Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1907)
- Date
- 1907-12-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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fco. 49. Seite 12 Der JSrac ltt. 5. Dez«r»ver 1207. r. Ec l^oder Bittgebete lesen oder hören. Da- I^rum verlange ich beim Gebetunterrich^vor allem, ^daß der Sihüler in die rechte Stimmung versetzt 'werde, daß das Gebet nicht etwas äußerlich Angelerntes, sondern etwas innerlich Gefühltes für Mn wird. Wie das zu machen ist, dafür ein Beispiel aus der Praxis: Es ist der 2. Abschnitt des Achtzehngebetes zu behandeln. OV2N *r-nm rmn 2'VV, ein zwingender Beweis für die Allmacht Gottes, die das Thema des Abschnittes bildet, gibt uns Anlaß dem göttlichen Walten in der Natur nachzugehen. Wind und Regen sind Kräfte, die zu Lebensspendern werden. Wenn der Westwind die Wolken, die vom Ozean aufsteigen, landeinwärts treibt, empfangen die lechzenden Fluren das himmlische Naß, das alle organischen Keime des Bodens löst aus dem Schlafe der Erstarrung und frisches „Leben" sproßt in tausend Pflanzenleibern aus der toten Materie des Anorganischen hervor. (Selbstverständlich erfolgt die Besprechung mit Kindern in breiterer Ausführlichkeit und nicht in der Sprache der Wissenschaft.) So läßt Er Gras wachsen für das Vieh und Brot, das Menschen Herz labt. In seiner Gnade ernähret Er die Lebenden durch seine fort und fort wirkenden Wunder die Natur. „Du bist allmächtig, immerdar, o Herr!" entringt es sich, fast wie von selbst den von, Staunen und Ehrfurcht ergriffenen Herren. ' Dem, der die unendlichen Hilfsmittel sein eigen nennt, der aus dem toten Stein täglich und stündlich das „Leben" uns ersprießen läßt, sollte es unmöglich sein, „Die Toten zu beleben"? Angesichts seiner vor unfern Augen sich vollziehenden Wundertaten kann kein Zweifel in uns aufkommen, daß er seine Verheißung erfüllen wird denen, die im Staube schlafen. Aus innerster Ueberzeugung stimmen die Kinder mit ein in den Ausruf: „Wer ist wie Du, o Herr der Wundertaten und wer gleichet Dir? Er ist der König, sdem allein Allmacht zukommt) in dessen Hand Tod und Leben liegt und dem wir unbedingt vertrauen, daß er die Toten dereinst beleben wird. Nach dieser Vorbesprechung ist nicht mehr Lernen, sondern Hören das Einzige, was not tut. Ein solches Stück, vom Lehrer mit andachtsvoller Empfindung, d. h. warm, aber schlicht und natürlich, nicht salbungsvoll, in deutscher Sprache vorgetragen, möglichst im Ganzen und ohne einen Mißklang in die einmal angeregte weihevolle Stimmung zu bringen, betrachtet und sodann von einigen Schülern in dem gleichen Tone wiederholt, tut seine Schuldigkeit an der religiösen Gemütsbildung der Kinder und wird einen nachhaltigen und immer weiter befruchtenden Eindruck hinterlaffen. Darum ist allgemein zu verlangen: Der ganze Inhalt des Gebetes muß vorbereitet werden durch die anderweitig' gemachten oder nötigenfalls noch zu vermittelnden Erfahrungen der Kinder, damit der Schüler in die Stimmung versetzt werde, die dem Ganzen eine rasche und gründliche Auffassung sichert. Nach der erfolgten Darbietung soll jede textliche Erläuterung überflüssig sein. Das setzt aber wiederum voraus, daß die Schüler bereits über einen Schatz von religiösen Erfahrungen und Anschauungen verfügen, bevor die rechte Lyrik an sie herangebracht werden kann. Darum können die Psalmen und die meisten übrigen Stücke des Gebetbuches wirksam erst auf der Oberstufe der Volksschule zur Behandlung kommen. Erst hier wird auch das der textlichen Darbietung nachfolgende Uebersetzen dem Schüler keine besonderen Schwierigkeiten machen. Denn der Verschmelzungsprozeß des bekannten Textes mit dem sprachlichen hebräischen Ausdruck erfolgt leicht und sicher, wenn der Schüler den Inhalt lebendig erfaßt hat, weil?r sich beim Einprägen des hebräischen Textes im Zustande freudigen Suchens befindet. Der Wortreichtum des Gebethuches ist an und für sich ein nicht sehr umfangreicher; reiche Hilfen strömen außerdem aus dem im Pentateuch-Unterrichte erworbenen Wortschatz herbei. Glaubenstheoretische Erörterungen an den Text des Gebetstückes anzuschließen, halte ich für ebenso verkehrt, wie das grammatische oder orthographische Zerpflücken eines lyrischen Gedichtes im Deutschunterrichte, weil durch verstandsmäßiges Entwickeln die einmal vorhandene Wärme des Gemüts zu leicht wieder verraucht. Wie das angeführte Beispiel zur Behandlung eines Gebetstückes zeigt, bilden religiöse Vorstellungen und Glaubensbegriffe meist die selbstverständliche Voraussetzung zur andachtsvollen Erfassung des Gebetsinhaltes und