Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1907)
- Date
- 1907-12-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Vrzie^ung and 1>el; ida^ojis Eine Richtigstellung. In der jüngsten Nummer der „Blätter f. Erz. u. Unterr." ist der Bericht über die Tätigkit des Verbandsvorstandes in den Jahren 1905 bis 1907 erschienen. Er bestärkt uns in der bereits früher geäußerten Ansicht, daß die Leistungen des Verbandes mehr als dürftig sind und in gar keinem Verhältnis stehen zu den Erwartungen, die sich an seine Gründung geknüpft und zu dem Schaden, den er bisher angerichtet. Aber das kümmert uns eigentlich gar nicht. Wir gönnen der Verbandsleitung das Gefühl der Selbstzufriedenheit, das aus dem Rechenschaftsbericht spricht, ja wir nehmen es ihr nicht einmal übel, daß sie die Schuld an dem Austritt des Vereins der Rabbinatsbezirke Emden- Oldenburg-Bremen von sich abzuwälzen sucht- Selbsterkenntnis ist ihre Stärke nie gewesen. Etwas näher geht uns aber an, was der Bericht über die Tätigkeit des Verbandsvorstands anläßlich des preußischen Volksschulunterhaltung gesetzes seinen Gläubigen erzählt. Hier habt en was wir in allerdings stark gemilderter Form wir gerne anerkennen — dieselben irreführenden Behauptungen und falschen Anschuldigungen, wie sie zuerst im Juni v. I. auf der Konferenz in Essen und dann in besonders aggresiiver Weise in Nr. 25 des Verbandsorgans in die Welt gesetzt worden sind. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß „die in ihrer Existenz bedrohte jüdische Volksschule in Preußen durch den Verband der Deutschen Lehrervereine vor einer Schädigung bewahrt worden ist." Gerade in der entscheidenden Zeit, als nämlich das Gesetz in der Kommission und im Plenum zur Beratung stand, hat der Vorstand des Lehrerverbandes die Führung seiner Sache in der vertrauensseligsten Weise dem Verband der Deutschen Juden überlassen und dieser Letztere ist, wie uns ein klassischer Zeuge, nämlich der Redakteur des Verbandsorgans in Nr. 41 verrät, gerade „in der Verteidigung eines unserer wertvollsten Güter", nämlich der jüdischenVolksschule andauernd schwach befunden worden. Ja, es gibt sogar böse Menschen, M? behaupten, daß hier nicht von einer Verteidigung, sondern eher von einer Preisgabe der Volksschule die Rede sein könne, und wären nicht die Vertreter einer „bestimmten Partei" gewesen, die jüdische Volksschule in Preußen könnte demnächst auf den Aussterbe-Etat gesetzt werden. Trotzdem nun der genannte Verband seine Feindschaft und Abneigung gegen die jüdische Volksschule auch nachher fn oer offenkundigsten Weife an den Tag gelegt (siehe dessen famose »Leitsätze"), besitzt er auch «ute noch das uneingeschränkte Vertrauen des sehrerverbands. Da ist es wirklich sehr gut, dich es noch Leute gibt, die durch ihre „Sonoerbestrebungen" die unheilvolle Tätigkeit, die von jener Seite ausgeht, paralysieren. Da aber diese Männer s. Zt. sich jede Ehrung, ja sogar die Nennung ihres Namens verboten hatten, so ist der Streit um die Frage: „Wer hat die jüdische Volksschule gerettet", eigentlich ein recht müßiger, und wir hätten uns nicht veranlaßt gesehen, dem Bestreben der Verbandsleitung, sich mit fremden Federn zu schmücken, hindernd in den Weg zu treten, wenn nicht zu gleicher Zeit eine Beschuldigung damit verknüpft wäre, der wir entgegentreten müssen, so oft sie auch a u f t a u ch t. Es ist nicht zutreffend, daß die Lage der jüdischen Religionslehrer irgendwie gebessert wird, wenn der Religionsunterricht obligatorischen Charakter erhältdarüber sollte sich auch die Vereinsleitung längst klar sein. In Bayern ist beispielsweise sogar das Hebräische obligat-risch. Man frage dort aber einmal an, ob den Religionslehrern damit geholfen ist. In Preußen wäre es um kein Haar breit anders und besser geworden, auch wenn künftig ein Zwang ausgeübt werden könnte. Wohl aber hätte das, was