Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1907)
- Date
- 1907-12-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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als daswaö sie find, als eitel Sand in die Augen harmloser Leser. Diese Leser, die Jünger der nv« MD, find gewohnt, der Redlichkeit Und Wahrhaftigkeit der ihnen zugänglichen Autoren und Bücher blindlings zu vertrauen. Sie sind daher nur allzuleicht für das Gift empfänglich, das ihnen in dieser Form gereicht wird, und gewahren es erst, wenn seine erschreckenden.Folgen zu Trage treten. So beklagenswert es ist, daß keiner der großen Thorafürsten in Rußland, welche mit Entsetzen die Verbreitung dieses schleichenden Giftes im Bolkskörper beobachteten, ihm mit ihrem reichen Wissen und ihrem scharfen Geiste entgegen traten, so erklärlich ist es. Sie mochten das, was sie in seiner Leichtfertigkeit, Unredlichkeit und Unmöglichkeit sofort auf den ersten Blick erkannt hMwn, in seinen Folgen leicht unterschätzen. Sie mochten Bedenken tragen durch eine gründliche Widerlegung diesem Gewebe von Sophismen, falschen Voraussetzungen und unwahren Folgerungen einen Wert zuzuerkennen, den es tätsächnch nicht hat, und so das Ansehen dieses Buches zu steigern, indem sie es durch eine besondere Widerlegung auf seinen wahren Unwert zurückführten. Aber angesichts der immmer größeren Verbreitung des Buches und der Verheerung, die es überall anrichtete, mußten diese formalen Bedenken zurücktreten. Es begreift sich, daß die Widerlegung eines solchen Buches durch eine Autorität erfolgen mußte, die hinsichtlich ihrer tiefen Thorakunde von allen zeitgenössischen Koryphäen als solche anerkannt ist, daß es, um ganze Arbeit zu tun, eines Mannes bedurfte, der außerdem die Schulung und Fähigkeit besitzt, den Winkelzügen des nnm in in 'D nachzugehen und mit kritischem Blick alle Wahrheitswidrigkeiten, alle Entstellungen und geradezu Fälschungen, von welchen das Ganze wimmelt, als solche zu charakterisieren und bloßzustellen. Ein solcher Mann ist uns in dem kürzlich verstorbenen Rabbiner von Meretsch (Rußland), Rabbi Jehuda Halevi Lipschitzy'st erstanden, der in seinem reichen literarischen Nachlaß eine eingehende, allseitige Widerlegung des Weiß'schen Buches unter dem Titel in ISO uns hinterlassen hat, das soeben durch den Neffen des Verfassers mit Approbationen der größten rabbinischen Autoritäten Rußlands in: Druck erschienen ist.*) Das Buch bedeutet eine erlösende Tat und wird als solche von den hervorragenden Rab- *) Das Buch ist durch den Herausgeber Notel Lipschitz in K ow no (Rußland) zum Preise von 1 Rubel zu beziehen. — Dem erschienen ersten Teil folgt der »weite, sobald durch genügenden Absatz die Aufbringung der Druckkosten gesichert ist. keines Feuilleton. Ein ßbanukawunder. Bon Juräus. (Schluß.) Ich folgte, wie von einer höheren Gewalt gezogen, dem Fremden durch einige Straßen, dann betrat ich mit ihm seine Wohnung, die gar schlicht und geradezu ärmlich ausgestattet war. Er hieß mich niedersetzen und sagte zu mir: „Dr. Landau wohnt fünf oder sechs Häuser von hier, wenn Ihr hingehen wollt, so will ich Euch das Haus zeigen. Wenn Ihr aber Euere Sache mir anvertrauen wollt, so gibt mir Gott vielleicht einen guten Gedanken, der Euch helfen kann. Unsere Advokaten glauben nicht an Gott und erwarten daher auch kerbe guten Gedanken von ihm, deshalb haben sie auch so wunderselten einen guten Einsall, der außerhalb ihrer Gesetzesparagraphen liegt." Ich hatte zu dem Manne ein so großes Zutrauen, daß ich ihm meine ganze Geschichte erzählte. Auch daß ich eben von Dr. Hirschensohn komme, .und seine ungünstige Meinung über den Ausgang meines Prozesses berichtete ich ihm, sowie daß Dr. Hirschensohn es war, der mich uneigennütziger Weise zu Dr. Landau gewiesen hatte. Damit schloß ich meinen Bericht. Der Fremde griff ihn hier auf und meinte: „Den Dr. Hirschensohn kenne ich länger und besser als Ihr. Er war ein Talmid (Schüler) von mir. Wir sind beide aus einer und derselben Stadt, aus binern und Gelehrten