, Liegen fern in Rußlands Erde- Und nun sucht er, dem von Allem, Nur das nackte Leben war geblieben, Rastlos ohne Ende wandernd Andre Herzen, — andre Liebe.- Grübelnd und den Blick zu Boden, Immer vorwärts, vorwärts wandernd, Ärbt er einmal noch im Geiste All' die schlimmen, dunklen Tage In dem fluchgehetzten Lande, Das mit Gier und wildem Hasse, Trank das Blut, das warme Blüt Seiner eingescharrten Lieben. — Und so langt er, frostgepeinigt, Müde, in dem nächsten Dorfe an — Eine Herberg' nimmt sich seiner Hilfreich mit Erbarmen an Und dem spaten, heimatlosen Gaste Oeffnet sie die enge, dürft'ge Kammer. — Und dann betet er zu seiuem Gotte, j So wie einer, der noch einmal An des Lebens Wende Mit der letzten Kraft und Inbrunst Eines tieferschütterten Gemütes Seine heißesten Gebete Zu dem Himmel sendet, Und er betet für den Himmelsfrieden Seiner lotegottverklärten Lieben, Und dann weint er, Weint das alte, ew'ge Leid Eines ausgestoßnen, hartgeprüften Volkes. - Doch der Schlaf, die weiche Hand Eitles freundlichmilden Gottes Deckt den Jammer und das Leid Des armen Juden zu -- fallen seine müden Glieder, harte, winterkalte LaAr. —. Und er träumt — wie Jakob träumte Von dem Himmel und der großen Leiter, Und er sieht noch mehr im Traume, Sieht den König David auf dem goldnen Throne, Und er spielt auf seiner Harfe Ein uraltes Klagelied Mit bekannter, traurigernster Melodie — Und die Engel steh'n im Kreise, Und sie fangen an zu tanzen Mit Empfindung'— langsamleise Und sie heben ihre weißen Arme Stumm in schmerzlicher Bewegung Wie zu einem klagenden Gebete. — Doch — er weiß sich kaum zu fassen, Mitten in dem Reigen sieht er Seine Gattin, feine Kinder, Und sie tanzen mit und heben Ihre hagerr, Arme zum Gebete — Und der Himmel strahlt und leuchtet Mit dem hellsten Steinenlichte- Und sie tanzen und sie schweben Immer weiter, schweigend weiter Langfamleise in dem stummen Kreise.- Uebepwältigt von dem Schauer Dieser himmlischen Erscheinung Ruft er mit gewalt'ger Stimme Und mit heft'gem, bittern Weinen All die Namen seiner Lieben — Und mit einem mächt'gen Satze Springt er jählings auf von seinem Lager Und der Schweiß perlt ihm in Hellen Tropfen Bon der heißen, haarumwölkten Stirne.- Und des Hauses schlafgestörte, Tieferschrockene Bewohner Sammeln sich in seiner Kammer, Und sie fragen und sie rufen Flüsternd, schwirrend durcheinander. — — Doch mit einem schweren Falle Sinkt er auf das harte Lager — Seine tiefverstörten Blicke Srren ängstlich hin und her, lie die scheuen Blicke Eines müdgehetzten Wildes, Dem man jeden Ausweg rings versperrte, Und dann spricht er vor sich hin Leise, unverständlich irre Worte Doch mit einem jähen, grellen Lachen Läßt er sie verstummen —- -Als der Morgen seine ersten Strahlen Auf die Erde sendet, Schickt mau einen Irren Aus dem fremden Dorfe.- Korrespondenzen « Racbrlcbten. Kettwig v. d. Br. Am ersten Chanukkahtage beging unsere Gemeinde das Fest des hundertjährigen Bestehens der Synagoge. Nachdem der Chor unter Leitung des Herrn Lehrer David Boruch Habbo vorgetragen und der Herr Lehrer Mi Scheberach für die Gemeinde gesprochen, bestieg der Herr Rabbiner des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands die Kanzel zu der Jeftpredigt. Nach derselben entzündete der Herr Lehrer die Chanukkahlichter und es folgte das Maariwgebet. Der Herr Bürgermeister, der erste Beigeordnete und der evangelische Geistliche waren in der Synagoge erschienen. Die Herren nahmen auch am Festessen teil, bei dem der bis dahin amtlich beschäftigte katholische Geistliche ebenfalls anwesend war. Während des Essens erhob sich der Herr Bürgermeister zu einer glänzenden, eindrucksvollen Rede, die bewies/ welche Anerkennung das Judentum und seine Bekenner finden, wenn Judentum und Juden im Gewände der geschichtlichen Ueberlieserung den nichtjüdlschen Mitbürgern gegenübertreten. Der Herr Bürgermeister hob in warmen Worten hervor, wie sehr er den Opfermut der jüdischen Gemeinde in Kettwig schätze, die 270 Prozent. Kultussteuer