Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1907-12-05 · Heft 49 (5.12.1907) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 49 (5.12.1907)
Date
1907-12-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449244-2449294--64003-2506574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Der JsraEt. »«irrende Gestalt deS Meisters, in feiner Zen Tracht, wie ei zu feilten Vorträgen zu den allwöchentlichm „Verhören" (Prüfungen)!N und mit feinem freundlichen, milden die mehrhundertköpfige Versammlung der auf dm 'eppen der großm Schiurstube" stehenden Schüler tttckte. Seiner wichtigsten Sorgm eine war es, den rstigen unter ihnm durch Zuwendung von Unterrgen das Auskommen zu erleichtern. Und auch im term Leben stand er fernen Schülern stets gerne mit tat un& Tat zur Seile. — Außer auf seine Gemeinde und dir war seine Aufmerksamkeit immerfort auch auf die Jnterefim des gesamten gesetzestreuen Judentums Dt Ungarn gerichtet. Sein Rat und ,eine Meinung hatten Art dm Entscheidungen der leitenden Stellen ausschlag- ^IÄdmde Beküutung. Auch zu der Zeit noch, da seine Leiben ihn nötigten, sich der gewohnten Tätigkeit zu ent- ' halt««, auch da noch war er wenigstens im Geiste fest ^verbunden mit allen wichtigen Anliegen des Judentums. <Setn Sohn und Nachfolger hat alle Berehrem des ^Meisters aus dem Herzm gesprochen, als er am Jahrzeits- KAyr det der Aufftellung der NIltQ auf seinen großen Mürr das Wort anwmdete: irWDp Ntt VT» FSwemonö kann seine Grabstätte bezeichnen, denn überall, ^G^htn sein Ruf und die Todesnachricht drang, wurde er ^Hu Grabe getragen, ist sein Tod mit tiefem Schmerz KMPfmrden worden. lVl. W' Oehrinaeu, 2. Dez' Am Aus'ang des vorigen 9?tf starb dahier Frau Hannchm R o, e n f e l d geb. Baum im Aller von nur 42 Jahren. Die Heimr AkgMtgme war eine biedere, fromme Frau und begleitete 4 ob» Äaffenamt des hiefigen israelitischen Frauer, Vereins P 12 Ähre lang, n"3SUn- London, 25. Nov. Herr Rabbiner Dr. Samuel c.; aus Sunderland ist zum Dozenten für BGel^egese, Talmud und Schulchan Aruch am hiefigen A Ravbinerssminar (Jew's College) ernannt worden. fi. . Briefkasten. Mehrere Berliner Leser. Man sagt den Bewechnern einer bekcmnten deutschen Stabt nach, daß sie AVer jeden Witz zweimal lachen, einmal, wenn fie ihn Urm,und daS zweite Mal, wenn fie ihn — verstehen! ©pc Sprechsal-Onkel der grünen Zeitung des Judentums scheint auS jmer Gegend kes Ernstes zu stammen — der Name „Ernst Lustig", den er sich beilegt. Der Mann ist nämlich sehr erstaunt, daß der „Israelit" aufrichtigem Mitgefühl das Mißgeschick seines verehrten tnoes, Geheimrat Dr. Mayer, beklagt, der von der sehüng dazu auSersehen ist, sein eigenes Regierungssystem iv GruNd und Boden zu ruinieren! Der l, stige Ernst meint, wir sollten uns darüber freuen und Herrn Dr. Mayer unfern Dank votieren! Möge Herr Lustig ruhig sein! Wir haben r ns durch Unseren Jammer die Chanukaf.eude nicht stören l«n, aber „ein Jammer" ist es doch, daß Herr Dr. x sein Judentum in Dtsziplinarmaßregeln verpuffen statt lieber gutgemeinte und ungefährliche Tischreden yen Glanz und die Herrlichkeit des neologen JudentWE zu halten und im übrigen auf sozialem Gebiete Hr daS Wohl unglücklicher Glaubensgenoffen zu wirken. M'-C inderecke. C|ianuhoh-¥eter im Schaare-dedeh-. Hospital. Bon Schwester Jenny St edel in Jerusalem. Leise geht die Krankenschwester in dem geräumigen Kindersaal von Bettchen zu Bettchen. neu werden die