kommen in der rechten von uns angedeuteten Vorbereitung dem Schüler schon zum Bewußtsein. Von der systematischen Zusammenstellung solcher Begriffe verspreche ich mir keinen Gewinn für das religiöse Gemütsleben der Kinder. Aber auch die Behandlung der sprachlichen Seite des Gebetstückes soll nicht auf das Niveau grammatisch-logischer Verstandesübung herabsinken. Herausheben und Einprägen der neu auftretenden Wortformen — aber nur im engsten Anschluß an im Kinde lebendigen Textworte — ist in sprachlicher Beziehung alles, was nach erfolgtem Uebersetzen noch geschehen darf, wenn anders das warme Empfinden des Kindes nicht abgeschwächt werden soll. Das umgekehrte Verfahren, das mit Hilfe des hebräischen Textes den Inhalt erschließen will, stellt den Schüler vor einen Berg voll Schwierigkeiten, den er nicht wird, übersteigen können. Schon die Schwierigkeit, die im Herausfinden der Wortstämme und ihrer Form liegt, also die Feststellung des Wortsinnes erfordert viel Zeit und Mühe. Verständnis des Wortsinnes verbürgt aber noch lange nicht das Erfassen des inhaltlichen Zusammenhanges, des Satzaanzen, insbesondere dann, wenn die Sprache, wie häufig in den Psalmen, von poetischer Kürze und Knappheit ist. Wieviel Schweiß kostet es Schüler und Lehrer, wenn der erstere Wort für Wort grammatisch zergliedern und schließlich das Ganze sinngemäß zusammenfügen soll! Ich halte dieser; Unterrichtsgang für eine qualvolle Sisyphusarbeit, die nicht einmal für die sprachliche Bildung Früchte tragen wird — abgesehen davon, daß da, wo Zeit und Kraft der Lehrenden und Lernenden mit der sprachlichen. Form sich erschöpfen, der Inhalt nicht zu seinem Rechte, nicht zur Wirkung auf das Gemüt der'Kinder kommen kann. (Fortsetzung folgt.) iücherscha«. Das neue BolksschuluuterbaltungSgeseN. Materialien und Ratschläge für ore jüdischen Gemeinden Preußens. Herausgegeben vom Vorstände der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Frankfurt a. M. Die vorliegende Broschüre ist ein Muster strenger Sachlichkeit - und macht den Herausgebern und Mitarbeitern, — wir nennen unter den letzteren insbesondere die Herren Baruch Stern-Frankfurt a. M. und. Lehrer Oppenheimer-Treysa — alle Ehre und fie wird voraussichtlich, ihren Zweck erfüllend, ein starker Antrieb sein, .neue Volksschulen zu errichten. Besonders wertvoll find 'die „Praktische Beispiele", aus denen unsere Gemeinden die für viele ganz unbekannte Tatsache erfahren, daß der Betrieb einer Volksschule nicht nur nicht kostspieliger, sondern in manchen Fällen sogar noch billiger ist als der einer Religionsschule. Ta das Merkchen jedem Interessenten kostenlos zur Verfügung gestellt wird, so erübrigt fich jedes wettere Wort der Empfehlung. Man lasse es fich vom Bureau der genannten Bereinigung (Schützenstraße «4) kommen, studiere es eingehend und handle danach. Gemeinden und Lehrer werden es nicht zu bereuen haben. Sabbat-Anfang u. Ausgang. •vp» ORT: Anfang Datmn Ausgang UhrlMin. 1807 8867 UhrlMin. 7. Dez. 2. Tebeth. Frankfurt a. M 4 00 5 15 Berlin .... — — 4 48 München . . . 4 05 5 08 Strastbrrrg . 4 80 5 20 Stuttgart. . . 4 80 5 11 Pose« .... — — 5 01 Nürnberg . . — — 5 05 Hamburg. . . — — 5 00 Prag. — — 4 45 Für de» ateflometeil ist die Redaktion nicht verant« wörtlich: insbesondere ist eS ansfchltetzlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene» Smpfehumaen ritneller Waren oder sonstige Angabe« religionSgesechliche« EharakterS ans ihre Zuverlässigkeit z« Prüfe». 4 Landeshuter £ Leinen- und Gebild-Weberei F.V. Grünfeld Königl., Grossherzogi. u. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W., letyl|trtlniM 21-2. Grösste Aaswalil aller Wflscheartikel für dea Hausbedarf. flifertiiiig ganzer flasstaltsaisa. Preisliste mit Abbildungen sowie KostenansehlSge zu Diensten. (7959) u ErFol versprechende Reklame zu machen ist nur dem Fachmann möglich. * Deshalb sollten Sie nicht versäumen sich unsere Dienste kostenlos nutzbar zu machen, indem Sie uns Ihre Inserate übertragen. Sie inseriren durch uns nicht nur billiger sondern sichern sich auch größtenteils noch alle diejenigen Vorteile, welche wir auf Grund unserer langjährigen Beziehungen mit den Zeitungen genießen. HaasensteSn A Vogler, IK. fi., Frankfurt a. M.v Zell 481. Selten Sie, das ist das ganze Geheimnis: klug Vorbeugen! Das Hilst in allen Lebenslagen, das hilft vor allem auch in Fragen der Gesundheit. Wer aber in her rauhen Jahreszeit gegen Erkältung Vorbeugen will, der wird nie enttäuscht werden, wenn er Fays ächte Sodener Mineralpastillen gebraucht. 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