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Der Israelit · 1907-12-12 · Heft 50 (12.12.1907) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 50 (12.12.1907)
Date
1907-12-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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der Beschlüsse Mstter Lesung übertragen wurde. Die Arbeit bürste mehrere Monate beanspruchen, ihr Ergebnis wird dem Plenum der Kommission zur Prüfung vorgelegt. Alsdann soll der Entwurf der Oeffentlichmt zur freien Beurteilung übergeben werden, bevor in die dritte Lesung eingetreten wird". Man ist also eifrig am Werk. Frankfurt a. M., 10. Dezember. Düs Hilfskomtte für die notleidenden Brüder im Ausland" läßt in diesen Tagen eine zweite Mehlsendung nach Palästina, und zwar nach Liberias, abgehen, der dann noch weitere Sendungen folgen werden. Die Verteilung wird durch eine von den Pekidim und Amarkalim eingesetzte Kommission vollzogen, der Mitglieder aller Teile der jüdischen Bevölkerung angeyören. Alle Bedürftigen ohne Unterschied der Kolelim werden berücksichtigt. Die Versorgung mit Mehl ist Geldverteilungen vorzuziehen, weil durch jene gleichzeitig auch die Mehlpreise im heiligen Lande gedrückt werden. Ueber die bei dem Hilfskomitee eingegangenen Spenden ist zu bemerken, daß auch eine Reihe kleiner Gemeinden sich dabei in sehr rühmlicher Weise beteiligt haben. Erwähnt sei auch, daß auf dem hiesigen Fruchtmarkt eine Sammlung veranstaltet wurde, deren Ertrag zur Uebermittlung eines Waggons Mehl an die Notleidende» verwendet wird. — Der tslfsverein der deutschen Juden teilt mit: er Geschäftsführer im Ehrenamt Herr Dr. Paul Nathan weilt seit 14 Tagen in Palästina und hat dem Hilfsverein der Deutschen Juden ein- S' nbe Berichte erstattet über die infolge einer ernte und des Wassermangels entstandene rrung in den verschiedenen Städten des Landes. Der Hilfsvrrein der deutschen Juden hat daraufhin Herrn Dr. Nathan sofort die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt, um eine zweckmäßige Beihilfe zur Mehlbeschaffung für die ärmere jüdische Bevölkerung an allen Orten, an denen Not herrscht, zu organisieren. benieinöewalilen unö Sesamlpolltlk. (Bon unserem Correspondenten). E. B. Berlin, 9. Dez. Das Ergebnis der Wahlen zur Repräsentanten- Bersammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde hat in jeder Hinsicht den Erwartungen entsprochen, die man von vornherein darüber hegte; die Kompromißkandidaten sind sämtlich gewählt worden und die Wahlbeteiligung war geringer als je; von rund 22,000 Stimmberechtigten haben nicht mehr als 3767, rund 17 pKt ihr Stimmrecht ausgeübt. Selbst der hiesige Moniteur des -„Liberalen Vereins", die „A.. Z. d. I.", kann an diesem Resultat nicht mit Stillschweigen vorübergehen und hebt hervor, daß im Jahre 1895 von 13,040 Sttmmberechttgten 4820 (36,8 pCt.), im Jahre 1898 von 16,895 Stimmberechtigten 6153 (36,4 pEt.), im Jahre 1901 von 18,284 Sttmmberechttgten 7786 (42,6 pCt.) und bei den letzten Wahlen im Jahre 1904 von 20,103 Stimmberechtigten sogar 8808 (44 «Kt.) ihr Wahlrecht ausübten. Die Deutung dieser Wahlverdroffenbett unterläßt die „A. Z. d. I." allerdings vielleicht deshalb, weil dieselbe hangreiflich genug ist, um nicht erst ausgesprochen werden zu müssen. Diese Wahlverdrossenheit ist die Quittung der Wähler über das zwischen den „Führern" der beiden Parteien, der liberalen und der konservattven, abgeschloffene Wahlkompromiß, über das sie nicht einmal befragt und ihre Meinung nicht eingeholt wurdesie ist ein vernichtendes Verdikt Ger die Mischmafchpolitik der „herrschenden" Kreise, die mit religiösen Prinzipien Fangball spielen und eine Einheitlichkeit der religiösen Anschüttung in der ganzen, „ungeteilten" Gemeinde vürtüirschen, die tatsächlich nicht vorhanden ist. Worauf das Waus will? Nun, die Herren vom „liberalen Verein", die ja auch zugleich die Kaffeure der Organisattonsbestrebungen sind, müßten schlechte Dwtomaten sein, wenn