Abendverordnungen des es ausgeführt. Es ist ja Chanukah heute,' Neben Kleinen konnten das Fest kaum erwarten, nun sollen sie auch ihre Freude haben. — Ganz still sind sie vor Spannung geworden. Mit ihren großen leuchtenden Augen beobachten sie die Schwester, die über den mit schwarzem Ledertuch überspannten Tisch ein weißes Tuch -breitet. Dann wird die große Menorah auf den -Tisch gestelltes ist keine silberne, aber das tut der Festesfreude keinen Abbruch. — „Wann werden die Lichter angesteckt"? fragt die ungeduldige Schaar durcheinander. „Agora"*) „baaten"* * 3 4) „bald", antwortet die Schwester den ungestümen Fragern, jedem in seiner Sprache. Nun dürfen die Rekonvaleszenten aufstehen. „Ich werde Euch fein machen", sagt die Schwester. Der „feine" Anzug besteht allerdings nur in der sauberen Anstaltskleidung. . Eine breite, um den Hals gewundene, vorn zu einer flotten Schleife befestigte Mullbinde vervollständigt den Anzug und veranlaßt die kleinen Evastöchter sich selbstzufrieden zu mustern. — Nun sprechen die Knaben die Brochaus und die Lichtlein flammen tröstlich und verheißend auf. Dann erschallt aus fröhlichem Kindermunde die uralte, traute Chanukah-Hymne. Warm strömt es mir zum Herzen, wie ich die Kleinen sich freuen sehe, nach überstandener schwerer Krankheit. Sogar der kleine Jemener Knabe, der erst heute in seinem dünnen zerriffenen Kittelchen halb erstarrt ein geliefert worden war. Man hatte ihn bei strömendem Regen und eisigem Ostwind vom entgegengesetzten Ende der Stadt herbeigeschleppt. Auch er fühlt sich jetzt ganz wohlig in seinem sauberen Bettchen, und zaghaft, aber doch lächelnd sieht und hört er den andern Kindern zu. Nun muß ich die Hasmonäergeschichte erzählen und vom Krüglein Oel, das nicht alle werden wollte. Alle hören andächtig zu, auch die, die mich nicht verstehen können. — §etzt öffnet sich die Türe und herein tritt die »berschwester mit einem Tablett voll Biskuits und anderen Süßigkeiten und am Arm trägt sie einen großen Korb voll Spielsachen und auch nützlichen Geschenken. „t.ekeob, Lekech,3) Schatzkes,*)" schreien alle im Chorus, dann bekommt Jedes seinen Teil Spielsachen und irgend einen praktischen Gegenstand. Wie fest die kleine Sechsjährige ihr warmes Kleid hält, sie weiß wohl, daß sie zuhause kein solches bekommen hätte. — Und der fünfjährige Knabe streichelt liebkosend seine etwas derben Lederschuhe. Hui, wie strahlen die Augen der kleinen Gesellschaft. Der Jubel will kein Ende nehmen. Endlich hat man sie zusammen am Tisch bei Chokolade und Kuchen. Das schmeckt. „Sing Schir-Hamaloth, Schwester." Ich willfahre ihrer Bitte. „Da es noch früh ist", sage ich dann „und ihr so munter seid, werde ich euch etwas auf der Kinuor, (Harfe, Zither) Vorspielen." O die Freude, — ich hole mein Instrument und fange an zu stimmen. Doch die fröhliche Schaar, der es zu lange dauert, fängt schon selbständig; „od Io owdo tikwatenu"5) zu singen an. — Dieser herrliche Gesang, ist in der heiligen Stadt ein Volkslied geworden. Man hört es allerorten singen. Aber hier von den halb genesenen Kindern, mit ihren lieben dünnen Stimmchen, kunstlos und einfach vorgetragen, wirkt es doppelt ergreifend. — Schwester Mathilde stehen die hellen Tränen in den Augen. Ganz gegen ihre Gewohnheit hat die sonst immer Rührige Platz genommen. Und ich greife volle Akkorde auf der Zither, um den lieblichen, weichen, hoffnungssüßen Gesang der Kleinen zu begleiten. Immer lustiger