Rußlands mit rückhaltloser Freude' begrüßt. Zwar hat der geniale zeitgenössische Meister jüdischer Geschichtsforschung, Jsaac Halevy, in seinemO'2'V«1ii Min des öfteren Veranlassung, die Grätz nachgeschriebenen und die aus Eigenem hinzugefügten Schnitzer des in 'D Wim in festzustellen und niedriger zu hängen. Aber es handelt sich dabei nicht um eine systematische Beurteilung des ganzen Buches und der Grundlage auf welcher es sich aufbaut, sondern nur um einzelne Partien, Daten und Notizen, wie sie die von Halevy gerade behandelte Materie eben streiften. Außerdem hat sich Halevy in weiser Zurückhaltung darauf beschränkt, nur die historischen Ungeheuerlichkeiten seiner Vorgänger einer vernichtenden Kritik zu unterziehen. Die dogmatischen Verirrungen, die vielleicht noch stärker sind als die historischen, hat er als außerhalb seines Geschichtswerks liegend, un- -rötert gelassen. Diese greift nun das üntfi* in 'D auf und führt das ganze System mit einer Meisterschaft, Belesenheit und Gründlichkeit aä adouräuw, die in vielen Zügen an diejenige Halevy's erinnert. Je mehr man sich in dieses treffliche Buch vertieft, desto lebhafter bedauert man, daß es nicht schon vor einem Jahrzehnt erschienen ist. Aber wer die Verhältnisse und Kreise kennt, für die es zunächst berechnet ist, wird die Aktualität dteser Arbeit leider nur zu gut auch für unsere Gegenwart begreifen. Sie ist ein Totengericht über diesen setzten Talmudheros des Reformjudentums. Die hier aufgespeicherte Scheinwahrheit und Afterwiffenschaft wird keinen mehr berücken, der das □nw in 'D studier hat. Seine Lektüre wird in jedem Leser die hoffnungsfreudige Zuversicht neu beleben: Mi 'ttiivipO Sv nayonm vvi VVO 11V1 H. K-ch«mt«5jH<nt. Das frantfsisdie Judentum. Am 2. Dezember hat das französische Zentralkonsistorium, das aus den 32 Erwählten der unter dem Trennungsgesetz gebildeten jüdischen Kultusvereine des Landes besteht, in Paris seine erste Sitzung abgehalten. Der Tag, an dem die französische Judenheit frei von jeglichem staatlichen Zwang die Verwaltung ihrer religiösen Interessen selbst in die Hand nahm, hätte für ne von epochaler Bedeutung seinMnnen, wenn die religiöse Freiheit nicht erst nach einem Jahrhundert konsistorialen Staatsjudentums, d. h. zu spät gekommen wäre. Ein Jahrhundert war für die Machthaber des französischen Judentums Zeit genug, alles wahrhaft jüdische Leben, das im Land der mSOD''Sv2 blühte, in Grund und Boden zu vernichten, und so ist es nicht verwunderlich, wenn heute eine große Zahl von Pariser Juden sich nicht einmal mehr für die stark verdünnte Religion der neugebildeten Kultusvereine interessieren, sondern dem Judentum gänzlich ftemd gegenüberstehen. In Paris leben nämlich — genau läßt es sich nicht seststellen, aber annähernd richtig wird die Ziffer sein — etwa 55,000 Juden; das ergiebt, nach allgemeinen statistischen Feststellungen, etwa 14,000 Familienhäupter. Die Pariser jüdischen Kultusvereine zählen aber nur 3400 Mitglieder. Wenn man nun die Zahl derer, die anderen religiösen jüdischen Vereinigungen angeyören, oder aus Mangel an Mitteln keinen Beitrag zahlen können, auf 5000 annimmt, was nicht zu hoch gegriffen ist, so bleibt immerhin die Tatsache, daß etwa 9000 Familien überhaupt an keinem Gemeindeleben teilnehmen. Gewiß eine erschreckend hohe Ziffer, vor der den französischen Reformhelden doch einigermaßen bange werden müßte. Eine ähnliche Erscheinung bieten die Ziffern der in den letzten Jahren in den Synagogen*» stattgehabten Barmizwohs dar, die sich Jahr für Jahr erheblich vermindern. Die geistigen Führer * sind natürlich weit davon entfernt, aus diesen erschreckenden Symptomen die richttgen praktischen Folgerungen zu ziehen. Nicht „zurück", sondern „immer weiter vorwärts" in der „Fortentwicklung" des Judentums ist ihre Losung. Und so kann es ihnen eines schönen Tages passieren, daß sie sich und ihre Herde soweit „fortentwickelt" haben, daß man der Herren aus Mangel an Interessenten überhaupt nicht mehr bedarf. Das kleine Häuflein der Gesetzestreuen