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Der Israelit · 1907-12-19 · Heft 51 (19.12.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 51 (19.12.1907)
Date
1907-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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w ItlMn einer weiteren Erwägung tettt sich diese Einführung als ein Miges religionsgesetzliches Absurdum r , denn um die Zulässigkeit derselben behaupten wollen, um sie unter den Begriff rnavi maw JöD Dlpoa darstellen zu können, muß man die "egleitung als Mizwah, somit als giöses Moment, als integrirenden, rs Gebet ergänzenden Gefühls- und Empfinf-Ausdruck begreifen. Ist es dies aber, ist izwah', dann ist ja die Einführung erst % unmöglich! Denn wie will man eine »ttädienstliche Mizwah, ein so wesentliches Zu- )ör, ja Bestandteil des Gebetes durch einen :ichtjuden vollziehen lassen!*) Soll der Gottesdienst nicht zu einem völligen, beiüngslosen Puppenspiel herabsinken, so muß jedem denkenden Juden eine Unmöglichkeit . Mvn denke sich ein Orgelpräludium, das Gemeinde vorbereitend auf die Flügel der Gebete erforderlichen Andacht heben soll, ein el, das die bereits gewonnenen Gemken und Empfindungen auffassen und zu einer Reihe von Gedanken und Empfindungen tteitcn soll, ein Finale, daß die ganze re der im Gottesdienst gewonnenen Geistes- Gemütsanregungen in eine Stimmung zuren gefaßt der Gemeinde als Angebinde der rihe und der Kraft aus dem Gotteshause mit lch Hause geben soll, man denke sich dies alles — weniger als dies kann ja die Jnsttumentallpk beim Gottesdienst nicht sein, wenn sie )aupt auch nur zulässig, geschweige wenn sie sein soll — man denke sich dies alles von rem Nichtjuden ausgeführt und frage sich, alles dies weniger wäre, als einen Nichtlen zum Vorbeter und Prediger bestellt! Denn Orgeltöne sollen beides, sie sollen aus dem reden wie der Vorbeter und an das Herz Mden der Prediger, und beides durch — einen Müden! Wahrlich-dieses Dllemma, in welchem diese ganze Frage bewegt, ist ein so völlig ' "stenoes, daß in der Tat die ganze verblen-! Gedankenlosigkeit unserer, modernen Reform- ' Nachahmungssüchtigen dazu gehört, diese frage auch nur anzuregen, geschweige denn, wie 8^ bereitshie und da geschehen, sie zur Aus- “'etmg zu bringen! Die Orgelbegleitung am " it und Festtag durch einen Juden ist ein irechen, die Orgelbegleitung durch einen Nichtist eine Karnkatur! *) Dich dies himmelweit von dem Fall verschieden ist, der das Instrument bringt, womit der bmw t? rosD übt, wie o.jnprfc IMV ,*□ toob bovn, keiner Erwähnung. Ebenso ist bei der Musik zur TTi der btnvn derjenige, der die niSD übt, nDWb/!-k schafft ihnen den Genuß, der fie erfreut. »armten, die stumm, gespenstisch, lautlos über den weichen Schnee schreiten. Wie ein vor der schützendes Kind, zärtlich und ängstlich zu-- It der Mann die Thora auf dem Arm. diese Thora! Im heißen Wüstenbrand verkündet, ' bre ganze Wett getrieben und getragen! Hier sie der Jude durch die Eis- und Schneewüfte, die zersprengten und gehetzten Scharen gehen ^ihr vorauf und folgen ihr — elendbeladen und gefaßt und verzagt fragt man sich: wann endlich wird ttaels Jammer enden? und wo? Lange, lange betrachtete ich dieses Bild voll lerer Stimmung, ohne $u merken, daß ich nicht der . zige Beschauer war. Ich hatte bisher keinen Men- Mhqn außer der Kassiererin im Ausstellungsraum wahrrenommen. In Berlin, mit seinen ungefähr 115,000 uden kann man doch nicht erwarten, daß an einem ellen Wochentag, dazu Nachmittags, so um 2 Uhr, "Me Besucher in einer jüdischen Ausstellung hermndern! Da muß man in die „Sektion" gehen in die Automobil-Ausstellung, wo die jüdischen pe» und Protzinnen mit aufgesteckten Kennermienen wuchtiger Nonchalance umbcrflaniercn, um dann, renso nonchalant, in dem vor den Portalen harrenden "en Auto davonzujagen. Bor einem etwas vorgeienen Gestell, an dem ein kunstvolles Porauches welches das Mld halb verdeckte, stand ein junges r das plötzlich seufzte und sich zum Gehen Ich war etwas überrascht. Erstens war das »chen ausnehmend hübsch, sehr elegant und chik, N auch einfach geklerdet, kaum zwanzig Jahre alt. so etwas geht in die jüdische Kunstausstellung, - Pr Wertheim oder durch die Straßen