wird der Gesang, immer rascher der Rhythmus, ich! tue mit, ganz unbekümmert darum, daß des öfteren falsche Takte herauskommen. Hier kommt es weniger auf die Kunst als auf die Begeisterung an. Und in dieser frohen Festesstimmung sprechen wir unseren Schwesterchen und Brüderchen, sowie auch den großen Schwestern und Brüdern für all die gesandten Gaben, die es uns ermöglichen so Chanukah zu feiern, unseren innigen Dank aus und wünschen ihnen Allen ein frohes, vergnügtes Chanukahfeft. *) Agora (spanisch)-bald. *) baaten (arabisch)-balb. 3) Stammt wohl von Lebkuchen, wird aber Bezeichnung jeder Art von Gebäck gebraucht. 4> Spielsachen. (Jargon). 6) „Noch ist unsere Hoffnung nicht verloren." zur Mein liebes Sind, Und weißt D« es nicht, WaS kündet daS liebliche Chanukaltcht? ES spricht von Helden, Hehr und schlicht, Die ließen das Leben Für ihre Pflicht. Dir willig litten Marter und Not, Um nicht zu sterben Den ewigen Tod — Die ohne zu zagen, Und ohne zu klagen, Ihr Leben froh in die Schanze geschlagen. Mein liebes Kind, Erzähl' mir doch, WaS flammen die Lichtlein So hell, so hoch? — — Sie künden das Wunder, DaS Gott vollbracht, Der Schwache hat Zu Siegern gemacht, Der Frevler gab Den Gerechten hin Und Fromme ließ stürzen Des UebermutS Sinn, — Der Tempel grweihet Bei Jubelklang, — Ein Krüglein Oel Brannt' acht Tage lang. Und willst Du wissen, Mein liebes Kind, Was die Lichtlein lehren So ernst und lind: Auf Gott vertrau' Zu jeder Zeit, Denn Seine Hilfe Ist stets bereit. Getreu den Lehren, Die Er gegeben, So richte Dir ein Dein ganzes Leben. Ja, Ihm gteb Preis, In froher Weis' Ein Jubellied finge Der traute Kreis! Kamillen nach rlcdten. (Unseren Abonnenten steht diese Rubrik kostenlos zur Ber» fügung. Nichtabonnenten haben für die Aufnahme jeder Notir eine Gebühr von l Mk.» die gleichzeitig einzusenden ist, zu entrichten. Die Sendungen müssen immer spätestens am Mittwoch, Bormittag vor dem Erscheinen der jeweiligen Nummer in unseren Händen sein.) Yerlobt: Anna Schlesinger mit Löb Eschwege, Mainz. — Bertha Silbermann mit Siegfried Ferth, Bamberg-Mannheim. — Selma Massenbacher mit Lehrer Mar Sichel, Burghaslach (Bayern)-Oberseemen (Hessen). — Pauline Gnggenheim mit Joseph Groß, Karlsruhe. — Betty Mayer mit Hu o Rothschild, Rodheim v. d. H.- Frankfurt a. M. Verm&hlt: Mose I. Kohn mit Helene geb. Seligmann, Frankfurt a. M. Cteburten: Ein Sohn: Joseph Ansbacher (Rosenbaum) Frankfurt a. M. Barmtzwolifeier: Max, Sohn des Herrn L. Goldbach, Bühl (Baden). Xuslellunx äes Israelit! Sämtliche für unsere Post - Abonnenten bestimmten Exemplare liefern wir der hiesigen ZeitungSstelle Donnerstag abend ein, so daß jeder Abonnent innerhalb Deutschlands spätestens Samstag in den Besitz der Zeitung gelangen muß Sollte' uT der" Zustellung"des" Blattes 'eine'Berspäümg Vorkommen oder eine Nummer gänzlich ausbleiben, so bitten wir dringend» bei dem Postamte am Wohnort deS Abonnenten reklamieren zu wollen.»DaS betreffende Postamt ist verpflichtet, unverzüglich von dem hiefigen Postzeitungsamt Nachlieferung der fehlenden Nummer zu verlangen. Erfolgt jedoch auf diese Beschwerde hin» keine Remedur. so bitten wir, .erst dann uns entsprechende Mitteilung zu machen. Nur Abonnenten, die unsere Zeitung unter Streifband zugestellt erhalten, wollen direkt bei unS Reklamationen einreichen. Verlag des Israelit, ß. m. b. H. Frankfurt a. Bf., Hansahaus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.