Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1907)
- Date
- 1907-12-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Mgen, möchten wir uns eine Keine Abschweifung gestatten. Es scheint auf den ersten Blick, als ob der spinozistische Pantheismus und der Lotze'sche ^Gottesbegriff identisch seien. Lotze verwahrt sich : ganz entschieden dagegen.^) Wir erachten es aber nicht für überflüssig, unsere — diejüdische — Stellung zum Pantheismus zu betrachten. Im *?’ V'Wn uvb Tin^n w findet sich bespielweise D;«rben manchen anderen hierher gehörigen Stellen: | ^33. nn» fen rrpm'i. Es ließen sich auch an anderen Orten — z. B. in Jbn Gäbirols ß Werken — Belege dafür finden, daß derartige oberflächlich an den Pantheismus erinnernden Aus- U drücke keineswegs im Widerspruch mit unserem ^'Mottesbegriff stehen. Wir können uns auch hier ruhig an Lotze halten. So sicher durch die § WMmfchöpfuna, mtt der Gott gleichsam seinen h - Willen in die Tat umgesetzt, die Welt nunmehr F ein Gottesteil ist — so gewiß, meinen wir, ist, k daß Gott darum doch nicht aufging in der l von ihm geschaffenen Welt, das weitere Erhalten I und Leiten dieser Welt die Persönlichkeit Gottes £ als außerdem noch über der Welt stehend mit Nichten ausschließt. Wohl geht die Welt in ihm auf, f. aber wie unsere Weisen s. A. erläutern: pid!? I -Dipv c&wn t*b ^3»o^yn mpo »mV ’äd mpo ivv KLotze deduziert höchst logisch, daß der Begriff der Persönlikeit eigentlich nur einem, d. h. dem unendlichen Wesen vollkommen zukommt, da es nichts giebt, das nicht zu ihm gehörte — nicht eine seiner Modifikationen wäre. Endliche Wesen über find durch ihre Endlichkeit in ihrem eigenen Wesen rangiert von anderen endlichen Wesen, also nicht vollkommen persönlich. Bergl. nny ijo f »in 'J» ^» '3 (V. B. M. 32, 39 und Hirsch's z Kommentar dazu). I Als Konsequenz gerade der naturwiffenschafta lich nüchternen Betrachtung der Dinge und ihrer X unerklärbaren Kausalität kommen wir zu dem | Begriff eines Gottes, der im vollsten Maße für *: sich ist und ebenso in Leib und Seele wie in allem Anderen lebt und webt. Gäbe es hierfür eine passendere Benennung als den jüdischen k_ Gottesnamen, den mn Dir, den Hirsch y'r auf- I gefaßt als „der Sein Spendende", und ist es | nicht charakteristisch, daß nicht bei der bei, ß der Schöpfung, sondern bei der dann folgenden f n^VZ-cher Weiterbildung (dem Tragender Schöpfung \ durch Gott), zum ersten Male diese Seite der Gottes- I waltung hervorgehoben wird. Durch die Tatsache der Forterhaltuttg der Welt durch Gott ist Lotze des Bedürfnisses nach der Annahme einer starren, % blinden Notwendigkeit, unter der das All abläust, I überhoben. Gott hat die Freiheit, völlig neue f Anfänge zu schaffen, und damit erklärt Lotze L den Begriff des Wunders, das ihm nicht un- |. glaublicher dünkt als-das Naturgesetz, das | ja wie das Wunder direktes Produkt des Gottesjwillens ist. 5) f Auch die Menschen-G eschichte ist Lotze keine Summe regelloser Zufälle. Wenn uns auch ihr; MÄ nicht bekannt ist, so ist doch sicherlich ihre Entf Wicklung eine fortschreitende, erziehende. Diese I Erziehung aber kann nicht nur den Generationen | zu Gute kommen, die zufällig am Ende der Gel sthichtsentwicklung stehen. Unser moralisches i. Gefühl verlangt, daß auch die noch irrenden Ge- 'ü schlechter — die durch ihr Irren beigetragen zur f Erziehung der Menschheit, nicht als bloße Paradigmata benutzt und dann als unnütz beijeite geworfen werden. Es wird vielmehr die