der Verband erstrebt, leicht zu einer Gewissensbedrü ckung der schwersten Art werden können. Dr. Coblenz ist nicht der einzige, der die Hauptaufgabe des Religionsunterrichts darin erblickt, dem Schüler die Ueberzeugung beizubringen, daß Wellhausen und seine Anhänger im Rechte sind. Solchen Männern dürfen wir unsere Kinder nicht auf Gnade und Ungnade ausliefern, und die Vertreter des gesetzestreuen Judentums haben mit vollem Recht gegen den obligatorischen Charakter des jüdischen Rttigionsunterrichts Einspruch erhoben, ohne dadurch irgendwie die Interessen der Religionslehrer zu schädigen. Es steht im Gegenteil fest, daß, was für die Letzteren erreicht worden ist, ein Verdienst derjenigen ist, deren Wirksamkeit man mit der Bezeichnung „Sockderbestrebungen" zu stigmatisieren sucht. Man wird sich mit der Tatsache abfinden müssen, ihnen, noch recht häufig zu begegnen, und wir wünschen und hoffen, daß sie immer die gleich günstigen Resultate erzieleu mögen wie beim preußischen Schulunterhaltungsgesetz. So sind wir der ganz unmaßgeblichen Meinung, daß die vom Vorstand der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" herausgegebene Broschüre „Materialien und Ratschläge" der gesamten Tätigkeit der Berbandsleitung die Wagschale hält. (Siche unten.) Aus eine Anerkennung von der Gegenseite hat die Vereinigung jedenfalls nicht gerechnet, aber die ungerechtfertigten Änwürfe und Anschuldigungen sollte man doch endlich unterlassen. U Inwieweit ist eine Umgestaltung des hebräischen UehersetzungS’ Unterrichtes nach 'Stoffaus wähl, Stoffverteilung nnd:mcthodi$cher Behandlung notwendig? *3 Borttag, gehalten bei der 28. Generalversammlung he- Israelit. Lehrervereins für das Königreich Bayern m Aschaffenburg, von Semtnaroberlehrer Jakob StoA in Würzburg. “ (Fortsetzung^ m ii. Ganz anderer Art als der biblische Bericht ist der Inhalt des Gebetbuches. Haben wir es dort mit bestimmten, scharf umgrenzten Anschauungen zu tun, so weckt die religiöse Poesie deS Gebetbuches in uns mehr allgemeine Empfindungen. Die meisten Stücke unserer Tefila, die Psalmen eingeschloffen, sind poetische Ergüsse, der unmittelbare Ausdruck eines religiös empfindenden Gemüts und darum aber auch — wiederum ei» vortreffliches Mittel der religiösen Gemütsbildung. Und doch ist heute der Unterricht im Gebetübersetzen für Schüler und Lehrer alles mehr als Poettscher Genuß. Meiner Ansicht nach deshalb, weil man diese herrlichen Poesien, soweit eine inhaltliche Würdigung nach einer qualvollen Uebersetzungsarbeit überhaupt versucht wird, verstandeSmäßig zerpflückt, um sie dem Schüler mundgerecht zu machen. Und dagegen möchte ich entschieden Einspruch erheben. So Zartes und Schönes, wie die religiöse Dichtung, in der der Dichter das Edelste und Beste gegeben hat, wüS seine Seele hervorzubringen imstande war, und an dem sich schon Millionen in stiller oder gemeinsamer Andachtsstunde erbaut, erquickt und gestärkt haben, — das dem Schüler als eine Berstandesübung zu verabreichen, ist eine arge Versündigung am Schönen und Heiligen und eine große pädagogische Torheit. Auch dem Schüler muß das Gebet oder der Psalm vorwiegend zum. Gegenstand der Andacht gemacht werden. Das Gebet ist seinem ganzen Wesen nach lyrisch. Es ist durch und durch erfüllt von religiösen Empfindungen und Stimmungen und kann nur aufgesaßt werden von einem nachschaffenden Gentüte. Ein Eindruck aus das Gemüt läßt sich erzielen, wenn man die Poesie nicht zerpflückt, sondern als einheitliches, blühendes und duftendes Ganze den Schillern darbietet. Ein Haufen Rosenblätter ist keine Rose mehr. Ein Kunstwerk will als Ganzes ausgenommen werden oder es wirkt überhaupt nicht. Und das allein erscheint mir als das wahre ZiÄ des Gebetunterrichtes: daß in den Schüler« von innen heraus etwas antwortet^ daß ein verwandter Ton in ihnen a«- klingt, wenn sie Israels alte Lob-, Dank-