Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1907)
- Date
- 1907-12-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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MWNWWWWWW ^ls. 1907. Der JSraekt». No. SL. GM, HP, Anordnung Hilleis dem Geiste der Tauro entspricht uno unmöglich die Eliminierung einer Gesetzesbestimmung im Auge haben kann. Wie Halcvy aus den Quellen nachweist, bezieht stch das Taurogebot des Schulderlafses im siebtn Jahre auf den Gläubiger, ihm schreibt das Gesetz vor: Er dränge seinen Nächsten und seinen Bruder nicht, weil er ein Erlaßjahr verkündet hat im Namen des Ewigen. Der Schuldner aber hat die moralische Verpflichtung, jederzeit, sobald er dazu imstande ist, seine Schuld abzutragen, auch wenn ein Erlaßjahr darüber hinweqgegangen .ist. So heißt es in der Mtschna: Wer seine Schuld im siebten Jahre bezahlt, (obschon er nicht dazu gedrängt werden kann) an dem hat der Geist der Weisen Wohlgefallen! Wir müssen ferner beachten, daß sich das Erlaßgebot der Tauro an dm privaten Gläubiger, nicht aber an die Gerichte wendet, die eine Forderung als rechtmäßig allerkannt und für exekutierbar erklärt haben, und endlich, daß schon zur Zeit Hillels, da nur eine Minorität des jüdischen Volkes im heiligen Lande wohnte, der Schuldenerlaß nicht von der Tauro vorgeschrieben war, sondern wie heute einem rabbinischen Gebote entsprach. Aus all dem sehen wir, daß es sich bei Hillels Anordnung, durch denProsbolakt die Schuldforderungen vom Gerichte anerkennen zu lassen unddiesem gewissermaßen die Exekutive zu übertragen, Nicht um eine Erleichterung des Taurogebotes handelt — tut Gegenteil, das Volk sollte durch di ese Einrichtung vor der Gefahr geschützt werden, infolge der traurigen Zeiten das jüdische, hilfsbereite Herz einzubüßen und das Gebot der Tauro zu vernachlässigen, das da vorschreibt: Geben sollst du ihm, und 'dein Herz sei nicht böse, wenn du ihm gibst, benu um dieser Sache willen wird der Ewige, dein Gott, dich segnen in all deinem Werk und jedem Unternehmen deiner Hand. — So reiht sich in Wirklichkeit die Anordnung Hillels den alten Thekanoth an, die alle den Zweck hatten, einen schützenden Zaun um das Gesetz zu ziehen. — Um uns ein vollständiges Bild von Hillels Größe zu machen, dürfen wir auch eine Stelle im Traktat Sofrim nicht übergehen, die' von tillels universaler allgemeiner Bildung berichtet. s heißt daselbst: Es gab keine Wissenschaft, die sich Hillel nicht aneignete, auch umfaffende Sprachkenntniffe. . . . Und warum all dies? Weil es heißt: Auf daß des Ewigen Wille durch seine tand vollbracht werdetmd weil es heißt: Der wige hat Wohtgefattell darall um seiner Güte willen, daß man die Tauro ausbreite und verherrliche. — Das war also das Motiv, das Hillel veranlaßte, auch die profanen Wissenschaften nicht außer acht zu lassen und ihnen in seinem umfassenden Gesichtskreise den gebührenden Platz anzuweisen Er war der Mann, dm tiefe Taurokenntnis mit eindringendem Scharfsinn verband, dessen jüdische Weltailschauung auf klarer, vollkommener Kenntnis des Judentums beruhte, und er durfte mit seinem Geiste das ganze Gebiet menschlichen Denkens prüfen Die Wissenschaft lieh ihm das Gerüst, um sein Gedankengebäude der Tauro ausbauen zu können. Er war imstande, weil er durch die Schule der Tauro hindurchgegangen war, die das schmachtende Gemüt befriedigt und die Toren weise macht, auf dem weiten Gebiete menschlicher Geistesarbeit sich umzusehen und das Echte vom Scheingold, das ewige vom Vergänglichen zu unterscheiden und zu erkennen, daß alles, was da ist, des Schöpfers Allmacht kündet. So diente auch Hillels allgemeine Bildung