Annahme nahe liegen, daß alle, auch die in dieser Welt zeitlich getrennten Menschen in einer unzeitlichen Gemeinschaft die Früchte der weltt geschichtlichen Erziehung genießen, d. h. jeder Einzelne — denn die Menschheit besteht nur aus Einzelindividuen — ist unsterblich. - Sehr vieles, so z.B. den Inhalt seiner Ethik, 4) So z. B. Grundzüge der Religtonsphilosophie § 41; bergl. auch feine ausdrückliche Kritik des Spino- Mttschen GotteSbegriffeS in der „Geschichte der PH. seit hat Lotze mit Fechner gemeinsam 6) und konnte deshalb bei der Weitschichtigkeit des Stoffes nicht nochmals wiederholt werden. Wir verweisen vor Allem auf die Werke Loye's, zu deren Studium das gegebene Bild seines Denkens vor Allem Veranlassung sein will. 9. E. (Fortsetzung folgt.) w «SV Oscherfchav. von Reisebeschreibungen. Mit zu dem daS Buch bringt, gehört der Einleitung *) Religion-Philosophie. § 62. Pa äftinensische Kulturbilder, Beiträge zur Pa lästin künde, von R. Eckardt, E. Zickermann, Dr. F. Fenn er. Mit 64 Abbildungen und 2 Stadtplanen. Leipzig. Georg Wiegand. Die drei Verfasser dieses Buches waren während eines Vierteljahres als Mitglieder des deutsch-archäologischen Instituts in Jerusalem tätig und geben in Einzelaussätzen ihre hier und auf einer gemeinsamen 24tägiaen Zickzackreise durch das ganze Land gewonnenen Eindrücke rmd gesammelten Ersa.,. ungen wieder. Land und Volk, Wirtschaft und Sitte werden geschildert. Es ist kein wissenschaftliches Werk, das geboten wird, und doch erhebt es fich in vielen Teilen weit über die Durchschmttshöhe dem Schönsten, was itungsaufsatz Eckardts «Palästinenfische'Frühlingsbilder , der den Lesern dieses Blattes in einem Auszug schon bekannt ist. Vorwiegend Landschaftsschilberuna ist auch der zweite Aussatz „Wandertage am Toten Meer." In den „Palästinenfischen Städtebtldern" werden wir nach Jerusalem, dessen «Straßenleben" noch ein besonderes Kapitel gewidmet ist, Bethlehem, Hebron, Jaffa, Haifa, Sichern, Nazareth, Liberias, Saffed und ferner nach zwei Städten des Ostjordanlanües geführt, lernen also hier alle bedeutenderen Plätze des Landes kennen. Es find viele gute und treffende Beobachtungen darunter über die Bevölkerung der Städte und ihre Leben? gewohnheitm. An vielen Stellen ist auch von der jüdischen Bevölkerung des Landes die Rede, am ausiührlichsten tm Schlußaufsatz Eckardts, wo der Z i o n t m u s, als eine der um Palästina „kämpfenden Mächte" einer sympathischen Würdigung unterzogen wird. Daß dabei manche Ungenauigketten mit unterlaufm (wie die nicht existierende Ackerbaukolonie von Montefiore und Hirsch, oder die Fabel vom „Geldwagen", der „allwöchentlich" durch die Straßen Jerusalems fährt, um den Armen die Chalukah „aus der von reichen Stiftungen gespeisten Unterstützüngskaffe" zu bringen), ist nicht weiter verwunderlich. Positiv unrichtig ist das Verhältnis der jüdischen zur arabischen Bevölkerung geschildert. Erstere wird mit der bekannten Phrase als „ein Ferment der Dekomposition" bezeichnet. Durch die jüdische Einwanderung seien viele Fellachen ihres Bodens beraubt oder als kleine Geschäftsleute und Handwerker durch die städtische Konkurrenz der Juden in schwere Bedrängnis gebracht worden. Tatsächlich dürste bisher das Gegenteil wahr sein. Durch die jüdischen Ackerbaukolonien sowohl, wie durch die Ansiedlung von Juden in den Städten ist eine Konsumentenbeoölkerung geschaffen worden, von der ein erheblicher Teil der Araber leben kann. Die Araberdörfer in der Nähe