sich auferlege, nur um eine eigene Synagoge, einen eigenen Lehvex und «ine eigene Elementarschule zu unterhalten, damit der Jugettö das Judentum in überlieferter Form erhmten bleibe. Wie an der Geschichte Israels, so bewahrheite sich sich an der jüdischen Bevölkerung in Kettwig das Weisheitswort Salomos: „Fürchte Gott, seine Gebote beobachte/ denn das ist der ganze Mensch." Als dann der Herr Bürgermeister seine herzlichen Glück- und Segenswünsche für die Zukunft der Gemeinde mit den hebräisch gesprochenen Worten „Kein jehi Rozaun, omein" schloß, da wollte der jubelnde Beifall schier kein Ende nehmen. Möchten den zahlreichen Festteilnehmern diese goldenen Worte im Gedächtnis bleiben und sie daran erkennen, auf welche Weise wir Juden uns Achtung verschaffen können. Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß die Gemeinde Kettwig das Fest nicht sinniger hat feiern können-, als dadurch, daß sie ein neues Mikrpoh errichtete das allen' Anforderungen des Religionsgesetz es und der Hygiene entspricht. Nr. Inhaltsverzeichnis des „U o l fe * f v e ** w d." 3. Jahrgang 1907. a. Aufsätze. . 1 (Nr. 2 d. „Jsr.") Mir zum Volke. - Trauungen. — Die praktische Ethik des Judentums- und ihre Zukunft. — Eine alte Einleitung einesalten Kommentars zum Buche Exodus. — Exegetische Miszellen. 2 (Nr. 8 d. „Jsr.") Purim. — Der jüdische Haushalt im Dienste des Judentums. — Reformen in mittleren und kleinen Gemeinden. — Hillel„ der Aeltere und seine Zeit (Einleitung.) — Die praktische Ethik des Judentums und ihre Zukunst. — Briefkasten der Redaktion. 3 (Nr. 13 d. „Jsr.") Pesach. — Bericht über die Tätigkeit des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen. — Emst und Jetzt. — Eingesandt zum Aufsatz „Hillel der Aeltere und seine Zeit." 4 (Nr. 17 d. „Jsr.") Sefiroh.. - Der jüdische Haushalt im Dienste des Judentums. — Hillel, der Aeltere und seine Zeit. — Die jüdische Familie, die Zukunft des jüdischen Volkes. — Rußland, Rumänien und andere Kutturstaaten auf der Haager Friedenskonferenz. 5 (Nr. 20 d. „Jsr.") Gesetz und Leben. — Eine welke Friedhossblüte. — Hillel der Aeltere und seine Zeit. — Die praktische Ethik des Judentums und ihre Zukunft. 6 (Nr. 26 d. „Jsr.") „lieber alles und noch manches andere." — Israels Leid und Hoffnung. — tums. — Hillel der Aeltere und seine - Zeit. - Reisebilder vom Lande. -- Aphorismen. — Die praktische Ethik des Judentums und ihre Zukunft. 7 (Nr. 30 d. „Jsr.") Doppelter Trost. — Moderne Eheschließung. — Hillel der Weitete und seine Zeit. — Der jüdische Haushalt fm Dienste des gubattumä. — Die Vollmacht des Todes . (Gedicht.) —.Eisspiegel. (Gepicht.) — Die Sonntagsruhe und das israelitische Gemeindeblatt in Köln. . 8 (Nr. 34 d. „Jsr.") Elut. — Elternpflichtcn. - Hillel der Aeltere und seine Zeit. — Die praktische Ethik des Judentums und ihre Zukunft. 9 (Nr. 39 d „Jsr.") Das Lulow und seine. Bundesgenossen. — Die drei Schlüssel. — „Aber ihre größte Herrlichkeit zeigt die Königstochter ' im Innern des Hauses." — Exegetische Miscellen. — Der Simchath-Thora-Ball. — Briefkusten.der Reaktion. 10. (Nr. 43 d. „Jsr.") Recht aus Arbeit. - dische Offiziere-? — Hillel der Aeltere und ferne Zeit. — Lehr- und Schächt-Amt. — Exegetische Miscelleu. 11. (Nr. 48 d. „Jsr.") Unsere Zukunst. — Geschichtliches zu Ehanuka. — Hillel der Aeltere und seine Zeit. VII. — Dre Messiasidee im Judentum. - 12 (Nr. 51 d. „Jsr.") Nächstenliebe. — Hillel der Weitere unb feine Zeit. — Der russische Flüchtling (Gedicht). — Inhaltsverzeichnis, d. Correfpondeuzen u»tz Nachrichten. 2 (Nr. 8 d- „Jsr/Z.Cöln: Mitteilungen aus den Vereinen. 8 (Nr. 34 d. „Jsr ") Cöln: Fortbildungskurse für Lehrer — Mülheim a. d. Ruhr: ,.Synagogeneinweihung 9 (Nr. 39 d. „Jsr.) Neuenghr: Leiche,chäus. — £—tt: Der Priestcrsegen beim Begräbnis. c. Feuilleton. 1 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8. (M. 2, 8, 13, 17, 20. 26, 30, 34 J>. „ZSr.") Maaßer.? 9 (Nr. 39 d. „Jsr:") Sofaun und Simchoh. - - 10, 11, 12 (Rr.. 43, M st. 51 | - Mädchen