dem Zwecke: Auf daß des Ewigen Wille durch seine Hand vollbracht werde. — Im Talmud heißt es: Hillel, Schimeon, Gamliel und Schimeon waren die Fürsten im letzten Jahrhundert vor der Zerstörung des Tempels. Ferner heißt es im Sifra, daß Hillel vierzig Jahre Naßi war tmd im Alter von hundertundzwanzig Jahren starb, also sechszig Jahre vor der Verherung des Heiligtums. Der Sohn Hillels, Schimeon, der ihm im Amte folgte, kann seinen Vater nur ganz kurze Zeit überlebt haben, da von seiner Wirksamkeit keine Nachrichten erhalten geblieben sind. Eine Zeit des Aufschwunges bezeichnet da in aber die Regierung des nachfolgenden Naßi, Rabbi Gamliels, des Aelteren, des Enkels Hillels. Nach dessen Tod senkten sich bereits die düsteren Schatten herab, die dem großen, verhängnisvollen Kriege vorangingen, in dem sein Sohn Schimeon, der Urenkel Hillels, den Tod fand, den jugendlichen Gamliel, den späteren Ribbon Gamliel von Jabne, zurncktassend. Doch auch vor jenen schweren Zeiten hatte uns die Vorsehung bereits den Mann gegebe •, der in selbstloser Weise seine Kraft in den Dienst des jüdischen Volkes stellte. Rabbon Jochanan ben Sakkai, der große Schüler Hillels, von dessen Bedeutung' und Größe uns der Talmud so Wunderbares berichtet, er stand dem Hause Hillels treu zur Seite und trug auf seinen starken Schultern die Last des Volkes, als das große Unglück hereinbrach. Wie er sein Ansehen im Lager Bespasians dazu benutzte, die davidischen Nachkommen Hillels vor dem Schwerte der Römer zu schützen, so h tte er auch mst weitausschauendem Blick in Jabne bereits die Stätte erkannt, in der die Tauro, der Lebensborn unseres Volkes, eine neue Heimat sindm konnte. Hillel ist der Begründer einer Dynastie von Geistesfürsten, denn seine Nachkommen standen Jahrhunderte hindurch an der Spitze Israels und. waren die Leiter der großen Methihta, welche das geistige Zentrum der ganzen Nation bildete. So hatte Hillel das Glück, daß die Erhaltung der Tauro im heiligen Lande und die Blüte der Methibta mit seinem Namen verknüpft blieb. Die letzte Ordnung und der Abschluß der Mischna, wie sie uns heute vorliegt, sind daS unsterbliche Verdienst Rabbi's, des großen Nachkommen Hillels. Aber auch noch in der Amoräerzeit, als die zentrale Methibta aufgehört hatte und sowohl in Babel als auch im heiligen Lande gro'e Hochschulen nebeneinander bestanden, in Babel Sura und Pumbeditho, in Palästina neben Sephoris Liberias und Caesarea aufblühten, da waren die Fürsten im heiligen Lande in grader Linie Abkömmlinge Hillels. — Die Lage der jüdischen Bevölkerung Palästinas gestaltete sich immer kritischer, die Verfolgungen durch römische Heerführer und Statthalter nahmen immer mehr zu und veranlaßten auch die Träger der Tauro zur Auswanderung nach BabÄ, während wir noch im ersten Jahrhundert des Zeitalters der Amoräer, solange die Läge im heiligen Lande einigermaßen erträglich war, eine bedeutende Einwanderung von babylonischen Lehrern und Schülern beobachten können, welche die Sehnsucht nach Israels Heimat herbeigeführt hatte. Ehe aber die Sonne Israels im heilig«! Lande unterging, um einer langen Golußnacht zu weichen, strahlte sie noch einmal wolkenlos für eine ganz kurze Zeit während der Regierung dehochherzigen Kaisers Julianus, der aber schon bald nach seinem Regierungsantritt im Kriege umkam. Die so kurz bemessene Spanne Zeit jedoch benutzte das letzte Sanhedrin, das auf heiligem Boden tagte, zu einer ewig denkwürdigen Tat, und ein Nachkomme Hillels ist es, bekannt als Hillel II., dessen Namen diese Tat trägt. Wie wir zu Beginn unserer Abhandlung über die Beziehungen Babels zu Palästina hervorgehoben