jüdischer Kolonien find heute in verhältnismäßig befferer Lage als früher, da fie aus der nahen jüdischen Anfiedlung mannigfache Vorteile ziehen. Eine flüiltf i'ierwtg des Landedurch des Fellachenelement wirb in absehbarer Zeit nicht erfolgen. Die neue Kultur deS Landes wird, nach der jetzigen Lage zu urteilen, voraussichtlich eine vorwiegend jüdische sein. Daß aber die arabische Nattonalbewegung als Ganzes gerade in Palästina im Kampf mit den Juden einmal wird entschieden werben, ist natürlich eine lächerliche Ueberrreibung des von Eckardt zitierten national-arabischen Schriftstellers. Weniger harmlos ist eine Bemerkung an einer anderen Stelle deS Buches in einem Aufsatz von Zickermann. Es ist recht zu bedauern, daß ste in dem Buch Aufttahme gefunden hat. Sie ist geeignet, einem den Gisschmack an dem Werk etwas zu verderben. ES wird erzählt, daß der Verfasser in Saffed einem Juden einen Brief zur Beförderung mit der Post gab und chm daS Frankaturgeld einhänoigte. Der Jude versprach „unter tausend heiligen Eiden" (?!),. er werde die Sache zur Zufriedenheit erledigen, und hat dies Versprechen auch, wie sogleich bestättgt wird, treulich gehalten. Der christ- 8) Auch er betont den innigen Zusammenhang zwischen allgemeiner Lust und dem Guten. Ihm, dem scharfen Denker, war die Frage nach unserer Erkenntnismöglichkeit dessen, was im Weltganzen Lust schafft, wohl auch ein schweres Problem, wie wir das entnehmen zu können glauben aus der versuchten Antwort, daß jede Lust mit den Anforderungen deS Gewissens übereinstimmen müsse. (Wir gedenken die Unzuläng ichkett dieser Antwort noch an anderer Stelle darzutun). liche Verfasser fühlt fich aber bemüßigt, hier anzufügen, er habe damals Zweifel gesetzt in oaS Versprechendes Judendenn bei „diesen Juden" sei es heute noch wie ehemals: „ein Eid einem Nichtjuden geschworen, sei weiter nicht von Bedeutung." — — Es - ist doch recht schmachvoll, daß dieses alte, tausendfach widerlegte Märchen von ernsten, gebildeten Christen noch immer erzählt wird. Es ist von „diesen Juden" SaffedS ebensowenig wahr oder wahr gewesen, wie von anderen Juden heute oder früher. Herr Zickermann hätte vorsichtiger sein und in seinen Aufsatz die häßliche und gefährliche Verleumdung nicht ausnehmen sollen. Auch so n anches, was über jüdisch-religiöse Dinge,' z. B. emen Sederabend in Jerusalem, einen chassidifchm Gottesdienst, das Fest in Meron, gesagt wird, zeigt ein geringes Verständnis des Verfassers für daS Innerliche der jüdischen Kultur und der jüdischen Bolksbräuche. — Aber tro-; dieser Mängel bringt das Buch auch für den jüdischen Leser Genuß und Belehrung. Die zahlreichen photographischen Illustrationen find zum Teil recht charakteristisch und gut anschaulich. kl. Ester Chiera, eine Erzählung von Dr. M. Lehmann, ins Ungarische übersetzt von Ben Kalonymos. Waitzen. L. Katzburg. Mit der Uebersetzung der rühmlichst bekannten Erzählung „Ester Chiera" hat der Verlag das Unternehmen, die Lehmannschm Erzählungen in ungarischer Sprache herauszugeben, eingeleitet. Da es in ungarischer Sprache fast gar keine jüdische Erzählungsliteratur gibt rmd die Heranwachsende Jugend immer mehr und mehr der deutschen Sprache entfremdet wird, füllt dieses Unternehmen eine Lücke aus, die fich unangenehm fühlbar machte. Durch den Mangel an jüdischer ErzählungSlitteratur ist die Jugend gezwungen, zu einer Leaüre zu greifen, die in religiöser Hinficht verderblichen Einfluß übt und vielfach der religiöfin