zu flanieren? ,eitens bettachtete dieses, wre ich mich jetzt 's überzeugte, ausnehmend hübsche, distinguiert ihe Mädchen viele Minuten lang ein jüdisches Alle diese bisher entwickelten Motive zeigen die religionsgesetzliche Unmöglichkeit der Instrumentalbegleitung unseres Gottesdienstes an Sabbath und Festtagen überhaupt. Bei der Orgel tritt aber noch ein Moment in Bettachtung, deffen Gewicht keineswegs zu übersehen ist. Es war ein ganz richtiges Gefühl, das sofort als die Einführung der Orgel im jüdischen Kreise zur Sprache kam, sich ihr aus dem Grundsätze: *DYi:in nipim opponierte, und darin die Einführung eines nichtjüdischenElementes inden Gottesdienst erkannte. Es ist dies eine völlige, wohlbegründete Wahrheit. Selbst wenn man mit dem p"nno den Begriff des Dnjn mpn aus solche Gebräuche beschränkt, die in irgend einer Beziehung zu Unsittlichem, oder in irgend einer Beziehung zu nichtjüdischem Religions-Kultus stehen, oder deren Zweck gar nicht mehr erkennbar ist, die also ihren Ursprung in der einen oder anderen Beziehung haben können,- selbst dann wird man schon aus diesem religiösen Prinzipe die Orgel nicht in die Synagoge einführen dürfen. Man sage, was man wolle! Die Orgel ist das spezifische Kircheninsttument des christlichen Kultus geworden. Es ist ausschließlich religiösen Zwecken zugewandt. Es ist nur in Kirchen vorhanden und dient nur christlichen gottesdienstlichen Zwecken. So sehr, daß ein einziger Orgelton, um Mitternacht, in ganz unbekannter Gegend vernommen, das Dasein einer christlichen Kirche mit vollster Ueberzeugung in die Seele ruft. Es läßt sich daher durchaus nicht ableugnen, daß, wenn die Instrumentalmusik an Sabbath und Festtagen durch die oben angedeuteten rabbinischen Vorschriften von der Synagoge im Allgemeinen ausgeschloffen ist, der Einführung der Orgel schon das mosaische Verbot nipra «b die Pforten der Synagoge schließt, diese Einführung daher eine Religions widrig - feit crften Ranges wäre. * $ * Wir glauben, unser Eingangs ausgesprochenes Urteil über alle drei uns vorgelegten Punkte bis zur Evidenz motiviert zu haben. Hoffen wir, daß es Ihren Vorstellungen, Ehrw. Herr, gelingt, den Vorstand Ihrer Gemeinde von seinem durchaus religionsgesetzwidrigen Vorhaben zurückzubringen. Die Ausführung auch nur eines Teiles dieser beabsichttgten Neuerungen würde, wie eine Versündigung gegen das religiöse Gesetz, das über Rabbiner, Vorstand und Gemeinde steht, so auch eine Versündigung gegen das wahre Heil der Gemeinde sein. Kein gesetzestteuer Jude könnte sich an einem Gottesdienst beteiligen, bei welchem auch nur eine der beabsichttgten Neuerungen ein- 19. Dezembtt 1907 eführt wäre. Er würde sich damit*) zu Prinzipien ekennen, die er mit seinem Leben zu verteidigen vor Gott berufen ist. Es würde ihm nichts übrig bleiben, als sich von einer Gemeinschaft loszusagen, die mit diesen Neuerungen den Boden des religionsgesetzlichen Judentums verlaffen. Eben daher würde aber auch vom Standpunkte des ganz allgemeinen Rechts und des jüdischen Rechts insbesondere die Einführung solcher Neuerungen in die Synagoge zugleich ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in das Gemeinderecht sein, das jedem einzelnen Mitgliede die religionsgesetzlich e Aufrechterhaltung der jüdisch rengiösen Gemeindeinstitute gewährleistet. Hoffen wir, daß das religionswidrige, unheilbringende, gesetzlose Unrecht nicht geschehe. Frankfurt a. M., 15. Juni 1858. Nbr. Hirsch. Sr. Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner I.R. Bamberger, Worms. kttajim und Meilarcheb. Bon Rabbiner Tr. Herma«« Mein in Kronstadt y,rp ton w TiyT ’ja'hyT -ivtt'i va» udd Vtp ppn vnK dViki bnx* «in rui oy*? DW /,!T’ lynn. „Und sein Vater weigerte sich und sprach: ich weiß es mein Sohn, ich weiß es, auch dieser wird zum Volke werden, auch dieser wird groß werden, allein sein jüngerer Bruder wird größer werden als er und seines Samens werden die Völker voll werden." Es sind die letzten Momente im Leben des Patriarchen Jakob, die uns der dieswöchentliche Thora-Abschnitt vorführt. Lehrreich ist das Scheiden des vielgeprüften Mannes, wie sein ganzer Lebensgang es gewesen. Wenn bei gewöhnlichen Menschen in solcher Stunde das allmähliche