in Paris müßte inmitten dieser Zerstörung umso entschiedener die jüdischen Heiligtümer verteidigen und versuchen, den Mittelpunkt zu bilden für ein neues jüdisches Gemeinwesen auf der Grundlage unserer Ueberlieferung. üvckwanSerung. In den letzten Tagen sind Nachrichten eingelangt, daß in Newyork große Massen von Ein- ' Wanderern zurückgewiesen wurden und wieder die Rückreise antreten mußten. Wie von der österreichischen Grenze gemeldet wird, find dort auch schon große Massen dieser Rückwanderer dort eingetroffen; ein Teil derselben sind Ruthenen und Rumänen, es sind aber auch sehr viele Juden darunter. Gewiß waren für die Rückweisungen in Newyork die Bestimmungen des amerikanischen Baust. Er war in seiner Jugend wirklich ein Ilm (ein durch seine geistigen Fähigkeiten hervorragender Schüler), aber er ist ein ganzer Posche Jsroel (Abtrünniger) geworden. Er ißt und trinkt, was Gott verboten hat. Die verbotenen Speisen sind aber metamtem Halef (stumpfen Geist und Gemüt ab) und seitdem hat er den besten Teil von seinem Sechel Kerstand/ verloren. Er ist nur noch schlau, aber klug und weise ist er nicht mehr. Soweit seine Paragraphen reichen, geht auch sein Sechel, aber darüber hinaus versagt er. Der wird Erich nicht helfen und der Dr. Landau ebenso wenig." „Mer ein braver Mann ist er doch, daß er mir so gm» von sich den Rat gibt, einen anderen Advokaten zu befragen." „@ht braver Mann mag er sein, aber wenn Ihr für seine Bravheit keinen andern Beweis habt, so rate ich Euch doch, auf diese Bravheit nicht zu viel m bauen. Ick sehe aus diesem Rat nur, daß er Euere Sache für verloren hält und sie deshalb lieber seinem Konkurrenten zuweist, als für sich behält. Er rann auch noch andere Gründe für diesen Rat gehabt haben, aber ich will Euch damit jetzt nicht aufhalten; haltet Ihr nur immerhin den Dr. Hirschensohn für nnen braven Mann und übergebt ihm Mieren Prozeß; den Dr. Landau brauchen wir nicht. Ihr werdet den Prozeß verlieren und trotzdem nickt ins Gefängnis kommen, Euer Gegner aber wird den Prozeß gewinnen und ihn sofort nachher verlieren." Ich sah den Sprecher erstaunt an und wollte ihn um Aufklärung bitten. Er ließ mich aber nicht zu Motte konnnen und fuhr fott: „Ihr müßt Euch ttwas Gutes vornehmen; zunächst daß Ihr sofort nach dem Ausgang des Prozesses Euer Dorf verlasset und hierher zieht. Welche guten Vorsätz^Jh^^o^^n^W^l^söllt^^^mllß^^r besser wissen als ich; denn jeder weiß am genauesten, wo es ihm am meisten fehlt. Wenn Ihr das wollt, so geht jetzt zu Dr. Hirschensohn und sagt ihm, daß Ihr ihm den Prozeß übergebt. Ich hätte Euch dazu geraten. Er soll noch heute zu mir kommen, ich wolle ihm den Weg zeigen, den er gehen muß." „Und was soll ich dem Doktor sagen, wer mich zu ihm geschickt hat?" „Sagt nur, Reb Aberle schickt Euch, dann kommt er sofort. Ich habe mit dem Posche Jsroel, seitdem er öffentlich unter die Verächter der Thora und Mizwos gegangen ist, kein Mott mehr-gesprochen. Er hat schon oft mit mir anzuknüpsen gesucht, ich habe aber jeden Verkehr mit ihm vermieden. Wenn ich aber eine brave unschuldige Familie von einem solchen Bilbul retten kann, so umß ich ein übriges tun." Joel Spinner sprang, als er den Namen Reb Aberle hörte, erregt von fernem Stuhl auf und brairchte einige Sekunden, um seinem Erstaunen darüber Ausdruck zu geben, daß Gott seinem Wirt einen solchen Schliach (Boten) auf so wunderbare Weise geschickt habe. Jetzt war ihm ein Licht darüber ausgegangen, was Mendel Eisenstein zu den Schneidern oder richtiger zu ihrem Rabbi, Reb Wberle, zog. „Ich muß gestehen," .fuhr Mendel Eisenstein fort, „daß ich nur schweren Herzens mich auf den Weg zu Dr. Hirschensohn machte. Ich fptt dem studierten Mann sagen, daß er etn Am Hoorez (ein Ungebildeter) ist, daß ein Unbekannter, von dem ich nichts als den Namen wußte, mehr weiß als der in ganz Wilna berühmte Jurist! Uno der gelehrte Doktor soll den Reb Averle noch aufsuchen l Ob er das tun wirb, ob er's nicht als eine Mißachtung ansieht? Was soll ich Euch da lang erzählen? Als ich zu