sie dieses Kompromiß nicht im Interesse dieser ihrer Bestrebungen eingegangen sein sollten — welchen Vorteil böte es chnen sonst? —; und wir müßten ___ W noch dummer fern, als wofür die Herren uns halten, wenn wir diesen schlauen Plan nicht zu durchschauen vermöchten. Solange in der Reichshauptstadt selbst, in der allergrößten Gemeinde Preußens, unter den Augen der Staatsbehörden sich Wahlkämpfe abspielten, wie bei der letzten Wahl im Jahre 1904, von einer Heftigkeit, die kaum überboten werden konnte, solange war die Fiktion um so schwerer aufrecht zu erhalten, mit der die Herren immer operieren, als ob zwischen konservativer und neologer Religionsanschauung so geringe essentielle Unterschiede wären, daß man sie ruhig, ohne der einen oder der anderen wehe zu tun, in eine Zwangsorganisation hineinpreffen konnte. Der Gedanke war also verteufelt schlau, dje konservativen Kreise durch das Zugeständnis einer ansehnlichen Zahl von Repräsentantenbesitzen einzufangenman konnte sich dabei den Luxus der catonischen Pose gestatten, mit seinem „liberalen" Gerechtigkeitsgefühl Parade machen — wie es damit in Wahrheit bestellt ist, hat ungeschickter Weise das von uns gekennzeichnete Pamphlet des „liberalen Vereins" verraten! — und dabei den Profit einstreichen, den maßgebe den, staatlichen Instanzen die „unwiderlegliche Tatsache" vor Augen zu stellen, daß im Berliner Gemeindeparlament alle Richtungen ihre Vertreter haben und zu segensvoller Tätigkeit sich verbinden. Warum aber sollte, was hier möglich, nicht auch im ganzen Lande durchführbar und erfolgverheißend sein? Wenn in der Berliner Gemeinde, die mehr als V7 der ganzen preußischjüdischen Bevölkerung umfaßt, die überdies Üas Summum der Intelligenz und materiellen Potenz dieser Bevölkrung darstellt, Männer der äußersten Reform sich mit Mittelparteilern und Konservativen zur Verwaltung dieses größten uud wichtigsten Gemeinwesens friedlich und innig zusammenfinden konnten, warum sollte, was an diesem Ausschnitte der Gesamtheit so vorzüglich funktionierte,- sich nicht auf diese Gesamtheit übertragen lassen?! (Die „abgesplitterteu Sekten" zählen ja ohnedies nicht mit?) Wie gesagt, der Gedanke war so übel eben nichtdas schöne Calcnl hatte nur den einen Fehler, daß es mit den Wählern und ihrer Stimmung doch gar zu wenig rechnete. Der Fehler ist verzeihlich - die Herren Wähler haben ihre „Führer" durch ihre — gelinde gesagt — Unselbständigkeit so sehr in die Vorstellung hineingedrängt, sie ließen sich Alles bieten, daß die Führer sehr wohl der Meinung sein durften, sie könnten nicht Nllr über die Stimmen ihrer Wähler, sondern sogar auch über ihre Stimmung widerspruchslos disponieren. Wenn das ein Fehlschluß war, so trifft die Schuld diesmal nicht die Führer, sondern die Geführten, die plötzlich Mut genug im Männerherzen fühlten, um zu Hause zu bleiben und verärgert nicht mitzutun. Das ist des Pudels Kerndies ist der Gesichtspunkt, unter dem wir Orthodoxen die Wahl mit ihrem Vor- und Nachher zu betrachten haben. Mögen die Herren die „Einigkeit" der Berliner jüdischen Gemeinde für ihre Pläne auszunutzen nur versuchensie werden uns auf dem Platze finden, um die Lehren dieser Wahl, wie sie in Wahrheit sind, gebührend zu beleuchten! Berlin, 5. Dezebr. Der Hilfsverein der Deutschen Juden giebt eine 11 ebersicht heraus über seine Tätigkeit vom 1. Januar bis 30. September dieses Jahres. Die Zahl der Mitglieder beträgt demnach 17,000 mit Jahresbeiträgen von rund 120,000 Mk. Außerdem erhielten der Verein an einmaligen Beiträgen seit 1. Januar rund Mk. 160,000. Aus den Mitteilungen über das Hilfswerk des Vereins entnehmen wir Folgendes: Das Hilfswerk für Galizien führt der Hilfsverein in Verbindung mit dem Wiener Hilfsverein für j die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien , und der Großloge für Deutschland weiter fort. Für das rumänische Hilfswerk sind vom Hilfsverein allein 70,000 Mk. beigesteuert worden, j Für Marokko