Verglimmen der Lebensflamme dadurch zum Ausdruck kommt, daß zuerst das Licht des Geistes erlischt und dann nach und nach ein Sinn nach dem anderen schwindet, so bietet sich uns in der Todesstunde Jakobs eine entgegengesetzte Erscheinung dar. Er war körperlich schwach, das Auge blickte schon matt und schwer, er mußte alle Kräfte zufammenraffen, um den heißgeliebten Sohn mit seinen Enkeln empfangen zu können, aber des Geistes Licht war ungetrübt und ungeschwächt, des Geistes Kraft frisch und ungebrochen. Das Auge, das die Enkel nicht mehr erkennt, schaut ihr Geschick in den spättsten Zeiten, die matte, langsam hinsterbende Sttmme spricht zu ihnen Worte, die ihr und ihrer spätesten Nachkommen Leben begründen und leiten sollen. Versuchen wir den Sinn dieser Worte zu erkennen. *) d. h. mit seinem Fernbleiben. Red. Bild und — begriff bei seiner Bettachtung die große Tragik des russischen Judentums! Deutlich hatte ich sie seufzen hören! Sie mußte das grenzenlose Erstaunen wahrgenommen haben, das fich auf meinem Gesicht malte. Sie wandte sich schnell zum Gehen und blieb dann noch einen .Augenblick zögernd stehen, als erwarte sie, daß ich etwas sprechen würde. Nochmals streifte mich der Blick ihrer ausorucksvollen Augen und dann entfernte sie sich. Mir war aber noch immer, als ob ich träumte. Dann ftug ich mich, ob ich wirttich in Berlin, ob das Mädchen eine Berlinerin, ob vielleicht ein Malftäulein sei? Dann setzte ich mich dem zaubervolle» Bilde Sichels gegenüber und verglich" es mit dem jungen Mädchen, das mich in so maßloses Erstaunen gesetzt hatte. Aber es war keine Aehnlichkeit zwischen beiden. Doch erlebt habe ich dieses Wunderbare — es geschehen also noch Wunder, selbst in Berlin und am Hellen Tage. Am Ende eine von den zahlreichen, vornehmen Russinnen? Welch törichter Gedanke! Die sind in Berlin noch unjüdischer als die weltlichst wohnende Berlinerin! Da! Da fällt mein Blick auf ein Bild, das mich von Neuem in grenzenloses Staunen, diesmal aber unangenehmster Art, geraten läßt. Jft's möglich? Auf einer jüdischen Kunftausstelümg em solches pöbelhaftes, aus der gemeinsten Phantasie heraus geschaffenes Mld? Ein schöner Greis im Tallis starrt durch die Türe — hier ein trennender Goldleisten — auf eine entfteibete, idiotisch frech grinsende Dirne! Mit zornbebenden Händen blätterte ich im Katalog: David und Abigal (!!?). Und hinter dem gierig starrenden Königsgreis zwei wüste, lachende Gesellen, die aussehen, als ob sie noch nie anderwärts als zwischen Kxrschemmen und Zuchthaus gewandert wären. Nne größere Niedertracht gegen unser Bott und seine Geschichte hätte der bösarttgste antisemitische Lump nicht auf der mißbrauchten Leinwand verüben können, wie dieser „jüdische" „Künstler", in dessen unsauberer Phantasie diese ungewaschene, plumpe, hintergalizische Bauernoirne eine Jüdm darstsllt! Als ich daran dachte, daß vielleicht das schöne Mädchen von vorhin auch dieses erbärmliche Machwerk gesehen haben könnte, überfiel es mich wie ein Schreck: und dieser Gedanke vermehrte in mir noch den Ekel vor diesem Bilde,. das ich für eine Parodie eines Schalom Asch gehalten hatte. Das Beste wäre, wenn, wie ein geistreicher Berliner zu mir äußerte, j>as Bild zu Asche würde. Die Arrangeure der Ausstellung können dieser nur schaden, wenn fie dieses Machwerk mcht schleunigst entfernen. Und das Mendelssohn-Denkmal? höre ich Sie ungeduldig fragen. Davon oas nächstemal. A. S. edave llubi». Bon Alexander Swierrtochowski. Uebertragung aus dem Polnischen von S. H o r o w i tz. (Fortsetzung.) Bei diesem Punkte ihres Nachsinnens lachte Thawe freudig auf, als schimmere ihr ein großer, belebender Gedanke entgegen. Was dies für ein Gedanke war, werden wir später sehen, unterdessen müssen, wir Kopf die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er die Jüdin für das Ueberbringen des Briefes anständig belohnte. Er ließ ihr einen halben Charmiez Erbsen, ein Quatt Mehl und mehrere Mohrrüben geben, und Cbawe ging nnt dem festen Entschluß, heute mit ihren Kn,der« ein gutes Nachtmahl zu essen. Sie war schon mit der Quittung. nach der Post . zurückgekehrt und ChrzanMewies war mit dem Äap-

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