haben, gehörte die Heiligung des Neumondes und die Schaltjahre zu den Institutionen, durch welche das Sanhedrin im heiligen Lande den Mittelpunkt der ganzen Nation bildete. Hillel II. und" seine Zeitgenossen erkannten aber, daß die Erhaltung des Sanhedrin in Palästina nach den blutigen Verfolgungen unter Gallus und Ursicinus, durch welche der größte Teil der l I bie Dina angeblich für das Fräulein zum Reiuigen gebracht hatte. Wirkliche Wertgegenstände hatte das Mädchen nicht gestohlen. Natürlich würde sie sofort nach Nacht fortgeschickt werden, am Schabbos wollte die Dame selbst ein so verdorbenes Mädchen nicht sortjagen, obgleich Dina hell auflachte und sagte, daß sie heimlich alles am Schabbos getan habe. „Wenn ich jetzt.denke, wie ich mir Dina zum Beispiel genommen und mich nach ihren Worten geriet tet habe," jammerte Rosa, und ihre Tränen flössen vvn neuöm. „Beruhigen Sie sich, liebes Kind, Gott hat Sie beschützt." „Ja, wenn Sie nicht gekommen wären, Herr Rosenthal," und in überströmenden Gefühlen griff sie nach seiner Hand um sie zu küssen. Das wurde dem jungen Menschen aber doch zu viel, er zog das Mädchen an sich und küßte sie auf die Sttrn. .Errötend machte sich Rosa los. „Aber Herr Rosenthal. . ." „Seien Sie ruhig, Rosa, erschrecken sie nicht. Schon seit Wochen brennt es mir auf den Lippen, ich wollte ihre Ruhe nur nicht störenes ist ja der reine Egoismus, der mich immer wieder zu Ihnen führt, ich kann meine Gedanken nicht von Ihnen losreißen, ihr Bild verfolgt mich Überüll, ich habe Sie ja so lieb, so unsäglich lieb. Können Sie mich denn auch ein bischen lieb haben?" Statt jeder Antwort wendete sich Rosa schluchzend um. „Ich habe Sie erschreckt," fuhr Rosenthal fort, „Sie sehen in mir den Freund, und nun wissen Sie, wie selbsüchtig ich bin. Seien Sie mir nicht böse," flehte er, „vergessen Sie, was ich gesagt habe, und lassen Sie mich weiter Ihr Freund sein!" Rosa schluchzte immer heftiger. „Habe ich Sie denn so tief gekränkt, können Sie mich garnicht ansehen?" rief Rosenthal erregt. Endlich wandt? Rosa ihm ihr tränenüberströmtes Gesicht zu. „Ich bin ja so schlecht, wie können Sie mir nur solche Worte sagen, Sie wollen mich nur verspotten." „Rosa! Sage mir nur das eine Wort, hast du mich lieb?" Sie antwortete noch immer nicht, als aber der junge Mann den Arm um ihre Taille legte, wehrte sie sich nicht, sondern legte vertrauensvoll den Kopf an seine Schüler. „Nun bist du meine Braut, heute abend noch schreibe ich deiner Mutter!" „Jetzt möchte ich aber gern der Frau Rechtsanwalt alles erzählen," sagte Rosa, „sie wird sich mit uns freuen, darf ich ihr aber auch sagen, wie ich sie belogen habe, bis du mich gerettet hast?" „,Erzähle es ihr, mein Lieb, es wird dir eine Befriedigung sein!" Ein zärtlicher Kuß belohnte ihn. „Das war also der Brautkuß, der freiwillige," scherzte Rosenthal. Sie gingen zusammen zu Frau Rechtsanwalt, die ihnen aus . vollem Herzen Glück wünschte. Als Rosa ihr dann gestand, wie sie durch Dinas Einfluß gelogen und betrogen hatte- und nur durch ihren jetzigen Verlobten wieder zurückgebracht worden sei, erschrak die güttge Frau. „Ich danke Gott für Seine gllädige Fügung, die Sie beschützt hat und mich vor schweren Selbftvorwürfen bewahrte. Ganz ohne Schuld bin ich auch nicht, daß ich ein so junges Mädchen, das die Gefahren der Stadt nicht kennt, sich selldst soviel überlassen habe. Gott hat Sie beschützt; ich weiß ja, Herr Rosenthal, daß Sie bald eine Lebensstellung haben, die Ihnen das Heirate» gestatret. Wenn ich also in Zukunft meinem Mädchen denselben Schutz angedeihen lasse xetot der eigenen Tochter, so dankt sie es Rosas Erlebnissen."