wurden bis bis jetzt vom Hilfsverein 15,000 Frcs. aufgewendet. Für das russischer Hilfswerk, für das der Hilfs- ) verein seit zwei Jahren 2*/* Millionen Mark ' ausgegeben hat, find einschließlich der für Auswanderungszwecke erforderlichen Summen bisher im lausenden Jahre ca. 400,000 Mk. verwendet worden. Ueber 30,000 Auswanderer wurden auf den verschiedenen Verpflegungsstalionen verpflegt und ca. 10,000 Auswanderer sind bis zum 1. Oktober d. I. vom Hilfsverein befördert worden. Die Gesamtaufwendung dieses Jahres für Auswanderungszwecke beträgt bereits jetzt V* Million Mark. Berlin, 10. Dez. Der Hilfsverein der Deuffchen Juden erhält aus Odessa folgenden Bericht: Am 5. Dezember fanden gelegentlich der Beerdigung eines Verbändlers neue Ausschreitungen gegen die Juden statt. Etwa ein Dutzend Juden wurden wiederum verwundet, die meisten von ihnen durch Dolchstiche. Am anderen Tage besuchten der Stadt hauptmanu und der Polizeimeister die Verwundeten im Jüdischen Krankenhause und hatten so Gelegenheit, sich von den Ausschreitungen der Berbändler zu überzeugen. Der Stadthauptmann sagte den Verwundeten, daß die Administration nichts gegen den Verband der echt russischen Leute unternehmen könne, weil der Verband eine patriottsche Organisation sei. Er riet den Verwundeten, sie möchten doch Anzeige erstatten gegen die, die ihnen die Wunden beigebracht haben. Das ist natürlich nicht möglich, da marr die Berbändler nicht festgenommen hat. So müssen auch diese Untaten wieder unbestraft bleiben. Hamburg, 6. Dezbr. Die Neuwahl von fünf Mitgliedern des Delegierten-Kollegiums des Synagogenverbands, die seit einiger Zeit — ohne eigentlichen Grund — die Gemüter in Erregung hielt, fand gesterrl unter ungewöhnlich starker Beteiligung statt. Der junge „Verein zur Förderung jüdischer Interessen" hatte es sich, nicht nehmen lassen eigene Kandidaten aufzustellen, deren Qualität und religiöse Richtung sich kaum von der der sogenannten gouvernementalen Kandidaten unterschied, sodaß es wohl richtiger gewesen wäre, wenn beide Parteien sich verständigt hätten. Immerhin haben solche Wahlkämpfe das Gute, daß sie ein Gegenmittel gegen den gefährlichen Jndifferentismus bilden. Zwei Foroerungen, hie der genannte Verein in seinem Wahlaufrrlf aufstellte, Oeffentlichkeit der Sitzungen des Kollegiums und Zusendung der jährlichen Abrechnung an die Mitglieder, sind nur formeller Natur, während das Verlangen nach einer „zeitgemäßen" Revision der auch außerhalb Hamburgs als vorzüglich geltenden Statuten, worauf sich die drei Kandidaten in der Wahlversammlung des Vereins verpflichten mußten, als nicht unbedenklich erscheint. Die Wahlkampfmittel, die man auf der anderen Seite anzuwenden beliebte, konnten nicht immer ohne weiteres als einwandfrei angesehen werden. Hatte man doch sogar vor dem Wahllokal einen richtigen Neger plaziert, der einen dritten Zettel kouverttert mit der Aufschrift „Orthodoxe! wählet diese Kandidaten" zur Benutzung anbot — e£ waren fünf streng gesetzestreue Herren, die durchaus nicht an eine Kandidatur dachten. Der Mohr hatte allerdings bald seine Schuldigkeit getan und mußte steter Wähler nahm ihm seine ar gehen. Ein entrüsteter . , , ., Bürde ab und empfahl ihm in etwas dringlicher Weise schleunigst wieder nach Afrika zuttirhukehren. Auf beiden Seiten waren auch diverse Autos in den Dienst der guten Sache gestellt worden - so scharf war der Kampf der Parteien. Gewählt wurden vier der „gouvernementalen" Kandidaten und einer der Kandidaten des „Vereins zur Förderung jüdischer Interessen". Es sind die Herren: Dr. med. I. Gotthold, Dr. med. Fink, Wilhelm Elkeles, Philipp Peine und Moritz S. Wolff. Straßburg, 3. Dezember. Gegen die Wahl der Herren Aron Durlach und Genossen in daS Konsistorium ist beim Bezirr^ PräsidiuniProtest eingelegt worden. Diesehat nun enffchieden, daß in der Prüfung 'mm Wahlergebnissen das Konsistorium selbst — ähn

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