Erziehung entgegenwirkt. Es ist daher freudig zu begrüßen, daß jenes Unternehmen ins Leben gerufen wurde, und zu wünschen, daß diese und die anderen Erzählungen, die demnächst folgen werden, reichen Absatz findenfind doch die Herz und Gemüt so sehr ansprechenden Lehm.mnschen Erzählungen vortrefflich geeignet, die Jugend für die rttlDK zu begeistern und in der PIKT» zu befestigen. Dir gediegene Uebersetzung, die gute Ausstattung und der billige st: reis werden aller Voraussicht nach jenen Wunsch zur Wirklichkeit werden lassen. K. Kl. Exegetische Iftiscellen. In Dtfini '0 bemerkt mW p» äu Kap. 38 nV3 ,TP) »inrj/ daß die Trennung Jehudas von seinen Brüdern nicht auf den Verkauf Josefs gefolgt sein kann, vielmehr viele Jahre stüher geschehen sein müsse. Da nämlich zwischen dem Verkauf und Jakobs Ankunft in Egypten nur ein Zeittaum von 22 Jahren liegt, konnten fich unter den nach Egypten Gekommenen nicht die zwei Enkel Jehudas und |nsn befinden, weil deren Vater yno einer Verbindung entstammte, die Jehuda erst eingegangen war, nachdem seine zwei verheirateten Söhne aus erster Ehe schon gestorben waren. Diese Beweisführung ist so überz ugend, andererseits die Lösung der sprachlichen Schwierigkeit, wie fie nITV p» giebt, nicht so befriedigend, daß nicht weitere Versuche zu deren Hebung gestattet wären. ES ist zu die em Zwecke erforderlich, fich mit Kap. 46 in eingehender zu befassen. Dieses Kapitel zerfällt von Vers 8—27 in zwei Teile, deren erster eine Genealogietafel bildet und sich von B. 8 bis B. 25 erstreckt, und deren zweiter über die Personenzahl, der nach Egyptm Gewanderten berichtet und die Verse 26 und 27 umfaßtdadurch empfinden wird auch B. 20 nicht als eine Wiederholung von B. 27. Für eine solche Einteilung dürfte der Umstand sprechen, daß V. 26 nicht enger an das Vorhergehende angeschlossen ist, wie z. B. in 4. B. M., Kap. 13, B. 16 und Kap. 34, B. 29, sondern damit gleichsam etwas Neues eingeleitet wird. Aber auch nur so ist eS zu verstehen, daß unter JehudaS Söhnen ny mit der gleichzeitigen Angabe ihres Todes erwähnr find, und -aß Josef mit seinen Söhnen angeführt ist, die doch bereits in Egypten waren. Wenn man diese Einteilung als richtig voraussetzen darf, fällt auch die Notwendigkeit fort, die Zahlen des ersten und zweiten Abschnitts in Uebereinsttmmung zu bringen (waS übrigens auch jetzt von den Kommentatoren nicht auf rationelle Veife geschieht), wodurch wir eine befriedigende Lösung -es AusgangSpuntteS unserer Darlegungen erreichm. Betrachtet man nämlich den Ausdruck in B. 12, so fällst sofort die Wendung auf po 'OH vni), die fich entsprechend hier nicht wieder vorfindet, auch nicht bei dem anderen Urenkelpaar in B. 17 - dort heißt eS, wie in dem ganzen Kapitel nyn3 *031 ufw. ES dürfte daher die Annahme berechttgt lein, daß zur Zeit, welche diese Genealogie im Auge hat, fyisn noch gar nicht lebten und bei Niederschrift der nun an dieser Stelle ein inzwischen erst eingerreteneS Ereignis schon vorweg mitgeteilt ist. So wird beim Kampf mtt Amalek ywp genannt, obschon er diesm Ramm erst später erhielt. Daß diese Auffassung deS Ausdrucks >23 IVPI etwas Wahrscheinlichkeit beanspruchen darf, ergibt stch aus 4. B. M. Kap. 26, B. 40 in Zusammmhang mtt der Erklärung deS Selbstverständlich bedarf es einer Untersuchung, warum gerade bei Jehuda auf eine spätere Generation hingewiesen wird, die auch bei Verteilung de- Landes als Familtmhaupt gleiche Stellung einnimmt wie die wnrrv htp- I. Sulzbach.